Das Cover:
Das Cover wirkt düster und magisch zugleich, dunkel gehalten mit feinen mystischen Details, ein Bild, das sofort verrät, worauf man sich einlässt: Magie, Gefahr, Sehnsucht. Perfekt, um in eine neu interpretierte Märchenwelt abzutauchen.
Meine Meinung:
Ich habe bereits einige Märchen-Adaptionen gelesen und liebe gerade solche düsteren Neuerzählungen, daher war „Feenfluch“ für mich ein Muss. Dieses Mal nimmt Christian Handel sich das Märchen Dornröschen vor und dreht viele bekannte Elemente auf ganz eigene, dunkle Weise um.
Im Zentrum stehen Kaelith, eine junge Bedienstete, und Thorn, ein mysteriöser Magier. Kaelith hat alles verloren: Familie, Freundinnen, ihr Zuhause und trägt seit dem verfluchten Dornröschenschlaf eine tiefe Schuld in sich.
Thorn ist einer dieser zwielichtigen Männer, von dem man hört, er würde mit Feen paktieren. Geheimnisvoll, undurchsichtig, gefährlich und gerade deshalb faszinierend.
Was mich besonders gepackt hat: Der Umgang mit dem klassischen Dornröschen-Mythos. Das Schloss liegt still, umgeben von Dornen, Wissen und Erinnerung vernichtet und nur Kaelith entkam. Nun liegt ihre Aufgabe darin, mit Thorn ins Feenreich zu reisen, um den Fluch zu brechen.
Die Reise ist düster, voller Gefahren und magischer Prüfungen durch neblige Wälder, über flüsternde Seen, bis ins Herz eines Feenreichs, das nicht verzeiht. Diese Fantasy-Atmosphäre ist dicht, kalt und zieht dich tief in eine Welt, in der nichts sicher ist.
Gleichzeitig ist die Geschichte eine Mischung aus Rache, Schuld und Hoffnung. Kaelith ringt mit ihren Erinnerungen, mit Trauer, Verlust und der Verantwortung, die sie auf sich geladen hat. Dieser innere Konflikt macht sie nicht zur perfekten Heldin, gabz im Gegenteil: Sie ist brüchig, menschlich, dadurch greifbar. Thorn ist kein strahlender Prinz, sondern ein Mann mit Schatten, dem man misstraut und genau das macht das Zusammenspiel so spannend. Vertrauen muss wachsen, Zweifel bleiben, und jede Entscheidung kostet.
Was stark auffällt: Christian Handel nutzt das Märchen als Gerüst, aber er ändert die Schwerpunkte. Es geht weniger um romantische Rettung, mehr um Schmerz, Sühne, Selbstbestimmung und moralische Zwänge. Der Feenfluch ist nicht nur eine magische Falle, sondern Symbol für Verrat, Angst und die Frage, ob man für Liebe und Loyalität alles opfern darf.
Allerdings: Die düstere Stimmung, die religiös-feenhafte Welt und die Härte machen das Lesen manchmal auch schwer. Wer zarte Märchenlektüre erwartet, wird hier falsch sein. Es gibt keine schönen Zuckerwatte-Momente, sondern Dornen, Blut und brüchige Herzen. Aber genau das gibt der Geschichte Tiefe und wirkt nach.
Mein Fazit:
„Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden“ ist für mich eine starke, düstere Märchen-Fantasy, die bekannte Motive entstaubt und neu zusammensetzt. Kaelith und Thorn sind Figuren mit Ecken und Kanten, ihre Reise ist gefährlich, emotional und ehrlich. Dieses Märchen ist keine Flucht ins Gute — es ist Kampf, Schmerz und Hoffnung zugleich.
Für alle, die düstere, magische Retellings mit Tiefe suchen: Hier seid ihr richtig. Ich freue mich auf mehr aus der Feder des Autors.