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Botanik des Wahnsinns

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Ein junger Mann leidet unter panischer Angst, verrückt zu werden. Kein Wunder, denn in seiner Familie ist der Aufenthalt in der Psychiatrie fast schon normal. Im Biologieunterricht nimmt er die Vererbungslehre durch. Die Nachkommen von Meisen sind Meisen. Die Nachkommen von Kürbissen sind Kürbisse. Was sind dann die Nachkommen seines depressiven Vaters, seiner alkoholabhängigen Mutter, seines schizophrenen Großvaters, seiner bipolaren Großmutter?
Er macht eine erste Hochrechnung. zu vierzig Prozent erblich. Alkoholabhä zu fünfzig Prozent erblich. Bipolare Stö zu achtzig Prozent erblich. Die Prognose? Hundertprozentig schlecht.
Er versucht es mit nach New York, nach Paris, nach Wien. Er versucht es mit Er wird Psychologe, arbeitet in der Psychiatrie. Ausgerechnet dort, wo er nie hinwollte, sieht er die Geschichte seiner Familie in einem neuen Licht.
»Unwiderstehlich. Leichtfüßig und ernst, zärtlich und brutal, ironisch und ehrlich.« SIRI HUSTVEDT

221 pages, Kindle Edition

Published August 12, 2025

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About the author

Leon Engler

4 books10 followers

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Community Reviews

5 stars
780 (28%)
4 stars
1,186 (42%)
3 stars
647 (23%)
2 stars
148 (5%)
1 star
24 (<1%)
Displaying 1 - 30 of 321 reviews
Profile Image for Zeilenbrecherin.
210 reviews16 followers
January 19, 2026
Rezensionsexemplar / unbezahlte Werbung

In “Botanik des Wahnsinns” geht es um den autofiktionalen Protagonisten Leon, der nachdem er mehr über die Vererblichkeit und Wahrscheinlichkeit von psychischen Erkrankungen erfahren hat, besessen von der Angst ist, selbst verrückt zu werden. Er entscheidet sich dazu, selbst Psychologe zu werden und stellt im Rahmen einer testweisen Aufnahme seiner selbst eine Familienanamnese auf.

Sprachlich hat mir das Buch sehr gefallen. Der Grundton ist distanziert, Verstörendes wird auch mal bloß im Nebensatz als Tatsache abgehandelt. Einige Sätze und Metaphern sind sehr stark.
Was mir nicht gefallen hat, war die Struktur des Buches. Es ist mehr eine Aneinanderreihung von Anekdoten. Anekdoten aus dem Leben des Protagonisten, seinen Angehörigen und aus der Psychologiegeschichte sowie -wissenschaft. Dabei fehlt leider ein roter Faden. Oft wirkt die Erzählung sehr gehetzt.

Johannes Nussbaum als Sprecher war definitiv eine gute Wahl. Mit seiner außergewöhnlichen Stimme trifft er den Ton der Erzählung sehr gut. Auch ortstechnisch passt er mit seinem leichten, dem Wienerisch ähnlichen Dialekt gut zum Buch. Manchmal hatte ich jedoch das Gefühl, dass ein Satz nicht zu Ende gedacht und damit falsch betont wurde. Trotzdem freue ich mich für ihn über die Nominierung zum Deutschen Hörbuch 2026 als bester Interpret.

Insgesamt konnte mich das Buch leider nicht überzeugen. Das Thema, das wunderschöne Cover und der persönliche Bezug des Autors zu den Inhalten haben mich sehr angesprochen. Die Ausführung ist aber leider nicht besonders gelungen.
Profile Image for Uralte  Morla.
381 reviews165 followers
August 24, 2025
"Meine Familie war ohne Erzählung. Jetzt, da ich etwas aufschreibe, rückt es ins Licht. Es war ein weiter Weg hinaus aus der Sprachlosigkeit. Es ist eine Version dieser Geschichte, man könnte tausend verschiedene davon schreiben." (Seite 199)

Zwölf Mal hat sich seine Großmutter versucht, das Leben zu nehmen. Zwölf Mal hat seine Mutter das mitgemacht, hat sich wieder ohne Klagen um die bipolare Großmutter gekümmert, die sich immer mehr aus dem Leben zurückzieht, bis sie schließlich stirbt. Später wird seine Mutter alkoholsüchtig werden. Genauso wie sein Großvater väterlicherseits. Sein Vater, von der eigenen Mutter weggeben, von der zweiten Adoptivmutter ungeliebt, hat hingegen zeit seines Lebens schwere Depressionen. Keine guten Ankerpunkte für ein Kind, keine gute Grundlage für ein gesundes Erwachsenenleben.

Kein Wunder also, dass der namenlose Erzähler in Leon Englers "Botanik des Wahnsinns" ständig Angst hat, selbst psychisch krank zu werden - und sich dabei nicht traut, sein Leben zu leben. Fast manisch reist er durch die Welt, lebt nirgendwo sehr lange, lässt sich auf keine Beziehung wirklich ein.

Als seine Mutter stirbt, bleiben von ihrem Leben nur sieben Kartons. Davon ausgehend dröselt er nun seine Familiengeschichte auf. Begibt sich auf die Suche nach Ursachen, Zusammenhängen und versucht die vielen Lücken zu füllen, die seine Familiengeschichte hat.

"Nachempfinden, das bedeutet nicht nur, zu empfinden, was die Eltern und Großeltern empfunden haben, sondern auch, zu empfinden, was sie nicht empfunden haben. Emotionen nachholen, die Traurigkeit mehrerer Generationen in sich spüren. Die Verzweiflung, die einsamste Einsamkeit." (seite 195)

Zeitgleich beginnt er als Psychologe in einer Klinik zu arbeiten - er ist der erste in seiner Familie, der studiert hat - und durchläuft dort verschiedene Stationen. Zufälligerweise immer genau passend zu den Krankheitsbildern seiner Familie (Psychose, Depression, Sucht), was ich ein My zu konstruiert fand, aber natürlich einen guten Erzählrahmen bietet. Die Auseinandersetzung mit seiner Familiengeschichte wird auch eine Auseinandersetzung mit sich selbst, eine Konfrontation mit dem eigenen Leben.

"Ich lese, um nicht zu fühlen. Theoretisiere, um nicht zu begreifen. Zitiere, um nicht selbst sprechen zu müssen. Das ist meine Sucht. Meine Weltflucht. Lesen kann genauso süchtig machen wie der Alkohol und der Schwermut." (Seite 191)

"Botanik des Wahnsinns" hat sich schwer auf mich raufgelegt. Obwohl der Roman ganz leicht und sachlich daherkommt, hinterlässt er einen Abdruck, den ich nur schwer abstreifen kann. Weil Leon Englers Sätze sich eingraben und lange im Kopf bleiben. Weil das Thema der transgenerationalen Weitergabe von Traumata kein Fremdes ist. Und weil die Schwere des Erzählers aus jeder Pore dieses Romans schwillt - zumindest in meinem Empfnden. Ein starkes, trauriges und dennoch hoffnungsvolles Debüt, gespickt mit vielen Zitaten der (Fach)Literatur. Eine Leseempfehlung!
Profile Image for Jan❕️Mikael.
94 reviews14 followers
January 21, 2026
Psychische Erbkrankheit? Wer nicht vorbelastet ist, werfe den ersten Stein! Recht anekdotische Erzählung über die Familienamnesie des namenlosen Protagonisten. Immer dann interessant, wenn er von seinen Erlebnissen erzählt (z.B. als Psychologe), die der Eltern fand ich etwas ermüdend. Interessante Zitate durch das ganze Buch übrigens.
Profile Image for Marion.
186 reviews60 followers
May 14, 2026
3,5🌟
Leon, der Erzähler, blickt auf seine psychisch kranke Familie zurück und hat Angst selbst zu erkranken.

Weitervererbung von psychischen  Erkrankungen und die Frage was ist eigentlich "normal ". Wird die "Etikette NORMAL" nicht von der Gesellschaft entworfen.

Es geht um Machtstrukturen, Ängste und Normen.

Leichtfüßig und trotzdem anspruchsvoll, mit einer dichten und rasanten Erzählweise wird diese Geschichte wiedergegeben.

Detaillierte Rezension folgt!
Büchergilde Lesekreis verschoben....
Profile Image for majastra.
42 reviews6 followers
April 26, 2026
Ok, ich bin sauer.

Botanik des Wahnsinns hat nämlich eigentlich alles, was mich hätte abholen müssen. Vererbung psychischer Erkrankungen, generationaler Traumata und die Angst, die schleichende Angst, selbst nur die nächste morsche Sprosse in der familiären Verfallskette zu sein. Existenzielle Themen, die weh tun dürfen. Und man muss Engler lassen: Das intellektuelle Fundament steht. Sein Gespür für die psychologische Mechanik von Familientraumata ist präzise, die Recherche zur klinischen Seite des Wahnsinns beeindruckend tiefgründig. Er weiß theoretisch genau, wovon er schreibt.

Und doch habe ich dieses Buch in einem Tag inhaliert, nicht weil es so spannend war, sondern damit ich es endlich hinter mir hatte.

Engler schreibt, als würde er sich beim Denken nicht nur zuhören, sondern sich dabei auch noch verschmitzt im Spiegel zuzwinkern.
Diese abgehackten, bedeutungsschweren, poetryslam-esquen, pseudo-philosophischen Sätze, dieses latent Dozierende. 'Schaut her, wie virtuos ich den Wahnsinn kuratieren kann'. Mich wundert es nicht, dass Engler eigentlich Theaterstücke schreibt. Auch hier viel Pathos, viel Kulisse.

Das Ganze wäre auch gar nicht so schlimm, wenn nicht mein Mitgefühl für die Figuren unter dieser Sprache massiv gelitten hätte. Ich habe die Charaktere nicht beim Leiden beobachtet, sondern den Autor dabei, wie er das Leiden seiner Figuren als dekoratives Element arrangiert. Und das ist SO schade! Durch die künstliche Distanz bleiben die Protagonisten nur bloße Behauptungen, die nichts in mir auslösen, obwohl die individuellen Geschichten und Schicksale beste Voraussetzungen hätten wirklich nah zu gehen. Es fehlt zudem eine runde, zusammenhängende Handlung, sowie die Antwort auf die Frage worum es jetzt eigentlich geht.
Am Ende bleibt vor allem das Gefühl hängen, dass hier jemand sehr angestrengt versucht hat, Tiefe zu konstruieren, anstatt sie einfach zuzulassen. Und das wird weder dem Thema, noch den Figuren gerecht.
Profile Image for SusanneH.
530 reviews41 followers
November 19, 2025
Wenn deine komplette Familie psychisch krank, labil, depressiv oder süchtig ist, dann fragst du dich garantiert irgendwann ob oder vielleicht sogar eher wann es dich trifft.
Genau so geht es der Erzählstimme hier.
Und er möchte mehr über diese Art der Erkrankungen wissen, auch die Ursachen.
Wir erfahren von seinen Großeltern und seinen Eltern. Es geht um Psychose, Schizophrenie, Depression und Sucht und ein bisschen auch um ihre möglichen Ursachen.

Sehr interessant fand ich auch seine Spurensuche in der Literatur und die Zitate, die sich durch das Buch ziehen.
Mich hatte nur heftig gestört, dass der Protagonist Psychologie studiert hatte und bei seiner ersten Stelle für mich so ahnungslos rüber kam.
Erzählerisch macht es Sinn, aber für mich passte das nicht.
Profile Image for Leyla.
74 reviews29 followers
May 26, 2025
Tough lesson of the day:
Wir können unsere Vergangenheit nicht aussuchen, aber werden trotzdem von ihr heimgesucht. Das einzige was wir dann wohl noch tun können, ist, entscheiden weiterzumachen und sehen, ob die Zukunft besser wird.
Profile Image for Kat Jacobi.
136 reviews9 followers
January 27, 2026
Die Bewertung fiel mir total schwer. Ein tolles Buch. Wahnsinnig schön und poetisch geschrieben, dazwischen auch sehr lustig und grotesk, aber auch dramatisch. Man darf keinen klassischen Roman, keine strukturierte Handlung erwarten, aber genau dieses Hin- und Her passt so gut zur Thematik. Bestimmt nicht für jede*n etwas, aber ich hab‘s sehr gern gelesen und werde bestimmt noch oft dran denken.
44 reviews
November 16, 2025
Das hat mir leider überhaupt nicht gefallen. Man merkt deutlich, dass Leon Engler eigentlich Theaterstücke schreibt und obwohl er auf jeden Fall ein Händchen für Sprache hat, viele Sätze ziemlich poetisch sind und eine doppelte Ebene haben, hat mich der Schreibstil gar nicht abgeholt. Ich bin super oft mit meinen Gedanken abgeschweift und das ganze Buch war für mich nur eine Ansammlung hochgestochener Sätze, die aber so unzusammenhängend waren, dass gar keine richtige Geschichte zustande gekommen ist. Ich hab nicht so ganz verstanden, wohin das Buch will, es gab in der Gegenwart eigentlich überhaupt keinen Plot, bruchstückhaft wurde die psychiatrische Familiengeschichte des Erzählers eingeschoben und es gab stellenweise immer wieder random Psychologie facts von Freud bis ICD-10, das alles hat das Lesen total stockend gemacht und ich hab mich die ganze Zeit gefragt, worum es eigentlich geht. Voll schade, ich fand den Klappentext sehr vielversprechend (und finde das Cover mega hehe). Hoffe sehr, dass mir das nächste Buch, das ich lesen werde, endlich mal wieder gefällt!!
Profile Image for Lara.
50 reviews12 followers
November 21, 2025
Somehow I didn’t get the hype
Profile Image for Amin.
61 reviews13 followers
March 11, 2026
Viel gredet, viel gseit. Sprachlich 5/5 inhaltlich chli wirr 3.5/5 insgesamt en sehr guete read gsi.
4.5/5
Profile Image for Lorena.
142 reviews24 followers
November 29, 2025
Der Titel sowie das Cover vom Buch haben mich direkt magisch angezogen ✨

Das Thema, dass in „Botanik des Wahnsinns“ behandelt wird, finde ich super faszinierend: der Blick auf psychische Krankheit, die Beziehung zu den Eltern, transgenerationales Trauma und die Erfahrungen in der Psychiatrie. Außerdem Leon Englers eigene innere Zerissenheit. Die Angst und Überforderung all das zu begreifen. Die Angst davor, irgendwann selbst ver-rückt zu werden, weil alle in der Famielie ver-rückt sind. Er verarbeitet diese schweren Inhalte auf seine ganz eigene und wie ich finde sehr besondere Art. Irgendwie surreal, manchmal absurd-humorvoll, sodass ich manchmal nicht wusste ob ich jetzt lieber lachen oder weinen soll. Insgesamt hat es mich jetzt trotzdem nicht total begeistert. Irgendwie war es auch etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus interessant.

Ich denke das Buch wird vor allem Menschen begeistern, die sich speziell für diese Themen interessieren oder selbst bereits damit in Berühung gekommen sind.
_________________________________________________


~~ Wir teilen alles, selbst das Verrücktwerden. Althochdeutsch: firrucken. Mittelhochdeutsch: verrücken. An eine andere, falsche Stelle bringen.~~

~~ Kein Mensch ist verrückt, sein Verhalten wird von uns nur so genannt.~~

~~Manchmal verlasse ich die Klinik und bin voller Leben. Will singen, springen, tanzen, schreien. Alles fühlt sich echt an, wild, lebendig. Diese Menschen berühren mich, bis es wehtut.~~

~~ Ich liebe es, von Buch zu Buch zu irren, von Zufallsfund zu Zufallsfund. Die Idee, ein Buch aufzuschlagen und einen Satz zu lesen, der mich trifft, der verändert, wie ich die Dinge sehe.~~

~~ Was machte glücklich? Immer, wenn der Nachbar in den Spiegel geschaut hat, hat er gesagt: Niemand weiß, was er tut, niemand weiß, was er will, niemand weiß, was er weiß.~~

~~ »Wie geht es dir?«, fragte ich. »Der Katze geht es gut«, sagte er.~~

~~ Manchmal brechen Biografien wie Knochen, Herzen, Genicke. Reißen wie Geduld, Sehnen, Haut. Man spricht auch von Narben im Lebenslauf. Das Wort Narbe ist ein Januswort, beschreibt es doch genau das Gegenteil: verheiltes Gewebe. Das Leben hatte gewütet, doch nichts war verheilt. Als würde eine alte Wunde von Generation zu Generation weitergereicht, eine Stafette des Unheils.~~

~~ Am Ende siegt auch bei mir die Scham, der Ekel, die Angst vor der eigenen Geschichte. Die Angst, dazuzugehören, zu denen, denen es die Sprache verschlagen hat. Die sich ihre Zigaretten selbst stopfen und von der Hand in den Mund leben, ihre Träume vergessen und ihre Kinder.~~

~~ Nachempfinden, das bedeutet nicht nur, zu empfinden, was die Eltern und Großeltern empfunden haben, sondern auch, zu empfinden, was sie nicht empfunden haben. Emotionen nachholen, die Traurigkeit mehrerer Generationen in sich spüren. Die Verzweiflung, die einsamste Einsamkeit. Nachempfinden, das bedeutet in unserer Familie nicht nur, sich hineinzuversetzen in ihre Lage, sondern eine ähnliche Lage herzustellen.~~
Profile Image for Buchdoktor.
2,445 reviews197 followers
August 12, 2025
Leon Englers namenloser Icherzähler tritt seinen ersten Arbeitstag als Psychologe auf der psychiatrischen Station einer Klinik an und soll sich zur Einarbeitung selbst als Patient aufnehmen: Patientenakte, Familienanamnese, Diagnose, Behandlungsplan. Arbeite, handele verantwortlich und frage deine Patienten, was sie wollen, fordert ihn die leitende Psychologin auf. Mit seiner Vorgeschichte von Eltern (geboren 1957 und 1962) und Großeltern, die an Depressionen litten, manisch, bipolar, psychotisch und suchterkrankt waren, hat er rein statistisch ein erhöhtes Risiko, dem „Fluch der Ahnen“ zu folgen und selbst psychisch zu erkranken. In Rückblenden entsteht eine Familiengeschichte der Süchte und Wahnvorstellungen, die den Erzähler zur Erkenntnis leitet, psychische und Suchterkrankungen entständen u. a. innerhalb von Beziehungen, unter prekären Lebensumständen und durch Ausgrenzung; die Kategorien, in die seine Vorfahren eingeordnet waren, würden Menschen nicht gerecht. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Gefährdung erfolgt mit den Kommentaren eines gebildeten und belesenen Wohnungsnachbarn im Ohr, der Englers Erzähler auffordert, keine Fachbücher zu lesen, sondern Romane, schließlich würden Schriftsteller öfter psychisch erkranken als der Bevölkerungsdurchschnitt.

Fazit
Neben einem gehörigen Maß an Psychiatriekritik und zahlreichen Literaturverweisen setzt sich Englers Psychologenfigur mit dem Schicksal von Kindern auseinander, die sehr jung ihre Eltern in der Psychiatrie besuchen mussten und selbst zu Eltern werden, die von ihren Kindern in der Psychiatrie besucht werden. Die Beschränkung auf die Perspektive des Erzählers fand ich eher unbefriedigend, weil sie sein Berufs-Ich samt einer evtl. Selbstanalyse weitgehend ausspart und sich auf seine Rolle als Sohn und Enkel beschränkt. Ob der Text autofiktional sein könnte, bleibt offen.
Profile Image for theresa ᯓ★.
86 reviews22 followers
January 5, 2026
3.25🌟 // ich habe mich total auf dieses buch gerfreut, musste mich am ende aber leider echt ein bisschen durchquälen.

die prämisse - der erzähler (leon, evtll semi-autobiografisch) hat panische angst davor, dass er so wie seine eltern, großeltern und urgroßeltern psychisch krank wird und geht der (krankheits-)geschichte seiner familie etappenweise auf den grund, wobei er lernt, dass jede:r nur ein resultat der jeweiligen umstände und dispositionen sein kann - hat mir gut gefallen. leider wurde ich vom roman nicht so mitgerissen, dass ich weiterlesen wollte.

ich bin froh darüber das buch beendet zu haben, verstehe auch den inhalt, das ende und die message, aber so richtig happy bin ich nicht mit dem lesen.
Profile Image for Claire.
140 reviews
January 20, 2026
zum abschluss meines praktikums gekauft und ich konnte wirklich sehr mit den psychiatrie-beschreibungen relaten :)
deswegen fand ichs toll - nicht so toll fande ich, dass es trotz des schweren themas irgendwie an tiefe gelacked hat.
statt hard facts der anamnese, kurzen erzählungen und sprüngen zwischen zeiten und verwandten wäre ich gerne noch deeper eingetaucht, die sprache war nämlich schön, lustig und schlau.
Profile Image for Henriette Boysen.
11 reviews
January 23, 2026
Viele kluge Gedanken zu Psyche, Psychiatrie und generationellem Trauma. Ich bin aber in den nüchternen Steno-Schreibstil nicht rein gekommen und hatte mir erhofft mehr berührt zu werden.
Profile Image for Julien Dopp.
86 reviews5 followers
January 12, 2026
Sehr kluges und differenziertes Buch darüber, wie eine Gesellschaft darüber entscheidet, wer normal ist und wer nicht, und über eine Familie, in der Kommunikation kaum mehr möglich ist, bis ein Familienmitglied die Geschichte aufschreibt.

Wer ist wirklich verrückt oder unnormal? Die Menschen in einer Klinik oder die Menschen außerhalb?

Die knapp 200 Seiten enthalten viele kluge Beobachtungen und Gedanken, auch zum Thema Sucht, Abhängigkeit und die gesellschaftlich normierte Verharmlosung derselben.

Ich bin eigentlich kein Fan von diesen inflationären autofiktionalen Texten. Oft kommen dort Selbstüberschätzung der eigenen Familiengeschichte (wirklich interessant für andere Menschen?) und das Unvermögen, sich etwas auszudenken, zusammen. Botanik des Wahnsinns ist eine Ausnahme. Daher ausnahmsweise einmal vier Sterne für einen autofiktionalen Text.

Sehr lesenswert und thematisch wichtig!
Profile Image for Kaira.
42 reviews3 followers
April 27, 2026
Ich tu mich so schwer mit dieser Bewertung.
Bei so einem wunderschönen Cover und diesem Titel bekommt man direkt Lust, das Buch zu lesen. Das Buch enthält sehr viele kluge Gedanken zu psychischen Krankheiten und dazu, wie sie Familien beeinflussen. Es hat schon auch meine Perspektive auf Psychiatrie und die Menschen, die sich dort aufhalten, positiv verändert.

Die Geschichte ist eine Aneinanderreihung von Anekdoten und auch wenn der Autor schöne Worte wählt, blieb alles für mich zu sehr an der Oberfläche. Er selbst, seine Familie, sein Nachbar, seine Liebschaft, alles blieb mir fremd.
Wahrscheinlich könnte man argumentieren, dass das genau der Punkt ist. Seine Familiengeschichte ging verloren und das, was er in dem Buch erzählt, ist nunmal alles, was davon noch übrig ist. Aber selbst seine eigene Person blieb mir zu vage.

Man sieht das Potential des Autors. Ich würde mich freuen, wenn es nach diesem Debütroman nochmal einen Roman von ihm gibt.
Profile Image for Julia Lück.
8 reviews
November 10, 2025
Engler findet hier Worte für Dinge, über die man nicht spricht - klare, aber auch fast zarte Worte. Er reflektiert und kritisiert und kreiert damit ein Buch das nachwirkt.

Es ist absurd und faszinierend. Ich hab viel zum Thema Psyche/Psychiatrie gelesen, aber keines konnte den Alltag in der Psychiatrie oder das „Erleben“ und „Ertragen“ eben dieses so beschreiben wie er. Als Sozialarbeiterin auf einer geschützten Station hab ich mich in vielen Gedanken wiedergefunden, wie bspw hier:
„Manchmal verlass ich die Klinik und bin voller Leben, will singen, springen, tanzen, schreien. Alles fühlt sich echt an, wild, lebendig. Diese Menschen berühren mich bis es weh tut“ …
„‚Man gewöhnt sich an alles, hier im Grand Hotel zur lockeren Schraube’ sagte eine Patientin zu mir, die merkt wie überfordert ich bin.
Es stimmt. Es dauert nicht lange und ich gewöhne mich an die monologisierenden Menschen, die Verse aus den heiligen Büchern, an diejenigen die abhauen und gefahndet werden. Gewöhne mich an die verlorenen Seelen die in ihren Zimmern in die Ecken pissen und scheissen. Gewöhne mich an die Antisozialen, die mit Blicken oder Händen töten wollen. Gewöhne mich an die, die sich für Geheimagenten, Superhelden, Hexen halten, an die Drogensüchtigen, die sich auf ihrem Zimmer wegschießen und an die, die Gegenstände schlucken, die man auf keinen Fall schlucken sollte.
Alle hier geben ihr Bestes, aber es entsteht nichts Gutes. Ist das was Besser ist schon gut genug?“

Große Leseempfehlung- ein autobiografischer Roman mit Zitaten aus großer Fachliteratur und Exkursen in bspw die Psychiatrie der letzten Jahrhunderte. Liebs!
Profile Image for carlota.
57 reviews4 followers
September 25, 2025
Am Ende blieben sieben Kartons und die Kiefer speicher Krisen und vererbt dieses Wissen weiter

Hat mir sehr gut gefallen, sowohl inhaltlich als auch sprachlich sehr interessant
Profile Image for Judy.
32 reviews1 follower
December 27, 2025
sanfte und warme worte über etwas so tief trauriges und schweres
Profile Image for Ronja.
7 reviews
March 10, 2026
Hittet anders, wenn man selbst in einer ähnlichen Familienkonstellation aufgewachsen ist.
Sehr tiefgründig aber auch aufklärend und regt definitiv zum Nachdenken an.
Das Buch wird mich sicherlich noch einige Zeit beschäftigen.

Profile Image for Sini.
76 reviews3 followers
September 13, 2025
Skurrile Familienanamnese

Mit „Botanik des Wahnsinns“ hat Leon Engler, der zuvor schon Theaterstücke, Hörspiele und Kurzgeschichten verfasst hat, sein Romandebüt geschaffen.
Aber ist es wirklich ein Roman oder doch eine Biografie? Autofiktion? So ganz schlau bin ich daraus nicht geworden.

Die Hauptfigur Leon erzählt die Geschichte seiner Familie, in der psychische Erkrankungen über viele Generationen allgegenwärtig sind. Dabei nimmt er seine Eltern und Großeltern genauestens unter die Lupe und porträtiert deren Krankheitsverläufe. Vor lauter Angst, selbst psychisch zu erkranken, weist er sich zunächst selbst als Patient in der Psychiatrie ein. Kurz darauf beschließt er jedoch Psychologie zu studieren und anschließend als Psychologe in der Psychiatrie zu arbeiten.

Was mir gut gefallen hat, ist das psychiatrische Fachwissen, welches Engler in seinen Roman mit eingebunden hat.
Der Schreibstil hingegen konnte mich leider gar nicht überzeugen. Kurze, stakkatoartige Sätze machen den Lesefluss zu einer Herausforderung. Die Figuren bleiben trotz detaillierter Darstellung eher schemenhaft und auch zur Hauptfigur hatte ich keinerlei Zugang. Zum Teil wirkt es einfach zu überladen und der Wechsel zwischen den einzelnen Figuren, Generationen und Krankheitsbildern ist zu sprunghaft, sodass es als Leser:in schwer fällt, den Überblick zu behalten.

Wer jedoch einen gut recherchierten Roman zum Thema psychische Erkrankungen sucht und sich nicht an einem eher sachlich, distanzierten Schreibstil stört, für den ist „Botanik des Wahnsinns“ vielleicht genau das richtige.
Profile Image for Tom K..
91 reviews14 followers
October 13, 2025
Leon Engler hat ein Buch über eine Familie geschrieben, in der die psychischen Probleme sich häufen: Depression, Schizophrenie, Alkoholismus - you name it. Der Ausgangspunkt der Handlung ist die Angst des Erzählers, das Schicksal seiner Eltern und Großeltern zu teilen und wahnsinnig zu werden. Um dieser Angst zu begegnen, lässt er sich selbst zum Psychotherapeuten ausbilden und beginnt in der Psychiatrie zu arbeiten... Herausgekommen ist ein Buch, das ich weniger als Roman denn als autofiktionalen Bericht klassifizieren würde. Der Stil Englers passt wunderbar zu diesem Bericht - er ist lakonisch, aber zugleich pointiert. In den Text fließen immer wieder theoretische Überlegungen, Zitate, psychologische Fachbegriffe und Analysen ein. Engler kann wirklich exzellent schreiben, das ist die große Stärke dieses Buches. Gleichwohl hat mich das Thema auf 200 Seiten ausgebreitet nicht komplett faszinieren und fesseln können.
Profile Image for Jenny .
62 reviews1 follower
December 10, 2025
Das Buch hat mich ordentlich runtergezogen und beschäftigt, was wahrscheinlich das Ziel war und somit erfüllt wurde. Streckenweise wollte ich einfach nur überfliegen, aber dann kam wieder ein Satz, der unglaublich getroffen hat. Würde es nur mit Vorsicht empfehlen.
Profile Image for Phoenix Fawkes.
328 reviews32 followers
May 2, 2026
3.5

this started so well and then went from five stars to 3.5 due to the last 70 pages. so sad. just a book that should have finished earlier and it could have been great, but it was dragged out and boring at the end.

i really liked so much about this! i loved the writing style, it was a mix between personal stories and nonfiction-knowledge - just like „hässlichkeit“ by moshtari hilal! i learned sooo much, about all the psychologists and the mental illnesses. especially depression was enlightening to me, since it‘s the mental illness i understand the least. the passivity and whispering voice and hate, when wanting to lighten their spirit with optimism was very well captured. i loved the setting of vienna and the history of psychology there. what i missed was the criticism of freud for his pedophilia and abuse on women with his practices etc. but i truly learned a lot!

it also made me think about soooo much! how hysteria and homosexuality and nostalgia were all seen as mental illnesses and when these diagnoses got eliminated from the book, millions of people were cured over night. this makes me think about current mental illnesses which could be just normal human phases - depression or anxiety maybe?
then how the treatment changed from electroshocks to now medications. here again; how about reflecting the use of antidepressiva? maybe this does damages and in 50 years we will be just as horrified to have used them as we are now with electroshocks.

then i thought about how much we love to all be mentally ill now, like a lot of people wear their „i have adhs/anxiety/cptbs/depression“ as a badge of honor, as an excuse or like it‘s worth of recognition just how bad their life is. but experiencing a psychiatry from the inside or hearing about stories from people who truly are mentally ill and see stuff and hear voices etc - you just get humbled real quick and realize how you actually better have no mental health diagnosis. being healthy and resilient stays the goal. i feel like we forget that especially due to social media now. in this way this book reminded me of a modern version of candide by voltaire. a book i love very much because there everyone also tries to win the pity battle and prove they‘ve had the worst life. point is: everyones life sucks and wanting to win this game is just absurd in itself. this book shows that. you can be happy if your family doesn‘t have a botanik of wahnsinn. you can be happy if you have a mind that‘s healthy. you can be happy if you can‘t relate to the depression/anxiety tiktoks. i understand the sensitivity of the topic and i do include myself in my callout here - but i truly think we have to think about all this as well. it reminds me of the meme where someone says why halloween is hard for adhs people and someone commented „damn you guys can‘t do anything“. this aint the goal. to goal is to be able to do everything and be resilient and be mentally healthy. just a reminder and this book in a great subtle(?) way reminded us of that.

then i REALLY loved the writing style. i have a hard time being precise (as you can see lol) which is why i admire people who can say so much in a few words. i used a lot of stickers because there‘s a lot of beautiful, hard hitting, poetic sentences. i LOVE how distant, unemotional and detached the writing style is. 1. because traumatised people often detach themselves and tell their story as if it isn‘t theirs and 2. because it hit way harder this way. cold descriptive sometimes hits harder than emotionallly loaded.

i love the cover, love the title, love how much the title makes sense. love all of it until the end where the family stories just get boring and loose their sense. he could have wrapped it up here.

however: highly recommend. i believe this book is smart, educating and necessary and a great reflection of our current century.

i‘m excited to hear him talk especially because i‘m unsure how much is autobiographical.
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