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Staatsfeinde: Rechte Subkulturen in Ostdeutschland seit den 1970er Jahren


Jenseits des Die Wurzeln rechter Gewalt im Osten.



Woher kommt die rechte Gewalt im Osten? Seit den 1990er-Jahren heißt es immer Das ist eine Folge verinnerlichter autoritärer DDR-Strukturen. Stefan Wellgraf hingegen rückt aufmüpfige DDR-Jugendliche in den Mittelpunkt, die wegen ihrer antiautoritären Neigungen in Konflikt mit dem Staat gerieten und sich aus Protest rechten Subkulturen zuwandten. Auf Basis mehrjähriger Feldforschungen und Archivrecherchen untersucht er, wie Ressentiments gegen staatliche Eliten in Ostdeutschland entstanden sind und sich nach der Wende verfestigten. Anhand der Biografien ehemaliger Skinheads und Hooligans erzählt er, wie der Boden für den Rechtspopulismus bereitet wurde. Ein scharfsinniges Buch, das gängige Erklärungsmuster zur ostdeutschen Rechten auf den Kopf stellt und völlig neue Perspektiven auf die Wurzeln unserer politischen Gegenwart eröffnet.

560 pages, Kindle Edition

Published January 13, 2026

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Stefan Wellgraf

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Profile Image for Florian Lorenzen.
178 reviews211 followers
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July 5, 2026
Im Januar ist mit „Staatsfeinde. Rechte Subkulturen in Ostdeutschland seit den 1970er Jahren“ im Ch. Links Verlag das vielleicht interessanteste Buch dieses Jahres über rechte Milieus erschienen. Am Beispiel der organisierten Fan-und Hooligan-Szene des DDR-Serienmeisters BFC Dynamo zeichnet Wellgraf den Wandel rechte Subkulturen im Osten von den späten 70er Jahren bis zur Gegenwart nach und versucht hierdurch gleichsam die verbreiteten Autoritarismusthese zu widerlegen. Die im Umfeld der Frankfurter Schule entstandene und insb. durch Adornos Schrift „Die autoritäre Persönlichkeit“ (1950) geprägte sozialpsychologische Theorie postuliert, dass der Autoritarismus von der Bejahung fester Hierarchien und pauschalem Gehorsam nach oben geprägt sei. Wellgraf versucht stattdessen zu zeigen, dass dies auf die aufmüpfige, gegen die DDR- und BRD-Staatsgewalt gerichteten BFC-Fanszene, gerade nicht zutrifft – was am Ende aber nur halb überzeugt, da die Ablehnung bestimmter politischer Herrschaftsformen nicht gleichbedeutend mit Antiautoritarismus ist.

Weitaus plausibler sind wiederum seine differenzierten Ausführungen zur Erziehung und zum Agieren der Sicherheitsbehörden in der DDR sowie seine beißende Kritik an der Rechtsextremismusforschung, die sich zu oft von schablonenhaften Negativ-Etikettierungen, Doppelstandards und der unkritischen Übernahme von sicherheitsbehördlichen Konzepten leiten lässt.

„Staatsfeinde“ umfasst thematisch somit ein ziemliches breites Feld und ist auch methodisch interessant angelegt. Neben der klassischen Archivarbeit arbeitet Wellgraf mit Elementen der teilnehmenden Beobachtung; er war also einige Mal auf Auswärtsfahrten, im Fanblock und auf Feiern im Vereinsheim mit dabei und integriert diese Eindrücke in seine Theorie. Die gelegentlichen Ausflüge in die Psychoanalyse gehören jedoch zum schwächsten Teil des Buchs.

Auch wenn das Buch gut 100 Seiten hätte kürzer sein dürfen: Eine klare Empfehlung für alle, die sich für rechte Subkulturen interessieren und eine verstehende, nicht primär wertende Perspektive schätzen

Review auf Instagram: https://www.instagram.com/p/DaaqS0mgupZ
Profile Image for WildesKopfkino .
1,309 reviews11 followers
January 24, 2026
Kein Buch für bequeme Gewissheiten. Schon nach den ersten Seiten sitzt da dieses leise Unbehagen, weil vertraute Erklärungen plötzlich wackeln. Rechte Gewalt im Osten, klar, DDR, Autoritarismus, das kennt man. Und dann kommt Stefan Wellgraf und dreht das Ganze einmal sauber auf links.

Statt der immergleichen Schuldzuweisung an einen angeblich allgegenwärtigen Gehorsam rücken hier aufmüpfige Jugendliche ins Zentrum. Typen, die anecken wollten, die Stress suchten, die keinen Bock auf staatliche Bevormundung hatten. Gerade diese Reibung mit dem System wird zur Brutstätte für spätere rechte Radikalisierung. Ein Gedanke, der erstmal hängen bleibt und dann immer schwerer wiegt.

Besonders stark sind die biografischen Passagen. Ehemalige Skinheads, Hooligans, junge Männer voller Wut, Leere und verletztem Stolz. Keine Entschuldigung, kein Verharmlosen, aber ein ehrlicher Blick auf soziale Brüche, Demütigungen und das tiefe Misstrauen gegenüber Eliten. Da entsteht ein Bild, das weh tut, weil es nachvollziehbar ist.

Wellgraf schreibt klug, ruhig und präzise. Keine belehrende Attitüde, keine moralische Keule. Stattdessen Feldforschung, Archivarbeit und ein feines Gespür für Zwischentöne. Man merkt, hier wollte jemand verstehen, nicht gewinnen.

Am Ende bleibt das Gefühl, ein wichtiges Puzzleteil zur politischen Gegenwart bekommen zu haben. Kein Wohlfühlbuch, aber eines, das hängen bleibt, Diskussionen auslöst und den Blick schärft. Genau solche Bücher braucht es gerade.
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