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Bemühungspflicht

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Sandra Weihs' »Bemühungspflicht« folgt mit messerscharfer Beobachtungsgabe und treffsicherem Humor einem Mann, der sich verzweifelt gegen die Demütigungen des Sozialsystems wehrt. 

 An der Supermarktkasse stellt Manfred Gruber fest : Die Behörde hat die Sozialhilfe nicht überwiesen. Dass die Kartenzahlung erneut abgewiesen wird, treibt ihm vor Scham die Röte ins Gesicht. Es ist ein kalter und regnerischer Tag, ohne Geld muss er den weiten Weg entlang der österreichischen Bundesstraße zu Fuß auf sich nehmen, um die Beamten zur Rede zu stellen. Er hat alle Auflagen erfüllt, alle aussichtslosen Bewerbungen verschickt, die unsäglichen Bewerbungstrainings und unbezahlten Probearbeitstermine absolviert, er ist seiner Bemühungspflicht verdammt noch mal nachgekommen! Die können ihm gar nichts – doch er irrt sich. Ein wichtiger Roman zur richtigen Sandra Weihs blickt dorthin, wo die Gesellschaft als Erstes wegschaut. Auf empathische Weise beschreibt die Autorin den verzweifelten Kampf eines im Sozialsystem Alleingelassenen. Ihre messerscharfen gesellschaftlichen Betrachtungen, der treffsichere Humor, hinter dem immer wieder eine Bernhard'sche Ironie hervorblitzt, lassen einen nicht los – ein Roman, der mit Vorurteilen aufräumt und der seinem Protagonisten das zurückgibt, wonach ihm am meisten die Würde.

»Ein Text wie eine Maschine. Atemlos zu lesen. Mit eisernem Mut. Grandios und bitter.« Andreas Maier

»Bemühungspflicht zeugt nicht nur vom literarischen Können, das die österreichische Autorin mit ihrem dritten Roman unter Beweis stellt. Weihs schöpft gleichermaßen mit vollen Händen aus ihrem Erfahrungsschatz als praktisch tätige Sozialarbeiterin. Ein großes Glück für die Literatur.« Judith Solty, der Freitag

»Ein Roman, der sehr grundsätzlich ökonomische Themen aufnimmt und in gesellschaftliche Bereiche blendet, die in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur selten in dieser Form, Wucht und Dringlichkeit aufgenommen werden.« Stefan Gmünder, STANDARD

256 pages, Kindle Edition

Published September 4, 2025

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Sandra Weihs

6 books

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Profile Image for Max.
289 reviews548 followers
Read
March 20, 2026
Ab 1.6.26 tritt die neue Grundsicherung in Kraft, Totalsanktionen dürfen schneller durchgeführt und Menschen auf die Straße geschmissen werden. Grundgesetz, wo bist du, wenn man dich braucht?! Was war nochmal Menschenwürde, bitte um Aufklärung.

Buch zur Stunde.
Profile Image for Dunja Brala.
680 reviews62 followers
November 1, 2025
Ich war noch nie in meinem Leben einen Tag arbeitslos (dreimal auf Holz geklopft). Ich vermittel aber teilweise Menschen zu unterstützenden Dienstleistungen an die Arbeitsagentur oder das Jobcenter. Ich kenne mich mit den entsprechenden Formularen aus und bin manchmal mit den Antragstellern frustriert. Deshalb kann ich einiges, was Manfred Gruber denkt, sehr gut nachvollziehen. Obwohl er in Österreich lebt, sehe ich keinen großen Unterschied zu Deutschland.

Gruber ist so etwas, was man im Allgemeinen eine gescheiterte Existenz nennt. Er ist in prekären Verhältnissen großgeworden und musste schon mit gewalttätigen Erfahrungen groß werden. Diesem Druck hat er im Erwachsenenalter nicht Stand gehalten. Alles, was er sich aufgebaut hat, hat er wieder verloren. Lange hat er sich um seine Mutter gekümmert, deren wichtigstes Anliegen es war, dass ihr Häuschen erhalten bleibt. Nach ihrem Tod ist ihm dieses Obdach das Einzige was geblieben ist. Da er nicht arbeiten kann, will und möchte, bekommt er Sozialhilfe. Das reicht, um Monat für Monat über die Runden zu kommen und sogar noch ein bisschen was zurückzulegen (was das Amt allerdings niemals erfahren darf)

Als die monatliche Zahlung ausbleibt, geht er mal wieder aufs Amt und erfährt, dass er noch größerer Bemühungspflicht nachkommen muss. Es steht viel auf dem Spiel und Manfred Gruber weiß nicht wie es weitergehen soll

Sandra Weihs hat ein Setting gewählt, über das man so gut wie nie in der Literatur liest. Sie hat die Menschen in den Mittelpunkt gestellt die hinter den grauen ungegepflegter Fassaden verschwinden. Sie sind kein Mehrwert für unsere Gesellschaft und so nur als Störfaktoren existent. Das ist zumindest das, was uns Politik gerade im Moment mal wieder vermitteln möchte. Dabei finden ein Großteil dieser Menschen gar keinen Job und „mit jedem Jahr mehr in diesem Gefangensein zwischen Trotz und Ablehnung am Arbeitsmarkt wird der Antrieb weniger, einen Job zu suchen. Der Alltag wird zum Trotz, es gibt keinen Veränderungswunsch mehr, denn jeder Wunsch wird enttäuscht. Arbeitslosigkeit und Armut sind zwei Faktoren, die Menschen umbringen können.“

Mehrere Personen kommen hier zu Wort. In der Hauptsache Manfred, doch auch seine Sachbearbeiterin eine Freundin und eine Nachbarin reden über ihn. dabei geht es häufig mehr um sie selbst als um ihren Klienten oder Nachbarn. Stilistisch ist die Form wirklich sehr besonders, denn wir werden direkt angesprochen als Zuhörer, als Leser, als Person im Kopf des Protagonisten. Viele Sätze haben mich sehr betroffen gemacht, gerade weil ich direkt angesprochen wurde. Es gibt auch Interviews, die auf eine Eskalation hindeuten, von der wir aber bis zum Schluss nicht wissen, wie wir uns die vorstellen dürfen. Der Schock am Ende des Buchs war bei mir sehr groß. Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet und die Süffisanz mit der dem unglaublichen Ereignis begegnet wird, lässt einen wirklich an unserer Menschlichkeit zweifeln. Mir ist auf jeden Fall zweimal kurz hintereinander, die Kinnlade runtergefallen.

Manfred ist kein Sympathieträger, das ist mal klar und doch sind wir eine soziale Gesellschaft, bei der einer für den anderen sorgt. Dass das immer mehr ins Hintertreffen gerät, hat mit einer großen Dekadenz zu tun, die keiner mehr so richtig in den Griff bekommt. Menschen wie Manfred wird es immer geben. Alle Überprüfungen, Mechanismen und Machtmittel, die uns zur Verfügung stehen, werden dies nicht verhindern können. Also müssen wir mit diesen Menschen leben und ihnen ein sinnvolles Dasein bieten. Das ist nicht allein in der Lohntätigkeit zu suchen

Weihs Buch tut weh, hält uns den Spiegel vor und trampelt auf unserem Ego herum, zurecht, denn als Konsumenten von Trash TV sind wir eher an der Sensation interessiert als an der wirklichen Unterstützung von Menschen, die es alleine nicht schaffen.

Ein Roman voller Tragik und Wahnsinn, literarisch und berührend und eine riesengroße Empfehlung an alle, besonders dann, wenn ihr die Bodenhaftung zu verlieren droht.
Profile Image for Jule.
396 reviews23 followers
February 8, 2026
Das Buch, das Friedrich Merz nie lesen wird.
Profile Image for Ellinor.
805 reviews377 followers
January 31, 2026
Manfred Gruber ist seit Jahren arbeitslos und lebt von Sozialhilfe. Alle Ausgaben rechnet er sich genauestens aus, spart für größere Ausgaben, wie die Gasrechnung, bewusst Geld. Monatlich kommt er seiner Bemühungspflicht nach, d.h. er nimmt die Termine auf dem Amt war und versendet seine notwendigen Bewerbungen. Doch eines Tages wird der monatliche Betrag nicht überwiesen. Hat er etwa seine Pflichten nicht erfüllt?
Manfred Gruber ist kein sonderlich sympathischer Mensch. Er lebt in einer sehr eigenen Welt, seine Vorstellungen grenzen teilweise an Verschwörungstheorien. Einerseits kümmerte er sich lange Zeit um seine pflegebedürftige Mutter, die er hingebungsvoll verehrt, andererseits möchte er selber keinerlei Hilfe annehmen, da er niemandem vertraut, sich gleichzeitig auch keine Blöße geben möchte.
In Bemühungspflicht ist vieles sehr ambivalent. Grubers Situation ist teilweise selbst verschuldet. In seinem erlernten Beruf, Metzger, hielt er es nicht aus. Später arbeitete er auf dem Bau, wodurch er seinen Körper kaputt machte. Die einzigen Tätigkeiten, die ihm nun angeboten werden, sind entweder solche, die es praktisch nicht mehr gibt (wie Botendienste) oder welche, die körperlich zu anstrengend sind. Gruber möchte sich jedoch auch nicht auf Arbeitsunfähigkeit untersuchen lassen. Ein Teufelskreis also. Gleichzeitig verwendet er einen Großteil seiner Zeit darauf, Beschwerdebriefe an die Behörden zu schreiben.
Genauso ambivalent sind viele der anderen Figuren: die Sachbearbeiterin, die seinen Fall einer genaueren Prüfung unterziehen möchte, aber selbst an jeder Ecke trickst; die Nachbarin, die nach außen hin das perfekte Leben vorspielt, daheim aber alle tyrannisiert und vergrault usw.
Die Demütigungen durch das Sozialsystem werden sehr vielfältig und glaubhaft dargestellt. Ich habe mein Studium damals mitten während der Finanzkrise beendet, die Jobaussichten waren sehr schlecht. Nachdem alle Möglichkeiten der Studiumsverlängerung etc aufgebraucht waren, musste ich mich schließlich auch arbeitslos melden. Dabei geriet ich an eine Sachbearbeiterin, über die ich mich nach dem zweiten Termin ebenfalls beschwerte. Bei mir genügte damals ein Anruf, um die Sache zu klären, und nach einem Vierteljahr hatte ich eine Stelle. Dennoch empfand auch ich die Situation als sehr demütigend, insbesondere, da ich noch nicht einmal Leistungen erhielt.
Manfred Grubers Situation ist da ganz anders und vor allem erscheint sie ziemlich ausweglos. Die Geschichte nimmt daher am Ende auch eine äußerst dramatische Wendung.
Profile Image for Alina_liest07.
135 reviews6 followers
September 6, 2025
Bemühungspflicht, ein Wort was mir nicht viel sagte, aber für Millionen Menschen in Deutschland bitterer Alltag ist.
So auch für Manfred Gruber, der an der Supermarkt Kasse feststellen muss, dass seine Sozialhilfe nicht überwiesen wurde, obwohl er doch all seine Pflichten erfüllt hat. Fest davon überzeugt im Recht zu sein und auch Recht zu bekommen, beginnt ein endlos scheinender Kampf gegen das System….

Dieser Roman ist etwas ganz Besonderes – er ist fesselnd, schonungslos und dennoch humorvoll erzählt, während er den Finger tief in die Wunde legt und soziale und gesellschaftliche Missstände offen darlegt.
Besonders gelungen sind die vielen Perspektiven, wie die der Mitarbeiterinnen des Jobcenters, Nachbarn und Bekannten, und natürlich Manfreds Perspektive selbst. Hierdurch entsteht ein sehr plastisches Bild der Lage.

Die Autorin erzählt diese sehr wichtige und aktuelle Geschichte, bei allem Humor, auf eine sehr ehrliche, bittere und schonungslose Art und Weise. Das Ende ist konsequent und passend.

Fazit: Ein großartiger, wichtiger Roman, der zum Nachdenken und zur Empathie anregt und den ich jedem und jeder nur ans Herz legen kann!
Profile Image for Kati | die.buchbloggende.
19 reviews
March 1, 2026
Bisher das stärkste Buch, dass ich in diesem Jahr gelesen habe. was für ein krasser Einblick in das Leben von jemandem, der durchs Raster gefallen ist und nicht mehr weiter weiß. Wahnsinnig stark und konsequent.
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