Im glühend heißen Sommer 1933 spitzt sich die politische Lage in Europa zu - und die der Familie Thomas und Katia Mann und ihre sechs Kinder sind nach abenteuerlichen Fluchten im Juni in dem verträumten Hafenort Sanary am französischen Mittelmeer gestrandet. Und jetzt wissen sie alle weder vor noch zurück.
Ein Ort, eine Familie, drei Monate bei dreißig Grad – »Wenn die Sonne untergeht« ist eine große Kaum im unsicheren südfranzösischen Exil angekommen, will Thomas Mann eigentlich sofort wieder zurück in seine edle Münchner Villa. Sein Bruder Heinrich hingegen genießt die Freiheit des Südens. Dazwischen die sechs Kinder von Thomas und Der eine, Michael, spielt Tag und Nacht Geige, der zweite, Klaus, gründet eine Exil-Zeitschrift, die dritte, Elisabeth, badet und genießt die Zeit ohne Schule. Erika, die älteste, führt Regie und schmuggelt den Besitz der Manns aus München über die Grenze, Golo holt das Geld von den Konten und versorgt den vergessenen Hund. Und Monika? Sie bleibt einfach am Strand von Sanary liegen.
Florian Illies erzählt von der Trauer um den Verlust der Heimat und des Besitzes, der Angst vor den Plünderungen der Nazis, von Trotz und Leidenschaft. Von Wehmut und vom Überlebenswillen, obwohl die alte Welt einzustürzen droht. Und er erzählt von der großen Zerreißprobe zwischen Klaus und Erika und ihrem Vater Thomas.
»Ich glaube«, sagte Marcel Reich-Ranicki, »dass es in Deutschland im 20. Jahrhundert keine bedeutendere, originellere und interessantere Familie gegeben hat als die Manns.« In Sanary ist diese außergewöhnliche Familie in einem absoluten Ausnahmezustand – alle werden das erste Mal gezwungen, sich zu bekennen. Zueinander. Zu Deutschland. Oder auch, so traurig es Dagegen.
Florian Illies ist ein deutscher Journalist, Kunsthändler, Kunsthistoriker und Buchautor. Ab Januar 2019 war er geschäftsführender Verleger des Rowohlt Verlags.
Author Florian Illies has worked as culture editor for major German newspapers and magazines, and is a co-founder of "Monopol" a magazine for art, literature and lifestyle.
Florian Illies ist wieder in seinem Element: fein beobachtend, elegant formulierend und mit einem unverkennbaren Gespür für Zwischentöne. In „Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanary“ widmet er sich der wohl berühmtesten deutschen Künstlerfamilie im Exil der 1930er Jahre – den Manns – und zeichnet ein dichtes Porträt der Monate, in denen die Familie in Südfrankreich Zwischenstation macht.
Wie schon in seinen bisherigen Büchern gelingt Illies auch hier, akribisch recherchierte historische Fakten mit Atmosphäre, Witz und Tiefe zu verbinden. Sein Blick auf die Familie Mann ist nie voyeuristisch, sondern liebevoll distanziert: Er zeigt die Eigenheiten, Eitelkeiten und Empfindlichkeiten dieser außergewöhnlichen Familie aus den verschiedenen Perspektiven, die klug nebeneinander arrangiert werden. Man spürt den heißen Sommer, die politische Bedrohung und die Zerissenheit der Familienmitglieder. Die Sprache ist, auch typisch Illies, mal einfühlsam und poetisch, dann wieder pointiert und leicht ironisch.
Wer Ilies‘ andere Bücher mochte, wird auch dieses hier lieben. Ich habe es auf jeden Fall sehr gerne gelesen und freue mich schon auf das nächste.
Das Thomas Mann Jahr neigt sich dem Ende zu. Natürlich durfte neben einem Werk des Zauberers persönlich auch eine Lektüre über ihn nicht fehlen. Ging es in Thomas Mann macht Ferien trotz Krieg noch recht friedlich zu, schaut die Welt in Florian Illies‘ Wenn die Sonne untergeht schon etwas anders aus. Thomas Manns politische Einstellung hat sich grundlegend geändert, er ist nun glühender Verfechter der Demokratie. Dies macht ihn in den Augen der an die Macht kommenden Nationalsozialisten aufgrund seiner großen Prominenz zu einem gefährlichen Gegner. Eigentlich mehr durch Zufall befinden sich Thomas und seine Frau Erika zum Zeitpunkt der Machtübernahme im Ausland. Der Nobelpreisträger möchte nämlich zunächst nicht wahrhaben, was sich in seiner Heimat abspielt und wie schlimm die Dinge tatsächlich sind. Sein Bruder Heinrich ist in dieser Sicht schlauer, er schlägt gerade noch rechtzeitig die Flucht ein. Die sechs Kinder von Erika und Thomas sind teilweise bei ihnen, teilweise in Deutschland, teilweise anderweitig im Ausland. Erst nach mehreren Monaten versammeln sich alle in Südfrankreich. In dem kleinen Ort Sanary landen sie auch eher zufällig. Dort halten sich auch einige andere Intellektuelle auf, die meisten ebenfalls auf der Flucht. Ich habe schon einige Bücher von Florian Illies gelesen und mag seinen Stil sehr. Er schreibt sehr elegant, oft auch mit einer gewissen Prise Humor oder leichter Ironie. Er berichtet in kurzen, sorgfältig recherchierten Abschnitten. Bei ihm wird die Geschichte lebendig, die Personen erwachen zum Leben. Er beschönigt auch nichts. Thomas Mann kommt, um es etwas flapsig auszudrücken, nicht besonders sympathisch rüber, ganz besonders nicht, wenn man im Anhang vom Schicksal seines Sohnes Michael liest. Es mag der bessere Schriftsteller sein, sein Bruder Heinrich jedoch ist mir menschlich der liebere. Wer noch nichts über oder von Thomas Mann gelesen hat, für den oder die ist dieses Buch ein guter Einstieg. Gleiches gilt für alle, die Florian Illies noch nicht kennen. Hier ist das Personal begrenzter als beispielsweise in 1913. Neben der Familie Mann (die an sich schon recht umfangreich ist) gibt es zwar immer noch etwa zwei Dutzend Personen, trotzdem ist alles überschaubarer.
1933: Hitler kommt an die Macht und die Familie Mann flüchtet zuerst in die Schweiz und dann nach Sanary am französischen Mittelmeer. Dort bleiben sie 3 Monate und diese Zeit wird im Buch erzählt. Thomas und Katia Mann kaufen sich ein kleines Haus, denn es sind immer einige ihrer 6 Kinder anwesend. Man trifft den ein oder anderen weiteren bekannten Flüchtling und versucht gemeinsam das neue Leben zu organisieren und das Leid in Deutschland zu vergessen. Informativ und gut geschrieben und im Hörbuch auch entsprechend gut gesprochen!
Ein Buch von Florian Illies, wie man es kennt: In kleinen Episoden erzählt er in ironischem und sehr präzisem Ton von den Manns, der größten deutschen Schriftstellerfamilie. Basierend auf deren Tagebucheinträgen und anderen historischen Quellen zeichnet der Autor nach, wie schwer sich Thomas Mann und Katia im erzwungenen Exil im Süden Frankreichs taten. Die Kinder, die fast alle Literaten eigenen Ranges waren oder wurden, erkannten viel schneller die mörderische Gefahr des Nazi-Regimes und drängten die Eltern und Großeltern zum Exil und publizistischen Widerstand, in dem Bruder Heinrich Mann schon angekommen war. Besonders interessant waren die Informationen über und Einblicke in das Leben und die Gedanken von Klaus, Erika und Golo Mann. Auch die Atmosphäre des kleinen Sanary-sur-Mer mit seinen anderen berühmten Exilanten ist gut eingefangen. Dieses Buch sollte man zwischen Uwe Wittstocks Winter 1933 und Marseille 1940 lesen, um ein vollständiges Bild des Exils deutscher Schriftsteller:innen zu erhalten.
Der Schriftsteller Thomas Mann weilt gerade im Ausland als die politische Lage in Deutschland immer brisanter wird. Seine Kinder Erika und Klaus können ihren Vater überzeugen, dass es besser ist, nicht nach Deutschland zurückzukehren. Die Manns landen als erste Station ihres langjährigen Exils in Sanary am französischen Mittelmeer. Auch Heinrich Mann hat es so gerade noch auch Deutschland heraus geschafft. Mit dem Gedanken, seine Heimat verlassen zu müssen, tut sich Thomas Mann schwer. Eigentlich möchte er lieber zurückkehren. Doch je mehr vom Eigentum der Familie beschlagnahmt wird, je mehr ihre Rechte eingeschränkt werden, desto mehr muss auch der Autor einsehen, dass ein Aufenthalt in einem anderen Land vorzuziehen ist.
Die Familie Mann hat Nazi-Deutschland schon relativ früh verlassen. Als die Situation brenzlig wird, sind sie glücklicherweise gerade unterwegs. Doch die Eltern und Schwiegereltern und auch einige ihrer sechs Kinder sind noch daheim. Die Manns müssen damit leben, dass Teile ihres Eigentums plötzlich beschlagnahmt werden. Und doch ermöglichen sie es auf Umwegen einige Unterlagen und Dokumente aus dem Land zu schaffen. Nach und nach versammelt sich auch der Familienreis in Frankreich. Auch gibt es Unstimmigkeiten mit dem Verleger, der wegen der Veröffentlichung des nächsten Werkes meint, man müsse sich dem Regime anbiedern.
Dieses Hörbuch wird vorgetragen von Stephan Schad, der es versteht, die Beklemmung fühlbar werden zu lassen, die man ob der politischen Lage in Deutschland im Jahr 1933 empfindet. Dieses Hörbuch ist in einer gekürzten Version verfügbar in der ARD-Audiothek. Allerdings wurde ein wenig zu viel gekürzt, was schon etwas schade ist.
Florian Illies nähert ist der Familie Mann während ihres Aufenthalts in Sanary im Sommer 1933 auf interessante Weise an. Zum einen erzählt er von den Ereignissen, zum anderen werden auch Äußerungen, Briefe und Tagebuchaufzeichnungen zitiert. Das verleiht der Erzählung viel Authentizität. Man spürt die Beklemmung, das Abwägen, die Entscheidungen. Man fiebert mit, ob in erster Linie Menschen, aber auch die erwünschten Sachen, aus Deutschland heraus gelangen. Man fragt sich, wie eine sogenannte Regierung herausragende Persönlichkeiten ihres Landes so behandeln kann. Wie werden sie dann erst mit den normalen Menschen verfahren? Die Geschichte hat es gezeigt. Vielleicht ist es überhaupt mal wieder an der Zeit, sich mit Thomas Mann zu beschäftigten, der in diesem Jahr seinen hundertfünfzigsten Geburtstag gefeiert hätte.
Eigentlich ist Florian Illies ja kein Vorwurf zu machen. Er hat fleißig Quellen studiert und das Material aus Briefen, Tagebüchern und anderem dann zu einer gut montierten Story zusammengeleimt. Man erfährt nichts oder kaum etwas, das man nicht aus anderen Büchern über Thomas Mann und die seinen schon wüsste.
Was stört, ist der Ton. Hier wird mit einer flotten Journalistenschreibe erzählt, die jede Szene, jedes Bild aufbläht, durch Adjektive aufpumpt und mit einer nachgeradezu lächerlichen Gefallsucht unbedingt beeindrucken will. Das hat mich beim Zuhören oft laut aufstöhnen lassen. Wenn Golo Mann im Mittelmeer badet, liest sich das bei Illies so: Golo spült sich "beim Baden im Mittelmeer im Salzwasser die deutsche Angst von der Seele." Aua. Stilblüten wie diese finden sich zahlreich im Buch, in dem Thomas Mann im "Bordrestaurant" eines Zuges speist oder Illies darüber phantasiert, ob ein von Mann verwendetes Wort zum "Wort des Jahres 1933" taugt. Was für ein Blödsinn. Es ist schwer auszuhalten.
Ich frage mich, warum solch ein talmihaftes Kunstgewerbe so erfolgreich ist. Aber wahrscheinlich ist es genau das: der Effekt, das Thema, die "flotte Schreibe", die gefällt. Weidermann macht es ja ähnlich.
Ein Werk, dass der Kategorie „Historischer Gossip“ am nächsten kommt. Das Buch bietet ein wunderbar zugängliches Portrait der Familie Mann im Jahr 1933. Wer die früheren Werke Florian Illies kennt, weiß um des Autors Detail verliebte Leichtigkeit des Geschichtenerzählens. In diesem Buch geht es so weit, dass man sich mehrfach fragt: Sind all die Details Fiktion oder Wahrheit? Es entsteht eine großartige Erzählung, die die Lesenden mitnimmt auf eine Reise ins französische Exil der Mann-Familie, liebevoll rekonstruiert und kunsthistorisch aufgearbeitet aus den unzähligen Tagebucheinträgen der Familienmitglieder aus dem Jahr 1933, den in dieser Zeit entstandenen Romanen der Akteur:innen und aus den Erzählungen von Zeitzeug:innen. Wer in die Welt des Thomas Mann (und zugleich in die der deutschen Emigrant:innen) einsteigen möchte, der Person sei dieses Buch wärmstens empfohlen!
Das Jahr 1933 aus der Sicht der Familie Mann. Der Roman basierend auf Tagebucheinträgen und Briefen der Familienmitglieder erzählt die historischen Geschehnisse in Deutschland und vom Leben im Exil in der Schweiz und Südfrankreich. Ein tolles Zeitdokument zum Lesen. 4,5 Sterne. Einen kleinen Abzug gibt es für das manchmal etwas langatmig erzählte Hadern Thomas Manns mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten.
„Wenn die Sonne untergeht: Familie Mann in Sanary“ ist ein interessanter Roman über die Familie Mann des in Berlin lebenden Autors, Journalisten, Kunsthistorikers und Kurators Florian Illies.
Die Handlung beginnt im Februar 1933 in München im Hause der Familie Mann. Thomas und Katja brechen zu Vorträgen in Amsterdam, Brüssel und Paris auf und wollen im Anschluß zur Erholung nach Arosa in die Schweiz. Zu diesem Zeitpunkt ahnen sie nicht, dass sich ihre Rückkehr um Monate verzögern wird, da Thomas Mann wegen der Nationalsozialisten nicht nach Deutschland zurückkehren kann. Er lebt – wie viele andere deutsche Intellektuelle – mit seiner Familie im Exil in Sanary-sur-Mer in Frankreich. Im Gegensatz zu seinem Bruder Heinrich, der das Leben im Süden genießt, zieht es ihn zurück nach München.
Ich habe schon einige Bücher über die Familie Mann gelesen und dennoch in diesem wieder ganz neue Seiten dieser außergewöhnlichen Familie kennengelernt. Sicherlich lag dies nicht nur an der außergewöhnlichen Situation, sondern auch daran, dass Florian Illies ausgiebig recherchiert hat, wobei er unveröffentlichte Dokumente, Tagebücher Golo Manns und Menschen mit viel Hintergrundwissen als Grundlage für seinen Roman zugrunde gelegt hat.
Der Autor erweckt hier die Familie Mann zum Leben. Die unterschiedlichen Persönlichkeiten innerhalb der Familie sind klar und authentisch gezeichnet. Es ist kein trockenes Sachbuch, sondern eine Biografie über das Leben einer Familie mit ihren ganz besonderen Eigenheiten, in der die Atmosphäre dieser ungewöhnlichen und schwierigen Situation ebenso durchkommt wie der damalige Zeitgeist.
Am Ende rundet Florian Illies sein Buch gelungen damit ab, wie es für die einzelnen Personen nach dem Sommer in Sanary weitergeht. Außerdem gibt es einen übersichtlichen Stammbaum der Manns und einen Überblick über die Sommergäste in Sanary.
Mich hat das Buch gefesselt und ausgesprochen gut unterhalten.
Thank you to NetGalley and the publisher for this ARC!
This is supposed to be (literary) fiction, and I think this designation is where my problem with this book lies. It feels like a nonfiction memoir, not at all like fiction, which is why I also don't feel like I should be calling it a novel.
The narrator did a wonderful job narrating this work, and it's not like the book is BAD - it's just really not what I was looking for when I picked up this book. I expected a fictionalised retelling of the Mann's lives during Nazi Germany, but what I got was... a nonfiction retelling, much like an average biography. And while that certainly has its merits, it wasn't what I was looking for, and I personally have to say that I do not care enough about the Mann's to want to listen to hours upon hours of explanations of their lives. And for a fiction book, this isn't well written. Fiction has certain conventions, which this book does not follow - jumping back and forth between the various "characters", not based on plot relevance, but solely based on chronology, so that it feels very jumpy and somewhat disorienting for someone that expects a fiction(alised) narrative, for example.
If this book were relabelled, not sold as fiction, I would immediately rate it much higher, but as it is being sold as a novel right now, I don't feel like I can rate it any higher. As a novel, it isn't doing its job. As a nonfiction biography, however, it would be much better at what it's supposed to do, and thus I would NOT recommend this to people who want a novel, and WOULD recommend it to people who want to learn more about the Manns and is thus looking for a biography (though I cannot vouch for the accuracy of the information in here, of course, and if it would hold to the scrutinity a biography would have to face wrt. sources etc.)
Florian Illies hat mit 1913 und Liebe in Zeiten des Hasses gezeigt, wie fein er Geschichte in Miniaturen zu erzählen versteht. Umso größer ist die Enttäuschung bei seinem neuen Buch. Wenn die Sonne untergeht will die Familie Mann im südfranzösischen Exil lebendig werden lassen – herausgekommen ist jedoch ein Werk, das zwischen Anekdotenhuberei, Vermutung und Selbstgefälligkeit schwankt. Illies schreibt, als hätte er selbst mit den Manns am Mittagstisch gesessen und könne so ihre Blicke, Gesten und Stimmungen nacherzählen. Doch statt Nähe entsteht der Eindruck von Übergriffigkeit. Quellen werden kaum genannt, vieles bleibt Behauptung oder Fiktion, und der Ton wirkt belehrend – als müsse ich als Leser dankbar sein, dass Illies mir Sonne, Sand und Seufzer seiner Figuren erklärt. Die angestrengte Detailverliebtheit, die endlosen Anekdoten und Einschübe wirken weniger literarisch als inszeniert. Was früher essayistische Leichtigkeit war, liest sich nun boulevardesk: aufdringlich, süffisant, mitunter respektlos gegenüber seinen Figuren und den Lesern. Besonders irritierend ist, wie leicht Illies ins Spöttische kippt, etwa bei Heinrich Mann. Ich wollte das Buch mehrmals in irgendeine Ecke werfen, genervt von der selbstgefälligen Erzählhaltung – und doch hielt mich dieser Cocktail auf den Seiten, wenngleich ich mich an manchen Stellen wie ein Gaffer bei einem Unfall fühlte: Man will wegsehen, kann es aber nicht. Ein bisschen erinnert das Ganze an eine Reality-Show – nur dass es hier nicht um B- oder C-Promis geht. Illies’ Buch liest sich flott, doch ich spürte kaum Respekt vor den Figuren – ein Erlebnis, das ich eher entnervt als bewundernd beendete. Vielleicht kommt Illies einfach zu spät, während das Thomas-Mann-Jahr schon mit zahlreichen Neuerscheinungen glänzte. Kurz vor Jahresschluss sichert er sich garantiert trotzdem noch ein einsames Plätzchen auf den Bestsellerlisten – wie ein spätberufener Klassenprimus, der am Ende doch noch die Goldmedaille abstaubt.
Ich habe an dem Buch am Ende doch länger gelesen, als ich gedacht hätte – obwohl es super kurzweilig ist und wirklich richtig gut geschrieben. Und damit war es zugleich mein letztes Buch des Jahres 2025. Und damit habe ich in diesem Jahr 61 Bücher geschafft.
Was ich an "Wenn die Sonne untergeht" und an dem Autor des Buches besonders schätze: Mit Florian Illies gibt es einen deutschen Autor, der es schafft, für Laien so zugänglich zu schreiben, wie ich es sonst oft nur von englischsprachigen Sachbuchautor:innen kenne. Geschichte(n) werden nahbar, ohne dass man sich dabei belehrt oder gar dumm fühlt.
Wie viel davon exakt „real“ ist und wie viel Illies literarisch ausgeschmückt hat? Keine Ahnung. Bei den harten Fakten vermutlich eher wenig – bei Emotionen, Motiven und Hintergründen sicher mehr. Für mich hat das aber funktioniert: Das Buch hat mir vor allem geholfen, dankbar zu sein, nicht in diese dysfunktionale Familie hineingeboren worden zu sein :-) – und es hat mir gleichzeitig ein Stück Ehrfurcht vor Thomas Mann genommen.
"Buddenbrooks" wird trotzdem für immer eines meiner Lieblingsbücher bleiben. Aber der Autor der "Buddenbrooks" … als Vorbild taugt er wirklich in keinster Weise.
Und ganz ehrlich: Ich hoffe sehr, dass Florian Illies auch noch die anderen Jahre nach 1933 aufarbeitet und veröffentlicht. Noch schöner fände ich allerdings ein eigenes Buch von ihm über Erika Mann – das würde ich sofort lesen.
Florian Illies ist einer DIESER Autor*innen, die einfach ihren ganz eigenen, besonderen Schreibstil besitzen und mit ihrer Erzählkunst alle in den Bann ziehen. Meisterhaft verbindet Florian Illies extrem fundierte Recherche mit seiner Kunst, Geschichten zu erzählen. »LIEBE IN ZEITEN DES HASSES« und »IM ZAUBER DER STILLE« zeigen dies großartig. Wenn Florian Illies also ein neues Buch veröffentlicht, will ich es unbedingt lesen.
»Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanary« beleuchtet intensiv und facettenreich das Leben der Familie Mann — im Fokus der unsympathische und egozentrische Familienpatriarch Thomas Mann — im Schicksalsjahr 1933. Interessant fand ich, wie unterschiedlich (und auch privilegiert) alle Familienmitglieder mit der Machtergreifung der Nazis umgegangen sind. Florian Illies zeigt einmal mehr, wie gut er Geschichten erzählen kann. Ich persönlich hätte nicht mehr Informationen zu Thomas Mann benötigt, aber wollte auch nicht das neue Buch verpassen. Ein spannendes Buch für alle, die bei »LIEBE IN ZEITEN DES HASSES« noch mehr von Familie Mann lesen wollte und natürlich alle Mann-Fans (und damit hoffe ich vor allem, dass es Fans von Klaus & Erika sind 😌). Mein Fazit: Ich werde auch weiterhin alles von Illies lesen, dieses hier gehört aber nicht zu meinen Favoriten.
Ich habe mich von diesem glänzend erzählten Werk bestens unterhalten gefühlt. Ein schöner Zeitvertreib. Manchmal aber alles ein wenig redundant…irgendwie hat man dann auch keine Lust mehr auf die Geilheit von Lion Feuchtwanger oder Aldous Huxley und auf die Halsschmerzen von Thommy. Thomas Mann hätte mich als Ehefrau wegen seiner Egozentrik, des ewigen Zauderns und seiner dauernd empfundenen „Behagensminderung“ (wegen nichts) in den Wahnsinn getrieben. Dazu noch die ganzen drogenkranken oder wegen mangelnder Liebe vom Vater unglücklich/depressiven oder unglücklich queeren oder einigermaßen glücklich queeren und dennoch drogenabhängigen Kinder, die natürlich dennoch dem „Zauberer“ treu ergeben bleiben. Die Schrecken der Machtergreifung und die Folgen spielen im Hintergrund das Lied vom Tod und bilden einen starken Kontrast zu den Spaziergängen in dreiteiligen Anzügen am Mittelmeer und anschließenden Zusammenkünften mit den Zweigs, Huxleys oder Feuchtwangers auf den Terrassen Sanarys in der Abendsonne mit Bediensteten um sie herum- danach und davor viel Sex (also außer Katia und Thomas Mann natürlich) und Alkohol und Drogen. Was für eine Familie….schön-schaurig und schrecklich.
absolute leseempfehlung für alle, die der pflichtlektüre in der schule erst mal berührungsängste mit thomas mann haben.
wenn die sonne untergeht ist das erste buch von florian illies, das ich gelesen habe. und es hat mich komplett abgeholt.
gerade im jahr des 150. geburtstags von thomas mann war das für mich ein perfekter einstieg. kurze kapitel, viel witz, richtig gute zwischentöne innerhalb der familie. dazu jede menge zitate aus tagebüchern und briefen. man hat wirklich das gefühl, man hört den leuten selbst zu.
besonders spannend fand ich, wie klar wird, was für ein spezieller, teilweise echt schwieriger typ thomas mann gewesen sein muss. und wie herausfordernd es war, eines seiner kinder zu sein. genau diese ambivalenz macht das buch so stark.
und dann noch kudos an den s. fischer verlag dafür, dieses buch genauso zu veröffentlichen obwohl illies auch gegenüber dem verlag selbst ziemlich kritisch ist.
Florian Illies’ Buch ist kenntnisreich, unterhaltsam und voller kluger Beobachtungen. Gleichzeitig stellt sich beim Lesen immer wieder die Frage, ob es heute keine Lektoren mehr gibt – oder ob die auffälligen Wiederholungen bewusst eingesetzt sind. Manche Motive, Einschätzungen und Formulierungen kehren so häufig zurück, dass sie weniger vertiefen als vielmehr ermüden. Man fragt sich unwillkürlich, ob diese Redundanz dem TikTok-Zeitalter geschuldet ist: angepasst an kurze Aufmerksamkeitsspannen und ein Lesepublikum, das ständig „abgeholt“ werden muss. Trotzdem bleibt das Buch insgesamt lesenswert. Illies gelingt es, Thomas Mann lebendig, menschlich und widersprüchlich darzustellen – auch wenn weniger Wiederholung der Wirkung gutgetan hätte.
Florian Illies erzählt zum Fürchten schön und unterhaltsam über die Jahrhundert-Familie. Er montiert die Anekdoten herrlich flüssig und aufwühlend, wobei mich bei so mancher Erzählung das kalte Grauen ob der Gefühlskälte einiger Familienmitglieder packt. Oft liegen bei Thomas und Katia Mann sensible Zuwendung und schaurig-inhumane Grausamkeit verteufelt eng beieinander. Fazit: Auf ein gemeinsames Mittagessen im Hause Mann will man getrost verzichten.
Großartig, sprachlich, atmosphärisch und inhaltlich. Illies ist es nach „Zauber der Stille“ wieder gelungen, die Leser*innen mitzunehmen in eine vergangene Epoche, jenen Sommer 1933 der Exilant*innen in Südfrankreich, allen voran Thomas Mann als Mittelpunkt des Universums seiner Frau und seiner um die Anerkennung des „Zauberers“ kämpfenden Kinder. Ein faszinierendes Kammerspiel auf der Bühne Sanary-sur-mer.
Hoch interessant! Man erfährt viel über das Leben der Familie Mann. Sehr gut recherchiert, sehr gut erzählt, soll dieses Höchbuch viele interessieren, auch wenn man schon viel weiß über die Familie Mann. Ich habe die Audio Version dieses Buches von NetGalley bekommen und freiwillig habe ich eine ehrliche Rezension geschrieben.
Vielen Dank an meine Mama, dass sie mir dieses Buch geschenkt hat; und an Herrn Illies, dass er es mir erspart, jetzt noch irgendwelche anderen Mann Biographien lesen zu müssen - und nebenbei daran erinnert, wie schnell der Wind sich drehen kann, wobei dafür heute ja leider schon Zeitunglesen und Nachrichtengucken reichen. Auf den letzten Drücker 2025 mein Lieblingsbuch des Jahres.
Vielleicht sind echte Mann- Kenner:innen verärgert über die Mischung aus Fiktion und Recherche von Historischem - ich habe die Manns hier erst richtig kennengelernt und fand es leichtfüßig und gekonnt erzählt. Und als Leserin weiß man ja auch immer, woher der Autor seine Informationen hat - die Tagebücher, aller Beteiligten, was für ein Glück, dass alle geschrieben haben.
Auch wenn es nur um wenige Monate im Jahr 1933 geht, dehnt sich das Buch keineswegs. Man fühlt sich genial unterhalten. Sein Schreibstil ist mit viel Ironie gespickt und die historische Zeit der Naziherrschaft schildert er sehr atmosphärisch. Ihm gelingt es von allen Familienmitgliedern der Manns ein realistisches Bild zu zeichnen, kombiniert aus diversen Quellen, die teilweise bisher noch nicht veröffentlicht waren. Besonders gut hat mir am Ende das Aufzeigen der weiteren Lebenswege der Protagonisten gefallen. Es rundet das Werk perfekt ab. Seit Generation Golf hatte ich kein Werk von Florian Illies mehr gelesen, ich freue mich den Autor wiederentdeckt zu haben und werde seine weiteren historischen Romane sicherlich lesen. Definitiv ein grandioses Werk, wenn man Thomas Mann samt Familie näher kennen lernen möchte.
4.5 ⭐️ Das reinste Lesevergnügen mit vielen interessanten Informationen. Florian Illies gelingt mit "Wenn die Sonne untergeht" ein faszinierendes, lebendiges Porträt der Familie Mann im Sommer 1933, unmittelbar nach ihrer Flucht ins Exil nach Sanary-sur-Mer. Anstatt eines staubtrockenen Geschichtsbuches erhält man einen poetischen, kurzweiligen und amüsanten Streifzug durch diese entscheidenden Monate. Illies montiert Anekdoten, Fakten und Zitate (oft aus unveröffentlichten Tagebüchern) zu einem packenden Erzählstrom.
Schön war es auch, gedanklich nochmal zurück nach Litauen nach Nidden (Nida) an die Kurische Nehrung zu reisen. Dort kann man auch das Thomas Mann Haus besuchen.
Bislang habe ich nur "Der Tod in Venedig"(3.5⭐️) und "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"(5⭐️) von Thomas Mann gelesen. Als nächstes möchte ich nun "Der Zauberberg" und "Die Buddenbrooks" lesen. Von Heinrich Mann liegt schon ewig "Der Untertan" und "Professor Unrat" und von Klaus Mann "Mephisto" auf dem "Stapel ungelesener Bücher".
Dank Florian Illies Werk bin ich nun wieder daran erinnert worden, diese Werke endlich mal zu lesen.
Grand Seigneur und Patriarch der deutschen Literatur und seiner Familie Hätte Thomas Mann 2025 nicht solch ein Jubiläum, deb 150. Geburtstag, hätten wir nicht diese ganze Flut von Thomas Mann Neuauflagen, Biographien und Romane. Und nun auch Florian Illies. Sein Stil ist einzigartig. Ganze Sätze, dann Bruchstücke eines Satzes, aber alles durchdrungen von einer gestochen scharfen Logik. Das Buch ist eine elegante und äußerst gelungene Mischung aus Roman und Biographie der gesamten Mann-Familie,von den Schwiegereltern, zum Bruder, den 5 Kindern und natürlich Thomas Mann selbst. Nur “K.”, wie Thomas Mann seine Frau in seinen Tagebüchern nennt, kommt etwas zu kurz. Sie hat sich immer zurück gehalten, ihr Leben in den Dienst ihres berühmten Gatten gestellt. Wenn sie doch einmal hervortreten sollte, weiß Thomas Mann das sofort zu unterbinden. So. z.B. bei einer Gartenparty auf der Katia mit anderen Gästen französisch redet, fühlt sich Thomas Mann urplötzlich unpässlich und drängt auf baldigen Aufbruch. Er kann es nicht ab, nicht im Mittelpunkt zu stehen. Dabei sind im Sommer 1933 in Sanary, berühmte und bekannte Literaten, Bildhauer und Maler da, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Aldous Huxley, Heinrich Mann, René Schickele, Arnold Zweig, alle mit jeweils ihren Familien, Sekretärinnen, Kindern, usw. Thomas Mann könnte seiner Frau wohl die paar Minuten Freude gönnen. Aber das geht nicht. Er ist bei diesen Gesprächen nicht im Mittelpunkt. Das Buch ist eine Anreihung von Anekdoten und Geschichten aus dem Leben der Exildeutschen in Sanary, gespickt mit Nachrichten aus Deutschland, aus Berlin und München. Nachrichten von Familie Pringsheim, Katias Eltern, Zeitungsnachrichten über sich häufende Gräuel und Ungerechtigkeiten des Nazi-Regimes. Dabei haben die Manns Glück, Golo Mann, dem Sohn, gelingt es, einen beträchtlichen Teil des Vermögens aus dem Land zu bringen mittels Diplomatenpost und Erika Mann gelingt der große Coup, die wertvollen Möbel, Tafelsilber, kostbares Porzellan usw. der Eltern in die Schweiz zu schmuggeln, kurz bevor das Haus von den Machthabern beschlagnahmt wurde. Diese Bravourtaten beschreibt Illies so lebendig, als ob wir dabei gewesen wären. Wie Thomas Mann über seine Familie bestimmt und herrscht wäre heute undenkbar. Mit einer gehobenen Augenbraue, mit einer Geste, mit einem strengen Blick, beherrscht er alle 6 Kinder. Klaus und Golo machen sich heimlich Notizen, um den Vater unterhalten zu können, wenn der Vater es denn wünscht. Für fünf der sechs Kinder sind die sakrosankten Mittagsmahlzeiten eine Tortur. Allein Medi (Elisabeth Veronika Mann), der erklärte Liebling der Eltern stösst sich nicht daran, findet nichts Beschwerliches an den Mahlzeiten. Thomas Mann liebt streng getaktete und strukturierte Tage. Mahlzeiten zu festen Stunden, dazwischen immer die gleichen Aktivitäten. “Ohne dieses feste Gefüge hätte Thomas Mann die Ungewissheit des Exils nicht ertragen können.” (S. 265) Illies verwendet viele Zitate aus den Tagebüchern der Personen (damals schreiben wohl alle Tagebuch, heute ist das eher aus der Mode gekommen), aus ihren Werken, aus überlieferten Dialogen. Besonders kreative Wortschöpfungen von Thomas Mann, wie “Behagensminderung”, die uns heute etwas seltsam klingen, sind aber dennoch immer noch klar verständlich, wir lassen sie auf der Zunge zergehen, genießen sie. Zum Schluss des Buches erhalten wir den Stammbaum der Familie Mann und ein “Who is Who” der Personen in Sanary. Schmankerl: auch die Häuser aus München und Sanary finden hier ihren Eintrag. Schon während des Buches wird so liebevoll und achtsam von diesen Häusern gesprochen, dass sie personalisiert werden, wesentlicher Teil der darin wohnenden Menschen sind. Thomas Manns erster Teil der Josef-Trilogie erscheint noch Herbst 1933 beim Fischer Verlag in Berlin und “Wenn die Sonne untergeht” von Illies wird vom S.Fischer Verlag publiziert. Fast wie eine Heimkehr des Patriarchen zu seinem Verlag.
Wer kennt sie nicht, die Familie Mann. Florian Illies nimmt sich ihrer während einer Zeit an, in der die Nationalsozialisten alles Jüdische verbannen, ja ausrotten wollen. Thomas Mann, der deutsche Schriftsteller, wurde 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet, schon 1901 erschien Buddenbrooks, weitere bekannte Werke folgten.
Katia und Thomas Mann sind bald unterwegs nach Amsterdam, es ist Februar. Der 11. Februar des Jahres 1933, um genau zu sein. Noch sitzen sie mit drei ihrer sechs Kinder beim Mittagessen. Golo, 23, ist noch in Göttingen, er bereitet sich auf sein Staatsexamen vor. Michael, 13, ist in Neubeuern im Internat und Monika, 22, in Berlin. Mit leichtem Gepäck will das Ehepaar Mann reisen, die Wintersachen sollen direkt nach Arosa geschickt werden, hier werden sie in ihrem geliebten Waldhotel wohnen, das in Thomas „Zauberberg“ eine tragende Rolle spielt. Wir lesen noch öfter davon, wie Thomas Manns Werke direkt in diese Geschichte einer Vertreibung mit einfließen.
Nun, sie werden den Sommer 1933 im südfranzösischen Exil verbringen - es gibt beileibe schlechtere Orte, dem NS-Regime zu entfliehen. Im Mai kommen Thomas und Katia nach Bandol, hier wohnen sie zunächst in einem Hotel, um dann in ein Haus in Sanary-sur-Mer zu wechseln. Dort treffen sie sich alle, auch Thomas Bruder Heinrich ist zuweilen zu Gast, auch er musste Nazi-Deutschland verlassen. Lion Feuchtwanger, Stefan Zweig, Bertold Brecht und wie sie alle heißen - für Deutschlands Dichter und Denker war die Côte d'Azur Zufluchtsort, bevor sie weiterziehen mussten.
Illies gewährt tiefe Einblicke in das Innenleben dieser so exzentrischen Familie Mann im Ausnahmezustand, jeder für sich ist eine Persönlichkeit. „Ein Thomas Mann lässt sich von niemandem sagen, an welchem Ort er zu sein hat!“ Ja, natürlich weiß er, dass er nicht zurück kann. Er wird vom Rotary-Club ausgeschlossen, hat Probleme mit der Pass-Verlängerung, seine Münchner Villa wird durchsucht, später konfisziert, um nur einige der Repressalien zu benennen.
„Wenn die Sonne untergeht“ ist trotz der Schwere des Themas ein leichtes Buch voller Leben und auch voller Tragik. Man spürt die bedrohliche Situation, in der sie sich befinden und doch sind sie hier, im Exil, frei. Der Autor geht ganz nah ran, fängt sinnliche Momente genauso ein wie die kritischen Augenblicke, er hält den prominenten Exilianern, auch den Dichterkollegen mitsamt Ehefrauen und Geliebten, den Spiegel vor.
Es ist heiß in diesem Sommer. „Waldbrand in der Nähe, wovon abends eine rosige Rauchwolke über Sanary schwebte. Dazu Feuerwerk“ notiert Mann in diesem in jeglicher Hinsicht heißen August. Bis September erzählt Florian Illies von ihnen, vom Verlust der Heimat, vom Exil dieser außergewöhnlichen Familie Mann. Es ist ein lesenswertes Buch geworden, das ich gerne gelesen habe, das ich nicht missen möchte.
Eine Äußerung aus dem Zusammenhang gerissen und der berühmte Dichter und Nobelpreisträger Thomas Mann ist im Nazi-Deutschland nicht mehr willkommen. Weder Reichtum noch Ansehen retten ihn vor der Ächtung. Widerwillig verlässt er Deutschland, lebt zuerst in der Schweiz und danach verbringt er einen Sommer in Sanary, einem kleinen Küstenort Frankreichs. Mit dabei ist seine Familie, seine Frau und meist auch seine sechs Kinder. Auch anderer Dichter und Künstler teilen sein Schicksal und es kommt zu einer Art Gemeinschaft in dem kleinen Ort.
Der Autor hat hier die Erlebnisse eines Sommers aus den Tagebucheinträgen verschiedener Personen zusammengefasst. Sowohl schrieb Thomas Mann selbst, als auch sein Bruder und seine Kinder, aber auch andere Personen, die eine Zeit lang Weggefährten des Dichters waren. Der Erzählstil ist distanziert, eher kühl gehalten und manchmal ein wenig ironisch. Es gibt keine durchgehende Handlung, es sind vielmehr aneinandergereihte Szenen und Erlebnisse, sowohl von den Mitgliedern der Familie Mann, aber auch von anderen Persönlichkeiten. So werden Aldous Huxley, Lion Feuchtwanger, Eva Herrmann, Arnold Zweig, Paul Valery und andere genannt, teilweise erhält man ebenfalls einen (kurzen) Einblick in deren Leben. Für mich war es teilweise mühsam, das Buch zu lesen, der Autor springt in der Perspektive, vieles wird nur angerissen. Als Beispiel möchte ich hier einen Hund erwähnen, der aus einem Flugzeug geworfen direkt neben Aldous Huxleys Geliebter landet. Eine Aufklärung, wer das getan haben könnte und ob damit ein bestimmtes Ziel verfolgt wurde, bleibt aus. Bei einigen Szenen fragte ich mich, warum sie erwähnenswert waren, beispielsweise wenn Golo Mann ausnahmsweise nicht mit der Familie früh zu Bett geht, sondern lieber den Sonnenuntergang betrachtet. Denn es kam nichts Aufregendes, außer, dass »gegen 21 Uhr taucht der Sonnenball am fernen Horizont feurig in das Wasser ein ...« Die Beziehungen untereinander werden ausgebreitet, alle Männer hatten Geliebte, weibliche und/oder männliche. Das Bild, das hier von Thomas Mann gezeichnet wird, ist kein sympathisches. Er bedauert sein Schicksal, ist lange Zeit unschlüssig, welche Stellung er zum Deutschland der Nazi-Zeit einnehmen soll, und behandelt seine Kinder nicht gleich – hat Lieblingskinder und »Schwarze Schafe«. Von der Familie wurde er »Zauberer« genannt, das zeigt, dass er vermutlich manchmal weltfremd war. Bewundernswert fand ich seine Frau Katia, die felsenfest hinter ihm stand. Es ist keine Lektüre, die man mal so zwischendurch lesen kann, empfehlen kann ich es auf jeden Fall Thomas Mann-Fans.
Dass die Manns eine hochgradig dysfunktionale Familie waren, ist bekannt. Florian Illies zeichnet das mal ironisch bewertend, mal mitfühlend nach. Stellenweise versteigt er sich ein wenig, dann wird’s kitschig (die Münchner Villa im Frühling) oder (im Fall von Monika Mann) fast ein wenig herablassend. Besonders deutlich tritt das enge, aber vielfach ungesunde Beziehungsgeflecht der Familie in der Ausnahmesituation der Machtergreifung, der Zeit zwischen Februar und September 1933 hervor. Illies nennt die Familie eine „Kältekammer“. Thomas Mann diagnostiziert im Tagebuch: „Wir sind eine erlauchte Versammlung – aber einen Knacks hat jeder.“ Eher eine Tragödie als eine Komödie, die da aufgeführt wird. Immerhin: Alle überleben. Aber Illies meint: „Wer eine Tragödie überlebt, kann nicht ihr Held gewesen sein.“ Der „Zauberer“ war auf jeden Fall keiner damals. Wichtige Nebenfiguren im Drama: Bruder Heinrich Mann und seine so „unstandesgemäße“ Nelly, die Großeltern Pringsheim, die Feuchtwangers, die Huxleys, die Arnold Zweigs, Bertolt Brecht, Hermann Hesse und anderes illustres Personal. Aus dem Erholungsurlaub in der Schweiz wird die erste Station des Exils, denn in Deutschland sind sie nicht mehr sicher. Thomas Mann will aber kein Emigrant sein, er möchte zurück nach München. Er ist schließlich Nobelpreisträger, repräsentiert die deutsche Kultur. Seine erwachsenen Kinder warnen ihn jedoch, sehen die Katastrophe im Gegensatz zu ihm deutlich. In Sanary und Umgebung trifft sich die Kultur, nicht nur die exilierte deutsche. Thomas Mann ist unschlüssig, wo er sich endgültig niederlassen soll. Die Hoffnung auf schnelle Rückkehr hat er irgendwann aufgegeben. Große Verunsicherung. Angst vor der Zukunft. Auch Familiendramen spielen sich ab: Die Kinder buhlen um die Aufmerksamkeit des Vaters, oft nicht mit Erfolg. Schlimm. Im September geht es zurück in die Schweiz, zur nächsten Station des Exils. Insgesamt ein anschaulicher Geschichtsunterricht um ein verstörendes Familiendrama. Spannende Lektüre. Mitreißend erzählt, manchmal zu schnoddrig für meinen Geschmack. Eine ausführlichere Rezension gibt es auf meinem neuen Blog: www.kultursalon.blog
Diese Familie fasziniert... Thomas Mann liest 1933, so weiß Illies mitreißend zu erzählen, in Tolstois "Krieg und Frieden", um sich mit Hilfe der Lektüre und Drogeneinnahme von den bedrohlichen politischen Entwicklungen und seiner Angst um die in Deutschland verbliebenen Tagebücher abzulenken..Ausgerechnet dieser Autor, der den berühmten ersten Satz geschrieben hat, dass eine glückliche Familie sich immer ähnlich sähe, eine unglückliche hingegen... Diese Familie - so wird Thomas Mann selbst in seinem Tagebuch vermerken - ist verkorkst. Alle, wie sie da sind, haben sie ihr Päckchen zu tragen: Ein Familientherapeut hätte jahrelange Arbeit an dieser Familie. Allen scheint es offenbar, dieser intellektuellen Familie, alle agieren sie weiter. Die Liebe in dieser Familie wird verteilt als Währung und Trophäe, einige schwimmen darin, andere ertrinken im "Ungeliebt sein". Dass Illies es gelingt, das an Hand eines Sommers so mitreißend zu erzählen, ist meisterhaft. Gleichzeitig verschwimmen hier biografisches und fiktives Erzählen zu einem neuen Genre. Die Leser:innen haben die große Aufgabe, sich immer wieder bewusst zu machen, dass der Erzähler dieser erlebten Geschichte die Gedanken und Emotionen der realen Figuren erzählt, als kenne er die Figuren wirklich. Tatsächlich ist es - gut recherchierte - Mutmaßung. Das muss einem gefallen... Einen Zugang zu Literatur, zu den großen Literaten und den Menschen dahinter ermöglicht es allemal... Dieses Buch macht Lust, Thomas Mann, aber vielleicht viel bedeutender, Klaus Mann und alle die, die im Schatten des großen Zauberers standen, neu zu lesen und zu entdecken. Diese verkorkste Familie ist in ihrem Gebrochen sein, in ihren tragischen Einzelschicksalen, vor dem Hintergrund dessen, dass wir heute so viel mehr auf mental health achten, faszinierend.
Ein großartiges Buch über Thomas Mann und seine Familie während ihres Exils in Sanary-sur-Mer im Jahre 1933. Vor kurzem habe ich ein anderes Buch über Thomas Mann gehört, und obwohl es mir gut gefallen hat, ist es doch kein Vergleich zu Illies einzigartiger Erzählkunst. Stephan Schad liest wie gewohnt wunderbar, ich bin vollkommen in die Geschichte abgetaucht. Oh, und mein Lieblingswort in diesem Buch: Behagensminderung.
Als Hitler 1933 die Macht ergreift, weilt ein Großteil der Familie Mann gerade in Arosa. zum Urlaub.
Alle, die in Deutschland sind, raten ihm, nicht nach Deutschland zurückzukehren.
Thomas Mann will gar nicht so recht glauben, dass er nicht zurückgehen sollte, aber so nach und nach muss er einsehen, dass er im Exil bleiben muss.
Mithilfe seiner erwachsenen Kinder und einiger Freunde gelingt es ihm, so allerhand zu retten - Wäsche, Möbel, Geld, etc -- und seine Tagebücher -- denen er vermutlich seine homosexuellen Neigungen anvertraut hat -- das werden wir aber nie erfahren, denn Jahre später verbrennt er sie,
Wir begleiten jetzt die Familie Mann auf ihren diversen Stationen im Exil und erleben, wie die Nazis in München sich alles unter den Nagel reißen, dessen sie habhaft werden können.
In Sanary-sur-Mer, wo die Manns den Sommer 1933 verbringen, treffe wir diverse andere Exilanten darunter bekannte Schriftsteller wie Bruder Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger, Bert Brecht, Aldous Huxley, und andere.
Wir erhalten tiefe Einblicke in das Familiengefüge der Manns, und ich muss sagen, ich bin froh, nicht Teil dieser speziellen Familie gewesen zu sein.
Wie gewohnt schreibt Florian Illies leicht, gespickt mit vielen kleinen Anekdoten, und Stephan Schad liest es so, dass man ganz eintauchen kann in die Geschichte, und tatsächlich mit den Manns im Exil ist.