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Israel: Fragen an ein Land

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Das neue Buch der Spiegel-Bestsellerautorin zeichnet ein Porträt Israels anhand einer weitverzweigten Familie. Sie begibt sich dabei in unterschiedliche gesellschaftliche Milieus und politische Lager. Unvoreingenommen, perspektivenreich, erzählerisch.



Seit dem 7. Oktober 2023 ist es schwieriger denn je, über Israel zu sprechen. Sabine Adler bereist das Land seit vielen Jahren und berichtete darüber in zahlreichen Reportagen. Als zuverlässige und versierte politische Beobachterin verliert sie in ihren Analysen nie das Menschliche, die Geschichten hinter den Konflikten, aus dem Blick. Für ihr neues Buch hat sie Mitglieder einer weitverzweigten, vier Generationen umspannenden Familie besucht, Menschen, die in den unterschiedlichsten Milieus und politischen Lagern zuhause sind, und ihnen ihre Fragen gestellt, stets auf der Suche nach der Antwort, wohin sich das Land entwickelt. Entstanden ist eine biografische Annährung an ein zerrissenes Land, mit der die Spiegel-Bestsellerautorin einen wichtigen Beitrag zur Nahost-Debatte leistet, jenseits verhärteter Fronten und vorgefertigter Meinungen.



Erscheint zum Jahrestag des Terrorangriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023.

273 pages, Kindle Edition

Published September 17, 2025

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Sabine Adler

28 books1 follower

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Profile Image for Wandaviolett.
470 reviews67 followers
September 26, 2025
Notwendige Einlassungen.
Kurzmeinung: Wenn sich Deutschland positionieren will, muss es sich mit den Beteiligten selbst auseinandersetzen.
In ihrem Text beschäftigt sich Sabine Adler mit den Fragen, die nicht nur sie an Israel hat. Dazu interviewt sie eine israelische vielverzweigte Familie. Die Angehörigen derselben haben unterschiedliche Lebenswege und Lebensansichten, angefangen von der Patriarchin, die eine Holocaust-Überlebende ist, bis hin zu den modernen liberalen Juden, die im Ausland studierten oder auch dem ultraorthodoxen Zweig der Familie.
Thema ist natürlich der Gazakrieg. Was sonst? Ausgelöst durch das Massaker, das die Hamas am 7. Oktober 2023 begangen haben, bei dem mehr als 1200 OpenAirConcert-Besucher bei einer konzertierten Aktion der Hamas auf brutalste gnadenloseste Weise gefoltert, abgeschlachtet, vergewaltigt und verschleppt wurden. Die Welt hat inzwischen vergessen und macht sich einer Opfer-Täter-Umkehr schuldig.
Konfliktherde innerhalb der jüdischen Bevölkerung selbst sind die Privilegien, die die zunehmende Schicht der Ultraorthodoxen haben, sie sind vom Wehrdienst befreit und klinken sich auch sonst mehr und mehr aus der Gesellschaft aus. Die von der Regierung geplante Justizreform“, die in die Gewaltenteilung eingreift, ist strittig, die Siedlungspolitik, die Säuberung der Staatsarchive (die Bevölkerung verkraftet angeblich die Wahrheit nicht), die allgemeine Spaltung der Zivil-Gesellschaft, Demokratie oder Religion, wie geht beides oder muss eines zugunsten des anderen zurücktreten, die Loyalität im Kriegsfall und vieles mehr. Und wer ist überhaupt Jude und müssten nicht alle Juden hebräisch können?

Einig ist man sich darüber, dass Israel sich schützen muss. Uneinig ist man sich über den Weg. Ungefilterter Hass, der unter den Palästinensern generationenlang weitergegeben wird und in Schulbüchern verankert ist, macht eine erneute Verständigung schwer. Denn der 7. Oktober 2023 ist verständlicherweise eine Zensur. Danach sind einige vielversprechende Initiativen zur Völkerverständigung zum Erliegen gekommen. Einige wenige halten die Fahnen noch hoch. Sie heißen zum Beispiel „Roots“ und gestalteten Sommercamps mit palästinensischen und israelischen Jugendlichen oder „Standing Together“ oder „The Fourth Quarter“ und gehen allesamt auf israelische Einzelinitiativen zurück. Mir ist keine einzige Initiative ähnlicher Art bekannt, die auf palästinensischer Seite entstanden wäre.
Der Krieg könnte sofort beendet werden, antworten die Interviewten auf die Frage nach Länge, Art und Verhältnismäßigkeit des Gazakrieges, wenn die Hamas die Waffen niederlegt und die Geiseln herausgibt: Eine Lösung wäre auch die wenigstens zeitweise Evakuierung der Palästinenser in die anliegenden arabischen Staaten, so dass die Zivilisten kein Schutzschild mehr für die Hamas böten. Die arabischen Staaten aber weigern sich. Ist es doch keineswegs in ihrem Interesse, dass der Nahostkonflikt sich löst und Israel nicht mehr am Pranger stünde.

Dieses notwendige Büchlein ist in unwissenschaftlicher Sprache geschrieben, jedoch nicht ohne Know-How. Die Spache ermöglicht einen leichten Zugang und ich empfehle es ausdrücklich! Denn man muss immer beide Seiten hören!

Fazit: Ein sehr erhellendes Buch über die aktuelle Lage in Israel und Palästina.

Ein Lesehighlight 2025. Leseempfehlung!

Kategorie: Sachbuch. Weltpolitik.
Link Verlag 2025 /Aufbauverlag
689 reviews11 followers
October 12, 2025
Der 7. Oktober 2023 war eine Zäsur. Was hat der Terrorangriff der Hamas mit den Israelis gemacht, auch denen, die nicht unmittelbar getroffen? Wie haben sich Werteachsen und Einstellungen verschoben? In ihrem Buch "Israel" geht Sabine Adler diesen Fragen anhand einer Familie nach. Die älteren tragen die Erfahrung des Holocausts beziehungsweise der Belastungen der zweiten Generation mit sich, die jüngeren sind mit dem Nahostkonflikt aufgewachsen, haben ihren Armeedienst teilweise im Westjordanland oder im Libanon geleistet.

Die weitverzweigte Familie, die die Autorin seit Jahren kennt, ist überwiegend religiös-zionistisch, es gibt einen streng orthodoxen Bruder, aber auch einen säkularen. Die meisten leben in Jerusalem, mehrere in Siedlungen im Westjordanland, einige haben Kindheitserinnerungen an die aufgegebenen Siedlungen in Gaza. Es sind eher nicht die Israelis, die sich jede Woche auf dem Geiselplatz im Stadtzentrum von Tel Aviv versammeln, auch wenn längst nicht alle Benjamin Netanjahu und seine umstrittene Justizreform unterstützen.

Adler zeigt das Politische im Persönlichen, in der Erfahrung etwa der kinderreichen Mutter, die den Haushalt alleine stemmen muss, weil ihr Mann als Reservist in Gaza ist. Der Terrorangriff hat Traumata ausgelöst und wieder wachgerufen - die Gespräche mit einer Psychoanalytikerin von Amcha, einer Organisation, die sich eigentlich vor allem um Holocaus-Überlebende kümmert und nun vor neuen Herausforderungen steht, gehören für mich zu den besonders spannenden Eindrücken des Buches.

Die Autorin spricht mit ihren Gesprächspartnern in Cafés in Tel Aviv und Jerusalem, aber auch in den Siedlungen in den besetzten Gebieten. Die Kontraste zwischen dem Leben der Siedler und den in der Region ansässigen palästinensischen Menschen werden aufgezeigt, die Gewalt radikaler Siedler und der berüchtigten Hügeljugend gestreift, aber in den Gesprächen nicht so kritisch hinterfragt, wie es meiner Meinung nach wünschenswert gewesen wäre. Aber vielleicht führt gerade das dazu, dass sich Menschen der Autorin öffnen, die sonst eher feindselig auf Journalisten reagieren, zumal Adler ja als Freundin der Familie kommt.

Es ist eine private Innensicht auf den Konflikt, die auch deutlich macht, wie schwierig die Diskussion allein innerhalb Israels ist und wie sehr der Krieg die Gesellschaft gespalten hat. Adler hört zu, beobachtet, analysiert, lässt aber ihren Gesprächspartnern Freiraum, ihre jeweilige Position und ihren Blick auf das Land zu erläutern. Und der ist so vielschichtig wie das ganze Land.
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