Endzeitgemäß: Roman | Eine verschobene Gegenwart, eine Glücks- und Muttersuche, eine Liebesgeschichte und ein roadtripartiger U-Turn – das alles ist »Endzeitgemä߫
Merve ist im Transit aufgewachsen, zwischen Schnellstraßen, Musterhäusern und Plastikpflanzen. Hier, wo die Zeit stehengeblieben scheint, betrinkt sich ihr Großvater zu Schlagermusik und wappnet ihr Vater sich für den Weltuntergang. Merve will nur weg; sie sehnt sich danach, endlich ins Ideal aufzusteigen. Dort sind die Menschen mühelos schön, sie verwirklichen sich selbst, verstehen etwas von Konsens und Kimchi. Sie haben statt Routinen ihren Rhythmus gefunden. Das Wer hart genug an sich arbeitet, kann etwas Besonderes sein. Im Ideal hofft Merve auch, ihre Mutter wiederzufinden, die verschwunden ist, als sie ein kleines Kind war. Kurz vor dem Aufstieg lernt Merve Sven kennen; Sven, der liebevoll und schlagfertig ist, aber im Transit bleiben will. Plötzlich zweifelt Verliert sie etwas, wenn sie weiter nach dem Ideal strebt? Und lohnt es sich überhaupt noch zu hoffen, während eine Krise die nächste jagt?
Endzeitgemäß ist ein zeitgenössisches und kluges Debüt, das von der Suche nach dem glücklichen und erfüllten Leben in einer Endzeit erzählt, die unserer Gegenwart verdächtig nahekommt.
Eine wortgewaltige, sanfte Untersuchung von Grenzgängertum, konkret: Merve lebt im Transit und möchte ins Ideal aufsteigen. Dafür muss sie an der Akademie ihren Pitch bestehen. Auf dem Weg verliebt sie sich, sucht nach ihrer verschollenen Mutter und beginnt schließlich ihren Aufstiegswunsch zu hinterfragen. Ein Roman für alle, die manchmal das Gefühl haben in mehreren Welten zu leben.
Endzeitgemäß schafft es in lockerer und trotzdem präziser Sprache von der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zugleich zu erzählen. Endzeitgemäß ist ein tolles Beispiel, was SciFi-Welten leisten können, wenn sie nicht (wie so oft) nur bloßer Technik-Porn sind, sondern sich eben auch ernsthaft mit den Gefühlen dieser Alternativ-Menschheiten befassen. Ein starkes und mutiges Debüt. Ich freue mich schon mehr von Helena Kühnemann zu lesen.
PS: Wie angenehm ist bitte, dass die Kapitel so kurz sind?!
eine liebe freundin meinte nach dem lesen „natürlich ist der kittel nicht nur lila, sondern er ist lila mit orchideen drauf, wie könnte es auch anders sein?“ und bezog sich damit auf den äußerst treffenden feinsinn, der sich in der erzählung dieses buches wiederfindet. helena, du hast hier etwas äußerst berührendes geschaffen, das mir beim lesen und auch jetzt im nachgang oft aus inneren widerständen spricht, wenn es um (kritik an) selbstoptimierung, klasse und die welt im hier (in meinem fall „deutschland“) und jetzt geht. die ‚letzten sätze’ haben es mir meistens richtig angetan - es ist von vorne bis hinten so durchdacht und nicht selten habe ich geschmunzelt oder laut gelacht, kurz geweint und es war mir eine so große freude, dieses debut erleben zu dürfen!