Die Frau der Stunde: Roman | Eine Frau greift nach der Macht, die Männerwelt steht Kopf. "Fundiert, unterhaltsam, mitreißend – absolute Leseempfehlung!" Miriam Hollstein/Stern
Es sind die 70er und Catharina denkt gar nicht daran, sich zu fügen
Mit ihrer eingeschworenen Frauen-Clique, einigen Gin Tonics und noch mehr Zigaretten manövriert sich die Politikerin Catharina Cornelius im Bonn der späten 70er hinreissend klug durch den Sumpf der Altherren-Elite. Als die Liberale aber völlig überraschend zur Außenministerin und Vizekanzlerin wird, reiben sich überrumpelte Kollegen in höchsten Regierungskreisen fassungslos die Augen. Die konservative Opposition überschlägt sich mit hämischen Kommentaren. Die Herren Journalisten lächeln süffisant und spitzen die Feder. Frauen und Männer im ganzen Land blicken erstaunt auf die zierliche Frau mit den extravaganten Halstüchern, die langen Haare stets zu einem eleganten Chignon zusammengesteckt.
Schon bald fordern dramatische Umwälzungen neue Antworten. Von Bonn bis Teheran steht die Außenministerin im Sturm von Ereignissen, die so viel größer sind als sie selbst und sie muss erkennen, dass es immer einen Preis hat, sich die Freiheit zu nehmen. Ein Muss für Fans starker Frauenfiguren.
»Heike Specht ist Deutschlands lässigste Historikerin.« Micky Beisenherz
Was für ein interessant konstruierter und zugleich unterhaltsamer politischer Roman! „Die Frau der Stunde“ spielt im Bonn der späten 1970er Jahre – in den verrauchten Fluren der Macht des Langen Eugen, in denen Gin Tonics fließen, Karrieren an langen Abenden geschmiedet (und zerstört) werden und Frauen noch immer gegen eine Altherrenriege im Bundestag ankämpfen müssen.
Im Mittelpunkt steht die fiktive Politikerin Catharina Cornelius, die völlig unerwartet zur Außenministerin und Vizekanzlerin aufsteigt. Catharina Cornelius ist dabei eine komplexe Frauenfigur. Sie ist ehrgeizig, strategisch und durchaus bereit, Kompromisse einzugehen – nicht aus Opportunismus, sondern aus klarem Machtbewusstsein. Dass sie eine enge Clique von Freundinnen um sich hat, zeigt, wie wichtig weibliche Solidarität auch in der Politik ist. Und obwohl Catharinas politischer Alltag im Mittelpunkt steht, schafft die Autorin es, Spannung aufzubauen und gut zu unterhalten. Besonders gelungen finde ich dabei die Verknüpfung von Zeitgeschichte und Fiktion: Viele Figuren und Schauplätze tragen deutliche Züge realer Umstände, von Petra Kelly über Teheran zur Zeit der Revolution bis hin zu Politiker:innen der damaligen SPD, FDP und CDU. Wer ein Faible für politische Geschichte hat, kann hier wunderbar auf Spurensuche gehen, ohne dass der Roman je belehrend wirkt. Ich liebe das ja, wenn ein Roman mich zum Googeln anregt!
Stilistisch überzeugt der Roman durch klare Sprache, pointierte Dialoge und feine Ironie. Die Autorin beobachtet scharf, aber nie zynisch. Dabei fallen immer wieder auch Beobachtungen und Beschreibungen auf, die auch aktuell noch zutreffen. Das Ende schließlich war für mich ein echtes Highlight. Wer sich für Zeitgeschichte, politische Intrigen und komplexe Frauenfiguren interessiert, wird in diesem Buch also fündig – und bestens unterhalten. Ich hoffe auf jeden Fall auf eine Fortsetzung!
Der Roman entwickelt eine interessante alternative historische Geschichte: wie wäre es wohl gewesen, wenn 1978 nicht Hans-Dietrich Genscher sondern eine Frau deutsche Außenministerin gewesen wäre? In einer Zeit als die Politik noch viel mehr als heute nur von Männern beherrscht wurde und Frauen in diesem Beruf nur belächelt wurden. Der Roman hat mir großen Spaß gemacht, vor allem auch wegen dem erfrischenden, humorvollen Erzählstil. Und das offene Ende macht Hoffnung auf eine Fortsetzung. Von mir eine klare Leseempfehlung.
Vielen Dank an Vorablesen und den Droemer Knaur Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.
Von der Autorin hatte ich schon länger das Sachbuch „Die Ersten ihrer Art“ auf der Leseliste. In ihrem neuen Roman „Die Frau der Stunde“ wagt Heike Specht sich an das Thema Frauen in leitenden politischen Ämtern heran. Was wäre, wenn Ende der 1970er Jahre eine Frau Außenministerin der BRD geworden wäre? Fakt ist, dass Frauen immer noch in der Politik unterrepräsentiert sind. Deutschland hatte von 2005 bis 2021 eine Bundeskanzlerin, von 2021 bis 2025 gab es die erste Außenministerin, auf eine Bundespräsidentin lässt sich für die Wahl 2027 vielleicht hoffen…
So arbeitet also die Autorin ein fiktives Thema auf, welches hoch aktuell bleibt. Sie nimmt die realen Politikstrukturen und bettet dort von ihr kreierte Politiker*innen und Personen ein. Bei manchen lassen sich reale Vorbilder besser erahnen als andere, aber es bleibt immer genug Interpretationsspielraum, da z.B. auch Parteinamen nie konkret genannt werden – stattdessen gibt es Liberale, Konservative und Sozialdemokraten.
In dem Buch begleiten wir also die erste Außenministerin der BRD, Catharina, und ihre Realität als Frau in der nationalen und internationalen Politik. Gleichzeitig spielen noch ihre beiden Freudinnen Suzanne (eine Journalistin) und Azadeh (eine Dokumentarfilmerin) eine große Rolle, durch die auch das Thema Iran und vor allem die dortigen Frauenrechte Teil der Handlung werden.
Ich bin ehrlich: es hat schon sehr lange gedauert, bis mich das Buch wirklich gepackt hat und ich weiterlesen wollte. Dadurch, dass alle Charaktere erfunden waren, habe ich im Politikwusel irgendwann den Durchblick verloren und konnte dem Teil der Handlung schwer folgen. Es ist wirklich schon sehr politisch – und das sage ich als Person, die ein Studiengang mit Politikschwerpunkt studiert hat und sich besonders mit Frauen in der Politik beschäftigt hat.
Ich persönlich hatte mir erhofft, mehr über Catharina als Person zu erfahren, ihr Alltag im Amt, ihre Wahrnehmung und ihre inneren Konflikte – stattdessen ging es um die Konflikte innerhalb der deutschen Politik und der Außenbeziehungen. Das übergeordnete Ziel des Buches war mir nicht so klar, und so hat mir auch Spannung gefehlt. Für mich muss ein Buch entweder eine spannende Handlung haben, der ich folgen will, oder eine Charakterentwicklung muss im Vordergrund stehen (plot vs. character driven) – und hier war beides nicht klar fokussiert.
Was ich aber gut fand, war die Darstellung der Realität von Frauen in der Politik zur Zeit der Bonner Republik. Es ist sehr treffend dargestellt, wenn Catharina als „Frau Minister“ angeredet wird, oder sie öffentliche (sexistische) Anfeindungen im Parlament erlebt. Wer sich für genau diese Realität interessiert, dem empfehle ich an dieser Stelle das Buch „In der Männer-Republik“ von Torsten Körner, sowie den dazugehörigen Dokumentarfilm „Die Unbeugsamen“, da wird das Thema sehr eindrücklich behandelt.
Auch gut finde ich, wie Cover und Titel zum Inhalt des Buches passen – über Catharina wird ein Artikel geschrieben, der eben jenen Titel „Die Frau der Stunde“ trägt, und das dazu beschriebene Foto zeigt sie in der Pose, die auch die Frau vom Cover einnimmt.
Insgesamt hatte dieses Buch ein super spannendes Konzept und einige gute Szenen, aber insgesamt bin ich etwas unbefriedigt. Die ganze Zeit wartet man auf einen Knall in der Handlung, irgendwas das raussticht, aber die Geschichte erzählt sich eher etwas nebenher und legt den Fokus eindeutig auf Politik und internationale Beziehungen, statt auf die Protagonistin und ihre Sicht.
Außerdem hätte ich gerne noch ein Vor- bzw. Nachwort der Autorin gehabt, welches die Geschichte kontextualisiert und indem Heike Specht uns an ihren Gedanken teilhaben lässt, warum sie den Fokus der Geschichte so gelegt hat, wie er nun ist.
Insgesamt komme ich auf 3 Sterne bei dem Buch und hoffe, dass mich das Sachbuch der Autorin mehr überzeugen kann als ihr Roman.
Mit ihrem Debütroman „Die Frau der Stunde“ hat die Autorin Heike Specht einen interessanten und unterhaltsamen historischen Roman mit fiktiven Ereignissen und Bezügen zur realen Politik geschrieben.
Die Handlung beginnt 1978. Frauen standen damals gesellschaftlich noch mehr im Hintergrund als heute. Aber in diesem Roman stehen sie im Vordergrund bzw. drängen sich in diesen.
Als die Protagonistin Catharina Cornelius 1978 Außenministerin und Vizekanzlerin wird, ist sie die titelgebende Frau der Stunde. Bislang war es undenkbar, dass eine Frau diesen Posten belegt und nun muss sie sich zwischen den alten Herren behaupten. Nicht nur sie, sondern auch ihre beiden Freundinnen Azadeh und Suzanne wollen die Welt mitgestalten. Die eine ist Journalistin und die andere setzt sich im Iran für den Sturz des Schahs ein. Aber nicht nur diese beiden, sondern auch weitere Frauen in Catharinas Umgebung - wie z.B. ihre Büroleiterin oder ihre Referentin - spielen entscheidende Rollen.
Dieser Einblick in die Bonner Republik und die angestaubten Ansichten der alten Herren in Bezug auf Frauen ist ausgesprochen spannend und zugleich auch ein wenig erschreckend. Es ist unfassbar wie schwer es den Frauen in der Gesellschaft gemacht wurde und immer noch gemacht wird. Heike Specht hat dies ausgesprochen gut dargestellt. Ihre Dialoge sind treffend und manchmal wusste ich nicht, ob ich entsetzt sein oder schmunzeln sollte.
Die Atmosphäre der 1970er Jahre wird durch reale Ereignisse, die mit der fiktiven Handlung verwoben werden, sehr lebendig. Die Charaktere wirken authentisch und werden vielschichtig dargestellt. Die Autorin hat starke Protagonistinnen erschaffen, die ausgesprochen gut in die Zeit passen und fortschrittlich agieren. Dabei geht es nicht nur um Politik, sondern auch um den Zusammenhalt der Frauen untereinander.
Es dreht sich aber nicht alles um die deutsche Politik, sondern auch um die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse des Irans. Diese Ereignisse sind ebenso interessant zu lesen.
Ich fand den Roman sehr unterhaltsam und mir hat die Kombination aus historischen Begebenheiten und fiktiven Charakteren gut gefallen. Durch den lebendigen Schreibstil, die gelungenen Dialoge und die humorvollen Anekdoten könnte ich mir gut vorstellen, dass der Roman auch LeserInnen gefällt, deren politisches Interesse nicht so ausgeprägt ist.
„Politiker brauchen ein dickes Fell – und Politikerinnen am besten einen Panzer.“ Dieses Zitat von Catharina Cornelius bringt für mich den Kern des Romans auf den Punkt.
Denn genau darum geht es: eine Frau, die Ende der 1970er Jahre als Außenministerin und Vizekanzlerin versucht, sich in einem von Männern dominierten Politikbetrieb zu behaupten – gegen Anfeindungen, Machtspiele und subtile wie offene Demütigungen. Aber die Geschichte ist nicht nur die einer einzelnen Frau, sondern auch die einer Gemeinschaft: Freundinnen, Mentorinnen und Unterstützerinnen, die sich gegenseitig stärken, auffangen und vernetzen. Diese Frauennetzwerke ziehen sich wie ein roter Faden durch den Roman und machen ihn für mich besonders stark.
Am Anfang war es für mich gar nicht so leicht, in die Geschichte hineinzufinden, weil die Autorin eine komplett fiktive politische Landschaft entwirft. Wer gehört wohin, welche Figuren sind miteinander verbündet oder verfeindet – das erschließt sich erst nach und nach. Aber genau dadurch entfaltet sich die Komplexität und man kann richtig in den Zeitgeist eintauchen. Der Schreibstil ist atmosphärisch dicht, und für mich war es fast wie eine kleine Zeitreise zurück in die Bonner Republik.
Besonders gelungen finde ich den doppelten Fokus: Auf der einen Seite Katharina, die darum kämpft, als erste Frau in der deutschen Politik so hohe Ämter zu begleiten. Und auf der anderen Seite die Frauen im Iran, die 1979 auf die Straße gehen, um für ihre Freiheit zu kämpfen und nicht unsichtbar gemacht zu werden. Diese Spiegelung – hier der Aufstieg einer Frau in die Macht, dort der abrupte Verlust von Rechten und Freiheiten – hat mich sehr beeindruckt und auch bewegt.
Spannend fand ich auch die Frage: Wie hätte die deutsche Öffentlichkeit wohl damals reagiert, wenn es tatsächlich schon eine Frau in dieser Funktion gegeben hätte? Wie hätte das Bild von Politik und Macht verändert werden können? Und zugleich merkt man beim Lesen, dass sich manche Dinge bis heute kaum verändert haben: weibliche Politikerinnen werden nach wie vor an ihrem Aussehen, ihrem Kleidungsstil oder ihrem Auftreten gemessen – und Chauvinismus ist nicht verschwunden, er hat nur subtilere Formen angenommen.
Ein anspruchsvoller, horizonterweiternder Roman über Macht, Intrigen und die Stärke von Frauen.
Ich mochte die Geschichte und den Plot sehr. Wie die Freundinnen durchs Leben gehen und dabei mit Witz, Aktionismus und Gelassenheit ihr Leben leben hat mich total beeindruckt. Gleichzeitig hab ich irgendwie gehofft, dass mich das Buch mehr in seinen Bann zieht.
Ein Gedankenexperiment über Politik in den 1970er Jahren
Ich lese sehr gerne historische Romane, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Dieser ist fiktiv, also wie ein Science-Fiction in der Vergangenheit. Die Autorin baut hier ein Gedankenexperiment, das in der damaligen Zeit undenkbar war. Wir befinden uns in den 1970er Jahren. Die Politikwissenschaftlerin Catharina Cornelius wird überraschend Außenministerin und Vizekanzlerin. Da sie eine Frau ist, stößt sie auf massiven Widerstand. Neben ihr gibt es weitere starke Protagonistinnen, die bedeutsame Posten belegen.
Während die Charaktere fiktiv sind, ist es der Hintergrund der Handlung nicht. Politische Ereignisse der damaligen Zeit im In- und Ausland sind eng mit der Geschichte verwoben. Obwohl ich wusste, dass das alles niemals so stattgefunden hat, konnte ich mir gut vorstellen, dass das alles genau so hätte ablaufen können.
Hier wird Politik für jeden zugänglich gemacht und unterhaltsam präsentiert. Gleichzeitig ist es ein wenig erschreckend wie wenig sich seitdem verändert hat. Politik ist nach wie vor eine Männerdomäne und die starken weiblichen Charaktere dieses Romans sind bis heute die Ausnahme geblieben.
Die Autorin und Historikerin Heike Specht hat sich in ihren vergangenen Werken immer wieder historischen Frauenfiguren gewidmet. Nun macht sie etwas sehr interessantes: Sie entwickelt eine alternative Historie, in der statt Helmut Schmidt und Hand-Dietrich Genscher Bundeskanzler und Außenminister/Vizekanzler sind, ein anderer fiktiver sozialdemokratischer Kanzler an der Macht und durch einen Eheskandal des auch männlichen Außenministers, der daraufhin zurücktreten muss, eine Frau ins Außenministerium einzieht. Etwas, was so nie geschehen ist. Diese Frau ist Catharina Cornelius und sie ist die Frau der Stunde, denn durch ihr Nachrücken wird die rot-gelbe-Regierungskoalition gerettet. Nur sehen nicht alle der alt eingesessenen Herren im Bundestag und den Ministerien sie als die Retterin, sondern vor allem wird sie fehl am Platz gesehen. Wir begleiten nun Catharina in diesem alternativen 1978 und 1979 und lernen dabei viel über Frauen in der Politik der damaligen Zeit, auch wenn sie nie, wie im Roman erfunden, schon Ende der Siebziger reale Machtpositionen inne hatten.
Der alternativ-historische Roman von Specht konnte mich wirklich positiv überraschen. Bin ich zwar nicht von Politik aber vom allgemeinen Politikbetrieb heutzutage recht gelangweilt, kommt in Spechts Roman niemals Langeweile auf. Wir werden direkt an der Seite von Catharina in ihr neues Leben geworfen und lernen dabei auch noch viele andere Frauenfiguren kennen, die symbolisch für Frauen dieser Zeit stehen. So Suzanne, die als Journalistin arbeitet und eine für die Zeit moderne Ehe führt, in der ihr Ehemann, der Lehrer ist, zuhause sich um Haushalt und die drei Kinder kümmert. Ebenso Azadeh, eine iranische Dokumentarfilmerin, die zunächst von außen die Umwälzungen in ihrem Heimatland beobachtet, die kurz vor und nach der islamische Revolution das Land und die Menschen überrollen, und bald mit ins Geschehen gezogen wird. Aber auch ältere Frauen der Politik, seien sie früher in der Weimarer Republik für das Volk im Parlament eingetreten oder als fädenziehende Ehefrau an der Seite von politisch aktiven Ehemännern tätig. Und auch junge Frauen einer neuen Generation, die erstmals im Politikbetrieb Fuß fassen wollen. Diese vielen Figuren, die Catharina nicht allein im Zentrum des Romans stehen lassen, machen die Geschichte äußerst facettenreich. Gleichzeitig scheut sich Specht natürlich nicht, all die Hürden und Gefahren für Frauen in der Politik darzustellen. Dies ist keine „was-wäre-wenn“-Geschichte durch die rosarote Brille, sondern eine realistische Einschätzung, wie diese Konstellation mit einer Vizekanzlerin Ende der Siebziger Jahre hätte aussehen können.
Heike Specht schreibt süffig und durch den Wechsel zwischen den verschiedenen Protagonistinnen in den Kapiteln bekommen wir einen weiten Blick auf das Personal. Für mich war es allerdings gerade zu Beginn schwer, mich in diese alternative Historie reinzudenken. Es wird mal in der Vergangenheitsform von Willi Brandt gesprochen und wir wissen dann, dass die historische Person gemeint ist. Aber bei den vielen Figuren rund um Catharina war mir manchmal nicht klar, ob diese wirklich existiert haben, nur zu unbekannt sind, um heutzutage noch Wiedererkennungswert zu haben bzw. ob es sich um einen Schlüsselroman handelt, der hinter den fiktiven Namen Anspielungen auf reale Personen in sich trägt. Dafür kenne ich mich leider nicht gut genug in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik aus. Mit der Zeit habe ich diese Fragezeichen in meinem Kopf allerdings ablegen und mich auf den Plot an sich konzentrieren können.
So, wie der Roman endet, vermute ich stark, dass es sich um den Beginn einer Buchreihe handelt. Normalerweise lese ich nicht gern Reihen, muss allerdings zugeben, dass mich Specht mit ihrer Idee und ihrem Schreibstil fesseln konnte. Sollte also Catharinas Geschichte weitergehen, bin ich dabei.
1978, ein Jahr, das Veränderung einläutet: Catharina Cornelius ist bereits nah an der politischen Machtzentrale, als sie durch eine grobe Verfehlung des Außenministers unverhofft dessen Position einnimmt. Als Frau hat sie es nicht nur schwer, nein, sie muss besonders hart kämpfen, um von der tief patriarchalen, internationalen Politikwelt ernst genommen zu werden: sie ist nicht nur eine Frau, sondern auch noch unverheiratet und kinderlos. Während sich die Männerwelt irritiert, ignorant, intrigant und höchst chauvinistisch zeigt, steht sie ihre Frau, auch wenn sie im Privaten durchaus Sorgen hat. Ihre Affäre mit einem anerkannten Journalisten darf nicht an die Öffentlichkeit geraten, eine ihrer besten Freundinnen, eine iranische Dokumentarfilmerin, hofft inbrünstig auf die Revolution und Absetzung des Shahs und will vor Ort dabei sein und auch eine andere Freundin bereitet ihr Sorgen. Jetzt heißt es keine Schwäche zeigen…
Ich war ja von der inhaltlichen Beschreibung sehr angetan - politische Machtspiele und dann ist noch eine (fiktive) Frau im Mittelpunkt in dieser umbruchhaften Zeit - genau nach meinem Geschmack - dachte ich zumindest. Ehrlich gestanden hat es aber ewig gedauert, bis ich in das Buch gefunden habe, eigentlich habe ich das auch nur für einen kurzen Moment. Ich weiß nicht warum, aber über weite Strecken fand ich es schlicht langweilig. Der Schreibstil ist recht nüchtern, was ich grundsätzlich mag, aber irgendetwas fehlte mir. Die Geschichte plätschert so dahin, es passiert viel, aber es fehlt irgendwie jegliche Emotion, ich konnte nie wirklich in die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonistin eintauchen. Ich hatte immer das Gefühl, als wäre die Hauptfigur nur eine Nebendarstellerin. Vielleicht war es von der Autorin beabsichtigt, eben nicht emotionsgeladen zu schreiben, ist die Hauptfigur doch eine Frau und ich mutmaße, dass sie dieser Frauen zugeschriebenen Eigenschaft der Emotionalität nicht stereotyp begegnen wollte, allerdings ist das beinah völlige Nichtbeschreiben von Emotionen halt auch unglaubwürdig.
Im letzten Drittel des Buches wird es kurzzeitig wirklich spannend und ich dachte mir: jetzt kratzt die Geschichte die Kurve. Es war kurz fesselnd, nur um am Ende eine Geschichte nicht aus zu erzählen und uns mitten im Geschehen zurück zu lassen. Das finde ich so schade, weil die Geschichte wirklich gutes Potential hat: eine Frau in den 70ern kommt an die Macht, muss sich gegen konservativste Männer beweisen, während in einem anderen Teil der Welt ihre Freundin Hoffnung auf eine positive Änderung in einem schwenderisch aristokratischen Land hegt, die sich schon kurz nach dem Umsturz in Luft auflöst - und zudem erschreckend aktuell ist. Man kann nicht einmal sagen, das alles oberflächlich bleibt, denn mir fehlte hier jegliche Oberfläche, an der man sich irgendwie festhalten konnte.
Mein Fazit: "Die Stunde der Frau" verspricht eine höchst spannende Geschichte in einer Zeit des großen Umbruchs, sei es frauengesellschaftlich, als auch politisch - in Deutschland und im Iran. Leider kann sie das Versprechen nicht halten, ist sie doch für meinen Geschmack zu unrealistisch emotionslos und auch nicht sonderlich gut geplottet. Wie andere Buchbesprechungen zeigen, konnte sie aber andere Leser*innen durchaus überzeugen.
„Die Frau der Stunde“ ist so viel mehr als die Politikerin, die eine Führungsposition inne hat. Sie lebt in einer offenen Beziehung, ohne Ehemann, ohne Kind - und sie hat auch nicht die Absicht, dies zu ändern. Ein nicht alltägliches Szenario schon eingedenk der Tatsache, dass diese Frau, Catharina Cornelius, im Jahre 1978 die erste liberale Außenministerin und Vizekanzlerin ist.
Heike Specht hat schon vor diesem Buch über die ersten Frauen in politischen Spitzenpositionen recherchiert, über „Die ersten ihrer Art“ geschrieben und nun darüber spekuliert, wie es wäre, wenn eine Frau das Außenministerium führt, mit welch Hindernissen sie konfrontiert wird und auch, ob es als Frau gelingt, ein gut funktionierendes Netzwerk um sich aufzubauen. Eine spannende Ausgangssituation mit ganz und gar unterschiedlichen Charakteren, die dennoch zusammen gut funktionieren.
Wir sind im Bonn der späten 1970er Jahre, als der liberale Außenminister Helmut Busch über eine Affäre stolpert und er sich auch noch so einiges anderes hat zuschulden kommen lassen, er ist als Minister nicht mehr zu halten. Wer steht als liberaler Lückenfüller bereit? Buschs Parteifreundin Catharina Cornelius ist bereit für diese Aufgabe, sehr wohl wissend, dass sie sich in der politischen Männerriege sowohl in den eigenen als auch in den oppositionellen Reihen zu behaupten hat. Catharina weiß nur zu genau, wie Politik funktioniert. Sie ist intelligent, ehrgeizig, zäh und zielorientiert, sie durchschaut auch mithilfe ihres engen Umfeldes so manch Intrige. Als Politikerin ist sie immer im Dienst und doch gibt es auch ihre sehr privaten Momente.
Die hier agierenden Figuren sind fiktiv, allerdings erkennt man bei so manchem das reale Vorbild. Vordergründig jedoch stellt die Autorin die Spitzenpolitikerin in den Fokus, wohl wissend, dass es noch dauern wird, bis die Zeit dafür reif ist. Auch spinnt sie den Faden weiter, lässt das Geschehen um den Sturz des Schahs und die Wiedererstarkung des Islamischen Staates aufleben. Hier sind es Catharinas iranische Freundin Azadeh, die den Umsturz hautnah erlebt und die Journalistin Suzanne, die darüber vor Ort berichten will. Und sie bietet noch sehr viel mehr an Zeitgeschichtlichem, immer im Kontext der Frau in ihrem politischen Amt.
Es ist ein beeindruckender Roman aus Sicht einer Frau in Führungsposition, die sich ins politische Haifischbecken begibt, um darin zu bestehen. Garniert mit den unvermeidlichen Drinks in verqualmten Räumen, in denen so manch Intrige geschmiedet wird. Mit einem Ende, das besser nicht sein könnte.
Starke Frauen in stürmischen Zeiten – ein fiktiver Blick auf die Bonner Republik
„Die Frau der Stunde“ von Heike Specht entwirft ein überzeugendes Gedankenexperiment: Was wäre gewesen, wenn 1978 eine Frau zur Außenministerin und Vizekanzlerin in der Bonner Republik geworden wäre? Catharina Cornelius, Politikwissenschaftlerin und erfahrene Parlamentarierin, wird durch einen politischen Skandal in diese Position gehoben – ein strategischer Schritt, ja, doch mehr als das: Ihre Autorität beruht auf Willenskraft, Fingerspitzengefühl und dem Rückhalt eines starken Netzwerks.
Die Handlung wechselt zwischen Bonn und Teheran, und genau diese Verflechtung von innerdeutscher Politik und internationalen Umbrüchen verleiht dem Roman Tiefe. Die Freundinnen Suzanne und Azadeh stehen nicht nur symbolisch, sondern real als Gegenpole und Spiegel für Catharina: Suzanne kämpft mit alltäglichen Erwartungen an Ehe, Mutterschaft und Karriere, Azadeh mit dem politischen Umbruch im Iran. Die drei Frauen verkörpern unterschiedliche Spielarten von Emanzipation und Freiheit – und die Herausforderungen, die damit verbunden sind.
Sprachlich gelingt Specht vieles: Der historische Hintergrund wird lebendig, die Atmosphäre der späten Siebzigerjahre – in Bonn wie auch in Teheran – spürt man in Mode, Musik, Medien und gesellschaftlichen Konventionen. Der Schreibstil ist flüssig, mitunter elegant und oft eindrucksvoll in politischen Szenen – etwa im Bundestag oder bei diplomatischen Begegnungen. Man spürt, wie wenig Frauen damals zugetraut wurde, und wie sehr sie mit doppelten Standards zurechtkommen müssen.
Bei allem Lob aber auch Kritikpunkte: Die Figuren, insbesondere die Nebenfiguren, sind zahlreich – nicht alle entfalten ihr Potenzial. Einige Perspektivwechsel lenken vom zentralen Strang ab, ohne dass sie immer neuen Erkenntnisgewinn bringen. Ebenso könnte man sich mehr realpolitische Tiefe wünschen: Details zu außenpolitischen Entscheidungen, Machtmechanismen und Parteistrategien bleiben manchmal eher skizzenhaft. Der Fokus liegt stark auf emotionalen und persönlichen Dimensionen, weniger auf der politischen Theorie oder Analytik. Auch endet die Erzählung abrupt; ein Epilog oder ein Blick in die Zukunft hätte das Ganze abgerundet.
Insgesamt besticht der Roman durch sein Thema, die starke weibliche Hauptfigur, seinen historischen Rahmen und die Frage nach Gleichberechtigung – und macht deutlich, wie aktuell vieles davon noch immer ist. Ein lohnender Roman für alle, die starke Charaktere, politisches Drama und ein gutes Stück feministischer Zeitgeist schätzen.
Catharina Cornelius ist Mitte 40, liberale Politikerin in Bonn im Jahr 1978. Als sie die Chance bekommt, erste deutsche Außenministerin und Vizekanzlerin zu werden, greift sie zu. Bald schon steht sie mitten im Sturm der politischen Lage und zudem wird sie als ledige Frau misstrauisch beäugt und sogar offen angegriffen. Glücklicherweise hat sie eine patente Mentorin, eine starke Mutter und ihre eingeschworene Freundinnenclique, auf die sie jederzeit zurückgreifen kann.
Die Geschichte ist fiktiv, die meisten Personen ebenfalls (bis auf einige wenige für die Geschichte wichtige Personen wie Ayatollah Khomeini oder der Schah und seine Familie). Da ich erst Ende 1978 geboren wurde, ungefähr zu dem Zeitpunkt, als auch der Roman spielt, habe ich die sicherlich vorhandenen Anspielungen auf politische Personen in Bonn 1978/1979 nicht wahrgenommen, bin aber sicher, die gab es durchaus.
Eine sehr große Stärke des Romans ist auf jeden Fall der Fokus auf starke Frauenfiguren. Alle Protagonistinnen verkörpern auf ihre Art Rollen, die teilweise noch heute sehr relevant sind für Frauen, die egal in welcher Branche eine Karriere anstreben. Auch der Blick auf den Umbruch im Iran, als der Schah vertrieben und stattdessen der spätere Terrorherrscher Ayatolla Khomeini eingesetzt wurde - und was das für die Frauen bedeutete hat! - war ein Strang, den ich absolut fesselnd fand.
Catharina, die Hauptfigur, ist eine wirklich spannende Frau, die mir die ganze Zeit hindurch sehr, sehr sympathisch war. Sie ist eine wirklich greifbare Protagonistin, die stark ist, sich aber auch Momente der Schwäche zugesteht - und sicher und fest eingebunden ist in eine Gruppe loyaler Freundinnen.
Auch viele Nebenfiguren haben mir sehr gut gefallen - ich konnte mich vor allem mit der berufstätigen 3fachen Mutter Suzanne sehr identifizieren und habe ihren Strang besonders gern gelesen.
Der Schreibstil war für mich ein besonderer Genuss - ironisch, sarkastisch, humorvoll und empathisch - ich war von der ersten Seite an begeistert und richtig traurig, als ich das Buch beendet habe.
Und als Bonus gibt es noch viel Atmosphäre und Zeitgefühl aus dem Leben Ende der 1970er Jahre - vom Zigarettenrauchen, egal, wo man sich befand (gut, dass das vorbei ist!) über das Leben ohne Smartphone und Internet.
Gerne vergebe ich 5 Punkte und eine uneingeschränkte Leseempfehlung für einen echten Lesegenuss und ein Highlight meines Lesejahres!
Im Bonn der späten 1970er Jahre wird Catharina Busch, zu der Zeit eine der wenigen Frauen in der männerdominierten Politikerwelt, überraschend zur Außenministerin und Vizekanzlerin ernannt. Der amtierende liberale Außenminister Helmut Busch, Catharinas Parteifreund, ist über eine Affäre gestolpert und nicht mehr im Amt zu halten. Um die Regierungskoalition nicht zu gefährden, erhält Catharina als „Lückenfüller“ seinen Posten. Der Plan der Herren in der Koalition ist allerdings, dass Busch das Amt wieder übernimmt, sobald genügend Gras über die Sache gewachsen ist. Doch nicht mit Catharina. Sie fühlt sich der Aufgabe durchaus gewachsen und ist sich sicher, dass sie sich gegen die politische Männerriege ihrer eigenen Partei, der Koalition und auch der Opposition behaupten kann. Catharina kennt sich aus im politischen Haifischbecken Bonns der 1970er Jahre, weiß um die Männer-Seilschaften und die Intrigenspiele. Mit Hilfe ihres Netzwerkes kompetenter Frauen (Freundinnen und Politikerinnen) gelingt es ihr, die eine oder andere Klippe zu umschiffen. In Catharinas Amtszeit fällt auch der Sturz des Schahs im Iran. Das gibt der Geschichte einen interessanten Kontrast – einerseits der Chauvinismus der bräsigen Herren in Bonn, auf der anderen Seite werden die Rechte der Frauen im Iran dank der Mullahs schwer eingeschränkt. Heike Specht liefert einen sehr authentischen Einblick in die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im Bonn der 1970er Jahre, als die Männer in verqualmten Sitzungszimmern die Politik bestimmten und Frauen kein Sachverstand zugetraut wurde. Kompetente Frauen werden als „unsympathisch“ eingestuft, Souveränität wird als „Kälte“ ausgelegt. Als selbstbewusste, intelligente Frau, die in einer offenen Beziehung, ohne Ehemann und Kind lebt, hat Catherina es nicht leicht. Und leider ist es auch 50 Jahre später immer noch so, dass Frauen und somit auch Politikerinnen sich weitaus mehr anstrengen müssen, um sich zu behaupten, ihr Lebensstil und ihre Art, sich zu kleiden, in der Öffentlichkeit mehr Interesse erregen als ihre politischen Positionen. Insgesamt ist „Die Frau der Stunde“ ein atmosphärisch dichter Blick in die späten 1970er Jahre, nicht nur die Geschichte einer starken Frau, sondern ein Buch auch über Macht, politische Strukturen und Geschlechterrollen. „Die Frau der Stunde“ hat mich von der ersten Seite an gepackt, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen – klare Leseempfehlung!
Catharina Cornelius ist eine kluge Politikerin voller Tatendrang, die sich weigert, sich den Erwartungen einer männlich dominierten Politik zu beugen. Gemeinsam mit ihrer Frauen-Clique und den damit verbundenen Freundschaften und Solidarität bahnt sie sich ihren Weg durch die Fallstricke der Politik in den 70er Jahren. Dann wir die Liberale Politikerin völlig überraschend zur Außenministerin und die männlichen Kollegen können sich nur fassungslos die Augen reiben. Die konservative Opposition überschlägt sich mit hämischen Kommentaren und ganz Deutschland (Männer wie Frauen) blicken auf Catharina.
Schon bald kommt es zu dramatischen Umwälzungen, sei es in Bonn oder z.B. in Teheran. Catharina Cornelius muss sich den Ereignissen stellen, die sehr viel größer sind als sie sich vorstellen kann.
Meinung:
„Die Frau der Stunde“ von Heike Specht ist ein unterhaltsamer, aber auch sehr fundierter Roman über die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche der Bundesrepublik Deutschland in der 1970er Jahre. Im Zentrum des Buchs steht Catharina Cornelius, eine liberale Politikerin, die sich gegen die männlichen Strukturen in Bonn wehrt und die sich bis zur Außenministerin und Vizekanzlerin vorarbeitet.
Heike Sprecht gelingt es in diesem Roman sehr gut historische Fakten und literarische Fiktion zu verbinden. Trotz des vielleicht eher trockenen Themas gelingt es der Autorin mit ihrem Schreibstil und ihrem Gespür für Details die 70er Jahre vor dem inneren Auge lebendig erscheinen zu lassen. Die Atmosphäre der damaligen Zeit wird spürbar.
Mich hat der Roman gerade wegen seiner vielschichtigen Hauptfigur überzeugt. Sie ist glaubwürdig und nahbar. Die Schilderung männlicher Widerstände, medialer Vorurteile und gesellschaftlicher Tabus ist auf den Punkt gebracht und realitätsnah dargestellt. Besonders hervorzuheben ist, dass die Solidarität unter Frauen nicht ein bloßes Beiwerk des Romans ist sondern diese dem Buch eine emotionale Tiefe verleiht.
Fazit:
„Die Frau der Stunde“ empfehle ich nicht nur für Fans von Romanen über starke Frauenfiguren sondern allen die Lust auf einen klugen, historisch fundierten und sehr unterhaltsamen Roman haben.
Worum es geht: Wir befinden uns mitten in den 70ern. Die junge Politikerin Catharina Cornelius umgibt sich am liebsten mit ihren Freundinnen Suzanne und Azadeh und einem Gin Tonic zum Feierabend. Derzeit stellt eine kleine liberale Partei den Außenminister und Vizekanzler. Doch aufgrund eines Skandals muss er seine Ämter niederlegen. Und hier kommt nun Catharina Cornelius zum Zuge. Von jetzt auf gleich übernimmt sie seine Posten, ist jetzt die erste Außenministerin und somit auch Vizekanzlerin Deutschlands. Und schon beginnen ihre männlichen Mitstreiter sich an ihr als Frau abzureagieren. Catharina hat jedoch ganz andere Probleme, als auf die Befindlichkeiten altmodischer Herrenreigen Rücksicht zu nehmen, denn Teile der Welt sind befinden sich in Aufruhr.
Mein Fazit: Was wäre gewesen wenn, ja, wenn es in den 70er Jahren die erste Außenministerin gegeben hätte? Wie hätten die männlichen politischen Kollegen und auch die eigenen Parteimitglieder reagiert? Und wie das Ausland? Wie ernst wäre sie genommen worden, welche Hürden hätte sie überspringen müssen? Mit all diesen Fragen beschäftigt sich der Roman und auch mit den tatsächlichen politischen Vorkommnissen in dieser Zeit. Fiktiv und doch sehr realistisch. Ich hatte mir anfangs Sorgen gemacht, ob ich auch hinreichendes politischen Hintergrundwissen habe, um den Roman verstehen zu können, aber dies ist überhaupt kein Problem. Schnell findet man sich in der Welt der Politik zurecht. Der Roman wird nicht nur aus der Sicht von Catharina erzählt, sondern auch aus der Sicht ihrer Freundinnen Suzanne und Azadeh. Die drei waren mir gleich sehr sympathisch und ich habe ihrer Story sehr gerne verfolgt. Ich habe den Roman in einem Rutsch gelesen, weil er wirklich sehr spannend ist. Ich habe mit ihnen gefiebert und mir echt Sorgen gemacht. Tja schade, eine Catharina Cornelius als Außenministerin in den 70ern hätte konservative Deutschland gut gebrauchen können. Ach ja und um richtig in Stimmung zu kommen, empfehle ich beim Lesen die Bee Gees zu hören. Titel und Cover finde ich übrigens absolut passend gewählt.
Ich vergebe sehr gute 4 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
Catharina, Suzanne und Azadeh sind Freundinnen seit der gemeinsamen Internatszeit. Azadeh ist iranische Filmemacherin, Suzanne belgische Journalistin und Catharina deutsche Politikerin. Vor allem Catharinas Weg steht im Fokus dieses Buches, sie ist die Frau der Stunde. Als sich ihr Parteikollege in einem privaten Skandal verstrickt wird sie die erste deutsche Außenministerin und das Ende der siebziger Jahre.
So begleiten wir sie durch die ersten Monate ihrer Amtszeit und nebenbei auch die iranische Revolution, wenn wir Azadeh in ihr Heimatland begleiten. Hier wird besonders die Rolle der Frauen in der Revolution beleuchtet und auch der Beginn ihrer sofortigen Unterdrückung nach der Flucht des Shahs.
Mir hat das Buch an sich recht gut gefallen. Anfangs war es etwas schwierig ins Buch zu kommen, aber wenn man alle Beteiligten kennengelernt hat, war es schön sie zu begleiten. Die Autorin schildert die gesellschaftliche Situation und gerade die Stellung der Frau in dieser Zeit wirklich gut. Auch insgesamt spürt man das, was die siebziger Jahre so ausmacht. Pril Blumen, Ernte 23 und dauerrauchende Menschen, sowie die abschätzige Behandlung von Frauen in der Politik sind hier Themen.
Allerdings gab es auch einige Störpunkte für mich. Einige Nebencharaktere wurden ausführlich eingeführt, um dann mehr oder weniger im Nichts zu verschwinden. Die Einführung lässt auf einen bedeutenden Einfluss auf den Plot hoffen, was dann aber oft einfach gefehlt hat. So hätte ich mir mehr von Catharinas Mutter sowie der Assistentin Juliane Birkel und ihrer Freundin Doris Bock erwartet.
Auch das Ende hat mich leider unzufrieden zurückgelassen. Gefühlt bleiben alle Handlungsstränge offen. Natürlich kann man als Leser*in die Geschehnisse weiterspinnen, allerdings war mir hier vieles einfach zu unabgeschlossen. Damit war mir das Ende zu offen und es ist auch keine Fortsetzung angekündigt. Auch hat mir ein persönliches Statement der Autorin, sei es als Vor- oder Nachwort, gefehlt.
Wer sich nicht an sehr offenen Enden stört ist hier sicher richtig. Das Buch ist gut recherchiert und transportiert ein Gefühl für die Zeit. Für mich hat aber einiges gefehlt.
Catharina ist in der Politik fest verwurzelt, schon ihre Mutter war in der Weimarer Republik im Parlament. Mit den Erfahrungen setzte sie durch das ihre Tochter nicht in Deutschland zur Schule ging sondern in die Schweiz, wo sie internationale Kontakte und Flair bekam. Das hilft ihr nun im Außenamt. Als der Minister sein Amt aufgeben muss wird sie seine Nachfolgerin. Wenn sie geahnt hat das es eine schwere Aufgabe wird, muss sie sich eines Besseren belehren lassen, es ist eine schier unmögliche Aufgabe als Frau im Bonner Politikbetrieb zu bestehen. Chauvinistisches Denken, parteipolitische Klüngeleien, Machtstreben für all das muss sie nun auch ein Händchen haben und im Gegensatz zu den Männern, noch eine Portion mehr. Sie hat zwei Freundinnen, seit Schulzeiten, die eine Journalistin, die andere Dokumentarfilmerin beide stehen ihr zur Seite. Dazu kommen die anderen Frauen im Parlament. Diese sind zwar politisch nicht immer einer Meinung aber sich im Auftreten gegenüber den Männern einig. Mit scharfer Zunge und spitzer Feder hat die Autorin in diesem Buch das politische Geschehen vor fünfzig Jahren untersucht. Wenn man in dieser Zeit die Politik etwas verfolgt hat, hat man vieles davon was hier beschrieben wird mit bekommen. Es machte mir großen Spaß daran erinnert zu werden. Und für alle Jüngeren ist es ein Lehrstück, gerade für die Frauen. Auch heute noch werden Frauen in der Politik stellenweise nicht für voll genommen. Ja es gab schon vor langer Zeit eine israelische und eine indische Ministerpräsidentin, aber haben wir daraus gelernt? Es gab auch vor fünfhundert Jahren eine englische Königin die den Männern ihrer Zeit weit überlegen war. Auch das scheint eine Ausnahmeerscheinung gewesen zu sein. So wird es ab und zu gehandelt, wenn man manche Kommentare hört oder liest, über Frauen in Führungspositionen. Fazit ist wie in diesem Buch, eine Frau braucht einen Ellbogen mehr und viel mehr Widerstandsfähigkeit und nicht nur ein dickes Fell sondern einen Rundum-Panzer.
Eine starke Frau mit klugen Schachzügen in einer Männerdomäne
Als Frau in einer Männerdomäne, das ist nicht einfach. Doch wenn man das schon über die aktuelle Zeit sagt, dann erst Recht über die späten 70er Jahre in der Bundespolitik in der Hauptstadt Bonn. Denn genau dort spielt der historische Roman Die Frau der Stunde. Er dreht sich um Catharina Cornelius, die sich dort behauptet und mit harter Arbeit und Durchsetzungsvermögen sogar zur Außenministerin avanciert. Ich mochte die Geschichte um Catharina sehr gerne, weil sie so authentisch ist und Catharina genau weiß, was sie will. Die Erzählung präsentiert starke Frauenpersönlichkeiten. Denn nicht nur Catharina boxt sich durch, sondern auch ihre beiden Freundinnen. Die eine ist erfolgreiche Journalistin und Mutter, die andere ist Frauenrechtsaktivistin mit iranischen Wurzeln. Sie alle vereint, dass sie für sich einstehen und man eine Menge von ihnen lernen kann. Besonders Catharina weist die Männerwelt mit kleinen Gesten in ihre Schranken, während sie ganz sympathisch bleibt. Bemerkenswert ist auch ihre Gabe, andere zu durchschauen und deren nächste Schritte vorauszuahnen. Ich habe Catharina dafür sehr bewundert. Sie zeigt mehr als einmal, dass sie in der Lage ist, ganze Szenen und Dialoge im Vorhinein in ihrem Kopf durchzuspielen. Man könnte sagen, sie durchschaut alle politischen Machtspielchen und jedes Kalkül. Von ihr kann man eine Menge lernen. Ich mochte diesen Politzirkus sehr gerne und habe mitgefiebert, wie es für Catharina wohl ausgeht. Besonders der Schreibstil macht es einem leicht, in der Geschichte zu bleiben. Denn bei allen heiklen, politischen Themen kommen auch nicht die lustigen kleinen Anekdoten zu kurz. Auch die Gefühle finden ihren Platz und machen die Protagonistin noch nahbarer. Ein gelungener Roman, der sich mit seinen fiktiven Figuren ganz wunderbar in die echten Geschehnisse dieser Zeit einfügt. Es hat mir sehr gut gefallen!
Kurz zum Inhalt: Catharina Cornelius wird 1978 aufgrund eines schweren Vergehens ihres Vorgängers zur Außenministerin. Sie kämpft als Frau in einer Männerdomäne mit Sexismus, Machtgehabe, falscher Voraussetzung anderer und Verrat, sowohl in den eigenen Reihen, als auch international. Zeitgleich begleitet man Catharinas Freundin Azadeh hautnah zu Beginn der iranischen Revolution. Catharina ist eine wahnsinnig interessante Persönlichkeit. Sie ist eine clevere Frau, die ihre Situationen knallhart analysiert. Als Beispiel das Treffen aller europäischer Außenminister. Sie scannt den Raum, entscheidet sich dagegen sich als erste an den großen Tisch zu setzen und überhört die Gespräche der zwei Männergruppen. Selbstbewusst wählt sie die Unterhaltung über Politik, anstatt einer hitzigen Diskussion über Fußball beizuwohnen. Ihr Plan geht auf. Auch, dass bei Treffen in Catharinas Büro sich ihre männlichen Kollegen selbst einschenken müssen, um weder ihre Mitarbeiterinnen, noch sich selbst zu degradieren. Die Auswahl ihrer Kleidung ist nicht weniger kalkuliert. Selbst die Frauen an Catharinas Seite sind voller Stärke, Mut und Macherinnen. Catharinas Freundschaft zu ihren zwei besten Freundinnen ist Liebe pur. Toller Humor, der sich perfekt in den Schreibstil und die Geschichte einfügt. Ich musste einige Male wirklich lachen, weil die Situationskomik wirklich auf den Punkt war. Ich persönlich habe kein gutes geschichtliches und vor allem historisch politisches Wissen und konnte diesem Buch zu hundert Prozent folgen. Der Fokus liegt eher auf Catharinas Aufstieg zur damaligen Zeit und all die Hürden, die das mit sich bringt. Es zeigt, dass sich seitdem in Bezug auf Frauen in Männerdomänen zwar etwas, aber leider nicht genug getan hat. Diese Geschichte ist Frauenpower durch und durch. Eine Geschichte die Mut macht, einen zum Nachdenken, Fühlen und Handeln anregen kann. Für mich eine absolute Leseempfehlung, für alle die starke Frauenbilder lieben!
In "Die Frau der Stunde" begleiten wir die fiktive Spitzenpolitikerin Catherina im Bonn der 70-er Jahre, die relativ plötzlich die erste Außenministerin wird. Es geht um Misogynie, patriarchale Strukturen, politische Machtspielchen, Einfluss der Medien, internationale Konflikte und starke Frauen.
Der Autorin ist es gelungen einen interessanten und unterhaltsamen Roman zu schreiben, bei dem ich persönlich, als jemand der diese Zeit nicht miterlebt hat, auch einiges gelernt habe. Der Schreibstil ist leicht zu lesen und überzeugt besonders mit Beschreibungen und Details, die einen in die Zeit zurückversetzen. Besonders gut hat mir gefallen, wie die Solidarität unter Frauen im ganzen Roman im Mittelpunkt steht. Nicht nur zwischen den drei Freundinnen Catherina, Azadeh und Suzanne, sondern auch zwischen Mutter und Tochter, zwischen Kolleginnen, zwischen politischen Rivalinnen, zwischen Vorgesetzen und ihren Angestellten sowie zwischen internationalen Frauen. Es ist wirklich das zentrale Thema des Romans und sehr gut umgesetzt, denn wir sehen viele unterschiedliche und komplexe Frauencharaktere sowie ihre komplexen Beziehungen untereinander. Besonders der letzte Teil über die Revolution im Iran hat mich sehr bewegt. Es ist ein Porträt einer sehr spannenden Zeit, in der es viel Fortschritt und Veränderung gab, aber auch viel Widerstand dagegen. Ich habe mit Überraschung festgestellt, dass tatsächlich Anna-Lena Baerbock 2021 unsere allererste Außenministerin wurde, was mir noch einmal mehr nach der Lektüre zu denken gegeben hat.
Ich würde das Buch jedem empfehlen, der ein Interesse an Geschichte und Politik hat und sich besonders mit der Frauenrolle in dieser Zeit beschäftigen möchte. Ohne ein Interesse an Politik könnte das Buch allerdings vielleicht ein bisschen trocken sein.
„Die Frau der Stunde“ von Heike Specht zeichnet den steilen Karriereweg der liberalen Politikerin Catharina Cornelius zur ersten deutschen Außenministerin in den Jahren 1978/79 nach.
Auch wenn es sich um einen Roman mit fiktiven Figuren handelt, gibt es doch immer wieder subtile Andeutungen an die politische Realität der jungen Bundesrepublik in den 1970er Jahren. Es macht viel Spaß bei jeder Figurenbeschreibung mitzurätseln, welche Politiker gemeint sein könnten.
Neben der politischen „Lebensgeschichte“ hat mir auch das zentrale Thema der Frauenfreundschaft gut gefallen. Trotz aller Vorurteile und Hürden stehen Catharina immer ihre zwei Schulfreundinnen an der Seite: die belgische Journalistin Suzanne und die iranische Filmemacherin Azadeh. Die Nebenhandlung mit Azadeh, die bei der iranischen Revolution mit all ihren positiven und negativen Konsequenzen in Teheran vor Ort ist, war für mich das beste am gesamten Buch.
Damit komme ich auch gleich dazu, warum ich keine fünf Sterne vergeben würde. Tatsächlich bin ich mit der Hauptfigur Catharina nicht wirklich warm geworden. Obwohl ich ihren Weg nachvollziehen konnte, wirkte die Figur schwer greifbar und ihre Handlungen manchmal fragwürdig. Möglicherweise liegt es daran, dass die Autorin Heike Specht eher für Sachbücher bekannt ist. Für mich persönlich gab es zu wenige berührende Szenen in diesem Buch, so dass mir bis zum Schluss keine wirkliche emotionale Verbindung zur Hauptfigur gelungen ist. Die Nebenfigur Azadeh mit Ecken und Kanten fand ich deutlich interessanter und vielschichtiger.
Trotz dieser Schwäche ist „Die Frau der Stunde“ ein toll geschriebenes Buch, das man gerne liest. Insbesondere für Leserinnen und Leser, die die deutsche Politik Ende der 1970er Jahre miterlebt haben, lohnt sich dieses Buch sehr.
Inhalt und meine Meinung: Für mich gibt es drei Handlungsstränge: Politik, Freundschaft, das gesellschaftliche „Drumrum“. Die Geschichte spielt in den Jahren 1978 bis 1979.
Catharina Cornelius kommt durch den „Skandal“ ihres Chefs, ganz plötzlich und überraschend zu der Position der Außenministerin. Eine Frau auf diesem Posten ist zu dieser Zeit höchst ungewöhnlich und niemand schenkt ihr so recht Respekt oder glaubt an sie. Es ist spannend zu lesen welche Winkelzüge und Abgründe unter der Oberfläche in der Politik lauern und vor allem wie Frauen dort behandelt werden. Intrigen und Manipulationen gehören zur Tagesordnung. Die Politik wird eher im Großen und Ganzen geschildert und es wird kaum ins Detail gegangen.
Wir lesen auch über eine Freundschaft von drei Frauen, die absolut fest zueinander stehen. Eine Freundschaft die alles aushält und die alle drei fest zusammenschweißt. Allerdings sind alle drei Frauen aus sehr wohlhabenden Familien, so dass ihr Leben absolut nicht mit dem der durchschnittlichen Frau verglichen werden kann.
Und was mir als drittes am besten gefallen hat, war das ganze „Drumrum“. Die Mode, die Musik, die Drinks der Partys, die Automarken und vieles mehr aus den 70er Jahren wecken in mir so viele Erinnerungen.
Autorin: Mein Fazit: Es ist schwer hier für mich ein Fazit abzugeben. Ich habe eher ein politisches Buch erwartet, ich finde aber dazu ist diese Seite zu oberflächlich behandelt worden. Die drei Frauen standen eigentlich im Mittelpunkt. Von mir 3,5 Sterne.
Überzeugende fiktive Frauenfiguren - realistisch porträtiert. Das Cover setzt „die Frau der Stunde“ nicht nur bildlich ideal perspektivisch „ins Zentrum“, auch durch die besondere Farbgebung in Rottönen punktet es. In drei Teilen spielt die Szenerie hauptsächlich in Bonn im Langen Eugen und in Teheran in den Jahren 1978 und 1979. Catharina Cornelius, promovierte Politikwissenschaftlerin und stellvertretende Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses in der liberalen Partei, muss überraschend den Posten als Außenministerin und Vizekanzlerin übernehmen. Weitere starke, berufstätige Frauenfiguren wie die Internatsfreundinnen Suzanne de Vries, Korrespondentin für die belgische Tageszeitung in Bonn, und Azadeh Nouri, iranische Regisseurin, durchziehen den Roman als freundschaftlich überzeugende Clique mit sehr verschiedenen Charakterzügen. Das bissige, hinterhältige Ambiente rund um die Bonner Altherren-Mannschaft ist treffend in Szene gesetzt neben dem süffisant ummantelten Spiel der internationalen Journaille. Historisch wird viel Raum der Revolution in Persien eingeräumt mit Azadeh zum Protest aller iranischen Frauen aufrufend, in beruflichem und privatem Begleitschutz von Suzanne. Während Catharina gegen Verunglimpfungen im Bundestag und um den Parteivorsitz ankämpft, übersteht Suzanne ihre ehelichen Beziehungsprobleme. Interessante Nebenfiguren sorgen für zusätzliche Twists und Turns.
Der elegante Schreibstil sorgt reichlich für spannende Unterhaltung.
Grandioser Blick in die Zeitgeschichte der späten 70er-Jahre Das Cover sticht farblich hervor, ohne aufdringlich zu wirken. Die abgebildete Frauenfigur spiegelt das wider, was der Roman thematisiert, eine starke Frau, die ihren Platz in der Männerwelt behauptet. Catharina Cornelius, eine fiktive Figur, wird überraschend zur Außenministerin und Vizekanzlerin ernannt. In einer Zeit, in der Männer das politische Geschehen in Bonn dominieren und Frauen, wenn überhaupt, nur Randfiguren oder politische Mittel zum Zweck sind. Die Story um Catharina Cornelius ist eingebettet in historisch belegtes Zeitgeschehen, die weiteren politischen Personen weisen Ähnlichkeiten mit bekannten Personen auf, ohne sie zu kopieren. Ein zentrales Thema ist die damalige Revolution im Iran, die sehr persönlich wird, da eine der Hauptfiguren, Azadeh, die Freundin von Catharina, schon seit Jahren für die Rechte der Frauen im Iran kämpft. Atmosphärisch ist der Roman perfekt gelungen, verrauchte Sitzungssäle, der stets präsente Alkohol, Intrigen und Machtspiele im Hintergrund. Wer politisch in dieser Zeit interessiert war, wird viele Dinge wiedererkennen, was diese Jahre geprägt hat. Heike Specht ist Historikerin, das spürt man in jeder Zeile. Sie hat hier ein Buch über eine starke Frau geschrieben, mit all ihren Träumen, Ambitionen und Konflikten. Ein politisches Buch, über Macht, politische Strukturen und Geschlechterrollen, das sich fesselnd wie ein Krimi liest und am Ende Bedauern darüber auslöst, dass es zu Ende ist. Dieses Buch ist eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe und ich hoffe, dass man von Heike Specht noch viel hört.
" Die Frau der Stunde" von Heike Specht ist wie der Titel schon sagt ein Frauenroman, in dem anhand von drei Freundine´nen erzählt wird, wie Frauen in den siebziger Jahren und Gleichstellung, bzw.Gleichberechtigung kämpfen.
Catharina Cornelius wird zur ersten weiblichen Außenministerin gewählt und muss im Polititzirkus um Anerkennung kämpfen und sich sogleich gegen die Intrigen ihrer männlichen Kollegen zur Wehr setzen, die eine weibliche Außenministerin als persönlichen Affront gegen ihre Männlichkeit sehen. Der politische Alltag, damals noch in Bonn, wird dabei sehr anschaulich beschrieben. Azadeh, Catharinas Freundin, kämpft im Iran nach dem Sturz des Schah`s um Frauenrechte, die wie wir heute wissen, mit der Machtergreifung Khomenis mit Füßen getreten werden. Sie ist bei den Demonstrationen life dabei, begleitet von der Dritten im Bunde, Suzanne, die sie als Journalistin begleitet. Suzanne bleibt allerdings ziemlich blass in dieser Geschichte, was ich sehr schade finde.
Das Buch lässt sich sehr flott und unterhaltsam lesen und bietet viel Zeitgeschichte, was mir richtig gut gefallen hat. Allerdings finde ich, dass man ein bisschen mehr aus der geschichte hätte machen können. Sie startet sehr stark, plätschert in der Mitte ein wenig vor sich hin und nimmt dann am Ende noch etwas Fahrt auf.
Trotzdem empfehle ich dieses Buch das ich gerne gelesen habe.
Nach einhundert Seiten, hatte ich irgendwie immer noch nicht so richtig ins Buch gefunden. Weder Catharina noch die anderen Frauen haben mir wirklich etwas gegeben, ich fand sie alle okay, aber mir hat etwas gefehlt, etwas besonderes. Bis auf Sieglinde, die hab geliebt. Auch die Handlung plätscherte so dahin. Ich fand aber dennoch die Chronologie und die politische Ereignisse interessant. Allerdings, was hab ich auch anderes erwartet, es war mir teilweise zu viel. Ich hab eher auf eine Geschichte, die sicher viel mehr im Catharina als Privatperson und also Politikerin dreht, gehofft. Das kam für mich also etwas zu kurz. Auch der Schreibstil hat irgendwie den Witz, der auf den ersten Seiten vor allem in der Bar aufgebaut wurde, verloren. Irgendwie waren die Charaktere flach, der Witz wurde zu Erwartbarem. Und dann kam eine Talkshow-Runde zur Sprache, die einerseits lebhaft und witzig beschrieben war und sich andererseits wie eine Satire der heutigen Politbranche las. Das hat mir gefallen. Und auch, wie die Entstehung der Grünen dargestellt wurde! Generell las sich das Buch wie ein Kommentar zur aktuellen politischen Lage. Trotzdem allem, trotz dass ich das Buch nicht ungern beendet habe, ist mir einfach zu wenig passiert. Und das was passiert ist, naja, das war irgendwie eher so dahingestellt, mir fehlte das Fesselnde, das Unerwartete.
„Die Frau der Stunde“ von Heike Specht hat mich wirklich positiv überrascht. Obwohl mich der Klappentext sofort angesprochen hat, war ich mir anfangs unsicher, was mich genau erwartet und ob es meinen Geschmack treffen würde. Doch schon nach wenigen Kapiteln war klar: Dieses Buch hat mich gepackt.
Ich mochte die gelungene Mischung aus Fiktion und Inspiration, die auf realen Ereignissen basiert. Besonders schön fand ich, dass sich die Geschichte nicht nur um die Protagonistin Catharina dreht, sondern auch ihre beiden besten Freundinnen eine wichtige Rolle spielen. Sie sind keine bloßen Nebenfiguren, sondern bekommen eigene Kapitel, wodurch das Buch noch vielseitiger und lebendiger wird.
Sehr beeindruckt hat mich auch der feministische Unterton. Wir begleiten drei starke Frauen, die ihren Weg in einer von Männern dominierten Welt gehen – und dabei immer wieder mit Ungerechtigkeiten konfrontiert werden, die in dieser Form Männer nie erleben mussten.
Einziger Kritikpunkt für mich war das Ende. Es bleibt offen, sodass man als Leser*in nicht genau erfährt, wie alles ausgeht. Zwar kann man sich vieles denken, dennoch hätte ich mir hier einen klareren Abschluss gewünscht.
Trotzdem kann ich „Die Frau der Stunde“ empfehlen. Vor allem, wenn man Geschichten über starke Frauen liebt oder sich für Politik und Zeitgeschichte interessiert.