In der Hafenstadt Nohedam wandeln finstere Naturgötter, auf deren Reich die Stadt einst gebaut wurde. Bald soll die große Flut kommen, die die Götter in das ersehnte Ewigreich bringt. Damit sie mitkommen darf, muss die Halbgöttin Nor für ihren Ziehvater und Herrscher des Götterclans Aufträge erledigen. Doch dann verliebt sie sich in einen Menschen und beginnt, sich an ihre leiblichen Eltern zu erinnern, deren Tod ein dunkles Geheimnis umgibt. Als Tochter beider Welten muss sie ihre eigene Macht entdecken – und für ihre Unabhängigkeit, das Wohlergehen ihres Clans und ihre Liebe kämpfen.
»Schrullige Charaktere in einem düsteren Hafenviertel aus brackigen Kanälen, finsteren Gassen und Hinterhöfen – hochatmosphärisch, voller wunderbarer Details und originell bis auf die Knochen. Sarah Scheumer gelingt etwas, an dem viele Ihr Schauplatz ist so lebendig wie ihre liebenswerten Figuren.« Kai Meyer, SPIEGEL-Bestsellerautor
Das war so düster, das war so melancholisch, das war zauberhaft! Atmosphäre: absolut over the top gigantisch getroffen. Wenn ich versuche, mich an meine letzten Bücher zu erinnern und was ich gefühlt habe, an was ich mich erinnere, sticht "Herz aus Moos und Schatten" mit dem Setting und der Atmosphäre einfach heraus. Es ist ein wenig neblig, ein wenig feucht, ein wenig düster, und über allem steckt Noors Wunsch, irgendwo dazu zu gehören und zu verstehen, wer sie zwischen Menschen und Göttern eigentlich ist.
Dies ist kein Mythologie-Götter Buch wie irgendwas griechisches oder Canavans Reihe. Dies hier erinnert mich an Silver in the Woods von Emily Tesh, was das Gefühl angeht, halt irgendwie ... Moos. Grün. Den alten Götter haftet etwas Paganisches und Wildes an sich und die Stadt selbst, so modern sie auch gezeichnet ist, bleibt dadurch seltsam historisch.
(Gelesen im Rahmen meiner Jury-Tätigkeit für den SERAPH 2026.)
Wir folgen Nor, Tochter einer Göttin und eines Menschen, die als Ziehkind des Gottes Bacol auf der Zollinsel lebt. Um sich einen Platz im ersehnten Ewigreich zu verdienen, erfüllt Nor Aufträge für die Götter, die sie immer wieder in die Hafenstadt Nohedam führen. Hier lernt sie einige Menschen kennen und lieben. Mit ihrer Hilfe entdeckt Nor mehr über ihre eigene Vergangenheit und den Tod ihrer leiblichen Eltern. Währenddessen rückt die große Flut näher und damit die Entscheidung, in welcher der beiden Welten Nor ihre Zukunft sieht.
Einfühlsame Romantasy mit überzeugenden Charakteren und einem faszinierenden Setting. Einer der besten Beweise dafür, dass Romantasy abseits seichter Schmonzetten auch wirklich was kann.
Die Geschichte spielt in der heimelig wirkenden Hafenstadt Nohedam, ein unbestimmt modernes Urban-Fantasy-Setting mit norddeutscher Küstenstimmung und sehr hintergründiger Magie. Unter den Menschen leben hier zahlreiche Naturgötter/Dämonen. Die Stimmung mit den mal im Verborgenen lauernden und mal sich offen zeigenden, geistwesenhaften Gottheiten hat definitiv Studio-Ghibli-Vibes. Die Darstellung der Götter ist herrlich andersweltlich, nicht nur optisch: Es ist schwer, ihr Handeln nach menschlichen Maßstäben von Moral oder Gut und Böse zu beurteilen. Der Kontrast zwischen dem egozentrischen Leben der Götter und dem familiären Leben der Menschen war gut in Szene gesetzt.
Der Klappentext lässt das Buch idyllischer und schrulliger erscheinen, als es die Handlung tatsächlich ist. Eine zentrale Rolle spielt das ambivalente Verhältnis zwischen Nor und ihrem Ziehvater Bacol. Bacol ist manipulativ und selbstsüchtig. Gleichzeitig hat er sich aber fraglos um Nor gekümmert und scheint sie auf seine Art ehrlich zu mögen und ihr etwas Gutes zu wollen. Dass sich Nor nur schwer von ihrem bisherigen Bild von ihm lösen kann, ist sehr gut nachvollziehbar und die Interaktionen zwischen den beiden gingen mir an die Nieren.
Besonders gut hat mir die Darstellung der aufkeimenden Liebesbeziehung zwischen dem Menschen Henry und Nor gefallen. Die Autorin nimmt sich viel Zeit für ihr langsames Kennenlernen. Die Liebesgeschichte drängt sich nicht in den Vordergrund. Obwohl die Romanze essenziell für die Handlung ist, steht Nors Selbstbefreiung immer im Vordergrund. Henry unterstützt Nor und ist nachdrücklich für sie da – aber er drängt sie zu nichts und nimmt ihr nichts ab.
Der Autorin gelingt es in ihrer Romanze, das schwierige miscommunication trope gelungen umzusetzen. Aufgrund ihrer Erziehung, Vergangenheit und der Tatsache, dass sie die Menschen erst seit Kurzem kennt und Loyalitäten zu den Göttern pflegt, ist es nachvollziehbar, dass Nor manche Dinge für sich behält oder mit sich selbst ausmachen möchte. Henry ist bewusst, dass Nor ihm Informationen vorenthält. Er akzeptiert es und ist trotzdem für sie da. Das macht ihn liebenswert und lässt Nor den Raum, als starker Charakter selbst Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Die verhinderte Kommunikation wird so Teil der Charakterdarstellung und -entwicklung.
Nors Geschichte ist einfühlsam erzählt, sodass mir ihre Anliegen wirklich am Herzen lagen beim Lesen. Ich habe mit Nor mitgelitten und mitgeliebt. Am Ende habe ich mich nur ungern von den im Verlauf der Handlung liebgewonnenen Figuren getrennt. Wärmste Leseempfehlung für alle, die gern irgendwo zwischen whimsy und emotional unterwegs sind!
Herz aus Moos und Schatten von Sarah Scheumer entführt seine Leser in die düstere und zugleich faszinierende Hafenstadt Nohedam. Dort herrschen uralte Naturgötter, deren Schicksal eng mit der bevorstehenden großen Flut verbunden ist. Im Zentrum steht die Halbgöttin Nor, die ihrem Ziehvater dienen muss und gefährliche Aufträge erfüllt, um sich ihren Platz im Ewigreich zu sichern. Doch die Begegnung mit einem Menschen und die Erinnerung an ihre leiblichen Eltern stellen alles in Frage.
Nor ist eine vielschichtige Protagonistin, sie ist verletzlich und stark zugleich, hin- und hergerissen zwischen der Loyalität zu ihrem Clan und dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Gerade diese Zerrissenheit macht sie sehr schön nahbar und authentisch. Auch die Nebenfiguren sind facettenreich gestaltet, von schrullig bis geheimnisvoll, und verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe. Das Setting in Nohedam mit seinen Kanälen, Gassen und Hinterhöfen wirkt lebendig, atmosphärisch und beinahe filmisch. Die Vergleiche mit Studio-Ghibli-Filmen sind absolut passend, die Mischung aus Magie, Melancholie und skurrilen Details erzeugt eine einzigartige Stimmung, die lange nachhallt. Dabei hilft auch die Sprache, die poetisch, detailreich und voller Bilder ist, ohne den Lesefluss zu hemmen. Die Handlung verbindet Urban Fantasy mit Märchenelementen und einer romantischen Note, die nie kitschig wirkt, sondern feinfühlig eingeflochten ist.
Ein atmosphärischer, origineller und berührender Roman, der in eine geheimnisvolle Welt zieht, die voller Schatten, Geheimnisse und Hoffnung schimmert.
Lange hat mich ein Buch nicht mehr so berührt, wie die Geschichte von Nor! Ein so atmosphärisches Buch, mit so viel Liebe für die Charaktere und ihre Geschichte. Einfach großartig!