Das Jahr 2075: Die radikale Gleichheitsbewegung "Movement for Optical Justice" (MOVE) wendet sich gegen die ungleiche Verteilung von Schönheit. Attraktive Frauen genössen angeblich unverdiente Privilegien im Berufs- wie im Privatleben. "Schönheit ist ungerecht." Die Bewegung gewinnt immer mehr Einfluss. Stück für Stück verwandelt sich die Demokratie in eine Gleichheitsdiktatur. Es beginnt mit höheren Steuern und beruflichen Nachteilen für Schöne. Aber schließlich setzt sich der radikale Flügel der Bewegung "über-schöne" Frauen, bezeichnet als "Privileged Beauty", müssen sich einem chirurgischen Eingriff ("Optical Optimization Therapy") unterziehen, der sie weniger attraktiv macht. Das führt zu individuellen Dramen und Verzweiflung, aber auch zu einer entschiedenen Gegenwehr. Die Studentin Alexa, die Angst um ihre Schwester Alica hat und der Journalist Riven leisten Widerstand gegen die Etablierung der Diktatur. Eine ebenso spannende wie aktuelle Abrechnung mit dem Gleichheitswahn, der in der Tradition steht von Romanen wie "1984" und "Brave New World". Und zugleich ein nervenaufreibender Thriller über Neid, die dunkle Seite der Schönheit und die Gefahren einer Gesellschaft, die Ungleichheit als Verbrechen begreift.
"Das hier ist keine Geschichte aus der fernen vergangenen Zeiten, sondern aus dem Hier und Heute."
Wenn Rainer Zitelmann nachts nicht schlafen kann, dann ist das natürlich nicht wegen der Klimakatastrophe. Es ist nicht wegen dem wachsenden Wohnungsmangel. Der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich. Oder dem Sterben der Bienen. Oder wegen einer Bildungskrise. Nicht wegen Flüchtlingskrisen. Nicht wegen Hunger. Oder Krieg. Nein, Zitelmann macht sich Sorgen vor den wahren Gefahren: Die Diskriminierung von Reichen und Schönen.
In "2075: Wenn Schönheit zum Verbrechen wird", fantasiert sich Zitelmann eine dystopische Zukunft zusammen, in der eine Bewegung an die Macht kommt, die gegen die unverdienten Privilegien von schönen Menschen agiert. Opportunistische Politiker und Unternehmen springen natürlich auf den Trend auf. Die Ideologie übernimmt die Macht, Frauen bekommen Schönheitswerte zugewiesen, es werden Quoten und Schönheits-Pay-Gap-Ausgleiche etabliert. Und sollte eine Frau zu hübsch sein, soll sie gleich zwangsweise entstellt werden. Und natürlich ist diese Bewegung eng verknüpft mit antikapitalistischen Bewegungen, die selbstverständlich nicht vor Anschlägen, Vergewaltigung und Missbrauch zurückschrecken. Währenddessen versuchen die Reichen und Schönen auf den Mars zu fliehen, wo sie der staatlichen Kontrolle entkommen erfolgreich Kolonien gründen.
Dieser Roman ist natürlich nur eine primitive Abrechnung mit allen möglichen Social-Justice-Bewegungen. Frei nach dem Motto, wer heute den Gender-Gap spricht, der wird morgen schon Frauen verstümmeln. Als gäbe es keine sinnvolle Kritik an einigen Auswüchsen der Bewegungen. (Z. B. Elitarismus, falsche Prioritäten, wenig Produktivität ...)
So flach wie das Niveau ist hier auch die Spannungskurve des Romans und die Tiefe der Charaktere. Spannung tauchte nie auf. Selbst ein Fluchtversuch ist innerhalb von wenigen Seiten abgefrühstückt. Die Beziehungsprobleme sind völlig belanglos. Die Entwicklung der Protagonistin zur Anführerin einer Gegenbewegung findet mehr wie eine Wiki-Auflistung statt denn als glaubwürdige Charakterentwicklung. Stellenweise hatte ich auch das Gefühl, dass zu sehr die Hilfe von Chat-GPT und co. genutzt wurde um den Text glattzubügeln, aber das Gefühl wird wahrscheinlich zukünftig bei allen neuen schlechten Romanen schnell vorhanden sein.
Am Ende gibt es natürlich noch ein Plädoyer, wie unsere Zukunft eigentlich aussehen sollte:
"Wir müssen Lehren aus dem ziehen, was geschehen ist. Wir müssen erkennen, dass Freiheit wichtiger ist als Gleichheit." "Unser Land wurde über Jahrzehnte von der Gleichheitsideologie vergiftet. Wir wollen die frische Luft der Freiheit atmen, unsere Pioniere auf dem Mars, in den freien Städten, haben uns gezeigt, wie wir uns als freie Menschen organisieren können. Mit einem Minimalstaat, der aufhört, sich in das Leben der Bürger einzumischen und sich darauf beschränkt, die Rechtsstaatlichkeit zu bewahren."
Das ist die wahre Dystopie, vor der ich Angst habe. Wo der Staat nur noch existiert, um Kapitalanhäufung zu schützen und alle denkbaren ausbeuterischen Verträge durchzusetzen.
2075 - Wenn Schönheit zum Verbrechen wird von Rainer Zitelmann / Rezension
„Nur weil jemand anderes sie für schön hält, hälst du sie hoffentlich nicht für dumm. Du hast keine verdammten Vorurteile, hoffe ich?“
Dieses Buch war crazy und da man doch recht oft gefragt wird, ob man eine Dystopie empfehlen kann, hier bitte schön. Es ist eine ungewöhnliche Dystopie, die mir definitiv gefallen hat:
Wir befinden uns in einer Zukunft, in der die radikale Gruppierung MOVE (Movement for optical justice) gegen die ungerechte Verteilung von Schönheit vorgeht. Im Gespräch sind zunächst Steuererhöhungen für übermäßig attraktive Frauen, aber als die ersten Teenager sogenannter „optical optimization therapy“ unterzogen werden, erwacht Widerstand!
Ich habe das Buch sehr gern gelesen und ich finde, es braucht auch viel mehr Aufmerksamkeit! Der Schreibstil war sehr gut und einnehmend. In der Mitte hatte ich kurz den Faden verloren, weil der Autor sich sehr stark mit den ganzen politischen Elementen auseinandergesetzt hat. Als der rote Faden wieder da war, konnte ich das Buch gut auslesen.
Sehr spannend fand ich, dass in dieser Welt, wir Menschen bereits zum Vergnügen zum Mond und wenn ich es richtig verstanden habe auch zum Mars fliegen können. Die Protagonisten verbringen z.B. einen Nachmittag auf „Luna“ und benutzen Raumschiffe wie wir die U-Bahn 😅. Auch war interessant, dass man auch komplett auf den Mars auswandern kann. Der Mars gilt als sehr tolerant, so dass dort die sogenannten PB („privileged beauty“) „sicher“ wären.
Ich hoffe, ich konnte Euch etwas neugierig machen auf dieses schöne Buch!
Ich dachte, ich gebe dem eine Chance, weil es auf BookTok empfohlen wurde mit den Worten "es bleibt im Kopf". Naja. Es bleibt definitiv als Lowlight des Jahres in meinem Kopf, weil die grundlegende Prämisse für dieses Buch kurz gesagt bescheuert ist. Und noch dazu frauenfeindlich.
Die Umsetzung ist dennoch sehr gelungen, der Autor hat einen guten Spannungsbogen kreiert, der die Eskalation von Gruppierungen gut beschreibt. Die Charaktere waren alle sehr flach, aber hat mich jetzt nicht so sehr gestört, weil der Schreibstil in einem sehr neutralen Ton gehalten wurde, was die Aussage des Buches meiner Meinung nach verstärkt hat.
Wen Bücher in die Richtung interessieren – lest besser Parts Per Million: Gewalt ist eine Option von Theresa Hannig.