Genaustens recherchierte Historie trifft auf meisterhaftes Erzä der große Erich-Kästner-Roman von SPIEGEL-Bestsellerautor Tilman Röhrig – intensiv, fesselnd, authentisch.
Genaustens recherchierte Historie trifft auf meisterhaftes Erzä der große Erich-Kästner-Roman von SPIEGEL-Bestsellerautor Tilman Röhrig – intensiv, fesselnd, authentisch.
In »Und ohne Tabu explodiert die Welt« lässt Tilman Röhrig einen der beliebtesten deutschen Schriftsteller lebendig Erich Kästner. In diesem beeindruckenden Roman erleben die Leserinnen und Leser den Schöpfer von Kinderbuchklassikern wie »Emil und die Detektive«, »Pünktchen und Anton« oder »Das doppelte Lottchen« in all seinen als liebenden Sohn, Freund und Liebhaber, als Autor und politischen Zeitzeuge in dunkelsten Tagen.
»Es gibt kaum einen Autor hierzulande, der so gut Geschichte in spannende Romane verwandeln kann wie der große Tilmann Röhrig.« Rheinische Post
Berlin 1927: Der Hauptstadt wird er's schon zeigen! Erich Kästner genießt die Cafés, die Kabaretts, die Weltoffenheit und den kritischen Geist Berlins. Er und seine Freunde glauben, die politischen Entwicklungen im Blick zu haben – doch sie müssen ohnmächtig hinnehmen, was sich hinter den Kulissen bereits vor 1933 Unterdrückung der Freiheit, ein neuer Krieg und das Ende ihres Glaubens an die eigene Unverwundbarkeit …
Meisterhaft verbindet Tilman Röhrig Historie und Fantasie, Wahrheit und Dramaturgie zu einer spannenden Lektüre. Gebannt folgt man Erich Kästners Kampf um seine künstlerische Integrität und das Überleben in dunklen Zeiten.
Tilman Röhrig, geboren 1945, lebt in der Nähe von Köln. Der ausgebildete Schauspieler ist seit über drei Jahrzehnten als freier Schriftsteller tätig. Die größten Erfolge brachten ihm seine historischen Romane, die allesamt Bestseller und vielfach übersetzt wurden. Für sein literarisches Werk erhielt der Autor, dessen lebendige Lesungen begeistern, zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Großen Kulturpreis NRW.
In meiner Kindheit war Erich Kästner, nach Astrid Lindgren, mein absoluter Lieblingsautor. Ich hatte alle seine Kinderbücher und habe ihn mir immer als lieben und lustigen Onkel vorgestellt, der in seinem Garten unter Apfelbäumen schreibt, um Kindern eine Freude zu machen. Wer ähnliche Vorstellungen hatte, sollte es sich gut überlegen, ob er „Und ohne Tabu explodiert die Welt“ von Tilman Röhrig lesen möchte. Der Roman erzählt Kästners Leben zwischen dem 22. März 1927 und dem 4. Mai 1945, was natürlich von Natur aus schon keine Zeit für große Idyllen war, aber auch unter anderen Umständen hätte Kästner meine Erwartungen wohl kaum erfüllt. Kinder scheinen ihm relativ egal gewesen zu sein, Ruhm hingegen überhaupt nicht.
Aber auch von diesem persönlichen Schlag abgesehen hatte ich weniger Vergnügen bei der Lektüre, als ich erwartet hatte, ich konnte mich mit Röhrigs Schreibstil einfach nicht anfreunden. Seine Sprache fühlte sich für mich sperrig an und der Zweck seines inflationären Gebrauchs der indirekten Rede, teilweise mitten im Satz einsetzend, hat sich mir nicht erschlossen. Obwohl bestimmt viel Recherchearbeit in diesem Buch steckt und es sich um reale Charaktere handelt, blieben sie für mich leer. Es ist mir nicht gelungen, eine Nähe aufzubauen, die mich richtig in die Geschichte hineingezogen hätte.
Warum ich es trotzdem nicht überflüssig fand, den Roman zu lesen, war der interessante Blick auf das Leben der Künstler im Dritten Reich, die sich gegen das Exil entschieden haben, aber gleichzeitig auch nicht hinter dem Nazi-Regime standen, die Repressionen, die Gefahren, die moralischen Dilemmata der Entscheidungen, die man treffen musste, um zu überleben. Auf dieser Ebene hat mich die Lektüre zum Nachdenken gebracht, mich fast gezwungen, Stellung zu beziehen.
Alles in allem hatte ich eher das Gefühl, einen Film aus den 1940er oder 1950er Jahren zu sehen, als zu lesen. Alles hatte einen cineastischen Anstrich, etwas leicht Künstliches und Konzipiertes. Meine Leseempfehlung geht an alle, die sich für das Thema interessieren, aber als literarisches Vergnügen kann ich „Und ohne Tabu explodiert die Welt“ leider nicht anpreisen.
Erich Kästner war ein großartiger Schriftsteller, erst habe ich seine Kinderbücher kennen und lieben gelernt.. Dann als junge Erwachsene Kästner für Erwachsene, das war ein ganz anderer Schriftsteller eine andere Sprache, hart in der Sache, seine Beschreibungen und Folgerungen fast unerträglich. Während er die Welt aus Kinderaugen und auch in ihrer Höhe sah und beschrieb. Waren seine Gedichte voller Zweifel ob wir Mensjchen aus unseren Fehlern leren können und nie wieder Krieg Wahrheit werden würde. Aber auch er konnte das Schlimmste nicht aufhalten, auch er hat es am Anfang nur für einen braunen Spuk gehalten.. Tilman Röhrig beschriebt Kästner als ob er neben ihm gestanden hat, ihn persönlich kannte, als ob er ihn durch die Zeit begleitet hat. Alles Wichtige von 1927 bis 1945 im Leben von Erich Kästner wird in tageweisen Auszügen erzählt. Es entstehen Bilder von einem Mann der an die Wahrheit glaubt und meint wenn er nur genug darüber schreiben würde, mal humorvoll, mal kritisch aber immer dem Volk aufs Maul geschaut dann würde er etwas beweiken. Er selber ist nicht ins Ausland gegangen unter anderm Namen hat er in Deutschland geschrieben und veröffentlicht, nur viele seiner Werke wurden in der Schweiz und anders wo verlegt. Warum er nicht ging? Er sei ein deutscher Baum mit deutschen Wurzeln und könnte nicht anders als in Deutschland verdorren.. So die Aussage von Kästner. Der Autor wertet nicht, nicht über ihn nicht über andere. Das macht diese Biografie besonders, es steht ein Mensch im Vordergrund und sein Werk beides untrennbar verbunden. Tilman Röhrig ist der Betrachter, der Sehende der Chronist, der uns anderen jemanden nahe bringt auf das wir uns näher mit ihm und seinen Werk bescäftigen.. Vielleicht lernen wir besser als Kästner Warnzeichen erkennen und nicht als bloßen Spuk abtun. Denn das Verbot der freien Meinung und der anderen Ansichten kommt wieder.
- Sehr elegant, ruhig und vornehm geschrieben - Man taucht wirklich in diese Zeit und ihre Atmosphäre ein - Charaktere sehr konsistent geschrieben - Man begleitet sie wirklich auf einer nachvollziehbaren Entwicklung - Gerade zum Schluss zieht sich das Buch doch sehr, findet ein recht plötzliches, aber schönes und passendes Ende - Ich finde, Kästners schriftstellerische Tätigkeit kommt im Verhältnis zu dem Bezug auf den Nationalsozialismus fast zu kurz - Man muss in die Erzählstruktur mit den verschiedenen Perspektiven erst reinkommen, dann kann das Buch dadurch aber sehr viel abhandeln - Ich muss mal ein bisschen recherchieren, ob das so ist, aber es wirkt sehr gut recherchiert und nah an der Geschichte
Erich Kästner - wie er sich während der NS-Zeit in Deutschland als eigentlich verbotener Autor durchschlägt. Wie seine Freunde wegen salopper Bemerkungen verpfiffen werden. Der Autor schildert die Ereignisse im Rahmen einer Roman-Erzählung.
REZENSION – „Und ohne Tabu explodiert die Welt“ lautet der Titel der im Oktober beim Piper Verlag erschienen Romanbiografie von Tilman Röhrig (80) über die noch jungen Jahre des Schriftstellers Erich Kästner (1899 bis 1974) in Berlin. Die Aufhebung moralischer Tabus kann einerseits – wie nach dem Ersten Weltkrieg in den Goldenen Zwanzigern der Weimarer Republik – befreiend, andererseits aber auch – wie in den nachfolgenden Jahren des Nazi-Regimes – zerstörend sein. Beides wirkte sich auf das literarische Schaffen Kästners in den 1930er- und 1940er-Jahren aus. Kästners Romane „Emil und die Detektive“ (1929), „Fabian“ (1931), „Pünktchen und Anton“ (1931) und „Das fliegende Klassenzimmer“ (1933) hatten den jungen, seit 1927 in Berlin lebenden Autor schnell zu einem der populärsten Schriftsteller gemacht, dem eine großartige Zukunft beschieden war. Doch änderte sich dies abrupt mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Kästner, der sich in den tabulosen Umbruchsjahren der Weimarer Republik durch lästerliche Kabaretttexte und satirische Verse wie „Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?“ (1927) oder „Die andere Möglichkeit“ (1930) bei den aufkommenden Nazis und vor allem bei Goebbels persönlich unbeliebt gemacht hatte, erhielt sofort nach deren Machtergreifung Schreibverbot und war selbst Zeuge, als seine Bücher im Jahr 1933 auf dem Scheiterhaufen landeten. Andererseits konnte und wollte man nicht auf den begabten Autor verzichten. So durfte er mit Goebbels Duldung relativ unbehelligt unter Pseudonym als Drehbuch-Autor weiterarbeiten, schon 1934 mit dem Publikumserfolg „Drei Männer im Schnee“. Drei Männer – drei Erichs – sind auch die Hauptpersonen in Tilman Röhrigs Romanbiografie, einer Mischung aus historischen Fakten und Fiktion. Neben Erich Kästner sind es seine beiden engsten Freunde, der Karikaturist und Comic-Zeichner Erich Ohser (1903 bis 1944), besser bekannt unter seinem Pseudonym e. o. Plauen und als Schöpfer der Comic-Reihe „Vater und Sohn“, sowie der Autor, Liedtexter und Journalist Erich Knauf (1895 bis 1944). Für Kästner-Kenner bietet Röhrigs Buch inhaltlich tatsächlich nichts Neues, weiß man doch die Fakten aus anderer Literatur und Kästners autobiografischem Nachlass wie Briefsammlungen und seinem „Geheimen Kriegstagebuch“. Für jene aber, die sich bislang noch nicht mit Kästners Leben befasst haben, mag die Romanbiografie zumindest ein empfehlenswerter Einstieg sein, der allerdings durch weitere Internet-Recherche ergänzt werden sollte. Die tiefere psychologische Auseinandersetzung mit Kästners Persönlichkeit, mit seinen möglichen Ängsten und Hoffnungen sowie inneren Konflikten ist in Röhrigs Roman kaum spürbar. „Und ohne Tabu explodiert die Welt“ gleicht eher einem Unterhaltungsroman, den zu lesen durchaus Freude macht. Doch der lebensfrohe Junggeselle Kästner scheint sich in einer Blase abgeschottet zu haben, in der er die Tragik und das Leid der Kriegsjahre kaum wahrzunehmen scheint. Nicht einmal die Zerstörung seiner eigenen Wohnung scheint ihn sonderlich zu beeindrucken. War Kästner wirklich so oberflächlich? Lebte er nur für seine literarische Arbeit und blendete alles andere aus? In Röhrigs Roman erfahren wir es nicht. Vor allem nach dem tragischen Tod seiner beiden engsten Freunde kurz vor Kriegsende – Ohser durch Freitod und Knauf durch Hinrichtung nach Verurteilung durch den Volksgerichtshof – fehlt im Roman jegliche Reaktion Kästners. Stattdessen lesen wir, dass er sich durch Vermittlung eines anderen Freundes aus dem zerbombten Berlin zu angeblichen Filmaufnahmen in die österreichische Provinz absetzt. Tilman Röhrig verzichtet auf ein eigenes Urteil über Kästner. So bleibt nach der Lektüre von „Und ohne Tabu explodiert die Welt“ interessierten Lesern nichts anderes übrig, als selbst über die Aufrechterhaltung von Moral und Tabus in totalitären Zeiten nachzudenken und zu versuchen, sich aus dem Gelesenen eine eigene Meinung über den „inneren Emigranten“ Erich Kästner zu bilden.