„Das Kind schläft. Mehr als sieben Mal hat sie sich seinen Tod gewünscht, und immer hat sie bei diesem Gedanken geweint. Viel öfter hat sie sich ihren eigenen Tod gewünscht, dabei hat sie nicht geweint.“ S. 12
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Die Kranführerin Tina ist am glücklichsten, wenn sie dort oben sitzt und „nach den Wolken greift“. Ende der 1970er Jahre, in der DDR, verliebt sie sich in den Musiker Mischa. Doch irgendwann lässt Mischa Tina und ihr gemeinsames Kind im Osten zurück - und die beiden sind auf sich allein gestellt. Jahre später im vereinigten Deutschland hat die Schriftstellerin Katja ganz ähnliche Probleme: Auch sie steht nach der Geburt ihres Babys allein da, der Kindsvater entzieht sich seiner Verantwortung.
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Teil Fließtext in zwei Zeitebenen bzw. POVs, Teil Briefroman; in seiner Vollständigkeit ist „Die geteilte Schuld“ ein sehr gelungener Roman, der auf vielen Ebenen von Schuld und Verlassenwerden berichtet. Ich habe ihn fast an einem Stück gelesen und sehr gemocht, weil er durch die Parallelität der beiden Schicksale zeigt, dass sich für Frauen eben doch noch nicht so viel geändert hat, wie man meinen könnte.
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Was kann eine Mutter tun, wenn sich der Kindsvater aus dem Staub macht? Wie kann sie als Alleinerziehende für ein Kind sorgen? Wie viel muss sie von sich aufgeben, um weiter existieren zu können?
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Yvonne Zitzmann gelingt es hervorragend, die Verzweiflung und Ausweglosigkeit dieser Mütter darzustellen. Sie werden sehr menschlich rübergebracht, als fehlbar. Ich finde allein den Titel des Buches großartig, weil er sich auf unterschiedliche Weise interpretieren lässt.
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Von mir gibt es eine sehr große Leseempfehlung! Familie, Liebe, Zurückbleiben, Überleben - ein Roman mit vielen Facetten.
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4,25/5 ⭐️
Rezensionsexemplar | Vielen Dank @penguinbuecher 🧡