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Das Patriarchat im Uterus: Ein Plädoyer für körperliche Selbstbestimmung

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Von Macht und Entmü Warum die Abtreibungsdebatte alle angeht

"Ein kompromissloses Plädoyer für körperliche Selbstbestimmung. Alicia Baier trifft genau ins Zentrum der Debatte um reproduktive Gerechtigkeit." Emilia Roig

"Dieses Buch übernimmt, was die politische Debatte versäumt hat – und zeigt einmal mehr, wie unverzichtbar die Arbeit von Doctors for Choice ist." Mithu Sanyal

Weltweit ist jede vierte Frau einmal in ihrem Leben selbst betroffen, trotzdem halten sich die Mythen und Falschinformationen rund um das Thema Schwangerschaftsabbruch hartnäckig. Die Unkenntnis, Tabuisierung und Stigmatisierung. Zugleich ist gerade erst ein Vorhaben für die Legalisierung von Abtreibungen kurz vor dem Ziel im Bundestag ausgebremst worden. In ihrem Buch erklärt Dr. med. Alicia Baier, Gynäkologin und Gründerin von Doctors for Choice Germany, die medizinischen und politischen Grundlagen.

Dr. med. Alicia Baier mit einem hochaktuellen Plädoyer für körperliche Selbstbestimmung

Dabei wird Die aktuelle rechtliche Regelung in Deutschland verursacht nicht nur große Probleme in der medizinischen Praxis, sondern folgt auch patriarchalen Mustern und ist ein Einfallstor für rechte Ideologien. Lücken im Medizinstudium, Bevormundung per Gesetz und Vorurteile statt ärztlicher Professionalität sind dabei nicht aus einem luftleeren Raum entstanden. Mit viel Empathie und großer Expertise zeigt Baier, warum dies eine Geschichte von Macht und Entmündigung ist. Und sie macht deutlich, was sich in Gesellschaft, Medizin und Politik ändern muss, damit gebärfähige Menschen selbst über ihre Körper bestimmen können. So wird  Das Thema geht uns alle an.

Ein Muss für alle, die sich für Feminismus, reproduktive Rechte und Geschlechtergerechtigkeit interessieren.

"Ein sehr wichtiges Buch, das den großen Zusammenhang Die Frage nach dem Schwangerschaftsabbruch berührt alle Themen sozialer Gerechtigkeit. Absolute Leseempfehlung." Sibel Schick

"Alicia Baier bringt in ihrem Buch die Sicht der Ärztin, der Wissenschaftlerin, der Frau und schlicht das Menschliche zusammen – und es ist ein Buch entstanden, das umfassend historisch und aktuell informiert, verstehen, aber auch mitfühlen lässt. Man wünscht dem Buch den Rang eines Standardwerks zum Schwangerschaftsabbruch." Gilda Sahebi

"Dr. Alicia Baiers Buch kommt genau zur richtigen Zeit – sie bringt Klarheit, Wissen und Haltung in eine Debatte, die noch viel zu sehr von Tabus geprägt ist." Mandy Mangler

353 pages, Kindle Edition

Published November 3, 2025

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Displaying 1 - 12 of 12 reviews
Profile Image for Pia Steeb.
13 reviews2 followers
November 13, 2025
„Patriarchat im Uterus“ von Dr. Alicia Baier verbindet soziale, rechtliche und medizinische Aspekte der Thematik auf nachvollziehbare Weise. Die intersektionale Perspektive und der Fokus auf Reproductive Justice zieht sich durch das ganze Buch. Gerade für Menschen, die neu einsteigen, ist es gut geeignet, da die historische Einordnung Orientierung gibt und hilft, die heutigen Zusammenhänge einzuordnen. Besonders gut fand ich die Darstellung der deutschen Rechtslage zu Schwangerschaft und reproduktiven Rechten im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sowie das Aufdecken verschiedener kirchlicher Trägerschaften hinter vermeintlich neutralen Studien, Artikeln etc.
Profile Image for Sarah.
180 reviews14 followers
February 20, 2026
"Damals wie heute gilt: Wer unter diesem Druck eine Schwangerschaft abbricht, weil Kinderbetreuung, Existenzsicherung und berufliche Perspektive unvereinbar erscheinen, trifft keine wirklich freie Entscheidung, sondern reagiert auf eine durchökonomisierte Welt, in der Reproduktionsarbeit nicht ihre verdiente Wertschätzung erhält. Gleichzeitig erscheint ein Schwangerschaftsabbruch weiterhin als keine legitime Option, sondern als Verweigerung eines gesellschaftlichen Auftrags."

"Der Jurist und Autor Dirk von Behren hat sich intensiv mit der Geschichte des Paragrafen 218 beschäftigt. Er betont, dass der Unterschied zur ursprünglich geplanten Fristenlösung vor allem in der »Kontroll-und Filterfunktion« durch Dritte liegt: Nicht die Schwangere entscheidet, sondern Ärzt:innen und Beratungsstellen behalten das letzte Wort - durch vorgeschaltete
»Beratungs- und Feststellungsverfahren«."

"Der Paragraf 218 wird heute oft als »mühsam errungener Kompromiss« bezeichnet - dabei wurde der politisch und demokratisch mühsam ausgearbeitete Kompromiss ja gerade durch die CDU/CSU und das Verfassungsgericht gleich zwei Mal gekippt. Die vielfältige, gesamtdeutsche Bewegung für die Beibehaltung der Fristenlösung wurde übergangen, während sich eine konservative, westdeutsche, männliche Minderheit aus Politik und Rechtswissenschaft durchgesetzt hat. Obwohl Deutschland ein säkularer Staat ist, dominieren in der rechtlichen Ausgestaltung die religiös geprägten Ansichten einiger weniger. Insbesondere für die Frauen aus der ehemaligen DDR stellte die Wiedervereinigung eine massive Rücknahme ihrer reproduktiven Rechte dar."

"Die Geschichte zeigt: Weibliche Selbstbestimmung bleibt die Leerstelle politischer (Freiheits-)Versprechen."

"Der eigentliche Zweck von Paragraf 219a bestand darin, das Schweigen aufrechtzuerhalten und den Umgang mit Abbrüchen als reguläre Gesundheitsleistung zu verhindern."

"Teresa Bücker brachte es auf den Punkt: »Wie kompetent wirkt Politik, wenn sie nicht in der Lage ist, eine jahrzehntelange Debatte plus den Abschlussbericht einer Expert_innen-Kommission zu übersetzen in eine neue gesetzliche Regelung, sondern als politische Lösung nach einer weiteren gesellschaftlichen Diskussion ruft?«"

"Wieso wir das nicht wissen? Weil Deutschland eines der wenigen Länder ist, das Müttersterblichkeit nicht systematisch erfasst - ein beschämendes Zeugnis für den geringen Stellenwert von Frauengesundheit.
»Müttersterblichkeit« umfasst alle Todesfälle, die während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett auftreten. Eine gute Dokumentation dieser Fälle ist unabdingbar, um ihnen in Zukunft vorbeugen zu können und die Behandlungsqualität zu sichern. Doch in Deutschland beruht die Erfassung auf freiwilliger Basis. Erste systematische Erhebungen aus Berlin zeigen, dass die Sterblichkeitsraten in Deutschland vermutlich mindestens doppelt so hoch sind wie bislang geglaubt."

"Wer für Kinder einsteht, muss mehr tun, als ihre Geburt zu erzwingen."

"Die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, ihre Verzögerung oder Verweigerung sind Formen geschlechtsspezifischer Gewalt.105 Umso bezeichnender ist es, dass ausgerechnet Deutschland - ein Land, das sich international gern als Verfechter von Menschen-und Frauenrechten positioniert - vom CEDAW-Ausschuss wiederholt gerügt wurde, zuletzt 2023 im Rahmen des Staatenberichtsverfahrens. Die Bundesregierung wurde aufgefordert, den Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen deutlich zu verbessern. Konkret: ohne Zwangsberatung, ohne Wartefrist und als Leistung der Krankenkassen. Ebenso kritisiert der Ausschuss, dass es in Deutschland an einer ausreichenden Zahl von Fachkräften fehlt, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Er bemängelt den eingeschränkten Zugang zu Abtreibungsmedikamenten und fordert einen flächendeckenden Zugang zu Verhütungsmitteln, insbesondere für armutsbetroffene Menschen. Im Ergebnis verlangt der Ausschuss umfassende Nachbesserungen auf Basis der WHO-Leitlinien, denen Deutschland bislang nicht gerecht wird."

"Frauen haben zwar ein gesetzlich verbrieftes Recht auf einen kostenfreien Abbruch nach sexualisierter Gewalt - aber die realen Vergütungssätze machen es Ärzt:innen nahezu unmöglich, den Eingriff ohne wirtschaftliche Nachteile durchzuführen. Das Honorar der Krankenkassen reicht oft nicht einmal für die Deckung der Fixkosten der Praxis. Und so kommt es, dass manche Frauen nach einer Vergewaltigung trotz aller Voraussetzungen und aller Rechtsansprüche erneut abgewiesen werden, und zwar nicht aus medizinischen oder rechtlichen, sondern aus rein finanziellen Gründen."

"Das Problem ist strukturell: Nicht nur einzelne Täter, sondern Institutionen, Gesetze und politische Entscheidungen wirken an der Gewalt mit. Indem der Staat die Einschränkung von Abtreibungsrechten institutionell verankert, unterdrückt er gewaltbetroffene und vulnerable Personen systematisch. Sie benötigen für den Abbruch eine Indikation, die in der Realität kaum zu erlangen ist. Ärzt:innen werden für die Ausübung ihrer Leistung so niedrig bezahlt, dass sie diese nicht vornehmen. Der Staat setzt zeitliche Fristen, führt einen Mangel an Versorgungsstrukturen herbei und zwingt Überlebende zur Kooperation mit ihren Peinigern. Er verwehrt ihnen aktiv Zugang zu Schutz und medizinischer Versorgung. Das ist das Gegenteil von Gewaltprävention - es ist die Verankerung und Förderung struktureller, geschlechtsspezifischer Gewalt. Eine Politik, die diese Zustände aufrechterhält, institutionalisiert staatlich legitimierte Reproduktionszwänge mit weitreichenden Folgen für Körper, Leben und Selbstbestimmung der Betroffenen."

"In Ländern, in denen reproduktive Rechte umfassend umgesetzt sind, ist die Rate ungewollter Schwangerschaften am niedrigsten. Maßnahmen für echten Lebensschutz gäbe es auch in Deutschland genug, wie wir gesehen haben - sie liegen seit Jahren auf dem Tisch. Aber dafür müsste der Staat Geld in die Hand nehmen. Das Strafrecht dagegen verhindert zwar keinen einzigen Abbruch - aber es kostet nichts. Und es entlässt den Staat aus seiner Verantwortung: Nicht die Umstände, sondern die Schwangeren sind schuld. Doch dieses Vorgehen ist durchschaubar und unehrlich. Wir sollten es als Gesellschaft nicht länger akzeptieren. Ich erwarte insbesondere von der Union mehr inhaltliche Tiefe als einen rein rhetorischen Bezug auf »Lebensschutz«. Wer sich auf »Lebensschutz« beruft, muss auch bereit sein, in die Lebensrealität von Familien zu investieren. Die notwendigen familienpolitischen Maßnahmen liegen bereit - jetzt gilt es, sie endlich umzusetzen."

"Viele Männer betrachten Abbrüche noch immer als ein
»Frauenthema«, das sie scheinbar nichts angeht. Die Autorin Margarete Stokowski sagte einmal: »Es gibt keine ›Frauenthemen‹. Themen werden zu Frauenthemen, weil Männer sich nicht drum kümmern.« Doch auch Männer müssen sich fragen, in welcher Welt sie leben möchten: in einer Welt, in der Freiheitsrechte für alle gelten, oder in einer, in der die Hälfte der Gesellschaft zum Austragen unerwünschter Kinder verurteilt wird."

"Wie sähe unsere Gesetzgebung aus, wenn nicht männliche Kontrolle über die Fortpflanzung, sondern die Selbstbestimmung der Betroffenen das Leitprinzip wäre? Wäre man je auf die Idee gekommen, Schwangerschaftsabbrüche ins Strafrecht zu schreiben? Die Aktivistin Flo Kennedy brachte diesen Gedanken in einem oft zitierten Satz auf den Punkt: Wenn cis Männer schwanger werden könnten, wäre Abtreibung längst heilig - oder zumindest selbstverständlich legal."

"Die Schuld für eine ungewollte Schwangerschaft wird strukturell Frauen aufgebürdet, während Erzeuger aus dem Blickfeld geraten - obwohl es ohne sie keine Schwangerschaft gäbe. Ähnlich einfach können sich Männer aus der Affäre ziehen, wenn es um die finanzielle und soziale Verantwortung für das gemeinsame Kind geht: Jede fünfte Familie ist alleinerziehend, und 88 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen. Rund die Hälfte der Alleinerziehenden bekommt keinen Cent vom Erzeuger. Ganze 2 Milliarden Euro an Unterhalt verweigern Erzeuger pro Jahr."

"Ob in Budapest, Ankara oder Dresden: Der Uterus wird zum Austragungsort nationaler Demografiepolitik. Die Botschaft ist überall dieselbe: Du dienst dem Land, wenn du gebärst."

"Doch ist es vollkommen illusorisch zu glauben, dass sich durch ein staatliches Abtreibungsverbot ein freiwilliges Bevölkerungswachstum erzielen lässt. Ein erneuter Blick in unser Nachbarland Polen genügt. Trotz der massiven gesetzlichen Einschränkungen sank die Geburtenrate seit 1993 kontinuierlich. 2024 gehörte das Land mit rund 1,2 Kindern pro Frau zu den geburtenschwächsten in Europa. Malta, das zweite europäische Land mit extrem restriktivem Abtreibungsrecht, war 2022 mit 1,1 Geburten pro Frau sogar Europas Schlusslicht. In Frankreich und Schweden dagegen, wo Menschen sehr guten Zugang
zu legalen Schwangerschaftsabbrüchen haben, werden europaweit die meisten Kinder geboren. Frankreich war 2022 mit 1,8 Kindern pro Frau sogar Spitzenreiter. Beide Länder zeichnen sich durch eine hohe Gleichstellung der Geschlechter aus und investieren in die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In Schweden ist die staatliche Betreuungsquote für Kleinkinder etwa doppelt so hoch wie in Deutschland."

"Die AfD macht in ihrem Programm deutlich, dass sie
»alle Bestrebungen« ablehnt, »Abtreibungen zu einem Menschenrecht zu erklären«. Falls sie Regierungsverantwortung auf Landesebene bekommt, kann sie reproduktive Rechte weitreichend und zügig einschränken - auch ohne Paragraf 218 anzutasten. Sie könnte beispielsweise den staatlich anerkannten, öffentlich finanzierten Beratungsstellen die Finanzierung entziehen, sodass die Realisierung der Pflichtberatung innerhalb der eng gesetzten Frist faktisch nicht mehr möglich ist."

"Gerade angesichts des massiven Rechtsrucks in Europa und Deutschland stehen sexuelle und reproduktive Rechte mehr denn je auf dem Spiel. Mit dem wachsenden Einfluss der AfD in Parlamenten und insbesondere in kommunalen Gremien wächst auch ihr Zugriff auf Haushaltsentscheidungen und Fördermittel. Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen - von Gleichstellungsbeauftragten über pädagogisches Personal bis hin zu Mitarbeiter:innen kommunaler Einrichtungen - nehmen bereits einen zunehmenden Druck wahr, sich zu den Themen sexuelle Bildung und Schwangerschaftsabbruch zurückzuhalten. Wer auf öffentliche Gelder angewiesen ist, überlegt sich lieber zweimal, welche Veranstaltungen, Publikationen oder Kooperationen politisch angreifbar sein könnten. Die Angst vor Kürzungen oder Diffamierung erzeugt ein Klima der Verunsicherung, das wie ein stiller Maulkorb wirkt. Diese Verunsicherung trifft zunehmend auch Journalist:innen. Wer öffentlich über reproduktive Rechte berichtet, muss mit persönlichen Anfeindungen rechnen, insbesondere in digitalen Räumen."

"Was auf dem Spiel steht, ist nicht nur die Demokratie, sondern die Sicherheit und Freiheit all jener, die nicht in das autoritäre, antifeministische und queerfeindliche Weltbild dieser Netzwerke passen. Als Zivilgesellschaft müssen wir wachsam gegenüber gesetzlichen und politischen Rückschritten bleiben. Der Kampf um Abtreibungsrechte ist kein Nebenschauplatz. Es ist ein Kampf gegen autoritäre Politik, antifeministische Hetze und rechte Machtstrategien. Und er geht uns alle an. Denn wenn das Recht auf körperliche Selbstbestimmung fällt, bröckelt das Fundament unserer Demokratie."

"Was wir also mit Sicherheit sagen können: Die meisten öffentlich finanzierten Kliniken und die Mehrheit der niedergelassenen Gynäkolog:innen führen keine Schwangerschaftsabbrüche durch - und das, obwohl es einer der am häufigsten benötigten Eingriffe in der Gynäkologie ist: Mit durchschnittlich 280 Abbrüchen pro Tag ist er in etwa so alltäglich wie die Entfernung eines Blinddarms."

"Mindestens 1200 Schwangere müssen jährlich in die Niederlande reisen - häufig, weil sie nach der 14. Schwangerschaftswoche keine Einrichtung mehr finden, die sie behandelt. Weitere rund 2000 Personen wenden sich jährlich an Women on Web. Die Organisation verschickt Abtreibungsmedikamente außerhalb des regulären Gesundheitssystems per Post in Länder, in denen der Zugang zu Abtreibung eingeschränkt oder unmöglich ist. Dass Menschen in einem hoch entwickelten Gesundheitssystem wie dem deutschen auf diese Notlösung angewiesen sind, ist ein politisches Armutszeugnis.“

"Die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch liegen je nach Methode zwischen 300 und 700 Euro, in unterversorgten Regionen wie bereits geschildert oft höher."

"Körperliche Selbstbestimmung bedeutet nicht nur, die eigene Schwangerschaft beenden zu können. Es bedeutet auch, über das Setting zu entscheiden. Kann ich zwischen medikamentöser und operativer Methode wählen? Kann ich bei der medikamentösen Methode auch zu Hause abbluten oder nur in der Praxis? Kann ich die Medikamente per Post geschickt bekommen? Gibt es für den operativen Eingriff die Möglichkeit einer örtlichen Betäubung statt einer Vollnarkose? Kann ich mir sicher sein, dass keine veraltete Methode wie die Ausschabung angewandt wird? Die Antwort lautet viel zu häufig: nein. Doch wer erst nach langer Suche eine Einrichtung findet, die die Behandlung überhaupt anbietet, ist meist nicht in einer Position, diese Fragen zu stellen."

"Die Beratung ist damit weder neutral noch am Wohlbefinden der Schwangeren interessiert, sondern dient - wie in Paragraf 219 StGB ausdrücklich formuliert - einzig und allein dem »Schutz des ungeborenen Lebens«. Dass dieser Schutz realpolitisch ins Leere läuft, zeigt ein Blick in die Datenlage: Pflichtberatungen verhindern keine Schwangerschaftsabbrüche, sondern verzögern sie. Neben autoritär regierten Staaten wie Ungarn gehört Deutschland zu den wenigen Ländern Europas, in denen die Beratung explizit auf die Fortsetzung der Schwangerschaft ausgerichtet ist. Konkret heißt das: Das Ziel der Beratung ist nicht, Schwangere zu unterstützen, sondern ihnen eine moralische Korrektur nahezulegen, wenn sie sich gegen die Fortsetzung einer Schwangerschaft entscheiden."

"Die Pflichtberatung entscheidet damit in vielen Fällen indirekt darüber, ob überhaupt noch eine Wahlfreiheit der Methode besteht. Vier Wochen länger ungewollt schwanger sein oder sich gegen den eigenen Willen einem operativen Eingriff unterziehen, nur damit der Staat noch einmal symbolisch betonen kann, wie wichtig ihm das ungeborene Leben ist? Klingt falsch. Ist es auch."

"Bei über 80 Prozent der knapp 600 Befragten hatte die Beratung überhaupt keinen Einfluss auf ihre Entscheidung. Aber die Hälfte der Befragten erwartete, sich für ihre Entscheidung rechtfertigen zu müssen, und fast ein Drittel befürchtete, zum Austragen der Schwangerschaft überredet zu werden"

"Es geht um harte Fakten. Die Evidenz ist eindeutig: Pflichtwartezeit und Pflichtberatung sind Zugangshürden, die den Zugang zu Abtreibung erschweren und Geschlechterstereotype verstärken, und sie gelten in Europa und der UN als Menschenrechtsverletzungen. Die WHO und zahlreiche internationale Leitlinien empfehlen eindeutig ihre Abschaffung. Da gibt es eigentlich nichts mehr zu verhandeln."

"Bestätigung finden diese Narrative in unserer geltenden Rechtsordnung: »Grundrechte der Frau tragen nicht so weit, daß die Rechtspflicht zum Austragen des Kindes - auch nur für eine bestimmte Zeit - generell aufgehoben wäre«, lautet einer der berühmten Sätze aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1993. Im Klartext: Wir berauben Frauen ihrer Grundrechte, sobald sie schwanger werden, und verpflichten sie zur Mutterschaft. Schlimm genug, dass unsere heutige Abtreibungsregelung auf diesem Papier basiert, das als ein historisches Mahnmal für Frauenhass besser im Museum aufgehoben wäre."

"Studien zeigen, dass 99 Prozent der Frauen ihre Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch auch fünf Jahre später nicht bereuen."

"Denn während die Gefahren von Abbrüchen dramatisiert werden, werden jene von Geburten in Deutschland eher romantisiert oder heruntergespielt."

"Aktuelle Daten aus dem Vereinigten Königreich zeigen, dass das Risiko, bei einer Geburt zu versterben, 32-mal höher ist als bei einem Schwangerschaftsabbruch. Wie wäre es also mit einem Perspektivwechsel? Nicht ein Abbruch gefährdet die Gesundheit, sondern die erzwungene Fortsetzung der Schwangerschaft."

"Wir müssen den Zugang zu einem Schwangerschaftsabbruch endlich als das anerkennen, was er für Menschen mit ungewollten Schwangerschaften ist: eine Schutzmaßnahme, um körperliche und psychische Risiken zu vermeiden. Es ist höchste Zeit, dieses Wissen auch in unsere medizinische Praxis und unsere gesellschaftlichen Debatten zu integrieren."

"Ungewollte Schwangerschaften sind kein Ausnahmefall - sie sind ein strukturelles Risiko. In Deutschland ist etwa jede dritte Schwangerschaft unbeabsichtigt, die Hälfte davon sogar klar ungewollt."

"Die erste und wichtigste Erkenntnis lautet deshalb:
Ungewollte Schwangerschaften wird es immer geben - auch ohne dass irgendwer einen »Fehler« gemacht hat."

"Der Wunsch nach besserer Lehre ist übrigens kein rein deutsches Phänomen, sondern weltweit spürbar: In einer internationalen Studie mit 1700 Medizinstudierenden aus 85 Ländern wünschten sich drei Viertel, dass der Schwangerschaftsabbruch verpflichtend im Studium behandelt wird."

"Der Einfluss von christlich-fundamentalistischen und antifeministischen Narrativen auf die Haltung von Medizinstudierenden ist nicht zu unterschätzen. Doch es kann nicht Aufgabe ehrenamtlich organisierter Workshops sein, diese essenzielle Aufklärungsarbeit zu leisten. Es ist und bleibt die Verantwortung der Universitäten, ideologischen Prägungen fachkundiges, evidenzbasiertes Wissen entgegenzusetzen. Sie müssen Räume schaffen, in denen Studierende lernen, ihre eigene Haltung zu reflektieren, professionell zu beraten und Entscheidungen von Patient:innen respektvoll zu begleiten - auch und gerade dann, wenn sie selbst ambivalent sind. Nur so kann ein ärztliches Selbstverständnis entstehen, das eine feministische, empathische und sachlich fundierte Versorgung überhaupt erst möglich macht."

"Im Bereich des Schwangerschaftsabbruchs werden sowohl SDM als auch diese ethischen Grundprinzipien häufig missachtet. Der paternalistische Ansatz ist hier hoch im Kurs: Manche Ärzt:innen maßen sich an zu wissen, was für ihre Patient:in das Beste sei, und stellen dabei ihre persönliche oder religiöse Überzeugung über die Autonomie der Patient:in. Sie verstoßen gegen das Gebot des Nichtschadens, indem sie ihr eine notwendige Behandlung verweigern, und gegen das Prinzip des Wohltuns, indem sie nicht in ihrem Interesse handeln. Nicht zuletzt unterlaufen sie damit das Prinzip der Geschlechtergerechtigkeit. Besonders problematisch: Sie verkaufen all das häufig als ärztliche Moral, aber verlassen damit das ärztliche Ethos."
Profile Image for Jasmin M.
5 reviews
January 6, 2026
Alicia Baiers Plädoyer ist schon jetzt für mich das wichtigste Buch des Jahres. Ich bin entsetzt und schockiert nach Dem Lesen, gleichzeitig aber auch dankbar, dass es Menschen wie sie gibt, die so dafür brennen, sich für die Rechte körperlicher Selbstbestimmung, bzw. reproduktive Rechte einzusetzen. Ich habe so viele wichtige Dinge beim Lesen dazugelernt, die ich auch sicherlich gar nicht mehr vergessen kann. Die Sprache ist dabei ganz unprätentiös und einfach zugänglich.
Der Epilog treibt einem wirklich die Tränen in die Augen. Lest es und verschenkt es an alle Menschen, die ihr kennt!
Profile Image for Rin_gelesen.
14 reviews
March 20, 2026
Wichtig! Hoffentlich wird der Epilog wahr. :)

(Für Menschen, die tief im Thema sind wenig neue Informationen, dennoch schön geschrieben!)
Profile Image for Denise.
667 reviews9 followers
December 13, 2025
Gesundheitsfürsorge für Frauen ist sein jeher geprägt von Mythen, Desinteresse in der Forschung und sexistischen und misogynen Überzeugungen. Besonders zutage treten diese Faktoren beim Thema Schwangerschaftsabbruch. Seit dem Kaiserreich im Strafgesetzbuch (!) verankert, hält sich die Ablehnung der Selbstbestimmung der Frau (und Queers) hartnäckig. Doch ist das nur ein Versäumnis aus Unwissenheit? Oder steckt hinter dem Festhalten am Paragrafen 218 viel mehr?

"Das Patriarchat im Uterus" von Dr. med. Alicia Baier hat mich aufgrund des Titels angelockt und nach der Lektüre kann ich sagen: Es ist noch viel schlimmer, als ich bisher dachte. Die Medizinerin zeigt sachlich, einfühlsam und einordnend auf, wie selbstbestimmte Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland erschwert, verhindert und blockiert werden. Dabei benennt sie Akteure in Politik und Gesundheitswesen, zeigt evidenzbasiert auf, was eine Abschaffung des Paragrafen bringen kann und hinterlässt einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft.

Vor der Lektüre hielt ich mich über die Missstände in der Gesundheitsfürsorge bei diesem Thema für aufgeklärt. Ich kannte die Hürden der gesetzlichen Regelung und welche Hürden Schwangere nehmen müssen, um einen Abbruch vornehmen lassen zu müssen. Schon beim Lesen fiel mir auf, wie klein mein Blickwinkel war. Dr. med. Alicia Baier weitet den Blick von der Schwangeren auf die gesellschaftlichen Strukturen, die strukturelle Diskriminierung und Mehrfachdiskriminierung marginalisierter Gruppen und die gewollte Blockierung einer umfassenden und ergebnisoffenen Beratung. Das hat mir sehr gut gefallen. Auch wenn ich spürte, wie es in mir brodelte.

Nach Beenden des Buches frage ich mich, ob und warum Deutschland bzw. die deutsche Medizin Menschen mit Uterus hasst? Politik und Teile der Ärzteschaft sprechen Frauen und Queers bei dem lebensverändernsten Ereignis überhaupt jegliche Selbstbestimmung ab und meinen, dass man die Entscheidung doch nicht der Schwangeren/Gebärenden überlassen darf. Diese Einstellung in kompakter und geballter Form zu lesen, ließ mich zweifeln, ob wir tatsächlich 2025 haben.

Ich danke der Autorin für dieses Buch und die damit verbundene Aufklärung. Absolut lesenswert!
Profile Image for A YOGAM.
2,966 reviews16 followers
February 2, 2026
Reproduktive Gerechtigkeit: Vom Ende der patriarchalen Vormundschaft
In ihrem bahnbrechenden Werk „Das Patriarchat im Uterus“ liefert die Gynäkologin Alicia Baier, Mitbegründerin von Doctors for Choice Germany, mehr als nur ein medizinisches Sachbuch. Es handelt sich um eine chirurgisch präzise Sezierung jener Machtstrukturen, die den weiblichen Körper seit Jahrhunderten als politisches Schlachtfeld missbrauchen. Die Kernthese ist unmissverständlich: Der Kampf um den Schwangerschaftsabbruch ist im Kern ein Kampf gegen tief verankerte patriarchale Herrschaftsverhältnisse, die darauf abzielen, existenzielle Lebensentscheidungen durch die Kontrolle des Uterus zu reglementieren.
Die enorme gesellschaftliche Relevanz dieses Themas lässt sich in einer einzigen Zahl bündeln: Weltweit ist jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens von einem Schwangerschaftsabbruch betroffen. Das wichtigste aus meiner Sicht: Die Debatte um Schwangerschaftsabbrüche ist keine bloße „Frauenfrage“, sondern ein Lackmustest für den Zustand der jeweiligen Demokratie. Dass ein derart verbreitetes Lebensereignis weiterhin kriminalisiert wird, erweist sich als Lackmustest für den Zustand einer Demokratie, die Selbstbestimmung zwar rhetorisch beschwört, praktisch jedoch beschneidet.

1. Strategische Sprache: Das Fundament der Deutungshoheit
Sprache ist niemals neutral; sie fungiert als Werkzeug der Stigmatisierung oder der Ermächtigung. Um manipulative Narrative offenzulegen, ist eine präzise, entideologisierte Wortwahl entscheidend:
* Anti-Choice statt „Lebensschutz“: Der Begriff „Lebensschutz“ fungiert als moralischer Euphemismus. Tatsächlich geht es um die systematische Einschränkung von Entscheidungsfreiheit. „Anti-Choice“ benennt diese politische Absicht ohne rhetorische Tarnung.
* Uterus statt „Gebärmutter“: „Uterus“ ist medizinisch präzise und wertneutral. Der Begriff „Gebärmutter“ hingegen ist funktional und normativ aufgeladen; er reduziert ein Organ auf eine vorgeschriebene soziale Rolle.
* Aufklärung der Fristen: Die gesetzliche 12-Wochen-Frist nach Befruchtung entspricht 14 Wochen nach der letzten Menstruation. Diese Diskrepanz ist keine Petitesse, sondern eine systematische Quelle von Verwirrung, die Betroffene faktisch behindert.

2. Historische Dekonstruktion: Mythen der Zeitlosigkeit
Baier entlarvt die restriktive Gesetzgebung als historisch junges, machtpolitisch motiviertes Konstrukt, dem jede fundierte antike oder religiöse Grundlage fehlt.
* Biblische Befunde: Weder das Alte noch das Neue Testament verurteilen Schwangerschaftsabbrüche explizit als Mord. In Exodus 21,22–25 wird die Schädigung eines Fötus als Sachbeschädigung mit Geldstrafe behandelt; allein der Tod der Frau gilt als Tötungsdelikt.
* Jüdische Tradition: Nach der Halacha gilt der Fötus in den ersten 40 Tagen als „wie Wasser“ (majm balma). Erst mit dem ersten Atemzug wird er zur vollwertigen Person (Nefesch). Das Prinzip Pikuach Nefesch priorisiert unmissverständlich das Leben und die Gesundheit der Schwangeren.
* Die dogmatische Wende (1869): Über Jahrhunderte dominierte die Lehre der gestaffelten Beseelung (u. a. Thomas von Aquin). Erst Papst Pius IX. erklärte 1869 die Beseelung ab der Befruchtung – die heute vertretene rigide Position ist somit keineswegs zeitlos, sondern eine relativ junge theologische Setzung.

3. Politische Dimension: § 218 als Instrument der Entmündigung
Der § 218 ist kein Schutzinstrument, sondern ein politisches Alibi. Er erlaubt dem Staat, Fürsorge rhetorisch zu simulieren, während er bei materieller Unterstützung – Kinderbetreuung, soziale Sicherheit, medizinische Versorgung – systematisch versagt. Die fortgesetzte Kriminalisierung erzeugt ein Klima der Angst, degradiert Ärztinnen und Patientinnen zu potenziellen Straftäterinnen und untergräbt eine professionelle Gesundheitsversorgung strukturell.

4. Medizinische Realität und Versorgungskrise
Die Situation in Deutschland ist geprägt von einer Form organisierter Ignoranz:
* Tabu in der Ausbildung: Schwangerschaftsabbrüche sind im Medizinstudium kaum curricular verankert, was zu einem dramatischen Mangel an qualifiziertem Personal führt.
* Staatliches Gaslighting: Pflichtberatung und Wartefristen fungieren als institutionalisierte Hürden, die Patientinnen systematisch entmündigen und ihre fundierten Entscheidungen infrage stellen.
* Logik sozialer Selektion: Wie bereits Magnus Hirschfeld zeigte, ist der Zugang zum Abbruch eine Klassenfrage. Während Wohlhabende diskrete Optionen finden, trifft die strafrechtliche Restriktion vor allem arme und vulnerable Gruppen.

5. Ein Schandfleck der Debatte: Der Sommer 2025
Vor einer politischen Neuausrichtung muss an einen moralischen Tiefpunkt erinnert werden: die infame Kampagne gegen die Rechtsprofessorin Frauke Brosius-Gersdorf im Sommer 2025. Dass eine renommierte Verfassungsrechtlerin allein für die fachliche Erarbeitung von Reformvorschlägen zur Zielscheibe offen misogyn motivierter Angriffe wurde, zeigt die hässliche Fratze einer Debattenkultur, die Sachargumente durch Einschüchterung ersetzt. Der Vorgang markiert einen Akt intellektueller Feigheit – und einen Angriff auf die Integrität des rechtsstaatlichen Diskurses selbst.

Fazit: Das demokratische Paradoxon nutzen
Trotz der erdrückenden Faktenlage herrscht politische Blockade. Doch hier greift eine einfache demokratische Logik:In Deutschland stellen Frauen die numerische Mehrheit. Rein mathematisch liegt die Gestaltungsmacht für eine progressive Wende in ihren Händen. Sollte die politische Elite weiterhin davor zurückschrecken, das Selbstbestimmungsrecht aus dem Schatten des Strafrechts zu holen, steht es der weiblichen Wählerschaft frei, diese Mehrheit strategisch zu nutzen und das Thema bei kommenden Wahlen dauerhaft im Sinne körperlicher Souveränität zu entscheiden.

Ein erdachter peripatetischer Nachklapp
Hegel am Bahnsteig:


„Prächtig! Der Geist befreit sich aus der Knechtschaft der Biologie. Dass die Mehrheit der Frauen nun ihre Macht zur Gesetzgebung erkennt, ist die logische Entfaltung der Freiheit – eine wahre Weltstunde des Geistes, in der das Subjekt über das bloß Natürliche triumphiert.“
Sabine Hossenfelder:

„Daten lügen nicht. Wenn statistisch jede vierte Frau betroffen ist, das System aber so tut, als sei es ein Randphänomen, liegt ein systemischer Fehler vor. Dass das Judentum die Grenze beim ersten Atemzug zieht, liefert eine physikalisch deutlich robustere Anfangsbedingung für Gesetzgebung als vage moralische Annahmen. Reine Spieltheorie: Wenn 51 % der Population ein klares Interesse haben, kollabiert das instabile Gleichgewicht bei der nächsten Wahl.“
Profile Image for Karina.
283 reviews1 follower
March 30, 2026
„Das Patriarchat und der Uterus“ ist definitiv das Highlight meines aktuellen Lesejahres. Dr. Alicia Baier nimmt uns mit auf eine Reise durch den Feminismus. Sie erklärt, wie der moderne Feminismus entstanden ist und wie das Patriarchat die aktuelle Lebensrealität von Frauen* beeinflusst; welche Hintergrundstrukturen die aktuelle Situation bedingen und wie Abtreibungen in der Medizin gesehen werden. Sie zeigt auf, welche Veränderungen nötig sind, um ein geschlechtergerechteres Deutschland in seiner medizinischen Versorgung zu schaffen.

Das Buch ist am Anfang wirklich dicht geschrieben, wodurch ich eine Weile gebraucht habe, um im Buch voranzukommen. Spätestens nach dem ersten Drittel wird das Buch deutlich zugänglicher, da es immer wieder Realitätsbezüge zu meiner eigenen Realität als Frau gibt. Besonders wertvoll fand ich die verschiedenen Studien, auf die sich Baier immer wieder bezieht. Egal, ob man mit medizinischem oder feministischem Vorwissen an dieses Buch herangeht, man lernt einfach eine Menge. Das Lernen geschieht niedrigschwellig, wodurch das Buch einen sehr guten Ausgangspunkt für die Thematik körperliche Selbstbestimmung und Abtreibung bietet. Egal, welches Geschlecht oder welche Identität man hat, dieses Buch ist für jede Person empfehlenswert, die nach einer besseren Welt strebt.
Profile Image for Oktober.
342 reviews
April 13, 2026
In “Das Patriarchat im Uterus” geht Autorin Dr. med. Alicia Baier auf die Geschichte, die gegenwärtige Lage und zukünftige Perspektiven reproduktiver Selbstbestimmung von Personen mit Uterus ein und zeigt auf, wie unterdrückend und patriarchal unsere Gesellschaft und insbesondere die Politik gegenwärtig in Deutschland immer noch ist. Ich war der Meinung, über die Thematik rund um Schwangerschaftsabbrüche recht gut Bescheid zu wissen, wurde aber eines besseren belehrt. Die tiefgreifende Analyse der Autorin, was Studien zum Thema angeht sowie ihre eigene Erfahrung als Ärztin hat mir aufgezeigt, wie wenig ich selbst, als am Thema interessierte Laiin weiß, sowohl was die verheerende Versorgungslage, die gezielte politische und lobbyistische Einmischung zur Ächtung, die medizinischen Möglichkeiten und die gesamtgesellschaftliche Bedeutung eines flächendeckenden Zugangs zu dieser medizinischen Versorgung betrifft. Es war ein Augenöffner, der mich noch mehr für dieses Thema und die damit verknüpften Strukturen sensibilisiert hat. Dabei ist das Werk keinesfalls trocken oder zu wissenschaftlich, um es als medizinfremde Person zu verstehen, sondern lässt sich sehr gut als Sachbuch lesen. Ein enorm wichtiges Buch - absolute Empfehlung!

*Das ebook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Profile Image for Tery.
49 reviews
December 27, 2025
Extrem wichtiges Buch. Ich dachte ich wäre grundsätzlich gut über die Thematik informiert - aber musste feststellen, dass ich tatsächlich keine Ahnung hatte, wie katastrophal die Lage in Deutschland wirklich ist bzw. wie weit wir den internationalen Richtlinien und dem europäischen Standard hinterherhinken.
Profile Image for Juija.
17 reviews
December 28, 2025
krasses Buch! Viel gelesen was ich schon wusste und viel neues gelernt.
hatte angst angegriffen zu werden, wenn ich‘s in den öffis lese
Displaying 1 - 12 of 12 reviews