Vea Kaiser erzählt in ihrem rasanten neuen Roman von einer jungen Mutter, die über alle Hürden hinweg im Wiener Traditionshotel Karriere macht und ihre Geschichte selbst in die Hand nimmt.
Wien, Ende der Achtzigerjahre: Angelika Moser, aufgewachsen im Gemeindebau als Tochter der Hausbesorgerin, verbringt ihre Freizeit durch das Nachtleben tanzend. Gleichzeitig liebt sie ihren Job in einer für sie neuen, eleganten Welt: Als Buchhalterin im Grand Hotel Frohner, das von Wiener Originalen und Gästen von überallher bevölkert wird, lässt sie sich auf zweifelhafte Zahlenspiele ein, um das Etablissement zu retten. Plötzlich mit kleinem Kind auf sich allein gestellt, nimmt Angelika den Kampf um ein gutes Leben auf und beginnt, Rechnungen zu manipulieren. Jahrzehnte vergehen – bis ihr die Zahlen um die Ohren fliegen.
Vea Kaiser erzählt in »Fabula Rasa« mit sprachlicher Brillanz, Witz und Gefühl vom Streben nach Glück.
Vea Kaiser wurde 1988 in St. Pölten geboren. Sie arbeitete als Übersetzerin, Fremdenführerin und Fotomodell. Seit 2007 studiert sie Klassische und Deutsche Philologie an der Universität Wien. Für ein Jahr studierte sie Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. Sie lebt in Wien und Zürich. Für ihre belletristischen Arbeiten erhielt sie u.a. das Start-Stipendium des österreichischen Kultusministeriums, das Hans-Weigel-Literaturstipendium sowie den Theodor-Körner-Preis 2011 (Preis der Stadt Wien für Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam). Kaiser war Finalistin beim 17. Open Mike und nahm 2010 an der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin teil. Ihr Debütroman Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam wurde im September 2012 auf Platz eins der ORF-Bestenliste gewählt und avancierte zum Bestseller. Nach eigenen Angaben machen drei Dinge Vea Kaiser „richtig glücklich“: Fußball, Stöckelschuhe und Altgriechisch.
Wien, Ende der 80er Jahre: Angelika Moser zieht nachts gerne mit ihrer besten Freundin Ingi um die Häuser, während sie tagsüber ihrer Arbeit in der Verwaltung des Grand Hotel Frohner nachgeht. Sie liebt beides, sowohl das Wiener Nachtleben, als auch die Arbeit in diesem altehrwürdigen, glamourösen Hotel, das sich so absolut von dem Gemeindebau, in dem sie aufgewachsen ist, unterscheidet, sehr. Als der Direktor des Frohner sie bittet, einige Zahlen im Rechnungswesen zu verdrehen, um das Hotel zu retten, willigt sie ein - und hat seitdem bei ihm einen Stein im Brett. Nach der Geburt ihres Sohnes Sebastian beginnt sie, Rechnungen zu fälschen, um ihr Einkommen aufzubessern, nicht ohne Folgen...
Wie weit würde eine Mutter gehen, um ihrem Kind ein besseres Leben zu bieten? Und kann man irgendwann aufhören, Geld durch Betrug anzuhäufen, wenn der Betrug niemandem auffällt und das Leben durch die (Luxus-)Güter immer angenehmer wird? Angelehnt an einen realen Wiener Kriminalfall erzählt Vea Kaiser in ihrem neuen Roman "Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels" einen Schelminnenroman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite bestens unterhalten hat und dabei noch unterschwellige Kritik am Patriarchat und der High Society Österreichs übt. Schon als ich Vea Kaiser auf der Frankfurter Buchmesse über ihr Buch habe sprechen hören wusste ich, dass es mich begeistern würde, und genau so ist es auch gekommen. Trotz der vielen Seiten war mir beim Lesen nie langweilig, es steht immer die permanente Angst im Raum, dass Angelika Mosers Betrug auffliegt und gleichzeitig schließt man die Figuren im Buch immer mehr ins Herz. Dieser Roman darf sich entfalten, er entführt die Lesenden in das Wien der 80er Jahre bis heute und wartet mit einer spannenden, manchmal witzigen, manchmal auch rührenden und traurig machenden Geschichte auf. Ich bin mittlerweile Fan der Autorin - "Fabula Rasa" ist eines meiner Lieblingsbücher in 2025!
Vea Kaisers neuer Roman „Fabula Rasa“ ist sowohl ein Entwicklungs- als auch ein Gesellschaftsroman über Aufstieg, Moral, Muttersein und das große Glück – oder die große Lüge – hinter einer makellosen Fassade. Schon die ersten Seiten ziehen einen mitten hinein ins Wien der späten Achtzigerjahre, in eine Welt aus Zigarettenrauch, Tanzflächen und glänzenden Hotelkorridoren.
Angelika Moser, die Tochter einer einfachen Hausmeisterin, arbeitet als Buchhalterin im Grand Hotel Frohner – einem Schauplatz, der ebenso mondän wie moralisch fragwürdig ist. Zwischen den Zahlenkolonnen, den eigenwilligen Gästen und den Wiener Originalen entwickelt sich Angelika zu einer Protagonistin, die ich nicht immer mochte, der ich aber doch gerne durch jedes Auf und Ab ihres Lebens gefolgt bin. Was laut Klappentext zunächst wie ein Roman über eine charmante Hochstaplerin wirkt, entpuppt sich bald als Entwicklungsroman über Selbstbehauptung, Familie, Einsamkeit und die Frage, wie weit man gehen darf, um ein gutes Leben zu führen.
Kaiser gelingt es, Angelika vielschichtig darzustellen. Ihre Entscheidungen – Rechnungen zu manipulieren, um das Hotel, ihren Sohn und später ihren Lebensstil zu retten – sind moralisch fragwürdig, aber menschlich teilweise nachvollziehbar und dann auch wieder nicht. Besonders spannend fand ich, wie sich Angelikas moralische Grenzen mit der Zeit verschieben. Stark sind auch die Passagen über Mutterschaft: ehrlich, unsentimental und oft schonungslos.
„Fabula Rasa“ ist insgesamt flüssig zu lesen: charmant, pointiert, mit einem leichten Wiener Schmäh, an den man sich aber schnell gewöhnt (zur Not hilft ein kurzes Wörterbuch im Anhang). Besonders gefallen haben mir die die metafiktionalen Einschübe der Erzählerin, die kommentierend eingreifen. Kleiner Kritikpunkt: Einzelne Passagen des Romans hätten durchaus etwas gestrafft werden können. Man muss also schon Lust haben, so richtig in Angelikas Leben mit all ihren verschiedenen Themen einzutauchen.
Wann hat euch zuletzt ein Buch so richtig positiv überrascht? Fabula Rasa sprach mit inhaltlich zunächst gar nicht an. Nachdem es nun aber einmal dalag, warf ich doch einen Blick hinein. Völlig überzeugt hat mich dann das dazugehörige Hörbuch. Und was war das ein Spaß! Die Unterhaltungen der Charaktere sind meist in einem oft recht derben Wienerisch geschrieben. Auch die übrige Handlung ist mit vielen österreichischen Begriffen gespickt. Für Unkundige gibt es dazu ein eigenes kleines Wörterbuch am Ende des Romans (das meiste kannte ich, nur bei dem Begriff „Pudern“ hatte ich erst an koksen gedacht 😅) Aber nicht nur sprachlich ist Fabula Rasa ein Highlight. Auch die Personen und die sich daraus ergebenden Situationen sind grandios: Freddy ist einfach eine Type und die Geschichte mit Eugen unglaublich. Angelika fand ich ziemlich sympathisch. Als sie sich das erste Mal Geld „ausborgt“, konnte ich sie sogar verstehen. Die späteren Male dann nicht mehr, höchstens noch, wenn Basti in Schwierigkeiten steckte. Alles andere waren Situationen, in denen sie das Geld nicht gebraucht hätte. Zunächst störten mich die Einschübe der Autorin ein wenig, gegen Ende fand ich sie aber sehr gelungen. Fabula Rasa ist ein rundum gelungenes Buch und zeigt, dass man manchmal auch etwas lesen sollte, was einen auf den ersten Blick nicht ganz überzeugt. Manchmal erlebt man dabei eine wunderbare Überraschung.
Ende der 1980er Jahr in Wien arbeitet die junge Angelika Moser im Grand Hotel Frohner als Buchhalterin. Um der Langeweile wenigstens für ein paar Stunden zu entgehen, flaniert sie am Wochenende mit ihrer besten Freundin Ingi durch das Nachtleben. Doch nicht nur das Partyleben hat es ihr angetan. Sie will Abteilungsleiterin der Buchhaltung im Frohner werden. Angelika ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Ihre Mutter hat sie alleine groß gezogen und Angelika will ein anderes Leben. Das erste Mal lernt sie, die Zahlen phantasievoll zu gestalten, als der Direktor des Hotels sie darum bittet, um den Anwälten etwas vorzugaukeln.
An eine wahre Geschichte angelehnt spinnt die Autorin eine Geschichte über eine zunächst junge Frau, die es mit Geschick und Dreistigkeit schafft, ihren Arbeitgeber über Jahre hinweg um bemerkenswerte Summen zu erleichtern. Voller Enthusiasmus und Fleiß beginnt Angelika ihr Arbeitsleben. Durch die Machenschaften des Direktors wird doch ernüchtert, weiß aber auch, die man die Zahlen nach einem gewünschten Bild zurechtstricken kann. Als sie dann selbst ungewollt allein erziehend ist, sieht sie keine andere Wahl als sich den ein oder anderen geheimen Kredit bei ihrem Arbeitgeber zu gewähren. Alles genau dokumentiert, schließlich wird sie alles zurückzahlen, bis auf das Verbrauchsmaterial jedenfalls.
Die Presseveröffentlichungen geben der Story einen Rahmen vor, in dem sich die Autorin sicher einige Freiheiten erlauben konnte. Dadurch entsteht eine Erzählung um eine junge Frau, die zunächst noch Träume hatte, die aber auch vor ihrer eigenen Courage zurückschreckte und das Vertraute wählte. So saß sie dann da mit einem nicht ungewolltem Kind, dass eine bessere Mutter haben sollte als ihre eigene gewesen war. Leider verläuft sie Sache nicht so glatt wie gewünscht und der Filius entwickelt sich zumindest bemerkenswert. Angelika sieht sich gezwungen, immer mehr Geld zu leihen. Leider werden einem Angelika und ihr Umfeld nicht so wirklich sympathisch, man bringt zwar Verständnis auf, aber in einigen Momenten wirkt ihr Verhalten doch übertrieben. Man kommt an den Rand des Genervtseins. Auch der witzige Wiener Schmäh kann das nicht gänzlich übertönen. Wohl viel würde die Mutter für ihr Kind tun, aber muss nicht auch mal Schluss sein? Immerhin bleibt einiges der Phantasie überlassen, so das man sich noch eine andere Angelika denken kann.
Wohin der Leuchter auf dem Titelbild gehören könnte, ist nicht genau zu sagen. Wohl passte er in ein Hotel, aber auch in einen bürgerlichen Altbau.
Ich habe diese Geschichte so gern gelesen! Sie sprüht vor Wiener Charme und erzählt uns den Weg von Angelika Moser - von einer kleinen Verwaltungsangestellten im Grand Hotel Frohner und alleinerziehenden Mutter, bis hin zur Verhaftung wegen Millionenbetrugs.. und das geschieht auf so charmante Art und Weise, dass man fast schon Verständnis für sie und ihr Streben nach Glück hat! Großartig! ☺️
Ich habe dieses Buch gelesen, weil es in einem meiner Uniseminare behandelt wurde. Doch ich muss sagen - ich habe Angelikas Geschichte sehr gerne verfolgt. Es fühlte sich authentisch an, fast wie eine Freundin, die man begleitet. Hätte auch noch mehr davon lesen können. Bin etwas traurig, dass es nun vorbei ist. Hat mich sehr positiv überrascht!
Ein tolles Geschenk, dieses Buch. Danke :-) Ich möchte das Hotel-Setting in Wien, die wienerischen Dialoge (ein neues Wort hab ich gelernt) und die Charaktere. Ich mag Geschichten über Frauen, die ihren Weg gehen mit allen Aufs und Abs. Es war spannend mitzuerleben wie sich das persönliche Gefühl von Recht und Unrecht verschiebt, wie sich Angelika nimmt was ihr ihrer Meinung nach zusteht. Eine Frau, die schlau, schnell und konsequent in allen Lebenslagen entscheidet - sehr geradlinig, sogar beim Zurechtbiegen von Rechnungen. Der Wechsel zwischen der Story und den Besuchen in der Justizanstalt haben die Geschichte so "echt" gemacht und ich hab sie sehr gerne gelesen!
Wiener Schmäh und Grant im Grand Hotel. Eine fesselnde Geschichte über eine alleinerziehende Mutter die alles für ihren Sohn tut… und mehr. Abwechselnd irrsinnig lustig und dann wieder tief berührend. Hat viel Spaß gemacht.
"Angelika hatte unlängst gelesen, dass es dem Menschen von der Evolution eingeprägt war, sich alleine unwohl zu fühlen. Wer allein war, war leichte Beute für Raubtiere. Angelika entschied, dass man das nie so stark spürte, wie wenn man alleine schwimmen war und seine Wertgegenstände im Auge behalten musste."
Dieses Buch war für mich sternemäßig eine Talfahrt. Nach den ersten Kapiteln war ich super begeistert und habe vermutet, dass ich am Ende fünf Sterne vergeben würde. Grand Hotel, Wien in den Achtzigern, interessante Figuren, Wiener Schmäh. Toll geschrieben. Dann gab es leider immer mehr Längen. Das letzte Drittel ist zäh. Figuren, die nun noch hinzukommen (leider inklusive des Sohns Krypto-Basti) sind weit weniger interessant, als die vorangegangenen. Die Handlung wird komplett vorhersehbar. Es wandelte sich in meinem Kopf von vier zu schließlich nur noch drei Sternen. Denn leider entwickelt sich auch Betrügerin Angelika vom sympathischen Charakter zu jemandem, dessen Taten ich nicht mehr nachvollziehen konnte. Wirklich enttäuscht war ich dann am Ende, als ich festgestellt habe, dass der autobiografische Teil der Autorin fiktiv ist. Ich war der Autorin auf den Leim gegangen, und hatte gedacht, dass sie tatsächlich wiederholt die Betrügerin, die ja die Vorlage für diesen Roman geliefert hat, im Gefängnis besucht und sich mit ihr unterhalten hätte. Als gelungenen erzählerischen Kniff kann ich das nicht sehen. Eher als … aber das passt ja zum Thema des Buchs … Betrug!
Ich hab extrem lang gebraucht, um reinzukommen, war dann aber schon irgendwann richtig gespannt drauf, wie's weitergeht. Das Setting in Wien fand ich toll, vor allem weil's an richtig vielen Orten spielt, die ich gut kenne. Aber der Dialekt hat sich, obwohl ich's an sich witzig fand und die Autorin Österreicherin ist, leider nicht sehr authentisch gelesen, was mich dann teilweise genervt hat. Und ich fand Angelika manchmal so anstrengend, dass es mich irgendwie doch nicht so ganz gepackt hat.
Für mich war es reizvoll, das Buch nach dem angestaubten Klassiker HOTELvon Hailey zu lesen. So viel hat sich da nicht verändert in den 5-Sterne-Häusern. Die Geschichte ist ja fast unglaublich, auch wenn sie einige literarische Freiheiten enthalten dürfte. Sie fängt etwas zäh an, nimmt dann aber Fahrt auf. Das Bild einer modernen Frau zwischen Freiheitsdrang und Party, Beruf und Selbständigkeit, Partnerqu/wahlen und alleinerziehender Mutterschaft, auch noch zwischen verschiedenen Milieus bis hin zur Demenz der Mutter gibt das Buch ganz gut wieder. Am Ende gefallen die unerwarteten Wendungen. ich bin mir sicher, das wird verfilmt!
Das hat Spaß gemacht! Zwar geht es weit weniger um den Betrug am Hotel, als um den Weg dorthin. Es ist dennoch eine spannende, lustige, traurige, sich echt anfühlende Geschichte. Ich bin tief abgetaucht in das erfundene Wiener Luxushotel „Frohner“, und habe mich gestern erwischt, wie ich „ur spannend“ gesagt habe. Das Buch fetzt eh!
Vea Kaiser liefert auch in ihrem neuesten Roman „Fabula Rasa“ vor allem eines: Unterhaltung im besten Sinne, Lesevergnügen auf höchstem Niveau.
Die Autorin hat einen Blick für Details: Das macht ihre kleinen Milieustudien, denn das sind ihre Bücher natürlich, so lebendig und authentisch. Dabei ist sie in der Schickeria genauso zuhause wie im Gemeindebau. Anstatt die Einzelheiten einfach hinzuschreiben, verwebt sie sie gekonnt im Text: Lässt den Hoteldirektor unkommentiert von „Advakaten“ sprechen oder die Hauptfigur ein violettes Haar der unliebsamen ersten Freundin ihres Sohnes finden. Anstatt hinzuschreiben, dass die Protagonistin immer unmoralischer wird und weiter in ihre kriminelle Tätigkeit rutscht, lässt sie sie plötzlich beiläufig mit einer Birkin auftauchen.
Die Hauptfigur wächst einem im Laufe der Seiten immer mehr ans Herz. Und nicht nur als Mutter ist man sich sicher, man würde ohne mit der Wimper zu zucken das selbe tun.
Fazit: Kurzweilig, ehrlich, ungeschönt, authentisch - und vor allem sehr vergnüglich.
Es gibt weltweit wohl nur eine ganz kleine Zielgruppe, denen dieses Buch besonders taugt, und in diese Zielgruppe falle ich haargenau rein. Ich liebe diese literarische Repräsentation der Wiener Kultur. Bei Sätzen wie „Die sind zu deppert zum Scheißen“ geht mir einfach das Herz auf. Das Hörbuch empfehle ich uneingeschränkt!
Manchmal stolpert man in ein Buch und merkt nach drei Seiten: Hier wird nicht spaziert – hier wird getanzt! Und Vea Kaiser lädt mit Fabula Rasa auf den Wiener Parkettboden des Lebens ein, wo Zahlen, Zigaretten und große Gefühle durcheinanderwirbeln wie Konfetti nach einer langen Ballnacht.
Angelika Moser ist keine Heldin aus dem Lehrbuch, sondern eine Frau mit Witz, Mut und einer gewissen Buchhaltungskriminalität im Blut. Vom Gemeindebau direkt ins Grand Hotel – und dort jongliert sie nicht nur mit Rechnungen, sondern auch mit ihrem Schicksal. Und während andere an der Liebe verzweifeln, zieht sie ihr Kind groß, biegt Zahlen gerade (oder eher krumm) und bleibt dabei irgendwie hinreißend normal-chaotisch.
Vea Kaiser schreibt mit so viel Tempo, dass man fast vergisst zu blinzeln. Jeder Satz klingt, als hätte er ein Wiener Schnitzel zu viel und einen Prosecco zu wenig – charmant, dezent drüber, aber auf den Punkt serviert. Das Grand Hotel wird zur Bühne einer Gesellschaft, die zwischen Glanz und Gulasch schwankt, und Angelika ist mittendrin: wild, clever, herzlich, mit einem moralischen Kompass, der sich manchmal einfach denkt: "Ach, heut nicht."
Es ist diese Mischung aus Humor, Tragik und Schmäh, die das Buch so unwiderstehlich macht. Da wird gelogen, geliebt und gelebt – und am Ende steht man da, applaudiert und denkt: „Jawohl, das war großes Kino in Buchform!“
Wer Wien liebt, Skandale schätzt und Figuren mag, die nicht alles richtig machen (aber dafür alles geben), wird hier glänzend unterhalten. Und ganz ehrlich: Wenn Buchhaltung immer so spannend wäre, hätte ich schon längst Karriere gemacht.
Ich habe dieses Buch als Hörbuch gehört und ich muss sagen, Proschat Madani macht ihre Sache hervorragend. Sie schafft es, den einzelnen Figuren ihre eigene Stimme zu geben und das Wiener Lokalkolorit punktgenau zu treffen. Die Textteile, die von der Autorin gesprochen werden, ergänzen das gut - natürlich auch inhaltlich - ein schöner Spagat zwischen der echten Geschichte, die zu dem Roman inspiriert hat, und der künstlerischen Freiheit. Was mir bei diesem Roman besonders gut gefallen hat ist, dass ich nur wenige Personen so richtig mochte (eigentlich nur eine und das ist eine Nebenfigur), die meisten sind einfach nicht wahnsinnig sympathsich und trotzdem habe ich unglaublich mitgefiebert, wollte immer wissen, wie es weiter geht (obwohl das Ende ja zu Beginn schon festzustehen scheint). Dazu kommt dann noch der Humor, die Gesellschaftskritik und die feministischen Ansätze. Ich kann gar nicht anders als dafür fünf Sterne zu geben.
Irgendwas zwischen 4 und 5 ⭐️ Hat mich sehr gut unterhalten und mir gute Laune gemacht. Unterhaltsame Geschichte, die in einem Luxushotel in Wien in den 80-ern spielt. Die letzten 150 Seiten haben sich etwas gezogen - weil 550 Seiten doch recht viel sind. Ein bisschen österreichische „catch me if you can“ vibes.
Das war so toll Wien nostalgisch, aber eben nicht romantisiert sondern ganz ehrlich. Meine Zeit in Wien geht Anfang nächsten Jahres nach 11 Jahren vorbei und das war so ein schöner Abschluss💕
Was für ein Lesevergnügen Die Hauptperson ist eine Heldin, die mutig und eigensinnig ist. Sie reagiert auf alles, was das Leben ihr hinwirft. Man kann am Ende die Hoffnung haben, dass alles vielleicht doch irgendwie gut ausgeht und wünscht es ihr sehr.
Sehr unterhaltsam, durchaus auch spannend, wunderbar realistisch für Frauen dieser Generation und in dieser Situation. Anschaulich-witziger Stil. Hat mir wider Erwarten ausgezeichnet gefallen.
Ein sehr amüsanter Schurkinnenroman mit viel Wiener Lokalkolorit, der sich an einer wahren Begebenheit orientiert.
Besonders gefallen hat mir die Entwicklung der Protagonistin Angelika Moser über die verschiedenen Stationen ihres Lebens hinweg: von der Kindheit im Gemeindebau über die wilden 80er-Jahre im U4 bis hin zu ihrer Arbeit in der prunkvollen, aber auch dekadenten Welt eines Wiener Gand Hotels.
Richtig abgeholt hat mich der Roman mit der Erzählung über die junge Familie im ersten Babyjahr, Angelikas Mutterschaft und die damit verbundene Überforderung sowie die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf für Mütter.
Als Buchhalterin beginnt Angelika aus Geldmangel mit Präzision und Akribie Geld des Hotels auf ihr eigenes Konto zu überweisen. Kriminalität wird dabei zunächst zur einer Form der Selbstermächtigung aus einer Notlage heraus. Später ist diese Rechtfertigung jedoch nicht mehr eindeutig, wodurch Angelika keine reine Sympathieträgerin bleibt, sondern eine vielschichtige Figur mit widersprüchlichen Seiten.
Das Buch bleibt spannend bis zum Schluss habe ich richtig mitgefiebert und mich gefragt, wann und wie Angelika auffliegen wird.
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