Wie sich Autokratien im 21. Jahrhundert neu erfunden die Krise der liberalen Demokratien und das neue Zeitalter der Populisten
China, Ungarn oder die Weltweit befinden sich populistische Parteien im Aufschwung – oder autokratische Regime präsentieren sich als das leistungs- und zukunftsfähigere Staatsmodell. Wie ist es den modernen Diktatoren gelungen, sich in so vielen Ländern die Macht zu sichern und eine konkurrenzfähige Wirtschaft aufzubauen – obwohl es doch eine gesicherte Erkenntnis der Ökonomie zu sein schien, dass Innovation und Fortschritt nur in einer freiheitlichen Gesellschaft gedeihen können? Welche Kräfte lähmen die liberalen Demokratien, und wie könnten sie im weltweiten Wettlauf wieder an Boden gewinnen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des vorliegenden Buches, in dem SPIEGEL-Journalist und Wirtschaftsexperte Michael Sauga eine Nahaufnahme der modernen Alleinherrschaften ihres Aufstiegs, ihrer Strukturen und Strategien, ihrer Probleme und ihres möglichen Falls. Seine Analyse korrigiert lang gehegte Annahmen über die Entstehung und Beharrungskräfte autokratischer Systeme und ist ein dringender Aufruf, auf die autokratische Herausforderung zu reagieren – und zwar auch mit einer ökonomischen Antwort.
Bevor ich das Buch gelesen habe, dachte ich Autokraten sind einfach Arschlöcher. Jetzt weiß ich, dass sie geniale Arschlöcher sind.
Wie sie das Chaos, zum Beispiel eine Wirtschafts- oder Migrationskrise, ausnutzen um die Emotionen der Gesellschaft zu kanalisieren. („Chaos is a ladder.“ (Ja, ich habe hier wirklich ein Game of Thrones Zitat eingebaut:))) Wie sie in den ersten Jahren ihrer Herrschaft durch wirtschaftliche Reformen einen Aufschwung erzeugen und gleichzeitig durch Vetternwirtschaft und das Aufbauen/Ausnutzen mafiöser Strukturen ihre eigenen Taschen füllen. Wie sie durch Propaganda und Scheinwahlen das Volk in dem Glauben lassen, so etwas wie demokratische Institutionen existierten. Wie sie gegen die Eliten hetzen um das Vertrauen des Volkes zu gewinnen, gleichzeitig in ihrer Regierungszeit Politik für die Eliten machen und das geschaffene Feindbild aufrechterhalten können. Wie sie die Demokratie mit ihrer eigenen Waffe schlagen in dem sie Verfassungsänderungen mit Ausnahmesituationen und Notständen begründen. Wie sie Machtkonzentration erschaffen, indem sie Feinde und Kritiker unterdrücken, durch eine unterwanderte Justiz und kontrollierte Staatsgewalt. Wie sie den Geldfluss kontrollieren, indem sie ausländische Investoren durch wahllose Gesetzesänderungen abschrecken oder durch lukrative Steuerabgaben anziehen, je nachdem, was in der aktuellen Lage eher von Nöten ist.
Und wenn das Volk langsam dahinter kommt, dass die Person, die Ihnen Freiheit, Wohlstand und Glück versprochen hat, die ganze Zeit nur ihre eigenen Ziele verfolgt hat und es nur benutzt wurde, dann werden sie eben einfach extremer in ihrer Repression oder lenken von innenpolitischen Konflikten ab, indem außenpolitische Spannungen erzeugt werden.
Das Buch ist wirklich ein Must Read, vor allem weil es aktuell so relevant ist.
Ich musste einen Stern abziehen, weil der Autor doch tatsächlich schrieb, dass wir den Kapitalismus unter Kontrolle gebracht haben. Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass die Tech Konzerne des Silicon Valley eine Monopolstellung besitzen und der politische Kapitalismus in China Wettbewerbsfähigkeit untergräbt. Auch die sich in einem Teufelskreis befindende riesige Staatsverschuldung, erwähnt er. Das klingt für mich widersprüchlich.