Von Macht und Entmü Warum die Abtreibungsdebatte alle angeht
"Ein kompromissloses Plädoyer für körperliche Selbstbestimmung. Alicia Baier trifft genau ins Zentrum der Debatte um reproduktive Gerechtigkeit." Emilia Roig
"Dieses Buch übernimmt, was die politische Debatte versäumt hat – und zeigt einmal mehr, wie unverzichtbar die Arbeit von Doctors for Choice ist." Mithu Sanyal
Weltweit ist jede vierte Frau einmal in ihrem Leben selbst betroffen, trotzdem halten sich die Mythen und Falschinformationen rund um das Thema Schwangerschaftsabbruch hartnäckig. Die Unkenntnis, Tabuisierung und Stigmatisierung. Zugleich ist gerade erst ein Vorhaben für die Legalisierung von Abtreibungen kurz vor dem Ziel im Bundestag ausgebremst worden. In ihrem Buch erklärt Dr. med. Alicia Baier, Gynäkologin und Gründerin von Doctors for Choice Germany, die medizinischen und politischen Grundlagen.
Dr. med. Alicia Baier mit einem hochaktuellen Plädoyer für körperliche Selbstbestimmung
Dabei wird Die aktuelle rechtliche Regelung in Deutschland verursacht nicht nur große Probleme in der medizinischen Praxis, sondern folgt auch patriarchalen Mustern und ist ein Einfallstor für rechte Ideologien. Lücken im Medizinstudium, Bevormundung per Gesetz und Vorurteile statt ärztlicher Professionalität sind dabei nicht aus einem luftleeren Raum entstanden. Mit viel Empathie und großer Expertise zeigt Baier, warum dies eine Geschichte von Macht und Entmündigung ist. Und sie macht deutlich, was sich in Gesellschaft, Medizin und Politik ändern muss, damit gebärfähige Menschen selbst über ihre Körper bestimmen können. So wird Das Thema geht uns alle an.
Ein Muss für alle, die sich für Feminismus, reproduktive Rechte und Geschlechtergerechtigkeit interessieren.
"Ein sehr wichtiges Buch, das den großen Zusammenhang Die Frage nach dem Schwangerschaftsabbruch berührt alle Themen sozialer Gerechtigkeit. Absolute Leseempfehlung." Sibel Schick
"Alicia Baier bringt in ihrem Buch die Sicht der Ärztin, der Wissenschaftlerin, der Frau und schlicht das Menschliche zusammen – und es ist ein Buch entstanden, das umfassend historisch und aktuell informiert, verstehen, aber auch mitfühlen lässt. Man wünscht dem Buch den Rang eines Standardwerks zum Schwangerschaftsabbruch." Gilda Sahebi
"Dr. Alicia Baiers Buch kommt genau zur richtigen Zeit – sie bringt Klarheit, Wissen und Haltung in eine Debatte, die noch viel zu sehr von Tabus geprägt ist." Mandy Mangler
„Patriarchat im Uterus“ von Dr. Alicia Baier verbindet soziale, rechtliche und medizinische Aspekte der Thematik auf nachvollziehbare Weise. Die intersektionale Perspektive und der Fokus auf Reproductive Justice zieht sich durch das ganze Buch. Gerade für Menschen, die neu einsteigen, ist es gut geeignet, da die historische Einordnung Orientierung gibt und hilft, die heutigen Zusammenhänge einzuordnen. Besonders gut fand ich die Darstellung der deutschen Rechtslage zu Schwangerschaft und reproduktiven Rechten im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sowie das Aufdecken verschiedener kirchlicher Trägerschaften hinter vermeintlich neutralen Studien, Artikeln etc.
Alicia Baiers Plädoyer ist schon jetzt für mich das wichtigste Buch des Jahres. Ich bin entsetzt und schockiert nach Dem Lesen, gleichzeitig aber auch dankbar, dass es Menschen wie sie gibt, die so dafür brennen, sich für die Rechte körperlicher Selbstbestimmung, bzw. reproduktive Rechte einzusetzen. Ich habe so viele wichtige Dinge beim Lesen dazugelernt, die ich auch sicherlich gar nicht mehr vergessen kann. Die Sprache ist dabei ganz unprätentiös und einfach zugänglich. Der Epilog treibt einem wirklich die Tränen in die Augen. Lest es und verschenkt es an alle Menschen, die ihr kennt!
Gesundheitsfürsorge für Frauen ist sein jeher geprägt von Mythen, Desinteresse in der Forschung und sexistischen und misogynen Überzeugungen. Besonders zutage treten diese Faktoren beim Thema Schwangerschaftsabbruch. Seit dem Kaiserreich im Strafgesetzbuch (!) verankert, hält sich die Ablehnung der Selbstbestimmung der Frau (und Queers) hartnäckig. Doch ist das nur ein Versäumnis aus Unwissenheit? Oder steckt hinter dem Festhalten am Paragrafen 218 viel mehr?
"Das Patriarchat im Uterus" von Dr. med. Alicia Baier hat mich aufgrund des Titels angelockt und nach der Lektüre kann ich sagen: Es ist noch viel schlimmer, als ich bisher dachte. Die Medizinerin zeigt sachlich, einfühlsam und einordnend auf, wie selbstbestimmte Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland erschwert, verhindert und blockiert werden. Dabei benennt sie Akteure in Politik und Gesundheitswesen, zeigt evidenzbasiert auf, was eine Abschaffung des Paragrafen bringen kann und hinterlässt einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft.
Vor der Lektüre hielt ich mich über die Missstände in der Gesundheitsfürsorge bei diesem Thema für aufgeklärt. Ich kannte die Hürden der gesetzlichen Regelung und welche Hürden Schwangere nehmen müssen, um einen Abbruch vornehmen lassen zu müssen. Schon beim Lesen fiel mir auf, wie klein mein Blickwinkel war. Dr. med. Alicia Baier weitet den Blick von der Schwangeren auf die gesellschaftlichen Strukturen, die strukturelle Diskriminierung und Mehrfachdiskriminierung marginalisierter Gruppen und die gewollte Blockierung einer umfassenden und ergebnisoffenen Beratung. Das hat mir sehr gut gefallen. Auch wenn ich spürte, wie es in mir brodelte.
Nach Beenden des Buches frage ich mich, ob und warum Deutschland bzw. die deutsche Medizin Menschen mit Uterus hasst? Politik und Teile der Ärzteschaft sprechen Frauen und Queers bei dem lebensverändernsten Ereignis überhaupt jegliche Selbstbestimmung ab und meinen, dass man die Entscheidung doch nicht der Schwangeren/Gebärenden überlassen darf. Diese Einstellung in kompakter und geballter Form zu lesen, ließ mich zweifeln, ob wir tatsächlich 2025 haben.
Ich danke der Autorin für dieses Buch und die damit verbundene Aufklärung. Absolut lesenswert!
Reproduktive Gerechtigkeit: Vom Ende der patriarchalen Vormundschaft In ihrem bahnbrechenden Werk „Das Patriarchat im Uterus“ liefert die Gynäkologin Alicia Baier, Mitbegründerin von Doctors for Choice Germany, mehr als nur ein medizinisches Sachbuch. Es handelt sich um eine chirurgisch präzise Sezierung jener Machtstrukturen, die den weiblichen Körper seit Jahrhunderten als politisches Schlachtfeld missbrauchen. Die Kernthese ist unmissverständlich: Der Kampf um den Schwangerschaftsabbruch ist im Kern ein Kampf gegen tief verankerte patriarchale Herrschaftsverhältnisse, die darauf abzielen, existenzielle Lebensentscheidungen durch die Kontrolle des Uterus zu reglementieren. Die enorme gesellschaftliche Relevanz dieses Themas lässt sich in einer einzigen Zahl bündeln: Weltweit ist jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens von einem Schwangerschaftsabbruch betroffen. Das wichtigste aus meiner Sicht: Die Debatte um Schwangerschaftsabbrüche ist keine bloße „Frauenfrage“, sondern ein Lackmustest für den Zustand der jeweiligen Demokratie. Dass ein derart verbreitetes Lebensereignis weiterhin kriminalisiert wird, erweist sich als Lackmustest für den Zustand einer Demokratie, die Selbstbestimmung zwar rhetorisch beschwört, praktisch jedoch beschneidet.
1. Strategische Sprache: Das Fundament der Deutungshoheit Sprache ist niemals neutral; sie fungiert als Werkzeug der Stigmatisierung oder der Ermächtigung. Um manipulative Narrative offenzulegen, ist eine präzise, entideologisierte Wortwahl entscheidend: * Anti-Choice statt „Lebensschutz“: Der Begriff „Lebensschutz“ fungiert als moralischer Euphemismus. Tatsächlich geht es um die systematische Einschränkung von Entscheidungsfreiheit. „Anti-Choice“ benennt diese politische Absicht ohne rhetorische Tarnung. * Uterus statt „Gebärmutter“: „Uterus“ ist medizinisch präzise und wertneutral. Der Begriff „Gebärmutter“ hingegen ist funktional und normativ aufgeladen; er reduziert ein Organ auf eine vorgeschriebene soziale Rolle. * Aufklärung der Fristen: Die gesetzliche 12-Wochen-Frist nach Befruchtung entspricht 14 Wochen nach der letzten Menstruation. Diese Diskrepanz ist keine Petitesse, sondern eine systematische Quelle von Verwirrung, die Betroffene faktisch behindert.
2. Historische Dekonstruktion: Mythen der Zeitlosigkeit Baier entlarvt die restriktive Gesetzgebung als historisch junges, machtpolitisch motiviertes Konstrukt, dem jede fundierte antike oder religiöse Grundlage fehlt. * Biblische Befunde: Weder das Alte noch das Neue Testament verurteilen Schwangerschaftsabbrüche explizit als Mord. In Exodus 21,22–25 wird die Schädigung eines Fötus als Sachbeschädigung mit Geldstrafe behandelt; allein der Tod der Frau gilt als Tötungsdelikt. * Jüdische Tradition: Nach der Halacha gilt der Fötus in den ersten 40 Tagen als „wie Wasser“ (majm balma). Erst mit dem ersten Atemzug wird er zur vollwertigen Person (Nefesch). Das Prinzip Pikuach Nefesch priorisiert unmissverständlich das Leben und die Gesundheit der Schwangeren. * Die dogmatische Wende (1869): Über Jahrhunderte dominierte die Lehre der gestaffelten Beseelung (u. a. Thomas von Aquin). Erst Papst Pius IX. erklärte 1869 die Beseelung ab der Befruchtung – die heute vertretene rigide Position ist somit keineswegs zeitlos, sondern eine relativ junge theologische Setzung.
3. Politische Dimension: § 218 als Instrument der Entmündigung Der § 218 ist kein Schutzinstrument, sondern ein politisches Alibi. Er erlaubt dem Staat, Fürsorge rhetorisch zu simulieren, während er bei materieller Unterstützung – Kinderbetreuung, soziale Sicherheit, medizinische Versorgung – systematisch versagt. Die fortgesetzte Kriminalisierung erzeugt ein Klima der Angst, degradiert Ärztinnen und Patientinnen zu potenziellen Straftäterinnen und untergräbt eine professionelle Gesundheitsversorgung strukturell.
4. Medizinische Realität und Versorgungskrise Die Situation in Deutschland ist geprägt von einer Form organisierter Ignoranz: * Tabu in der Ausbildung: Schwangerschaftsabbrüche sind im Medizinstudium kaum curricular verankert, was zu einem dramatischen Mangel an qualifiziertem Personal führt. * Staatliches Gaslighting: Pflichtberatung und Wartefristen fungieren als institutionalisierte Hürden, die Patientinnen systematisch entmündigen und ihre fundierten Entscheidungen infrage stellen. * Logik sozialer Selektion: Wie bereits Magnus Hirschfeld zeigte, ist der Zugang zum Abbruch eine Klassenfrage. Während Wohlhabende diskrete Optionen finden, trifft die strafrechtliche Restriktion vor allem arme und vulnerable Gruppen.
5. Ein Schandfleck der Debatte: Der Sommer 2025 Vor einer politischen Neuausrichtung muss an einen moralischen Tiefpunkt erinnert werden: die infame Kampagne gegen die Rechtsprofessorin Frauke Brosius-Gersdorf im Sommer 2025. Dass eine renommierte Verfassungsrechtlerin allein für die fachliche Erarbeitung von Reformvorschlägen zur Zielscheibe offen misogyn motivierter Angriffe wurde, zeigt die hässliche Fratze einer Debattenkultur, die Sachargumente durch Einschüchterung ersetzt. Der Vorgang markiert einen Akt intellektueller Feigheit – und einen Angriff auf die Integrität des rechtsstaatlichen Diskurses selbst.
Fazit: Das demokratische Paradoxon nutzen Trotz der erdrückenden Faktenlage herrscht politische Blockade. Doch hier greift eine einfache demokratische Logik:In Deutschland stellen Frauen die numerische Mehrheit. Rein mathematisch liegt die Gestaltungsmacht für eine progressive Wende in ihren Händen. Sollte die politische Elite weiterhin davor zurückschrecken, das Selbstbestimmungsrecht aus dem Schatten des Strafrechts zu holen, steht es der weiblichen Wählerschaft frei, diese Mehrheit strategisch zu nutzen und das Thema bei kommenden Wahlen dauerhaft im Sinne körperlicher Souveränität zu entscheiden.
Ein erdachter peripatetischer Nachklapp Hegel am Bahnsteig: „Prächtig! Der Geist befreit sich aus der Knechtschaft der Biologie. Dass die Mehrheit der Frauen nun ihre Macht zur Gesetzgebung erkennt, ist die logische Entfaltung der Freiheit – eine wahre Weltstunde des Geistes, in der das Subjekt über das bloß Natürliche triumphiert.“ Sabine Hossenfelder: „Daten lügen nicht. Wenn statistisch jede vierte Frau betroffen ist, das System aber so tut, als sei es ein Randphänomen, liegt ein systemischer Fehler vor. Dass das Judentum die Grenze beim ersten Atemzug zieht, liefert eine physikalisch deutlich robustere Anfangsbedingung für Gesetzgebung als vage moralische Annahmen. Reine Spieltheorie: Wenn 51 % der Population ein klares Interesse haben, kollabiert das instabile Gleichgewicht bei der nächsten Wahl.“
Extrem wichtiges Buch. Ich dachte ich wäre grundsätzlich gut über die Thematik informiert - aber musste feststellen, dass ich tatsächlich keine Ahnung hatte, wie katastrophal die Lage in Deutschland wirklich ist bzw. wie weit wir den internationalen Richtlinien und dem europäischen Standard hinterherhinken.