Ledergesicht nennen die Leute im Dorf sie hinter ihrem Rücken. Manchmal auch direkt ins Gesicht. Was soll man auch von einem Mädchen halten, das so anders aussieht und dessen Vater verrückt genug ist, tagelang im Wald zu verschwinden und den Hof zu vernachlässigen? Doch als die Felder am Waldrand von Stinkfäule befallen werden und die Ernte verdirbt, ist Nalia die Einzige, die Bauer Denzels Meinung nicht teilt. Er denkt, der Wald ist schuld, dass die Stinkfäule sich ausbreitet, und will ihn abbrennen. Nalia verzweifelt fast. Kann denn Denzel nicht erkennen, dass der Wald das Dorf schützt? An dem Tag, an dem die Brandrodung erfolgen soll, verschwindet ihr Vater wieder einmal im Wald. Wenn Nalia ihn vor dem Feuer retten will, muss sie dorthin gehen, wohin niemand aus dem Dorf sich je getraut in das unheimliche Eichendunkel.
Da es ein Prequel zu den beiden Schattenthron-Bänden ist, aber 1000 Jahre vorher spielt, kann man es auch gut ohne Vorwissen lesen (die Bände sind bei mir auch schon so lange her, dass ich mich nur dunkel daran erinnern konnte). Die Länge war für mich nicht ideal, kürzer als ein normaler Roman, aber länger als eine Kurzgeschichte. Man könnte es also wahrscheinlich als Novelle bezeichnen, aber dadurch fiel es mir auch schwer mit den Figuren wirklich warm zu werden. Ich persönlich brauche immer etwas länger um mit Personen mitfühlen zu können, deshalb konnte mich die Geschichte leider emotional nicht so erreichen wie die beiden Schattenthron-Bände. Aber ich fand es trotzdem schön noch mal was aus der Welt zu lesen.
Nalia lebt mit ihrem Vater allein auf einem kleinen Hof, seit ihre Mutter vor einem Jahr gestorben ist. Ihr Vater zieht sich seitdem immer mehr zurück und verschwindet für Tage im Wald. Nalia kümmert sich allein um den kleinen Hof und die Ziegen.
Doch dann werden Felder nahe des Waldes von der Stinkfäule befallen. Und Denzel, der Großbauer des Dorfes, ist fest davon überzeugt, dass die Krankheit aus dem Wald kommt. Nalias Vater versucht sein bestes, um die Dörfler aufzuhalten, doch die folgen Denzels Plan: der Wald soll abgebrannt werden.
Nalias Vater flieht in den Wald, und Nalia folgt ihm, um ihn zu retten vor dem Feuer und der Gefahr, die sich der Legende nach tief im Wald verbirgt. Im Eichendunkel. Was Vater und Tochter dort aber erfahren stellt ihre ganze Welt auf den Kopf ...
Mit diesem Band beschreibt Diem die Vorgeschichte zu ihren "Schattenthron"-Bänden. Das Land ist anders, viel mehr von Wald bestanden und nur wenige Dörfer haben sich dort gebildet. Die Menschen sind noch abhängig von dem, was sie im Wald finden, ebenso wie von dem, was sie selbst anbauen.
Die Geschichte ist spannend erzählt und der Band beinahe zu dünn. Man möchte mehr erfahren, diese Welt entdecken und wie sie vor tausend Jahren gewesen ist. Doch Diem konzentriert sich auf ihre Geschichte. Andere Orte werden nur am Rande erwähnt. Es kommt ihr einfach auf die Hintergründe an: Wie sind die Wandler entstanden? Und, haben Wandler schon immer über Elementarmagie verfügt?
Diese Antworten finden sich in diesem Band, und noch mehr. Endlich begreift der Leser, was es mit der Verderbtnis auf sich hat, die gerade in Band II des Schattenthrons eine so große Rolle spielt. Es ist mehr als nur Magie, die die Wandler dazu bringt, sich in Tiere zu verwandeln. Und beinahe tut mir das kleine Eichhörnchen leid, dass sein Leben gegeben hat, damit Nalia ihr Dorf retten kann - und mehr.
Im Eichendunkel erfahren Vater und Tochter die Geberin und ihre Macht. Die beiden verstehen nicht sofort, doch Nalia begreift schließlich, ehe es zu spät ist, was diese ihnen mit auf den Weg gegeben hat. Nun ist es an ihnen, den Menschen die Geberin näherzubringen und damit deren Macht zu stärken.
Das ganze erinnert stark an verschiedene Wundertaten, wie sie in der Bibel oder in den Veden oder in den Lehren Buddhas erwähnt werden. Der Leser ist dabei, wie eine Religion gegründet wird. Und dieses Mal gibt es handfeste Beweise in den beiden Wandlern und deren Können. Dabei weicht Diem nicht zu sehr von dem märchenhaften Setting in Schattenthron ab.
Ein schmaler Band, der schnell gelesen ist, doch mit tiefen Bezügen und einer Dichte, die den Leser nachdenklich zurücklassen. Was hat man da gerade gelesen? War es einfach nur eine kleine Fantasy-Geschichte oder war es doch mehr?
Nachdem ich Band 2 der Schattenthron-Dilogie von Angelika Diem damals sehr mochte, war ich gespannt auf das Prequel Eichendunkel. Es spielt über 1000 Jahre vor den Ereignissen der Dilogie und lässt einen tief in die Ursprünge der Welt eintauchen.
Die Atmosphäre ist geheimnisvoll – das hat mir gut gefallen. Nalia, die Protagonistin, ist eine interessante Figur. Sie wird von den anderen im Dorf nicht gerade hochgeschätzt, und die Bewohner nennen sie spöttisch „Ledergesicht“. Ihr Vater ist ein geheimnisvoller Mann, der immer wieder im Wald verschwindet und in den dunklen, gefährlichen Eichendunkel geht. Flyn möchte eigentlich nur in die Welt hinausreisen, als Barde sein Leben genießen und frei sein. Doch sein Vater hat andere Pläne – er soll eine Verlobung eingehen und den Hof übernehmen.
Die Handlung ist gut erzählt, und es gab einige wirklich interessante Wendungen. Das Setting, die Welt und die Grundidee haben mir insgesamt gut gefallen. Eichendunkel war für mich eine schöne Kurzgeschichte, die mich gut unterhalten hat, auch wenn sie mich nicht ganz so sehr begeistern konnte wie die Hauptreihe.
Ich danke Angelika Diem von Herzen für das Rezensionsexemplar! 💛 3,5/5
Dieses Buch erzählt die Vorgeschichte zu Schattenthron. Darin wird Nalias Dorf von einer Pflanzenkrankheit namens Stinkfäule geplagt. Einer der Dorfbewohner will den Wald roden, doch Nadias Vater ist dagegen, seine Träume sagen ihm, dass die Stinkfäule aus dem Boden kommt, wo zuvor die Bäume standen, da sie diese irgendwie aufhält. Doch niemand glaubt ihm, da er sowieso für verrückt gehalten wird, da er außerdem tagelang in einem Teil des Waldes verschwindet, welcher Eichendunkel genannt wird, wo jegliches Zeitgefühl verloren geht.
Dieses Buch ist sehr spannend geschrieben; ich habe es in einem durchgelesen. Die Geschichte hat mich wirklich gefesselt. Der Schreibstil hat perfekt zum Inhalt gepasst und erzeugte eine bedrohliche Atmosphäre. Nalia fand ich von Anfang an sympatisch und ich habe wirklich mit ihr mitgefiebert. Sehr interessant fand ich es, mehr über die Hintergründe der Welt zu erfahren.
Ich habe ein kostenloses Rezensionsexemplar erhalten.
Mit Eichendunkel schenkt uns Angelika Diem eine atmosphärische und zugleich berührende Vorgeschichte zu den Schattenthron-Bänden. Schon auf den ersten Seiten spürt man die Spannung zwischen Dorfleben, Aberglauben und der geheimnisvollen Kraft des Waldes.
Die Hauptfigur Nalia ist eine Außenseiterin, verspottet als „Ledergesicht“ und geprägt vom seltsamen Verhalten ihres Vaters, der sich immer wieder in den Wald zurückzieht. Gerade diese Ausgrenzung macht sie zu einer Figur, mit der man tief mitfühlen kann: verletzlich, aber zugleich voller innerer Stärke. Als die Felder von der bedrohlichen Stinkfäule befallen werden und die Dorfbewohner den Wald als Feind betrachten, ist es ausgerechnet Nalia, die erkennt, dass nicht Zerstörung, sondern Verständnis und Mut den Weg zur Rettung weisen