Er ist der literarische Magier des zwanzigsten Jahrhunderts: Nobelpreisträger und gefeiertes Genie, Großbürger und Familienvater, mit seiner Frau Katia in jahrzehntelanger Ehe verbunden und zugleich so unglücklich, wie man nur sein kann. Er liebt und darf nicht lieben, die Vorstellungen seiner Zeit stehen ihm im Weg. Was für ein Antrieb zu großer Literatur - und was für ein leidvolles Leben.
Seit seinem frühen Welterfolg mit den 'Buddenbrooks' und zwei Jahrzehnte später mit dem 'Zauberberg' öffnen sich ihm alle Türen, bis hin zu der im Weißen Haus. Keine deutsche Stimme kämpft so hörbar gegen Hitler wie seine, kein anderer häuft Ehrungen auf sich wie er. Seine Frau Katia und seine sechs Kinder umringen ihn dabei wie eine Festung. Doch der Abgrund ist immer nur einen Schritt entfernt.
Tilmann Lahme erzählt uns diese Biografie, wie sie noch nie erzählt worden ist: mit neuen Einblicken und unveröffentlichten Quellen, mit unbekannten Tagebuchpassagen und Briefen an den besten Jugendfreund, mit dessen Erinnerungen und mit Susan Sontags nie gedrucktem Essay 'Bei Thomas Mann'. Damit gibt er uns, worauf wir lange gewartet haben, nämlich endlich den ganzen Thomas Mann.
Meiner Ansicht nach, hat Tilmann Lahme eine großartige Biografie erzählt.
Thomas Mann war eine komplexe, intelligente Person. Er hat sich politisch entwickelt, hat sich von Argumenten überzeugen lassen und seine eigenen Ansichten überdacht. Letztlich wollte er wie alle kunstschaffende Anerkennung und Ruhm genießen. Manchmal erreichte er dies mit sehr streitbaren Methoden. Nach dem Lesen dieser sehr gut aufgearbeiteten Biografie bleibt ein Eindruck, die jede lesende Person berühren muss….. Er war ein erfolgreicher Schriftsteller, der letzten Endes die Anerkennung bekam, nach der er sich im beruflichen sehnte. Jedoch durfte er nie seine wahre Persönlichkeit zeigen. Er wurde dazu verdammt, eine Fassade zu errichten, hinter die nie jemand wirklich schauen durfte und vor deren vermeintlich dunklen Seiten er sich selbst stark fürchtete. Wenn man sich die damaligen wissenschaftlichen “Ergüsse“ zur Homosexualität anschaut, wird jeder Person klar, warum Mann eine Maske aufsetzen musste. Im Nachhinein bleibt der Gedanke, dass er ein Mann, ein Mensch war, der nie richtig lieben durfte und dass macht ihn, nur aus dem persönlichen Aspekt heraus, zu einer tragischen Figur.
Eine tolle Biografie für jeden, der mehr über den privaten Thomas Mann erfahren möchte. Sehr flüssig und verständlich geschrieben. Hat mir noch besser als die Biografie von Kurzke gefallen.
Grandios, präzise, transparent und zugleich so einfühlsam wie vielen Themen angemessen. Dazu jederzeit sehr gut lesbar, spannend. Selten ein Sachbuch gelesen, dass so mitreißend war!
1. Das Buch ist vor allem eine Sexualbiographie. Das ist seine Stärke und Schwäche. Gestützt auf bekanntes wie auf unveröffentlichtes Material, räumt Lahme mit der Auffassung auf, Thomas Mann sei nicht eindeutig homosexuell gewesen. Hierbei widmet er sich besonders ausführlich seiner Schulzeit. Bei einigen hat der Fokus auf dieses Thema Ablehnung hervorgerufen. Wenngleich ich nachvollziehen kann, wenn jemand meint, die Literatur komme zu kurz, kann man doch entgegenhalten, dass andere Aspekte von Manns Leben ebenfalls von erheblichem kultur- und sozialgeschichtlichem Interesse sind. Besonders aufschlussreich sind die Ausführungen über den Einfluss den die Schriften von Krafft Ebings und Molls über die „Heilung“ von Homosexualität auf die Einstellung Manns zu seiner Orientierung hatten: Sie führten su dem lebenslangen Versuch den eigenen Trieb zu überwinden oder in gesellschaftlich akzeptable Bahnen zu lenken. Bei der Analyse von Manns Werken fokussiert der Autor darauf, in welchen Personen und Personenkonstellationen Homosexualität und nicht zuletzt selbst erlebte homosexuelle Anziehung thematisiert werden. Seine Werke werden so primär als Kompensation eines Triebes verstanden, der in der Realität wohl nie ausgelebt wurde. Zurecht kritisch geht er mit früherer Forschung und Editionsarbeit ins Gericht, die diesen Aspekt von Manns Persönlichkeit wegredigiert hat. An einem Punkt schießt Lahme allerdings übers Ziel hinaus. Auf zwei Seiten zitiert er – weiß auf schwarzem Grund - einschlägige Aussagen aus den Tagebüchern über Onanie und Erregung, Versagen im Ehebett, aber auch über Katias Menstruationsbeschwerden oder Spekulationen über die negative Wirkung der Selbstbefriedigung auf die geistige und psychische Entwicklung des 12-jährigen Golo. In die biographische Erzählung eingeflochten sind solche Aussagen durchaus nicht uninteressant, in dieser Ballung appellieren sie doch eher an den potenziellen Voyeurismus der Leserschaft
2. Das Buch ist im Grunde eine Doppelbiographie. Immer wieder kommt Lahme auf die mir bisher nicht bekannte Figur Otto Grautoff zu sprechen, Thomas Manns Lübecker Klassenkamerad, wie er schwul, Schulversager und früh vaterlos. Zum einen war er Manns Vertrauensperson, zum anderen missbrauchte Mann in über Jahrzehnte hinweg, als jemanden über den er sich im Vergleich erheben konnte. So schrieb er ihm, dass während er selbst seinen Trieb zu kontrollieren vermöge, Grautoff nie im Stand sein würde „eine Frau zu beglücken“. Gleichwohl ging Grautoff ebenfalls eine Konventionsehe ein und zeugte Kinder. Auch mit Blick auf die soziale Rangordnung sah Mann auf ihn, der nach Bankrott und Tod des Vaters gesellschaftlich nicht mehr mithalten konnte, herab. Als Grautoff aber den Aufstieg vom Buchhändlerlehrling zum angesehenen Kunsthistoriker und Vermittler französischer Kultur in Deutschland und umgekehrt geschafft hatte, scheute sich Mann nicht dessen Netzwerke zu seinem Nutzen in Anspruch zu nehmen. Seine Mitgliedschaft in der von Grautoff initiierten Deutsch-Französischen Gesellschaft, war ein nicht unwichtiger Aspekt seiner politischen Neuorientierung in der Weimarer Republik, ohne die sein internationaler Ruhm und Nachruhm undenkbar wäre. Lahme macht darauf aufmerksam, dass im Archiv der Sorbonne die mehrere hundert Seiten umfassenden Memoiren Grautoffs liegen. Nach der Lektüre dieser Biographie, kann man nur den Kopf darüber schütteln, dass dieser Text nie publiziert wurde. Im Übrigen zeichnet Lahme nicht nur im Zusammenhang mit dem Lübecker Schulfreund ein Bild von Thomas Mann, das alles andere als sympathisch ist. Im persönlichen Umgang zeigte er sich oft zänkisch, kleinlich und vor allem undankbar.
3. Mit Blick auf die politische Entwicklung Manns schreibt Lahme sonst nichts wesentlich Neues. In den letzten Kapiteln wird dieser Aspekt zudem recht hastig abgehandelt, obwohl die Vereinnahmungsversuche beider deutscher Staaten und Manns Haltung hierzu vielleicht etwas mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.
4. Recht viel Raum nimmt dagegen der Besuch der 16-jährigen Susan Sontag bei Mann in Pacific Palisades ein, über den sie einen hier erstmals veröffentlichten Artikel verfasst hat. Ausführlich schildert Lahme, welche Bedeutung Thomas Manns Kampf mit seiner Homosexualität für Sontags Auseinandersetzung mit ihrer zunächst verdrängten lesbischen Orientierung hatte. Das ist per se interessant und verdient eine vertiefte Darstellung, aber doch wohl eher in einer Biographie über Susan Sontag.
Was die Bewertung der einzelnen Werke angeht, dürfte ich mit Lahme wohl kaum einig werden. Doktor Faustus und Tod in Venedig kommen nicht gut weg, Mario und der Zauberer, m. E. eher einfach gestrickt, wird dagegen in den höchsten Tönen gelobt. Der Josephsroman und Der Erwählte kommen aber auf meine Leseliste. Für Lahme steht stets der Plot im Vordergrund, an der bewussten Wahl verschiedener Stile zeigt er wenig Interesse oder er tut sie ab. Das komplexe Verhältnis von Erzählzeit und erzählter Zeit ist - zumindest hier - nicht sein Thema.
Der Stil des Buches ist journalistisch, nicht akademisch, wenngleich der Text keine Fußnoten enthält, werden die in den einzelnen Kapiteln verwendeten Quellen aufgelistet. Einige Texte werden hier erstmals publiziert und teilweise sogar abgebildet. Die zahlreichen Illustrationen passen gut zum Text.
Ärgerlich sind allerding nicht wenige historische Ungenauigkeiten. Ich habe jetzt keine Liste geführt, ein markantes Beispiel ist aber, dass die Wehrmacht 1933 einen Treueeid auf Hitler geleistet habe. 1933 (und bis 1935) hieß es aber immer noch Reichswehr. Man fragt sich manchmal, was das Lektorat beruflich macht.
Kuriosum am Rande: Verleger Samuel Fischer sprach sich zunächst gegen die Publikation der Buddenbrooks aus, weil es dem heutigen Publikum an „Conzentrationslust“ für einen Roman dieser Länge mangle. Und das lange vor Handy und Internet …
Wie schwul war Thomas Mann? Diese Frage treibt Tilmann Lahme offenbar sehr um. Sie ist die Grundthematik seiner Biographie, die recht eigentlich eine biographia sexualis ist, denn das Thema der geschlechtlichen Identität, der sexuellen Ausrichtung Thomas Manns bildet den Schwerpunkt. Mich hat das auf Dauer doch sehr ermüdet. Das hat auch damit zu tun, dass ich kurz zuvor die meisterliche Biographie von Hermann Kurzke gelesen habe, vor rund 25 Jahren erschienen und nun zum Jubiläum neu aufgelegt. Kurzke verknüpft Werk und Leben eng, ich hoffte diese starke Werkbezogenheit mit Lahmes Buch zu ergänzen und etwas mehr Leben und Umfeld zu bekommen. Das war aber kaum der Fall.
Lahmes Buch ist von einem starken Enthüllungseifer getrieben. Er möchte das - seiner Meinung nach - verzerrte Bild Thomas Manns, das bisher Forschung und Biographien bestimmt, korrigieren. Bisher habe es eine Tendenz gegeben, die Homosexualität Manns zu verharmlosen oder herunterzuspielen und seine Veranlagung in Richtung einer Bisexualität zu entschärfen. Lahme hält das für falsch. Als Kronzeugen zieht er Thomas Manns engen Jugendfreund Otto Grautoff heran - mit dem Thomas Mann schon früh seine sexuellen Kalamitäten besprach. Gemeinsam lasen sie Richard von Krafft-Ebings Buch "Psychophathia sexualis", das auf sie starken Eindruck machte und wenigstens Otto Grautoff dazu brachte, es mit einer Konversionstherapie zu versuchen (erfolglos, natürlich). Ob Thomas Mann das ebenfalls tat, ist unklar. Jedenfalls offenbarte er Grautoff, wie es um ihn stand - nämlich nicht sehr viel anders. Diese Selbstoffenbarung Manns wurde entweder von der Forschung nicht beachtet oder gar unterdrückt, so der Vorwurf Lahmes. Mit diesem Buch will er damit endlich aufräumen. Von dieser Mission ist er so überzeugt, dass Otto Grautoff zur zweiten Hauptfigur der Biographie wird - daneben werden die Aussagen Krafft-Ebings wieder und wieder im Buch referiert und wiederholt, ad nauseam. Lahmes These: Thomas Mann habe sich dessen Sicht auf die Homosexualität zueigen gemacht und verinnerlicht und damit lebenslang selbst ein Liebesverbot auferlegt. Thomas Mann, so heißt es auf der letzten Seite, war ein Mann, der "nicht lieben durfte".
Das alles erschien mir dann doch auf die Strecke zu einseitig und auch fragwürdig. Lahme kann diese These nur durchhalten, indem er einige Aspekte der Biographie nun seinerseits an den Rand drängt - und einige Selbstaussagen Thomas Manns gleich in den Bereich der Fiktion verweist (etwa die Mary Smith-Episode). Dass Thomas Mann nicht geliebt habe, halte ich für fragwürdig. Dass die Beziehung zu Katia keine Liebe gewesen sei, erschließt sich mir nicht. Und natürlich war auch seine Beziehung zu Paul Ehrenberg sicher Liebe, wenngleich keine, die Erfüllung fand.
Ist es notwendig, die Lebensentscheidung Thomas Manns, seine homoerotischen Neigungen nicht auszuleben, so sehr ins tragische zu verweisen, wie Lahme das tut? Immerhin scheint Mann selbst mit dieser Entscheidung nicht wirklich gehadert zu haben - trotz seiner Erfahrung, dass das mit dem Begehren und der Sexualität nicht aufhörte.
Entscheidend aber scheint mir: Die Enthüllungen und Quellen, die Lahme in seinem Buch anführt, ändern am Gesamtbild Thomas Manns weitaus weniger, als der Autor es haben will. Auch Kurzke schreibt über Otto Grautoff und seine enge Beziehung zu TM, zitiert viel aus den Briefen zwischen beiden. Bei Kurzke jedoch erscheint all das wesentlich balancierter und im Kontext, während es bei Lahme - auch durch die viele Repetitionen - einen etwas verbissenen Eindruck hinterlässt.
Tilmann Lahmes Buch ist eine wirklich fesselnde Erzählung über das Leben Thomas Manns, wobei einmal angefangen, ich das Buch kaum weglegen wollte.
Lahme nimmt hier kein Blatt vor dem Mund und beschreibt den Schriftsteller mit einer teils entblößenden Neutralität. Mit einer solchen Beweisführung über die Homosexualität Manns zu schreiben, scheint hierbei eine Neuheit zu sein. Wie er darüber die schriftstellerische Leistung des Künstlers deutet, ist hochinteressant und lässt einen über Bücher wie den Zauberberg und Doktor Faustus noch einmal intensiver nachdenken! Zu letzterem soll meine Ausführung aber beschränkt bleiben, denn es ist mein erstes Fachbuch zu Thomas Mann und seinem Werk, was mir eine kritisch differenzierte Auseinandersetzen mit dem Inhalt zuvor beschriebener Sekundärliteratur verbietet.
Und an alle Zyniker und konservativen Mitglieder der Community: In diesem Buch geht es natürlich nicht nur um Homosexualität, sondern vielmehr um einen Gesamtblick auf sein Leben, also lasst euch drauf ein:-)
Eine beeindruckende Biografie! Kraftvoll mit Worten, Referenzen, Briefen und Bildern ermöglicht diese wissenschaftliche Arbeit dem Leser, Thomas Mann wie nie zuvor kennenzulernen. Thomas Mann war in der Tat ein Genie. Ein Genie, mit dem es nicht leicht war, zusammenzuleben, ein Genie, das seine Homosexualität in seinen Romanen zu sublimieren suchte. Man könnte sich fragen: Wäre er nicht homosexuell gewesen, welche Art von Romanen hätte er geschrieben? Ich fand hoch interessant und verblüffend , die Diskussionen über die verschiedenen Therapien, die angeblich Homosexualität heilen konnten! Was diese Therapien erreichten, was Depression, Ekel mit sich selbst, Einsamkeit... Das alles hat Thomas Manns Leben, Psyche und Schreiben geprägt. Es tut mir unheimlich leid, dass er so leben musste, ich bin aber dankbar für seine literarische Werken! Man kan sich fragen, ob man den intimen Autor auf einem ethische Aspekt kennenlernen sollte: ich finde ja. Man kriegt dadurch eine bessere Verständnis seiner Büchern, und noch mehr Respekt für den Mann. Sehr empfehlenswerte Biografie. Ich habe eine digitale Kopie dieses Buch von NetGalley bekommen, und freiwillig habe ich eine ehrliche Rezension geschrieben.
Anfängliche Zweifel, ob eine 500-seitige Biographie das richtige Format ist, wenn es einem im Grunde ausschließlich um Thomas Manns Sexualität geht, haben sich spätestens mit dem letzten Kapitel, das den Umgang mit dem Thema in der bisherigen Thomas-Mann-Forschung behandelt (bzw. damit abrechnet), zerschlagen.
als biografie viel zu einseitig auf manns homosexualität fokussiert. wenn man aber von der biografie abschied nimmt und sich auf das thema konzentriert in diesem fokus unfassbar spannend und wirklich gut erzählt. habe gefühlt weniger über thomas mann als über queerness in literatur und kultur im laufe der zeit, generationenbrüche, ideologie und den umgang seines umfelds damit gelernt. der, wenn man seine bücher ein bisschen zwischen den zeilen liest (wobei, nicht einmal zwischen den zeilen, einfach aus der perspektive von jemandem dem queerness als konzept bekannt ist), komplett absurd ist. overall spannend + gerne gelesen!
Deze biografie hangt helemaal uit het lood. Hoewel het boek goed geschreven is, het Duits goed leesbaar, maakt de auteur wel een heel akelige schuiver door werkelijk alle werken van Mann in verband te brengen met diens geaardheid. Een niet zo boeiende invalshoek. Dieptepunt vind ik de lang uitgesponnen beschrijving van het bezoek dat de scholiere Susan Sontag aan de schrijver brengt en wat zei daarover in twee instanties geschreven heeft. Dit alles om te benadrukken dat Mann de Griekse beginselen toegedaan was, dat dit te zien was aan de wijze waarop hij zijn rookgerief hanteerde, de manier waarop hij een hand gaf etc. Heel vervelend en slaapverwekkend. Er zijn veel betere biografieën van de Grote Duitse Schrijver.
Ein grandioses Buch. Auf knapp 500 Seiten wird das komplette Leben von Thomas Mann erzählt. Zum einen werden seine literarischen Arbeiten super eingeordnet und zusammengefasst, zum anderen werden aber auch die Hintergründe seiner Werke erläutert und können vielleicht nochmal eine neue Perspektive auf seine Arbeit geben.
Thomas Mann wird schonungslos dargestellt. Sowohl seine guten als auch seine schlechten Seiten. Diese Darstellung macht Thomas Mann menschlich und nahbarer. Der Autor hat einen tollen Schreibstil, erklärt Hintergründe und Personen die sich in Thomas Manns Umfeld befinden und erschafft so einen wunderbaren und interessanten Einblick in die Geschichte.
Auch wenn Thomas Mann Protagonist ist, ist das Buch auf sehr verschiedenen Ebene interessant, was natürlich auch damit zusammenhängt, dass Thomas Mann eine interessante Persönlichkeit ist.
Man kann es allgemein geschichtlich lesen (1.WK, Weimarer Republik, 2.WK, Nachkriegszeit) Man kann es auch auf die Geschichte und Biographien Queerer Menschen im 19./20. Jahrhundert lesen Aber es gibt auch einen interessanten Einblick in die Kunst- und Kulturszene der 1875 bis 1955.
Ich kann es einfach nur jedem empfehlen der sich einigermaßen für Geschichte und vor allem Thomas Mann interessiert!!
Lahme gelingt etwas, von dem man dachte, es wäre schier unmöglich: noch etwas Neues zur Thomas Mann-Forschung beizutragen. Alles schien auserzählt. Aber Lahme wirft ein neues Licht auf den großen Schriftsteller: Mann erscheint als ein zerbrechlicher Mensch, der ein ganzes Leben lang an seiner Homosexualität schier verzweifelt: zwischen Leugnen und Eingestehen, zwischen Liebe und Schwärmereien zwischen Hoffnung auf ein Leben in Freiheit und den Zwängen der Zeit steht Mann immer wieder „am Abgrund“. Lahme zeichnet diesen Aspekt in Thomas Manns Leben so quellengesätigt wie literarisch wertvoll nach. Das Buch liest sich stellenweise wie ein Roman, der Autor zeigt viel Verständnis für den Jahrhundertschriftsteller - an manchen gar zu viel, wenn es um offenkundig am Rande der Pädophilie stehende Zuneigungen Manns zu jungen Knaben - mitunter seinem eigenen Sohn - geht? Schwungvoll und ebenso mühelos webt Lahme die wichtigsten Werke Manns in die Lebensgeschichte ein, exemplifiziert daran Manns Gefühlswelt in der Realität und zeigt Parallelen zwischen Fiktion und dem Leben Manns auf. Die Werke des Nobelpreisträgers wird man von nun an in einem neuen Licht lesen müssen - und wollen.
Nothing short of excellent. Lahme does a great job of showing just how much suppressing his homosexuality influenced Thomas Mann’s life and writing. It sounds silly when you put it like that, but not every Thomas Mann scholar is comfortable with his sexuality. Including some letters to an old school friend and fellow homosexual, Lahme proves how doctors of the times and their attitudes led to Thomas Mann’s attempts to control his desires, and how that translates into his writing.
I loved Lahme’s tone - he manages to be both compassionate and critical, and often quite fun. Highly recommended if you’re at all interested in Thomas Mann.
Nachdem „Buddenbrooks“ seit meinem 14. Lebensjahr ein Lieblingsbuch für mich ist, das ich schon mehrfach gelesen habe, und ich auch andere Werke des Autors kenne, wurde es nun wirklich Zeit, einmal eine Biografie über Thomas Mann zu lesen.
Diese von Dr. Tilmann Lahme eignete sich gut dafür, sie ist nicht so mächtig, wie andere, ich habe aber dennoch einen guten Blick auf Thomas Mann, sein Leben und seine Werke werfen, und auch Neues erfahren können, denn der Autor stützt diese Biografie teilweise auf bisher unveröffentlichtes beziehungsweise unbekanntes Material.
Im Fokus steht dabei auch Thomas Manns Homosexualität. Diese hat ihn offenbar sehr belastet, man kann das seinen Tagebüchern, aber auch Briefen an seinen langjährigen Freund Otto Grautoff, den er schon seit Kindheitstagen kennt, entnehmen, und man findet dies auch in seinen Werken wieder, wie der Autor aufzeigt. Zur damaligen Zeit war Homosexualität nicht nur strafbar, sondern es gab auch Versuche, sie medizinisch zu therapieren. Mit dieser Thematik hat sich Thomas Mann nachweislich schon früh ausführlich befasst.
Auch seine Ehe scheint ein Versuch gewesen zu sein, dem zu entkommen, auch, wenn trotzdem sechs Kinder daraus hervorgingen. Ich persönlich hätte gerne ein bisschen mehr über diese Familie, vor allem die einzelnen Kinder, gelesen, aber dafür gibt es auch andere Werke.
Ich habe mir beim Lesen hin und wieder überlegt, ob Thomas Manns Homosexualität nicht zu sehr im Fokus steht, aber sie beeinflusst ja tatsächlich sein Leben und seine Werke sehr. Letzteres wird recht klar, denn Tilmann Lahme verfasst ausführliche Inhaltsangaben, an denen er dann aufzeigt, was man daraus lesen kann.
Sehr gut gefallen haben mir die vielen Fotos mit ausführlicher Erklärung. Der Anhang mit Bild- und Textnachweisen, Personenverzeichnis und zusätzlichen Texten, wie etwa den der jungen Susan Sonntag über einen Besuch bei Thomas Mann, ist sehr umfänglich.
Diese Biografie Thomas Manns ist fundiert, gibt einen guten Überblick über das Leben und die Werke des Nobelpreisträgers, und lässt sich flüssig lesen. Wer sich für Thomas Mann interessiert, kann hier bedenkenlos zugreifen.
Es gibt schon viele Thomas Mann-Biographien. Doch Tilmann Lahmes Buch zeichnet sich durch dessen guten Stil aus. Es macht Spaß, dieses Buch zu lesen. Als zentrales Element dient Lahme die Homosexualität von Thomas Mann und wie diese Unterdrückung sein Leben bestimmte. Besonders die Beschreibungen seiner Schulzeit bis zum jungen Mann wirkt sehr lebendig. Dabei dient als Vergleich sein Schulfreund Otto Grautoff. Tilmann Lahme zeichnet deren Freundschaft durch Analyse von einen unveröffentlichten Briefwechsel nach. Auch um die schwierige Beziehung zum großen Bruder Heinrich Mann geht es. Schließlich folgen die Katia-Kapitel. Besonders gelungen sind die Abschnitte über die Romane, wobei Lahme die Verbindung zwischen Text und Leben aufzeigt. Zahlreiche Fotos und Abbildungen durchziehen das Buch. Das Buch ist für den Deutschen Buchpreis 2026 nominiert. Der Preis wäre eine gute Entscheidung.
Tilmann Lahme beschreibt das Leben und Wirken von Thomas Mann akribisch und super detailliert. Leichte Kost sieht ganz sicher anders aus, gleichzeitig ist's dann aber auch super spannend und unterhaltsam geschrieben. Diese Balance hat mich persönlich total gefesselt - so klar und belegt, wie Tilmann Lahme schreibt, ist einfach überzeugend, dass da kein Schwafler am Werk ist, sondern jemand, der kritisch die Quellen analysiert und darstellt. Gerade die "unterschlagenen Dokumente" werden von ihm veröffentlich und kritisch eingeordnet - alleine dafür gebührt ihm großer Dank.
Good biography, notably more critical than most others. I think he makes a series of good points of how many previous works have understated the role of his homosexuality and have generally lacked critical distance. The academic community even went beyond that to leave some of the most revealing pieces of Mann's writing unpublished, seemingly to protect him.
At times, the tone is a tad too arrogant for me and generally neglects the history of ideas aspect of Thomas Mann's work for the at times excessive focus on the personal aspects.
Ich dachte ja, ich wüsste schon einiges über Thomas Mann – Buddenbrooks, Zauberberg, Schnauzer, Krawatte, bürgerliche Würde deluxe. Tja. Denkste. Tilmann Lahme hat mit dieser Biografie das literarische Porzellanservice einmal komplett vom Tisch gefegt und durch ein sehr viel spannenderes, menschlicheres ersetzt. Ich hab das Buch regelrecht gefressen – und zwar mit Wonne!
Hier geht’s nicht nur um den Literaturgott, sondern auch um den Mann hinter der Maske: einer, der mit sich selbst mehr Ringen veranstaltet hat als jeder griechische Halbgott in der Antike. Lahme serviert keine trockene Kost, sondern ein prall gefülltes Buffet aus privaten Abgründen, schrägen Familienkonstellationen und einer inneren Zerrissenheit, die fast schon romantisch ist – wenn sie nicht so weh tun würde.
Ich meine: Mann liebt Männer, aber darf nicht. Mann heiratet Katia, hat sechs Kinder (sechs!!), schreibt Weltliteratur im Halbschlaf, flüchtet vor Hitler, wird im Weißen Haus empfangen – und ist trotzdem nie wirklich angekommen. Diese Mischung aus Genie und tragischem Held liest sich wie ein Roman, nur dass alles wahr ist. Und Lahme kriegt das Kunststück hin, das alles weder anbiedernd noch akademisch trocken zu erzählen. Stattdessen haut er einem mit feiner Klinge die Wahrheit um die Ohren.
Besonders cool fand ich die Einblicke in die unveröffentlichten Briefe und Tagebuchstellen – da geht's wirklich ans Eingemachte. Und dann noch Susan Sontag aus dem Off – das ist wie Bonusmaterial bei einem richtig guten Film. Was bleibt? Ich hab Thomas Mann nach diesem Buch mehr verstanden, mehr bewundert und auch mehr bemitleidet. Ein Mensch aus Widersprüchen, Sehnsüchten, Anstand und Schmerz.
Fazit: Diese Biografie ist wie Thomas Manns literarisches Innenleben auf Speed – klug, schräg, herzzerreißend und mit einem überraschend hohen Unterhaltungswert. Lahme hat nicht nur recherchiert, er hat gegraben. Und gefunden. Ich bin begeistert. Fünf Sterne – ohne Wenn und Aber.