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Die Welt nach dem Westen: Über die Neuordnung der Macht im 21. Jahrhundert

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Das Buch der Daniel Marwecki beschreibt die Welt, wie sie sich gerade vor unseren Augen verändert - und spendet mit seiner klugen und menschenfreundlichen Analyse Trost durch Verstehen.



In den Trümmern der Kriege in Gaza und der Ukraine zeichnen sich die Konturen einer neuen Welt ab. Donald Trump ist der westliche Abstiegsmanager, der die USA von einem Imperium zurück in einen Nationalstaat verwandelt – zum Leidwesen eines traurigen Europas, das ahnungslos in die neue, multipolare Welt hineinstolpert. Im Schatten all dessen entfaltet die Dekolonisation – verspätet – ihre Wirkung.



»Marwecki vollbringt das Kunststück, den westlichen Abstieg nicht als Untergangsgeschichte zu erzählen. Frei von Phrasen und Illusionen, stiftet die Lektüre nicht nur reiche Erkenntnis – sie macht auch Mut.« Per Leo.

289 pages, Kindle Edition

Published October 13, 2025

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About the author

Daniel Marwecki

4 books4 followers

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February 7, 2026
Der in Deutschland geborene und in Hongkong lehrende Politologe Daniel Marwecki schreibt in diesem Buch über die Welt nach dem Westen, mit doppelter Bedeutung des nachs: Einerseits das temporale nach, also das Ende von westlicher Hegemonie. Andererseits nach im Sinne von "nach dem Blick" oder "aus der Perspektive" von dem Westen.

Dieses Buch ist kein Fachbuch, sondern eher ein zeitdiagnostisches Sachbuch: Er legt keine Theorie vor, sondern reiht Versatzstücke aus Fachliteratur und Presse, um die Welt nach dem Westen v.a. historisch in fünf Schritten zu erfassen. Im ersten Kapitel beschäftigt sich Marwecki mit der Frage, wie überhaupt es zu europäischer Dominanz der Welt, dessen Beginn er ins 19. Jahrhunder setzt, kam. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den Dekolonisationen des 20. Jahrhunderts aber auch mit kolonialen Kontinuitäten, Abhängigkeitsverhältnissen zwischen Peripherie und Zentrum, die überdauern. Im dritten Kapitel beschreibt Marwecki v.a. Chinas ideologisch-widersprüchlichen Aufstieg mit kommunistischer Partei, aber globalkapitalistischer Handlungsweise. Anleihen zur Erklärung, wie man Nationen erfolgreich industrialisiert, kann er dabei spannenderweise von Friedrich List ziehen. Dies ist ein widerkehrendes Erlebnis bei der Lektüre des Buches, denn immer wieder fördert Marwecki Zusammenhänge zu tage, die unkonventionell erscheinen. Das vierte Kapitel behandelt unter dem Titel "Die Armut, das Klima und der Zwang zur Kooperation" die weiterhin bestehende globale Ungleichheit und die Frage nach (besonders chinesischer) Entwicklungs- und Infrastrukturprojekte. Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit dem Arabischen Frühling, dem islamischen Fundamentalismus, den Golfkriegen und dem War on Terror. Kapitel sechs mit der westlichen Ukraine- und Gazapolitik. Zum Ukrainekrieg hat Marwecki meiner Ansicht nach einerseits interessante Analyseperspektiven zu verdeutlichen. Wenn er aber schreibt, dass "auf dem Rücken dieses Landes ein blutiges Theaterstück aufgeführt wird", dann hat es einen raunenden Unterton, nach dem Motto: Die Ukraine will ihre Souveränität ja nicht einmal selbst verteidigen. Spannend dagegen sind die Beleuchtung der Wandlungen der deutschen Russlandpolitik der letzten Jahren, als auch das Argument von der "westlichen Einsamkeit" in der Ukraineunterstützung, ausgelöst durch die Doppelmoral westlicher Politik der letzten zwanzig Jahre hinsichtlich der Aufrechterhaltung einer vermeintlich "liberalen, völkerrechtsbasierten Weltordnung".
Für die Gaza-Politik hingegen findet der Autor scharfe Worte: Schelte erfahren ein "verstörende[r] Gleichschritt[...] von Leitmedien und Regierung im Namen der sogenannten Staatsräson", die Deutschlands guten Ruf im Nahen Osten nachhaltig geschadet hätten.

Das letzte Kapitel enhält nun das, wofür viele Leserinnen und Leser dieses Buch wohl kaufen: Eine gegenwartsbezogene Analyse der aufziehenden Weltordnung. Marwecki ist vorsichtig mit exakten Prognosen, eher referierend als festsetzend. Der Ansicht, in der nun nicht mehr unipolaren, sondern multipolaren Welt werde zukünftig ein Kalter Krieg 2.0 zwischen China und den USA ausgetragen, widerspricht er allerdings deutlich. Marwecki besorgt die pessimistischen Untertöne europäischer Politik und die Schwierigkeit derer ein "Bild einer multipolaren Zukunft zu entwerfen, die nicht als Verlust oder als Kampf erfahren wird". Dagegen wendet er seinen vorsichtig formulierten VOrschlag von "würdevollen Abstiegsmanagement nach außen und einem neuen Gesellschaftsvertrag nach innen". Die europäische Union solle im aufziehenden multipolaren Konflikt eine vermittelnde Rolle zwischen den Vereinigten Staaten und China einnehmen.

Insgesamt bleibt ein interessantes, zum Nachdenken anregendes Buch, das auch dadurch profitiert, dass für die Leserinnen und Leser auch daher nützlich ist, weil es aus einer nicht-deutschen Perspektive geschrieben ist. Manchmal hätte ich mir allerdings gewünscht, dass Marwecki auf bestimmte Themen - etwa auf die Geschichte chinesischer Entwicklungshilfe im 20. Jahrhundert - länger eingeht,
Profile Image for Madeleine.
43 reviews3 followers
November 24, 2025
Ein leicht zu lesender Überblick über die sich wandelnde Rolle des Westens, und seine Beziehungen mit, als auch sein Image aus der Perspektive der übrigen Mehrheit der anderen Staaten der Welt.

Da ich selbst seit 10 Jahren im ostasiatischen Ausland lebe, und daher z.B. Entwicklungen wie die "Willkommenskultur" um 2015, als auch den starken Rechtsruck der letzten Jahre, das lauter werdende deutsche Säbelrasseln seit dem russischen Angriff auf die Ukraine, und das aus der Ferne wirklich verrückt wirkende, verkrampfte Festhalten an der Staatsräson (im Angesicht der Unterstützung eines Genozids!) und dem dadurch resultierenden enormen Imageverlust der Marke "Deutschland" weltweit, musste ich bei vielen Passagen durchgehend einfach zustimmend nicken.

Wenn man sich bei der eigenen "media diet" nicht ausschließlich auf deutschsprachige Nachrichten verlässt, sondern auf Englisch oder, wenn möglich, weiteren anderen Sprachen die Geschehnisse der letzten Jahre verfolgt, wird einem vieles bekannt vorkommen. Aber auch genau deshalb empfand ich es als sehr erfrischend diese Perspektiven so präzise und direkt formuliert einmal auf Deutsch zu lesen.

Ein Buch das ich jedem/r empfehlen möchte, der/die einen klareren Blick auf die sich verändernden Machtverhältnisse im 21. Jahrhundert werfen möchte.
Profile Image for Anna.
14 reviews
February 1, 2026
Marwecki verschafft in diesem Buch einen exzellenten Überblick über eine Weltordnung im Wandel, die sich in absehbarer Zukunft nicht mehr durch westliche Vorherrschaft auszeichnen wird. Dabei geht er auf die Geschichte jener Länder ein, die zuvor von europäischen Großmächten kolonisiert wurden, sowie auf die Gründe für ihr wirtschaftliches und politisches Scheitern. China stellt eine der wenigen Ausnahmen dar und ist folgerichtig mehreren Kapiteln gewidmet. Zu Recht, denn der chinese giant ist eine Nation, die mit zahlreichen Ländern enge wirtschaftliche Beziehungen pflegt.
In den letzten Kapiteln widmet sich der Autor der Frage, wie sich Europa im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen neu positionieren können. Wie kann ein würdiges Abstiegsmanagement gelingen, also die Eingliederung in eine sich herausbildende multipolare Ordnung, ohne massive Wohlstandsverluste zu riskieren? Die entsprechenden Vorschläge entfaltet Marwecki im Buch.

Abschließend lässt sich sagen, dass dieses Buch für mich – als jemand mit wenig Vorwissen im Bereich der internationalen Beziehungen – eine Bereicherung war.
40 reviews
February 7, 2026
Zu Anfang einige interessante Diskussionen auch mir unbekannter Texte und Analysen, die aber schnell einem Vignettenhaften Stil weichen, der manchmal kaum Zusammenhängend erscheint. Letztlich wichtig, über die anstehende Epoche zu diskutieren, und Marwecki macht einen hilfreichen Auftakt. Gut geschrieben ist es leider nicht.
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