Adam Ingliz hat einen Traum, ein einziges Professor für Sprachwissenschaften in Oxford zu werden. Er verlässt den Sudan und durchquert Europa auf dem ›Ameisenweg‹, der ihn über Graz in den ›Dschungel‹ von Calais führt. Dort harren Tausende in Zelten aus, um in einem Schlauchboot oder unter einem Lastwagen den Ärmelkanal zu überqueren. Er aber beschließt, sich einen Heißluftballon zu besorgen – um zu fliegen wie die Raben, denen er sich mehr und mehr zuwendet.
›Der Rabe, der mich liebte‹ ist ein Roman über Flucht, Entscheidungen, die man trifft, und über die Liebe in all ihren Facetten. Mit Humor und Empathie für seine Figuren kreiert Abdelaziz Baraka Sakin mehrstimmig die Lebensgeschichte eines Migranten, der unverrückbar an seinem Traum festhält. Eines zum Scheitern Verurteilten, dessen Tragik für viele steht. Und dessen Geschichte durch die Erzählungen seiner Freunde so fantastisch erscheint wie E. A. Poes Rabe, der spätnachts an die Türe klopft.
Abdelaziz Baraka Sakin / عبد العزيز بركة ساكن (Arabic listing) is one of the most prominent writers from Sudan today. He was born in Kassala, eastern Sudan, in 1963 and lived in Khashm el-Girba until he was forced into exile abroad by the Islamist regime in Khartoum. Although most of his works are banned in his home country his books are secretly traded and circulated online among Sudanese readers of all generations.
„Tauben stammen von Raben ab. Aber die Tauben lieben die Sanftmut und die Unterwürfigkeit, während die Raben die Rebellion und die Weisheit lieben, weil sie klüger sind und einen reineren Geist haben.“ (Zitat Seite 17, 18)
Inhalt Der Sudanese Ahmad Al-Nur, genannt Nuri, hatte an der Universität in Khartum Maschinenbau studiert, doch in Europa werden seine Zeugnisse nicht anerkannt. Als sein Asylantrag in Paris angenommen wird, macht er sich als Schrotthändler selbstständig und seine Geschäftsreisen führen ihn durch ganz Europa. Adam Inglitz dagegen, Nuris bester Freund aus Jugendtagen, mit dem er gemeinsam die Fluchtwege quer durch Europa bis nach Calais gemeistert hatte, will nur eines, heimlich nach Großbritannien übersetzen, an der Universität Oxford studieren und anschließend dort Universitätsprofessor werden. Ihre Wege trennen sich. Nun trifft Al-Nur auf einer Dienstreise in Graz ein und sieht dort auf dem Hauptbahnhof zufällig seinen Freund Adam Inglitz nach zwei Jahren wieder, dünn, sichtbar gealtert, bettelnd. Adam scheint ihn nicht wiederzuerkennen und läuft weg. Nuri versucht, seinen Freund zu finden.
Thema und Genre In diesem Roman geht es um Flucht, das Leben der Migranten im Untergrund, um Fluchtrouten, Schleuser, Asylgesetze, die Dublin-Verordnung, aber auch um Zusammenhalt und Freundschaft. Im Mittelpunkt stehen die Menschen mit ihren Träumen, Hoffnungen, mutigen Entscheidungen, aber auch Entbehrungen und Verzweiflung.
Erzählform und Sprache Zu Beginn der Geschichte schildert Al-Nur als Ich-Erzähler das Wiedersehen mit Adam Inglitz, ergänzt durch viele Erinnerungen an die gemeinsame Zeit im heimatlichen Dorf und am Gymnasium. Er erinnert sich an prägende Episoden auf ihrer Fluchtroute, die Gefahren und die erste Zeit in Europa. Die Ich-Perspektive bleibt, doch es sind nun unterschiedliche Personen, die jeweils ihren Teil der Geschichte, ihre eigenen Erinnerungen und persönlichen Erlebnisse mit Adam Inglitz erzählen, in denen auch die Liebe einen Platz hat. So ergibt sich ein eindrückliches, vielschichtiges Gesamtbild, ein besonderer Blick auf einen besonderen Menschen, geschrieben in einer präzise beobachtenden und gleichzeitig sehr poetischen Sprache.
Fazit Eine einfühlsame Geschichte über die harte Realität der Migration und des illegalen Lebens ohne Aufenthaltsstatus, aber auch über Hoffnungen, Träume, Freundschaft und Liebe. „Ohne ihn hätte der Dschungel mich umgebracht, die Hoffnungslosigkeit des Dschungels, seine salzige Luft und seine giftigen Winde.“ (Zitat Seite 131)
Très joli livre. Vraiment profond avec un message fort. Juste l’écriture qui m’a pertubée au début et j’ai eu du mal à savoir qui racontait l’histoire de temps en temps, mais sinon très beau livre !
Imaginen emigrar de Africa con tu hermano, sorteando los peligros que acompañan los pasajes de inmigrantes en Europa, por asares del destino pierdes contacto con tu hermano, muchos años transcurren. Luego en un viaje de trabajo, en una ciudad de un país lejano, por coincidencia te topas con un indigente que tu reconoces al ver en sus ojos esa mirada tan cercana e intima que une los lazos de sangre, en cambio tu hermano, el desdichado, no te reconoce, pues las drogas y la enfermedad mental se han instalado definitivamente en su conciencia.
De súbito, la culpa y el arrepentimiento nos golpean con inclemencia, removiendo viejos recuerdos de un pasado que se suponía que era eso, pasado. El remordimiento busca imperativamente la redención del cuerpo que habita, así, su hermano busca conocer y descubrir ese lapso de ausencia, esa laguna de vivencias con su querido hermano, pero ¿cómo reconstruir la memoria de un ser que ya no está? La respuesta de Abdelaziz es contundente, a través de los otros, de aquellos que en algún momento respiraron el mismo aire y el mismo cielo de aquel ausente, es lo único que queda...