Eine chaotische Kindheit, ein leeres Elternhaus und das Wiedersehen zweier Schwestern
Zwei ungleiche Schwestern treffen sich nach Jahren in ihrem Elternhaus wieder. Sie müssen sich verkaufen oder abfackeln? Ihre Zeitreise führt sie in die Kindheit voller verwunschener Hippie-Träume und mit dem alten, orangefarbenen R4 ihrer Mutter in die Bretagne. Bei Crêpes und Cidre unterm Sternenhimmel und einer Fahrt mit dem Boot des Vaters, die anderes endet, als geplant, werden sie von den Gesetzen ihrer chaotischen Familie eingeholt. - Ein Boot und ein Tisch, ein Fest und seine Gäste - und selbstbemalte Manchmal ist das alles, was man braucht. Wären da nicht die großen Fragen des Kann man sich alles sagen? Und sollte man das überhaupt? Warum könnte man nicht einfach nur versuchen, glücklich zu sein?
Es passiert nicht viel. Zwei Geschwister treffen sich im Haus ihrer verstorbenen Eltern und reden, streiten, saufen. Unentwegt werden die toten Eltern kritisiert, es wird weiter gestritten und noch mehr gesoffen. Dass dabei manch wertvoller Besitz der Eltern draufgeht, ist eben Schicksal.
Mir war niemand in diesem Buch sympatisch. Sie benehmen sich kindisch und unverantwortlich. Besonders komisch fand ich die Kombination aus Biografie und Fiktion. Das Buch spielt in Luxemburg, auch in Wirklichkeit hat die Autorin in ihrer Kindheit in Luxemburg gelebt. Der fiktive Vater war Radiomoderator bei Radio Luxemburg, genau wie der Vater der Autorin. Ob die Autorin auch im Leben eine "blöde Schwester" hat, weiss ich nicht. Ich wäre nicht froh, wenn meine Schwester oder meine Tochter dieses Buch geschrieben hätte.
Toller Titel, schönes Cover. Hat mich irgendwie sofort berührt. Es geht um Millie und Flora, zwei Schwestern in ihren 60ern. Die Eltern sind beide tot, seid etwa einem knappen Jahr, und nun geht es endlich darum, das Haus auszuräumen und zu entscheiden, was damit passiert. Millie und Flora haben sich schon ewige Jahre nicht mehr gesehen; Flora, die Ältere, hat sich am Ende um die pflegebedürftigen Eltern gekümmert, Millie war abwesend. Große Zerwürfnisse gab es in dem Sinne nicht, kleinere durchaus, und man hat sich auseinander gelebt, und nun sind die beiden ungleichen Schwestern plötzlich wieder zusammen im Haus der Kindheit. Und müssen sich zusammen raufen.
Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von Flora geschrieben, und wir begleiten die beiden Schwestern bei ihrer Reise in die Vergangenheit. Bei vielen Gesprächen, die jetzt doch geführt werden. Während die beiden das Haus ausmisten, misten sie auch Erinnerungen aus, und das wird spannend – auch wenn objektiv eigentlich nicht viel passiert. Die Familie respektive die Kindheit der zwei war eher unkonventionell bis dysfunktional; die Eltern eher hippiemässig drauf, es wurde viel gefeiert, den Mädels alle Freiheiten der Welt gelassen, aber das hat auch dazu geführt, dass sie in frühen Jahren viel Verantwortung getragen haben.....und während Millie irgendwann den großen Cut gemacht hat, hat sich Flora bis zum Schluss für die Eltern verantwortlich gefühlt.
Und so arbeiten die beiden nun einiges auf, und entschließen sich, noch einmal die Orte aufzusuchen, an denen sie die Eltern noch mal richtig spüren. Mit dem alten R4 der Mutter tuckern sie in die Bretagne zum Boot ihres Vaters, mit dem sie lange Sommer auf dem Fluss herum geschippert sind …. und ich sag mal so, das ist jetzt für uns Leser der Part, wo es recht lustig wird, denn großartige Seefahrerinnen sind weder Flora noch Millie :-)
Zurück im Luxemburger Häuschen werden sie noch einmal eine Party feiern, noch einmal ein Sommerfest, so wie Féfé, die Mutter es mit ihren legendären Parties immer tat – und auch das wird noch mal spannend. Es kommen zwar nicht viele Gäste, aber auch der engste Kreis besteht aus leicht exzentrischen Persönlichkeiten, die ahnen lassen, wie exzentrisch die Kindheit der zwei Schwestern gewesen sein muss.....
Mein Leseeindruck: hat mich abgeholt. Wunderbar flüssig erzählt. Viele Dialoge, viele Familiendramen und Geschichten. Wie heißt es so schön bei Dostojewski (und das Zitat fällt irgendwo auch in diesem Buch)? Alle unglücklichen Familien sind auf ihre ganz eigene Weise unglücklich. Ja, und alle Familien haben so ihre ganz eigenen speziellen Geschichten. Und diese hier fand ich emotional mitreißend und gut erzählt. Vielleicht, weil mich selbst altersmäßig nicht soviel trennt von den beiden, und sie mir darum auch ein Stück Identifikationspotential liefern. Aber natürlich geht es auch um Geschwisterbeziehungen generell. Um Familienbeziehungen. Was hält dieses Konstrukt zusammen? Ich fand hier eine Menge kluger Gedanken und Denkanstöße, und das war verpackt in einer gut lesbaren Story mit authentischen Charakteren.
Hat mir sehr gut gefallen. Und ja: anstatt zu streiten, könnte man einfach mal versuchen, glücklich zu sein :-)