Ihre Freiheit ist Anne das Wichtigste. Die Eltern haben sie immer ermutigt, sie wurde Schauspielerin, auch in Beziehungen blieb sie ungebunden. Bis sie Richard trifft, der bunt-elegant gekleidet ist, als Bäcker arbeitet und Anne mit Croissants, seinem Witz und Charme beeindruckt – und der als Geflüchteter aus Kenia einen prekären Status hat. Richard ist so anders, dass Anne ihre Freiheit schnell für diese besondere Liebe aufgibt. Dann kommt Thando auf die Welt, die Dinge ändern sich, Sorgen und Zweifel mischen sich Meint Richard es wirklich ernst? Ist sein Lebensstil nicht doch zu eigenwillig? Sind die Klüfte zwischen den beiden nicht doch so gewaltig, dass die Liebe sie nicht mehr überbrücken kann? Und was ist mit Annes eigenem Drang nach Freiheit? Valery Tscheplanowa erzählt von einer Liebe, die Grenzen sprengt und trotz aller Widrigkeiten zu bestehen versucht. Sie entwirft ein glühend intensives Bild der Beziehungen unserer Zeit, der Widersprüche zwischen Freiheit und Familie, Geborgenheit und Individualität – und der Liebe in ihrer ewigen komplizierten Schönheit.
Ein kritischer Blick auf Liebe, mit Migrationseinblick. Es wird über die Privilegien reflektiert, die man mit der Geburt in Deutschland erwirbt. Besonders gut gefiel mir auch die Überwindung von Sprachbarrieren durch Klamotten, die Emotionen ausdrücken. Alles in einem ein super raffiniertes, fesselndes Buch.
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Ich mochte Vieles an diesem Roman. Die Themen, die die Autorin hier anspricht, sind relevant, und das Bild, das sie von unserer Gesellschaft malt erscheint mir realistisch, wenn auch vielleicht ein bisschen bitter. Ich mochte das Setting und die Art und Weise, wie wir Anne durch die verschiedenen Phasen ihres Lebens begleiten. Die Beziehung zu Richard, die eigentlich im Mittelpunkt des Buches stehen sollte, kam mir allerdings ein wenig flach vor. Mir fehlte die Tiefe. Nach Jahren wirkten die beiden immer noch wie Fremde, und auch wenn das vielleicht ein bisschen so beabsichtigt war, kam es mir doch wenig realistisch vor. Was ich allerdings wirklich mochte, war die teils wortlose Kommunikation zwischen Anne und Richard. Mit Kleidung, Essen, Blicken, Körpersprache. Auch die Art und Weise, wie Annes Essstörung in das Buch eingebunden wurde, hat mir nicht besonders gefallen und die gesellschaftliche Perspektive auf diese Krankheit ist zwar berechtigt, erschien mir aber ein bisschen unterkomplex. Insgesamt interessant und wichtig, aber dennoch für mich nur drei Sterne.
Ich mag es nicht Bücher schlecht zu bewerten, dennoch konnte ich diesem leider nichts abgewinnen. Insgesamt wirkt die Handlung auf mich mich sehr bauklotzmäßig konstruiert ohne wirklich spannende Formen anzunehmen. Die Charaktere (insbesondere Richard) unbefriedigend flach ohne eine Chance wirklich einen tiefen Bezug zu den Personen zu bekommen. Um doch noch mit etwas Positivem zu enden: Der Blick auf die Beziehung, die über kulturelle Grenzen hinweg, von Anfang an nicht nur von persönlichen sondern auch gesellschaftlichen Hürden auf die Probe gestellt wird, halte ich für eine recht präzise Beobachtung auf existierende Beziehungsfindungen unserer Zeit.