Der »Töten Sie Gott!« Die ein Mann namens Simon, der scheinbar Wunder bewirken kann. Aber kann er auch sich selbst retten?
Als eines Tages ein Mann ins Licht der Öffentlichkeit tritt und behauptet, die Menschheit zu erlösen, weiß niemand, wie damit umzugehen ist. Als er sogar echte Wunder zu vollbringen scheint, geraten die Regierungen und Religionen der Welt in Panik. Ist es der Messias? Woher kommt dieser Mann, der sich Simon nennt? Währenddessen steht Nathan, ein Auftragskiller, kurz vor dem Ruhestand. Bis er von einem mächtigen Konsortium einen geradezu unglaublichen Auftrag erhä Töten Sie Gott! Doch das ist leichter gesagt als getan …
Andreas Brandhorst hat mitgeteilt, dass er aus gesundheitlichen Gründen keine Romane mehr schreiben will, dies ist wahrscheinlich einer seiner letzten SF-Romane, der wie viele seiner Romane, ein rasanter und handwerklich guter Pageturner ist, der mir jedoch in stilistischer und inhaltlicher Hinsicht zu polarisierend wirkt. Es geht um einen Mann namens Simon, der plötzlich auftaucht, Menschen von unheilbaren Krankheiten heilt und von der Bevölkerung als neuer Heilsbringer verehrt wird. Regierungen und Kirchen sehen in Simon eine Bedrohung für die bestehende Weltordnung, auch deshalb wird der Profikiller Nathan angeheuert, um das Unmögliche zu tun: Er soll den „Sohn Gottes“ eliminieren („Töten Sie Gott!“). Während Nathan Simon jagt, stellt sich die Frage, ob Simon ein echter Messias, ein Schwindler oder ein Produkt hochmoderner Technologie ist. Nathan ist ein desillusionierter Profikiller, der eigentlich seinen Ruhestand plante, als jedoch sein letzter Auftrag schief geht– er wird verraten und steht plötzlich selbst auf der Abschussliste . Ein mächtiges Konsortium zwingt ihn daraufhin zu dem Auftrag, den „Messias“ auszuschalten, daraufhin folgt er Simon quer durch die Welt (u. a. Gibraltar, Paris, Brüssel), was dem Buch den Flair eines Agententhrillers verleiht. Trotz seiner Fähigkeiten als Killer muss Nathan erkennen, dass er gegen Simons Macht kaum etwas ausrichten kann. Er wird in diesem kosmischen Spiel eher zum reagierenden Statisten. Als dritte Hauptfigur der Romans spielt der 70-jährige Astrophysiker Jayden Chapman eine Schlüsselrolle, da er die Brücke zwischen wissenschaftlicher Analyse und der unbegreiflichen Realität Simons schlägt. Jayden ist ein Idealist, der schon als Kind von der Begegnung mit außerirdischem Leben geträumt hat . Er leitet die Forschungsstation des ELT (Extremely Large Telescope) in der chilenischen Atacama-Wüste und er ist der Erste, der Simon wissenschaftlich erfasst. Jayden entdeckt eine elektromagnetische Anomalie und mysteriöse Lichterscheinungen, die schließlich zu einem Gebilde am Copernicus-Krater auf dem Mond führen. Während Kirchen und Regierungen in Panik verfallen, versucht Jayden, Simons Absichten rational zu ergründen. Er stellt Simon die zentralen Fragen: „Wer sind Sie? Warum sind Sie zu uns gekommen? Was wollen Sie?“ Hinter den „Wundern“ (wie der Heilung Kranker oder der Auferweckung von Toten) steht laut Jaydens Erkenntnissen keine Magie, sondern eine Entität aus den fernen Regionen des Alls, die sich materialisiert, also ein etwas "schräger" Erstkontakt Am Ende stellt sich heraus, dass Simon tatsächlich eine Art kosmischer Beobachter oder Teil einer kollektiven, technologisch-spirituellen Intelligenz ist. Sein Erscheinen war ein Test für die moralische Reife der Menschheit, die nur bedingt bestanden wird... Über sein literarisches Sprachrohr Simon, gibt Brandhorst seine Sichtweise auf diverse philosophische, wie religiöse Fragen bezüglich Weltanschauung, Ethik, Ökonomie, Wissenschaft, Glauben und Manipulation wieder. Eine Art neue Weltreligion entsteht, die sich "Revelation" nennt und weltweit ganze Anhängerscharen rekrutiert. Auch wenn Simons Weisheiten ein esoterischer Touch innewohnt (wie sollte es bei Brandhorst anders sein :=), besitzt die fesselnde und aufwühlende Story zu "Messias" eine adäquate geistige Tiefe. Mir hat es gefallen, wenn ich auch die Texte Brandhorsts meist als "zu esoterisch" empfinde, wenn man aber darüber hinwegsehen kann, ist es durchaus ein Lesevergnügen...
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Gutes Buch mit schönem Humor und Sarkasmus. Manche Stellen waren etwas überflüssig und haben nur schon Bekanntes wiederholt aber an sich eine spannende Geschichte.
Ein Mann namens Simon tritt ins Licht der Öffentlichkeit — und vollbringt tatsächlich Wunder. Kranke werden geheilt. Naturgesetze scheinen außer Kraft gesetzt. Regierungen geraten in Panik, Religionen in Aufruhr. Ist er ein Scharlatan, ein Alien, oder tatsächlich der Messias? Parallel dazu steht Nathan, ein Auftragskiller, kurz vor dem Ruhestand — bis er den Auftrag erhält, der alles verändert: "Töten Sie Gott."
Das Konzept ist bestechend. Brandhorst erzählt keinen klassischen Erstkontakt-Roman, sondern eine Geschichte über das, was passiert, wenn etwas Unkontrollierbares in eine Welt eindringt, die alles kontrollieren will — und wie Institutionen, Mächtige und Einzelpersonen darauf reagieren. Der Blick hinter die Kulissen der Macht, auf das geheimnisvoll im Halbdunkel bleibende Konsortium, ist dabei einer der stärksten Einfälle, auch wenn dieser Strang etwas mehr Tiefe vertragen hätte.
Die Schwächen des Buches sind ehrlich zu benennen: Die Figuren bleiben oft zu schemenhaft, um wirklich zu berühren, und die Handlungslogik hält an manchen Stellen einer genauen Betrachtung nicht ganz stand. Beides stört, ohne zu zerstören.
Was den Roman trägt, ist die Bereitschaft zu großen Fragen — und ein Ende, das mutig genug ist, sie nicht restlos aufzulösen. Für manche wird das unbefriedigend sein. Ich fand es treffend: Manche Fragen verdienen keine saubere Antwort.
Messias von Andreas Brandhorst ist kein monumentales Weltraumepos, kein techniktriefender Zukunftsentwurf von der Sorte, mit der der Autor einst seine Leserschaft elektrisierte. Stattdessen legt er einen First-Contact-Roman vor, der die metaphysische Frage nach Gott, Macht und Manipulation in die unmittelbare Gegenwart zerrt. Ein übermächtiges, offenbar außerirdisches Wesen erscheint auf der Erde, demonstriert Fähigkeiten, die jedes physikalische Gesetz verhöhnen, und beginnt, die Menschheit wie ein Versuchslabor zu behandeln. Regierungen geraten in Panik, Religionsgemeinschaften in Verzückung oder Abwehr, Geheimdienste wittern Bedrohung. Mitten im globalen Taumel agieren mehrere Figuren, unter ihnen der professionelle Killer Nathan, der in dieses kosmische Schachspiel hineingezogen wird.
Man kann diesem Roman eines nicht absprechen: Er entwickelt eine beträchtliche Sogwirkung. Ich habe ihn an einem Tag gelesen, weniger aus Begeisterung als aus einer eigentümlichen Hoffnung heraus, der Autor möge im letzten Drittel doch noch die narrative Kurve kriegen. Brandhorst beherrscht das Handwerk, er weiß, wie man Szenen taktet, Perspektiven wechselt, Spannungsschrauben anzieht. Doch Technik ersetzt keine Dramaturgie. Wenn ein Wesen mit quasi göttlicher Allmacht die Bühne betritt, schrumpfen menschliche Protagonisten zu Statisten. Genau das geschieht hier. Es gibt zu keinem Zeitpunkt eine reale Möglichkeit, dass die handelnden Figuren Einfluss auf den Ausgang nehmen könnten. Sie reagieren, sie fliehen, sie zweifeln, aber sie gestalten nicht. Das Resultat ist eine Geschichte, die im Grunde auch ohne ihre Beteiligung exakt gleich verlaufen wäre.
Am interessantesten gerät noch der Handlungsstrang um Nathan. Wann immer Brandhorst den Fokus auf den Profi-Killer legt, gewinnt der Text an Kontur. Hier blitzt ein Gespür für kühle Präzision und psychologische Zuspitzung auf. Doch gerade dieser Strang macht schmerzlich bewusst, wie viel stärker eine konsequent auf solche Figuren konzentrierte Erzählung hätte sein können. Wer literarisch wirklich erfahren möchte, wie man einen Auftragsmörder mit Stil und erzählerischer Disziplin in Szene setzt, dem sei die Victor-Reihe von Tom Wood ans Herz gelegt. Dort herrscht eine sprachliche und strukturelle Stringenz, die hier nur in Ansätzen aufscheint.
Die Idee, die Reaktionen der Weltreligionen auf ein scheinbar göttliches Wesen durchzuspielen, besitzt durchaus satirisches und philosophisches Potenzial. Einige Passagen sind sogar von feiner Ironie durchzogen. Doch diese Einfälle bleiben Skizzen. Statt einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Glauben, Macht und Anthropozentrismus erhält man eine Abfolge von Demonstrationen übernatürlicher Überlegenheit. Und wenn eine Handlung konsequent darauf hinausläuft, dass menschliche Akteure chancenlos sind, bleibt als Schlussstein fast zwangsläufig der deus ex machina. Der Roman endet entsprechend nicht mit einer erkämpften Lösung, sondern mit einer erzählerischen Notbremse.
Brandhorst kann große Räume denken, das hat er mehrfach bewiesen. Hier jedoch wirkt die Fallhöhe zwischen Anspruch und Ausführung besonders schmerzhaft. Ein First-Contact-Szenario, das die existenziellen Grundfesten der Menschheit erschüttern will, darf seine Figuren nicht zu bloßen Statthaltern degradieren. Für mich bleibt „Messias“ deshalb ein enttäuschender Roman: handwerklich routiniert, konzeptionell ambitioniert, dramaturgisch jedoch unausgewogen – und am Ende erstaunlich kraftlos für eine Geschichte über ein Wesen mit gottgleichen Kräften.