Das Porträt der Britpop-Ikonen – die Biografie für alle Fans
»Mit der ersten Sekunde von ›Rock 'n' Roll Star‹ wusste ich, dass ich mich Hals über Kopf in diese Band verlieben werde. Der Spirit von Oasis war über mich gekommen – das Supersonic-Feeling!«
»Wonderwall«, »Cigarettes and Alcohol«, »Champagne Supernova«: Oasis stehen seit über 30 Jahren nicht nur für große Hits, sondern für ungebrochenen Optimismus und ein eigenes Lebensgefühl. Doch worin liegt die Faszination an den Britpop-Ikonen Noel und Liam Gallagher? Stephan Rehm Rozanes führt schwungvoll durch Werk und Geschichte der Band und lässt dabei auch Mythen, Eskapaden und Skandale nicht aus.
Versteh nicht ganz für wen das Buch ist. Fans lernen hier wenig Neues und Neugierigen wird die Band hier nicht wirklich gut nahegebracht. Ich gebe einer anderen Rezension recht, dass man oft das Gefühl hat, der Autor sei kein Fan. Zumindest nörgelt er mehr als dass er zelebriert. Und die 2000er-Oasis so komplett abzutun las sich irgendwie uncool. Ich hab sowohl schon bessere Oasis-Bücher gelesen als auch bessere 100 Seiten-Bücher, die ihre Themen irgendwie unterhaltsamer darstellen. Hier war das Beste tatsächlich eine Reihe an Zitaten. Und dass Noel & Liam Zitate unterhalten, na ja, das ist irgendwie klar.
Man hat beim Lesen nicht den Eindruck, dass der Autor Oasis besonders mag. Die ersten beiden Alben findet er wohl noch gut, allerdings auch die nur mit Abstrichen (Texte dämlich und sinnlos, etc.), an allem, was die Band in den 30 Jahren danach veröffentlicht hat, wird kein gutes Haar gelassen. Wäre ich nicht schon Fan, nach der Lektüre dieses Buches hätte ich wahrscheinlich keine Lust, mir irgendwas davon anzuhören.
„Es geht here and now um zwei mittelalte Herren – … -, nach denen zuletzt nur noch wenige Hähne gekräht haben, und deren zwei mehr als 30 Jahre alten Alben, die dazu zum Großteil aus recycelten Ideen aus den 60ern und 70ern zusammengeflickt waren. Warum schlagen heute weltweit Herzen höher, wenn diese Typen sich wieder zusammentun?“ (S.5)
Ich kann euch nicht sagen, wie es mit den weltweiten Herzschlägen ist, ich kann diesbezüglich nur von meinem Herz sprechen und das schlägt höher, weil ich Oasis einfach großartig finde!
Stephan Rehm Rozanes erzählt auf 100 Seiten und in fünf Kapiteln von der Band aus Manchester, ihrem Aufstieg, großem Ruhm, ausverkauften Konzerten, wechselnden Besetzungen, Skandalen und Eskapaden, den Solo-Projekten „Beady Eye“ und „Noel Gallagher‘s High Flying Birds“ und dem „Battle of Britpop“ - und davon, wie zwei unkontrollierbare Riesen-Egos unter Zuhilfenahme einer Pflaume all das zerstörten.
„Primitiv, unbeholfen gereimt, teilweise idiotisch, aber lebensbejahend und eskapistisch. So muss Rock ’n’ Roll sein.“ (S.10)
Es ist klar, dass sich die Gallaghers mit ihrer ganz eigenen Lässigkeit elsterngleich und selbstverständlich für ihre Songs bei R.E.M., T-Rex oder den Beatles bedient haben, es bessere Sänger und bessere Songwriter gibt. Auch davon erzählt „100 Seiten – Oasis“
Das Buch zu lesen fühlt sich an, als ob man mit einem guten Freund über großartige Musik spricht, dem Autor gelingt es aller bestens die Faszination für Oasis auf den Punkt zu bringen, ehrlich und direkt, keinesfalls seltsam oder anbiedernd, sondern großartig formuliert und man spürt, dass auch er das „Supersonic-Feeling“ verinnerlicht hat. Stephan Rehm Rozanes erzählt in dem Buch nicht nur über eine großartige Band – er erzählt von einem Lebensgefühl!
„Der Job dieser Band ist es heute daher ganz gewiss nicht, Deep Cuts zu präsentieren, sondern das alte Lebensgefühl von Cool Britannia zu bedienen.“ (S. 6)
Und ich lasse mich von diesem Lebensgefühl gern anstecken und mitreißen und es hat schon seine Gründe, dass das Album „Morning Glory“ mit wenigen Unterbrechungen seit 2017 über 700 Wochen in den Top 100 ist. Wenn Damon Albarn heute sagt: „Oasis won the battle, the war, the campaing, everything“ spiegelt es mein Empfinden wider, das „Song 2“ für alle Zeiten ein großartiges Lied sein wird, Oasis jedoch mit „Champagne Supernova“, „She’s electric“ oder „Live forever“ Lieder für die Ewigkeit geschrieben haben. Und damit man davon auch keins übersieht, findet sich in dem Buch natürlich auch eine Diskographie und eine Playlist.
Wunderbar zu lesen ist auch das Kapitel, in dem der Autor über seine Begegnungen mit Oasis berichtet.
„Liam ist trotz seiner Aura anschlussfähig. Ein Kind im Manne.“ (S. 20)
Und ja, wenn er die Dackel vom Aussterben retten will, dann sollte man den Mann davon nicht abhalten!
Wieder einmal ein großartiger neuer Band aus der 100 Seiten Serie aus dem Reclam Verlag, die mich mit Büchern zu Themen aller Art immer wieder gut unterhält!