Eines der härtesten und ehrlichsten Bücher über den Holocaust, das ich kenne. Knapp und grausam und entwaffnend in der Lektüre und der Beschreibung des Judenlebens als Währungseinheit, kein Chargieren, kein moralisches Abwägen, kein Exempel, nur ganz hart dran am glückhaften Überleben in den Zeiten einer systematischen Ausrottung. Sensationell fand ich die offene Selbsteinschätzung des angeblich naiven bzw. unpolitischen Juden: Littner entspricht damit in gewisser Weise dem ungeheuerlichen Klischee, das jene Ignoranten beschwören, die eine Teilschuld bei den Opfern suchen. Und er fragt ganz einfach zurück, wieso er hätte annehmen sollen, dass Menschen, die er kannte und die ihn herzlich begrüssten und mit denen er täglich verkehrte, eigentlich willens und imstande sind, ihn töten zu lassen. Das Buch ist Pflicht für mindestens diese und die kommende Generation. Es wird immer andere Gründe und Anlässe für Tyrannei geben, was Menschen sich antun können, wenn sie dazu erzogen werden, das ist hiermit wohl abgedeckt.