Ein geheimes Buch und ein lebensverändernder Auftrag
Wenn einer alles hat und alles aufgibt
Ashok Oswald hat diesen Pool bauen lassen, nachdem er im Alter von 45 Jahren zu einem beträchtlichen Vermögen gekommen war. Wie jeden Morgen zieht er seine Bahnen durch das kühle Wasser, doch dieser Morgen ist Drei Fremde zwingen ihn, sein Ritual zu unterbrechen und das Manuskript herauszugeben, das Peter Bischof ihm vor vielen Jahren anvertraute. Ashok händigt es aus, aber was ist so bedeutsam an diesem Buch, dass sie zu allem bereit scheinen? Um das herauszufinden, gibt Ashok sein altes Leben auf.
Ein abgründiger Roman, in dem Literatur und Leben sich aufs Originellste kreuzen.
Heinrich Steinfest was born in Albury, Australia in 1961, but grew up in Vienna, Austria, where he lived and worked as a freelance artist until the end of the 90's. He started out as a writer of science fiction stories before he published his first crime novel Das Ein-Mann-Komplott (The One Man Conspiracy) in 1996. He is currently living in Stuttgart, Germany, and received the German Crime Fiction Award several times as well as the Heimito von Doderer Prize in 2010. His book "Ein dickes Fell" (Thick-skinned) was longlisted for the German Book Award.
Heinrich Steinfest ist für mich der E. T. A. Hoffmann des 21. Jahrhunderts. Im zweiten Teil des Buches schlägt seine Fabulier- und Erfindungskunst allerdings manchmal ein wenig über die Stränge. Aber die Reflexionen über die Wechselbezüge zwischen Literatur und Leben in einem Kunstwerk sind schon sehr gelungen, zumal der Autor einmal mehr mit seinem eleganten Schreibstil überzeugt. Es macht einfach Spaß, Steinfest zu lesen.
5 Sterne schon aus dem Grund, dass Steinfest auf jeder Seite wirklich schöne sprachliche Bilder eibaut, ohne dass es wiederholend wirkt. Da stört es mich wenig, dass der Inhalt vielleicht ein bisschen weit hergeholt ist. Trotzdem witzig und gut zu lesen😊
Steinfest erzählt in Serpentinen, seine Geschichten führen über komplizierte Kreuzungen und durch kurvige Tunnels. Sie befinden sich in der Realität, manchmal und immer wieder aber auch wenige Millimeter daneben. Der Erzähler kommentiert das, was die Protagonisten erleben, wie wir das von Wolf Haas kennen. Oder er lässt sich vom Geschehen ablenken hin zu oft abstrusen Assoziationen. Manchmal kommentiert auch der Autor das Geschehen oder die handelnde Person denkt das Gleiche wie der Erzähler. Das verlangt vom Leser eine gewisse Konzentration, verlangsamt das Erzähltempo erheblich, um den Leser weiter abzulenken. Der Roman wirkt für mich manchmal wie ein Gemälde, zu dem im Laufe der Handlung hier und dort immer wieder neue Farbtupfer, Ergänzungen, Retuschen hinzugefügt werden. Kein großer Handlungsbogen, sondern eher eine Situation mit jeder Menge Abschweifungen, Verästelungen, Ausschmückungen. Um schließlich in einer fast zärtlichen Welle zu enden, die nahe an Selbstverlorenheit, ja Suizid, entlangschrammt. Eleganz, Würze und Humor erhält der Roman durch die hohe sprachliche Qualität, die Bilder und Aphorismen schafft, wie sie nur die Beherrschung des Österreichischen schaffen kann, das zwar keine eigene Amtssprache ist, aber Kraft Protokoll Nr. 10 zum EU-Beitrittsvertrag seine eigenen, nationalen Sprachvarianten gesichert hat. Möge deren intensive Anwendung in Dialekt und Literatur noch lange anhalten. Und weil es so schön ist, dazu noch eine Auswahl gelungener Formulierungen: „… eines der prächtigsten und originellsten dieser an prächtigen und originellen Häusern nicht ganz armen reichen Gegend …“. Zu jüngeren Terrorakten wie Weihnachtsmarktattentaten gegenüber früheren, gezielten Anschlägen: „…Terrorismus war eine Sache für Feiglinge und Faule geworden, und für Leute … ohne jegliche Fantasie“. „Sie sprach ein ungemein hübsches Deutsch, als sitze dieses Deutsch auf einer Schaukel mit durchsichtigen Seilen …“. „Liebe führt zu einer Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst. Der Liebende ist immer auch ein Selbstmörder“. „Das Alter war wie ein Radiogerät mit Drehschaltern und Rauschen zwischen den Sendern und dem Verdacht, eine kleine Combo würde in dem Kasten drinstecken und Musik machen“. „Oswald legte seine Stirn in Falten, was aussah, als flimmerte ein gewelltes Gemeindewappen über sein Gesicht“. „… köchelte einsam ein riesiger Topf vor sich hin … das einzig lebende, das Oswald antraf“. Und auch in einer sehr düsteren Szene kann man einen Satz finden wie „Auf einem großen weiten Sofa mit einem Stoffbezug, der aussah, als sei ein Haufen Schotten zu einem Möbel komprimiert worden …“. Bitte mehr dieser erratischen, tiefgreifenden, ironischen, skurrilen Geschichten.
Ich bin ja froh, dass ich Steinfest mit einem anderen Buch kennen gelernt habe, denn ich mag seinen Stil und die Freude am Erzählen sehr. Aber im hier vorliegenden Buch gab es so viele einzelne und abschweifende Geschichten, dass es mir keinen Spaß mehr gemacht hat.
Der Schreibstil und Inhalt von Heinrich Stehfest ist, und damit zitiere ich fast jede Bewertung darüber, speziell & Irgendwo zwischen völlig abschweifenden Gedanken, Schachtelsätzen und einer Story die gleichermaßen völlig unwahrscheinlich, trotzdem erstaunlich glaubwürdig, sympathisch und auf seltsame Weise irgendwie komplett unwichtig ist Es ist eine Erfahrung sondergleichen die, vermutlich, die Gemüter spalten kann. Aber wer offen für neues und ungewöhnliches ist, macht hier nix falsch. Einziger persönlicher Kritikpunkt: kürzere Kapitel oder Abschnitte wären wünschenswert.
Ashok Oswald hat es in seinem Leben zu einem beträchtlichen Vermögen gebracht. Er leitet einen Konzern, sammelt teure Kunstobjekte und schwimmt jeden Tag zweimal in seinem großen Pool. Doch dann verlässt ihn seine Frau, er entlässt seinen Leibwächter und eines Morgens stehen drei Fremde in seinem Garten und unterbrechen sein Ritual auf unschöne Weise. Sie fordern die Herausgabe eines Manuskripts, das ihm der Autor Peter Bischof vor vielen Jahren in Wien anvertraut hat. Ashok hat, gemäß dem Wunsch des Autors, nie einen Blick in das Manuskript geworfen. Er übergibt den Eindringlingen das gewünschte Buch. Und danach gibt Oswald sein altes Leben auf und will nur noch herausfinden, was es mit dem Manuskript auf sich hat.
Das schwarze Manuskript von Heinrich Steinfest ist ein bisschen von allem. Es ist Liebeserklärung an die Literatur und die Kraft des geschriebenen Wortes. Aber auch an Kunst im Allgemeinen. Es ist humorvoll und erzählt gleichzeitig von den Widrigkeiten des Lebens. Unabhängig von Alter oder gesellschaftlichem Stand. Es ist fantastisch und doch glaubwürdig und authentisch. Es ist ein Zeitbild der Vergangenheit und Gegenwart. Wie das Leben selbst macht die Handlung Biegungen und Wendungen zu Nebenhandlungen, die einfach Episoden sind und mit dem großen Ganzen des Romans nur bedingt zusammenhängen. Doch das alles funktioniert. Nicht zuletzt dank Steinfests fabelhafter Erzählweise.
Steinfests Stil lädt den Leser dazu ein, ihm zu folgen. Es geschieht alles schwungvoll und man wird von der Handlung und seinen Protagonisten mitgetragen. Steinfest gelingt es zudem, die Hauptfigur menschlich und nachvollziehbar zu machen, selbst in seinen exzentrischen Momenten. Das schwarze Manuskript ist eine herrlich unterhaltsame Lektüre, die Spaß macht, aber auch nicht aneckt. Ein perfekter Einstieg in das Schaffen von Heinrich Steinfest und gleichzeitig ein Muss für alle Fans.