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Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945

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Götz Aly zählt zu den bekanntesten Autoren zur Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust – hier stellt er die zentrale Wie konnte das geschehen?
In einer schweren Krise wurde die NSDAP 1932 zur mit Abstand stärksten Partei gewählt. Bald konnte sie die Macht übernehmen und auf wachsende gesellschaftliche Zustimmung bauen. Hitler brauchte den Krieg – das Volk fürchtete sich davor. Dennoch terrorisierten schließlich 18 Millionen deutsche Soldaten Europa. Wie kam es dazu? Warum beteiligten sich Hunderttausende an beispiellosen Massenmorden?
Die Antwort ist vielschichtig. Die NSDAP versprach den Deutschen Aufstieg und Wohlstand, zugleich hielt man die Menschen in Bewegung, keine Atempause, keine Zeit zum Nachdenken, so ging es Richtung Krieg. Als der Glaube an einen Sieg nachließ, wurde aus der Volksgemeinschaft eine Verbrechensgemeinschaft. Jeder konnte wissen, welche Schuld die Deutschen auf sich luden, die Angst vor dem, was nach einer Niederlage geschehen würde, wurde bewusst geschürt.
Götz Aly schildert in einer fesselnden Erzählung die Herrschaftsmethoden, mit denen die NS-Machthaber Millionen Deutsche in gefügige Vollstrecker oder in vom Krieg abgestumpfte Mitmacher verwandelten – und von denen nicht wenige beängstigend aktuell sind. 

704 pages, Kindle Edition

Published August 27, 2025

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About the author

Götz Aly

19 books71 followers
Götz Haydar Aly is a German journalist, historian and social scientist.

After attending the German School of Journalists, Aly studied history and political science in Berlin. As a journalist, he worked for the taz, the Berliner Zeitung and the FAZ. Presently, from 2004 to 2005, he is a visiting professor for interdisciplinary Holocaust research at the Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main.

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Profile Image for Tristram Shandy.
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December 18, 2025
Anachronistischer Vulgärmaterialismus

Diesen Vorwurf machte Hans-Ulrich Wehler in einem SPIEGEL-Artikel im Jahre 2005 dem Historiker Götz Aly, als dieser in seinem Buch Hitlers Volksstaat herausarbeitete, wie sehr die meisten Deutschen als materielle Nutznießer konkret von der nationalsozialistischen Herrschaft profitierten und wie der Krieg auch dazu diente, den drohenden Staatsbankrott angesichts der materiellen Wohltaten durch gnadenlose Ausbeutung der Besiegten sowie der jüdischen Bevölkerung zu verschleppen. Was würde Wehler wohl angesichts der Schlußfolgerungen sagen, zu denen Aly in seiner jüngsten Monographie Wie konnte das geschehen? kommt, einem Werk, in dem Aly seine bisherige historische Forschung bilanziert? Denn plausibel klingt Aly allemal – und auch desillusionierend im Hinblick auf den menschlichen Anstand, wenn er darlegt, wie Abertausende von Deutschen gar nicht so genau darüber nachdenken wollten, woher das Tafelsilber oder das Vertiko stammte, das sie auf einer Aktion günstig erworben hatten. Oder wenn Sätze fallen wie der folgende:

“Weil die Deutschen den Mord an den eigenen Volksgenossen und die zu keinem Zeitpunkt blickdichten Verschleierungsmaßnahmen hinnahmen, konnten die führenden Politiker die Zuversicht gewinnen, ihr Volk werde auch weitaus größere Verbrechen ohne bedeutenden Widerspruch hinnehmen. Wer zulässt, dass die eigene an Schizophrenie leidende Tante in der Gaskammer stirbt oder die eigene geistig behinderte vierjährige Tochter die Todesspritze erhält, den wird das Schicksal der als Welt- und Volksfeinde verfemten Juden nicht kümmern, wenn diese in aller Öffentlichkeit zum ‘Arbeitseinsatz im Osten‘ abtransportiert werden. Der wird gleichgültig bleiben, wenn weit mehr als eine Million sowjetische Gefangene als sogenannte ‘bolschewistische Untermenschen‘ binnen sechs Monaten verhungern, damit deutsche Soldaten und deren Familien mehr zu essen haben.“ (S.382)


Diese Sätze wirken umso ernüchternder als Aly herausarbeitet, daß bei den „Euthanasie“-Morden durchaus vermehrt diejenigen Patienten Opfer wurden, die eher kaum oder niemals Besuch von ihrer Familie bekamen und daß besorgte Angehörige durchaus die Möglichkeit wahrnehmen konnten, kranke Verwandte aus den Anstalten nach Hause zu holen.

Ohne Aspekte wie den gekränkten Nationalstolz der Deutschen nach 1918 oder den grassierenden, oft auf Sozialneid beruhenden Rassismus in Deutschland in Abrede zu stellen, konzentriert sich Aly in seinem Buch vor allem auf zwei Gründe, aus denen die meisten Deutschen zuerst glühende, dann eher mitgefangen-mitgehangene Anhänger des Nationalsozialismus waren. Zum einen stellt er dar, wie die meisten Deutschen von Hitlers Regierung zunächst einmal profitierten: Ganz am Anfang traf dies vor allem auf gutausgebildete, junge und aufstiegswillige Menschen aus allen Schichten zu, die es in der starren Klassengesellschaft des Kaiserreiches nur in seltenen Fällen vermocht hätten, die Karriereleiter so hoch emporzuklimmen. Zum einen war dies möglich durch die Ideologie der „Volksgemeinschaft“, in der der Einzelne nach seinen Fähigkeiten und nicht nach seiner Herkunft beurteilt wurde, doch zum anderen wurden durch die Entfernung der Juden aus dem Berufsbeamtentum jede Menge Stellen frei, die von nachrückenden „Volksgenossen“ besetzt werden konnten. Aber auch für sozial Schwächere sorgte Hitler aus machttaktischem Kalkül heraus in besonderem Maße, indem er beispielsweise Steuerentlastungen für die Unter- und Mittelschicht, Pfändungsschutz, Subventionen für Kinderreiche, zusätzliche Leistungen in der Krankenversicherung, Urlaubsverlängerungen – man denke auch an die symbolische Wirkung von „Kraft durch Freude“ – und andere Wohltaten einführte, teilweise auch zu Lasten der Bessergestellten. Allerdings waren diese Wohltaten nur denen vorbehalten, die Hitler zu den „vollwertigen Ariern“ zählte und nicht etwa den Ausgegrenzten aus der Gesellschaft, den sogenannten „Asozialen“. Auch im Kriege sollten sich noch weitere Benefits zu den sozialen Errungenschaften dazugesellen, um die Kriegsmüdigkeit der Deutschen in Grenzen zu halten, diesmal zu Lasten der Bevölkerung in den besiegten Ländern, denen es auch schon einmal an Nahrungsmitteln fehlen konnte.

Auf der anderen Seite waren die Nationalsozialisten darauf bedacht, die Deutschen schon früh zu Mitwissern ihrer Greueltaten zu machen, damit ein schlechtes Gewissen und die damit einhergehende Furcht vor Vergeltung sie auf Gedeih und Verderb an das Regime kettete. Dies wurde nach dem Angriff auf die Sowjetunion noch intensiviert, von der „Kraft durch Furcht“ hin zur „Kraft durch Todesangst“, wie es Götz Aly nennt. Hierbei wurde auch der Antisemitismus geschürt, indem „die Juden“ als diejenigen stilisiert wurden, die Deutschland den Krieg angeblich aufgezwungen hätten, mit dem Ziel, das deutsche Volk buchstäblich zu vernichten, d.h. die eigenen Verbrechen wurden auf die Opfer gespiegelt. Aly weist nach, wie sich Nazi-Größen in geradezu vulgär-apokalyptischen Visionen ergingen, was den Deutschen nach dem Willen der Juden zugedacht sei – etwa millionenfache Zwangskastration für die Männer und Vergewaltigung für die Frauen, bevor dann der Tod durch Zwangsarbeit in Sibirien vorgesehen sei.

In der Shoa-Debatte verfolgt Aly einen stark funktionalistischen Kurs, der sich aber durch den Fokus auf materialistische Motive von anderen Vertretern des Funktionalismus abgrenzt: So sieht Aly beispielsweise die Massenvernichtung der Juden im Zusammenhang mit den logistischen Schwierigkeiten, die sich durch die Umsiedlung der „Volksdeutschen“ in das „Warthe-Gau“ ergaben: Die neuen Einwohner setzten die Bürokraten unter Druck, sich „unnützer Esser“ zu entledigen und diese weiter nach Osten zu deportieren. Dies war sicher ein maßgeblicher Faktor, doch erklärt er ja nicht die im Vorfeld durchgeführten Maßnahmen zur Entrechtung und Ausgrenzung der Juden, ebenso wenig wie die generelle Bereitschaft der Nazis, als „Volksschädlinge“ definierte Menschengruppen zu ermorden, so daß hier vor einer reduktionistischen Tendenz gewarnt werden kann. Was aber bleibt, ist die sehr überzeugende Charakterisierung des Nationalsozialismus als eines großangelegten Raubzuges, um sich die Loyalität der Massen zu sichern, freilich immer mit dem Malus, noch weitere Quellen des Raubes erschließen zu müssen, um den drohenden Staatsbankrott zu verzögern:

“Hitler verursachte mit dem allein von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg die mörderischste Konkursverschleppung der Menschheitsgeschichte.“ (S.290)


Wenn er nun die Vernichtung der Juden in den Kontext mit der „Heim-ins-Reich“-Politik sieht, bei der riesige Bevölkerungsmassen ohne ihre Einwilligung geographisch verschoben wurden, so offenbaren sich hier zwar nachvollziehbar bürokratische Ratlosigkeit und „Nöte“, aber trotz des Erfolgs der Nationalsozialisten, viele Deutsche durch partielles Nutznießen zu Komplizen oder Mitwissern des Genozids zu machen, kann hier ganz sicher nicht die antisemitische und „völkische“ Ideologie der Nazis außer Acht gelassen werden.

Man mag einwenden, daß eine zuvörderst auf materielle Vorteile und Angst abhebende Erklärung des Rückhalts der Nationalsozialisten in der deutschen Bevölkerung den Nationalsozialismus verharmlose bzw. trivialisiere. Persönlich denke ich allerdings, daß das Gegenteil der Fall ist: Um ganz normale, vermeintlich anständige Menschen dazu zu bringen, ihre moralisch-ethischen Grundsätze zu vernachlässigen und angesichts von Entrechtung und Ausgrenzung einer definierten Sündenbockminderheit ihr Gewissen schweigen zu lassen, bedarf es lediglich der zwei Triebfedern Gier und Angst. Kleine, alltägliche Vorteile im Verein mit einem Bedrohungsszenario reichen oft aus, Menschen die doch nicht so tief verwurzelten Maßstäbe von Humanität und Anstand vergessen zu lassen. Auch in dieser Hinsicht kann man mit Hannah Arendt von der „Banalität des Bösen“ sprechen, und die Lehre, die man aus einer derartigen Betrachtungsweise ziehen kann, ist die, daß das Böse eben nicht stets mit Ziegenhörnern und Pferdefuß, umlodert von Höllenflammen, daherzukommen braucht – auch wenn im Falle des Nationalsozialismus angesichts des Antisemitismus schon früh der bedrohliche Charakter des Regimes offenbar war. Man muß kein eingefleischter Antisemit sein, um zu versäumen, antisemitischen Maßnahmen Einhalt zu gebieten oder sich zumindest gegen sie auszusprechen, und genauso wenig mußten die Deutschen überzeugte Anhänger der Nazi-Ideologie sein, um mit den Nazis mehr oder weniger aktiv gemeinsame Sache zu machen. Alys Herangehensweise erklärt sehr viel nachvollziehbarer, warum die Mehrzahl der Deutschen zu Hitler-Sympathisanten und -unterstützern wurden, denn sie zeigt auf, wie leicht Menschen durch Gier, Neid und auch durch Furcht korrumpierbar sind. Während eine auf die Ideologie fokussierende Erklärung immer auch die Gefahr birgt, den geneigten Leser in falscher Sicherheit zu wiegen – denn über Antisemitismus, Rassismus und völkisches Gedankengut fühlen wir uns allemal erhaben, hat es doch keinerlei Anziehungskraft mehr auf uns –, sensibilisiert Aly dafür, daß der Totalitarismus mit seinen Propaganda- und Machtinstrumenten in vielerlei Gestalt daherkommen kann, nicht unbedingt in der, die heutzutage ebenso vage wie verächtlich als „rechts“ bezeichnet wird, und daß wir ihm auch dann, oder gerade dann auf dem Leim gehen können, wenn wir uns ideologisch auf der richtigen Seite wähnen. In diesem Zusammenhang sei auch auf das Paradox verwiesen, das Aly in einem Kapitel seines Buches bespricht – nämlich auf den Auftrieb, den der Antisemitismus durch die zunehmende Demokratisierung des politischen Lebens in Deutschland erfuhr. So wurde Hitler denn wohl auch weniger trotz als vielmehr wegen seines offen zur Schau gestellten Antisemitismus von vielen Wählern unterstützt, und späterhin verheimlichte er seine Verbrechen nicht etwa, sondern beging sie so, daß sie dem Alltagsdeutschen durchaus ins Auge stechen konnten – wie etwa die in der Öffentlichkeit stattfindenden Judendeportationen, die zu der Frage einladen mußten, was denn mit den unglücklichen Männern, Frauen und Kindern, die zuvor entrechtet, ausgegrenzt und enteignet worden waren, geschehen würde.

So lassen sich denn aus Alys Buch nicht nur Erkenntnisse über die Mittäterschaft von Abermillionen von Deutschen gewinnen, sondern, gerade weil die Nazi-Ideologie nicht in den Mittelpunkt des Erklärungsansatzes gerückt wird, auch Lehren ziehen, wie man totalitäre Tendenzen in der Gegenwart erkennt und sich ihnen widersetzen kann.
Profile Image for WildesKopfkino .
713 reviews7 followers
November 8, 2025
Fünf Sterne sind beinahe zu wenig für ein Buch, das einen so kalt erwischt — und dann doch nicht loslässt. Götz Aly schafft das Kunststück, mir die Abgründe der Jahre 1933–1945 nicht als staubige Lehrstunde, sondern als hochkonzentriertes Sogereignis zu servieren: präzise, unaufgeregt, und doch mit einer Wucht, die unter die Haut geht. Keine heroischen Narrative, keine Ausflüchte — stattdessen: Mechanik der Macht, Kalkül der Verführer und die fatale Normalität des Mitläufertums.

Man liest nicht seicht. Vielmehr stolpert man immer wieder über Details, bei denen man sich die Hände reibt und wünscht, man hätte diese Quellen früher gekannt. Aly zeigt, wie Verheißungen von Wohlstand, kleine Privilegien und ständige Mobilisierung den freudigen Radau für eine Gesellschaft lieferten, die kaum Zeit zum Atmen blieb. Wer glauben wollte, das alles sei nur von oben diktiert worden, merkt schnell: die Landkarte der Verantwortung ist viel dichter.

Erzählerisch bleibt das Buch nah beim Menschen, ohne sentimental zu werden. Biografische Skizzen, wirtschaftliche Analysen und die nüchterne Sprache zusammengefügt — das ergibt ein Mosaik, das in seiner Schärfe kaum vergleichbar ist. Besonders eindringlich: wie Angst und Propaganda zu Handlungsmotoren wurden und wie sehr die Aussicht auf „Weiter so“ moralische Sinne betäubte. Das liest sich nicht immer leicht, aber gerade das ist Stärke: Konfrontation statt Beschönigung.

Kritisch: Aly verlangt Aufmerksamkeit. Wer leichte Kost sucht, ist hier falsch aufgehoben. Dafür belohnt das Buch mit Klarheit und einer Menge Erkenntnis, die sich wie ein Kompass verhakt. Zum Schluss bleibt ein beklemmendes Gefühl — und das ist gut so. Geschichte, die wachrüttelt, statt wegnickt.

Dieses Buch ist kein Trostpflaster, sondern ein Spiegel — unbequem, dringend und erstaunlich aktuell in seiner Warnung.
688 reviews10 followers
November 13, 2025
In seinen Büchern über das nationalsozialistische Deutschland hat der Historiker Götz Aly schon wiederholt die Stimmung der Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg untersucht. Mit seinem neuen Buch "Wie konnte das geschehen?" versucht er Antworten zu geben auf eine Kernfrage, die wohl alle beschäftigt, die sich mit dem Dritten Reich, der Schoah und deutschen Kriegsverbrechen befassen oder darüber lernen. Das Buch mit teilweise persönlichen Elementen beim Rückblick auf das Verhalten und die Stimmung in der eigenen Familie liefert viel Stoff zum Nachdenken - auch und gerade dann, wenn Vergleiche zu den Themen und Strategien rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien und Gruppierungen in der Gegenwart gezogen werden.

Aly zeigt, dass das Komplizentum und die Einbindung der "Normalbevölkerung" weitaus verbreiteter waren und auf vielen Ebenen stattfanden, eben nicht nur bei denen, die 1938 dank "arisierter" Betriebe und Geschäfte wirtschaftlich ganz anders durchstarteten. Dass der Ausschluss von Juden von Bildungseinrichtungen und ihre Verdrängung aus guten beruflichen Positionen Chancen öffnete für viele, die vielleicht weder politisch noch antisemitisch waren, die aber gleichwohl von der antisemitischen Politik profitierten und Aufstiegschancen erhielten, die zuvor nicht denkbar gewesen wären. Dass es eben nicht nur die immer wieder zitierten Autobahnen waren, die Arbeitsplätze schufen sondern Gesetzespakete für mehr soziale Absicherung bei Arbeitslosigkeit, Krankheit und im Alter, die für viele Menschen eine tatsächliche Verbesserung der Lebensumstände bedeuteten und die Bevölkerung gewissermaßen einfingen.

Aly räumt auch mit zahlreichen Legenden auf, etwa dem Heldentum und der Verfolgung von Gewerkschaftern, Sozialdemokraten oder Kommunisten, die seinen Zahlen zufolge deutlich niedriger ausfiel als in der Nachkriegszeit verbreitet. Mit Untersuchung unter anderem der Goebbels-Tagebücher, oder zeitgenössischer Medienberichterstattung geht er auch díe Entschuldungsbehauptung an, die Menschen in Deutschland hätten ja nichts gewusst: Die Deportationen von jüdischen Mitbürgern begann mit allseits sichtbaren Zügen durch deutsche Städte, die Absichten des Regimes gegenüber den deutschen wie europäischen Juden waren keineswegs unverschleiert und wurden immer deutlicher, je weiter der Krieg voran- und der deutschen Niederlage entgegenschritt. Dies auch, um ein Gefühl von "Mitgefangen, mitgehangen" zu erzeugen, wie auch die Analyse von Soldatenbriefen insbesondere von der Ostfront zeigt: Wer so viele Verbrechen sah oder daran beteiligt war, hat allen Grund, die Rache der Sieger zu fürchten.

Ein wenig erinnert die Analyse an den Clinton-Wahlkampfslogan "It´s the economy, stupid!" - denn die Argumentation Alys beruht darauf, dass es weniger Ideologie war, die das nationalsozialistische Deutschland prägte, sondern wirtschaftliche und politische Interessen, bei der jüdisches Eigentum eine wichtige Rolle spielte - auch bei der Finanzierung des zunehmend verschuldeten Staates. Mit diesem Ansatz unterscheidet er sich von vielem, was etwa in meinen Geschichtsbüchern im Schulunterricht stand und liefert auch plausible Erklärungen auf die Frage "Wie war es möglich" - es hatte sich für viele einfach gelohnt.
Profile Image for Susu.
1,782 reviews19 followers
December 5, 2025
Detaillierte Geschichtsschreibung: Hintergründe und Detailquellen - immer mit Blick auf das Zusammenwirken der Machtstrukturen mit den individuellen Einstellungen. Wenn einem die Eltern, Großeltern, Urgroßeltern keine persönlichen Details aus der NS-Zeit erzählt haben - hier kann man nachlesen. Lesbar, sehr interessant und äußerst lehrreich.
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