Eine Frau sieht sich einer der schwierigsten Fragen gegenü die Entscheidung für oder gegen ein Kind
Eine junge Frau – eine Abtreibung, ein Kind, kein Partner – ist schwanger. Das ist ein Fakt, er ist greifbar und scheint ganz klar, obwohl ansonsten gar nichts klar ist. Die Frau, Laura, ist an der Uni, sie schreibt an ihrer Dissertation, jobbt in einer gynäkologischen Praxis. Tag für Tag versorgt sie dort schwangere Frauen, sieht ihre Scham, ihre Geduld, ihre Freude, ihre Angst. Für manche ist es das größte Glück, für andere eine Katastrophe. Für Laura ist es beides. Sie liebt ihr Kind, doch sie hat Panik beim Gedanken an ein weiteres. Und wie könnte es anders sein? Ist nicht eigentlich jede Frau darauf eingestellt, dass sie ihr Kind allein großziehen wird?
Der neue Roman von Antonia Baum ist in einer einzigen gedanklichen Bewegung erzählt, einem langen Atemzug, bevor etwas beginnt oder endet.
Geboren 1984 in Borken, lebt in Berlin. Studium der Literaturwissenschaft und Geschichte. Veröffentlichung verschiedener Kurzgeschichten in der Wochenzeitung Der Freitag und bei Zeitonline.
Kurzes aber großes Lesevergnügen Laura schreibt gerade ihre Dissertation, nebenbei arbeitet sie in der gynäkologischen Praxis eines bekannten Arztes. Laura ist aber auch Mutter einer Tochter, wurde gerade von dem Vater und ihrem Partner verlassen. Und sie ist schwanger. Der Gedanke an ein weiteres Kind, zumal in ihrer aktuellen Lage, macht ihr Angst und der Zeitraum für eine Entscheidung wird kleiner…
Während wir Lauras‘ fragmentierten Gedankengängen und Erinnerungen folgen, entwickelt dieser kurze aber mächtiger Roman seinen ganz eigenen Sog. Wie in Echtzeit begleiten wir die Protagonistin an drei Tagen bei ihrer Entscheidung. Das Für und Wider, das schmerzhafte Abwägen zwischen verschiedenen Sehnsüchten, Wünschen und Ängsten ist einfühlsam und bewegend dargestellt.
Dabei reist Laura auch gedanklich immer wieder in die Vergangenheit, sie denkt an ihre erste Abtreibung und die Entscheidung die am Ende zu ihrer Tochter Helena geführt hat. Die Sprache von Baum ist klar und fließend, so wie Lauras‘ Gedanken und hat mich sofort bewegt und gefesselt.
Fazit: „Achte Woche“ ist ein ganz besonderer Roman, klar und fein in der Sprache fängt er die diffuse Gedankenwelt einer schweren und individuellen Entscheidung auf faszinierende Art und Weise ein – ein kurzes aber großes Lesevergnügen.
Antonia Baum schreibt über Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbrüche und Mutterschaft in fließenden Paragraphen, die die Gedanken der schwangeren Laura über wenige Tage einfangen. Eigentlich rechnet jede Schwangere damit, am Ende mit dem Kind allein zu sein, schreibt sie und bringt konzentriert zum Ausdruck, was die Entscheidungen der Frauen für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch in der gynäkologischen Praxis, in der Laura arbeitet, beeinflusst.
Lauras eigene Gedanken und Rückblicke auf ihre vergangene Beziehung und Kindheit wirken authentisch und verletzlich, ihre Begegnung mit einer anderen Schwangeren, die so viel besser darin zu sein scheint, ihre eigenen Bedürfnisse durchzusetzen und wütend zu sein als Laura es kann oder vielleicht will, interessant gewählt. Ich glaube, ich gerne die Möglichkeit gehabt, noch tiefer in diese Gedanken und Beziehungen einzutauchen.
Was mich gestört hat, ist, dass aus irgendeinem Grund in diesen sehr kurzen Roman gleich an mehreren Stellen betont werden musste, wie schön Laura und ihr Ex-Partner jeweils sind. Fand ich irgendwie unpassend oberflächlich und wenig relatable - Beschreibungen von Ecken und Kanten und Besonderheiten wären mir lieber gewesen.
Von diesem Buch hatte ich mir tatsächlich mehr erhofft. Leider hat die Geschichte für mich keinen Mehrwert geliefert und ich denke, die Geschichte wird nicht lange nachhalten und in meinem Kopf bleiben. Bin leider etwa enttäuscht, aber vielleicht bin ich selber schuld da ich so hohe Erwartungen an dieses Buch hatte.
angenehm geschrieben und leicht zu lesen, ein buch mit einer sehr unaufgeregten, nicht urteilenden aber auch nicht beschönigenden perspektive auf das thema abtreibung. irgendwie glaub eine realistische wiedergabe des blicks einer typischen jungen _weissen_ akademikerin auf rassismus, rassifizierte partner und rassistische väter - zu undifferenziert, zu unberührt vielleicht. die darstellung der beziehung zu ihrem freund, der ja recht hat, was ihre behütetheit angeht aber halt trotzdem ein im sexismus bequem eingerichteter macker ist, wird einfach dargestellt, nicht kommentiert. es ist nicht ein narrativ das kommentiert, und ich glaube, das kann ich so stehen lassen. ich tendiere manchmal dazu, viel moralisierung und winke mit riesen zaunpfählen zu erwarten, was solche themen angeht (wobei ich zu meiner verteidigung schon auch sagen muss, dass _weisse_ zeitgenössische autor*innen schon oft einen undifferenzierten bzw. beschissenen job machen, was die darstellung von diskriminierungen abseits von sexismus gegen _weisse_ cis frauen angeht, *chrm mariana leky (whose books i love) chrm caroline wahl (ok books, shitty takes)*). die darstellung der beziehung zu den eltern fand ich auch gut gemacht, die widersprüche stehen auch da einfach mal im raum und ich glaube das ist gut so, wir brauchen narrative, die am ende nicht immer rund sind oder aufgehen, gerade bei der darstellung von beziehungen und persönlichkeit.
Sehr unaufgeregt, sehr aufgeregt. Nüchtern erzählt, trotzdem aufwühlende Passagen. Zumindest für die Protagonistin. Richtig gecatcht hat’s mich nicht, aber bei 120 Seiten war ich wenigstens schnell durch.
"Laura findet, dass jede Frau, die den Weg vom Wartezimmer zum Sprechzimmer an der Anmeldung vorbei zurücklegt, um eine Schwangerschaft abzubrechen, dies auf eine andere Weise tut. Doch etwas ist bei allen gleich: Sie gehen in dem Bewusstsein, dass man sie beobachtet, und sie rechnen damit, dass ihre Beobachter das, was sie tun, für einen Fehler halten."
"Nichts, gar nichts deutete damals darauf hin, dass die Dinge einmal so kommen könnten zwischen ihnen, dass er irgendwann einfach gehen würde und dann kein Wort mehr. Später hingegen, als sie den Ausgang der Geschichte kannte, sah sie die Zeichen und so war es, so ist es immer."
"Dort, wo sie es hätte wissen müssen, wo sie für gewöhnlich etwas wusste, noch bevor es zu einem Gedanken wurde, in ihrer Brust, unterm Brustbein, wo die Rippen sich treffen und von dort aus bis runter in den Bauch - da unten war nichts, war es plötzlich leer, war keine Antwort."
"Doch in diesem Moment war ihr Lächeln weich und traurig. Laura wollte ihre Traurigkeit nicht haben. Alles klar, danke, sagte sie zu laut und drehte sich um. Jeder ist über seine eigenen Sachen traurig, Sachen, die gar nichts mit ihr zu tun hatten, aber das verwechselten die Leute oft."
"Die Bettwäsche roch nach nichts. Sie roch, aber nach nichts, das einen Namen hatte, so wie Handtücher im Krankenhaus."
"Frauen mit Kindern waren mit ihrem Kopf, mit ihren Nerven nicht nur bei sich, irgendetwas stand bei ihnen immer offen und man konnte hingehen und sich was rausnehmen, daran waren sie gewöhnt, vielleicht war es das, was man ihnen ansah."
Eine kurze Geschichte über das Thema Schwangerschaft und wie Frauen gerade am Anfang der Schwangerschaft reagieren und denken. "Achte Woche" wird von einer Frau erzählt, die am Anfang einer Schwangerschaft ist und sich entscheiden muss, ob sie das Kind behalten soll. Dabei bekommt der Leser Einblicke in die Entscheidungen und Leben von anderen schwangeren Frauen, da die Protagonistin bei einem Frauenarzt jobbt. Es sind keine tiefen Einblicke, sondern meist nur oberflächliche und auch eher als Reflexion von der Gedankenwelt der Protagonistin zu verstehen. Aber dennoch war es interessant den Blicken zu folgen und zu sehen wie eine Aktion von fremden interpretiert werden kann. Obwohl das Buch sehr kurz ist, birgt es viele Quellen zum Nachdenken insbesondere um zu verstehen, warum die Protagonistin so handelt und was eine Frau bewegt. Insgesamt fand ich das Buch sehr interessant und die Lektüre hat mir Spaß gemacht!
** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
Ich habe mich total auf das Buch gefreut, aber irgendwie konnte es mich dann doch nicht so ganz packen. Laura studiert, hat eine Tochter und arbeitet nebenbei in einer gynäkologischen Praxis. Sie hat also ständig mit Schwangerschaften und auch Abbrüchen zu tun. Jetzt steht sie selber vor der Entscheidung: Kind bekommen oder nicht?
Eigentlich fand ich das Thema sehr spannend, aber das Buch hat mich nicht richtig abgeholt. Die Handlung wirkt wie eine Aneinanderreihung von Geschehnissen, statt tiefergehender moralischer oder philosophischer Fragen. Vieles dreht sich um eine andere Frau, die ihre Schwangerschaft abbrechen möchte und wie Laura damit umgeht. Für mich blieb das Nachdenkliche dabei etwas auf der Strecke - vielleicht habe ich aber auch einfach etwas anderes erwartet.
Positiv: Dünn, schnell gelesen - perfekt als kleiner Lese-Snack.