Wo sind sie alle, wenn es darum geht, Flagge zu zeigen? Wenn die Zeit gekommen ist, zu dem zu stehen, was noch vor nicht allzu langer Zeit vollmundig verkündet wurde? In der Republik der Feiglinge geht der moralische Kompass schneller verloren, als Wahlversprechen gebrochen werden. Warum das so ist? Versuch einer Diagnose.
Feigheit ist keine zeitgenössische Erfindung. Alte Kulturen sahen den Feigling als – übel beleumundete – Randfigur der Gemeinschaft. Der Begriff »Memme«, lat. »mamma« (i. S. v. Mutterbrust), ist gar ein Hinweis darauf, dass es sich um jemanden handelt, der sich – obwohl im Erwachsenenalter – im Leben nicht behaupten kann. Der »Brockhaus« von 1894 wusste es dann ganz Feigheit wäre ein »habitueller Zustand des Gemüts, in welchem sich der Mensch vor Gefahren oder Schmerzen in dem Grad scheut, daß dadurch einerseits seine Freiheit und Thatkraft gelähmt, andererseits sein Gefühl für Ehre und Schande abgestumpft wird«. Heute scheinen diese Randfiguren die Mehrheit zu stellen. Ist die Feigheit also eine Art Pandemie?
Mir hat das Buch grundsätzlich gefallen. Gesellschaftskritisch, mit Bezug aufs Historische. Ich hatte das Gefühl es wird probiert möglichst viele menschlichen Mängel auf "Feigheit" herunterzubrechen. Das warum es so ist mir zu wenig beleuchtet.
Finde das Buch an sich gut. + großteils einfach geschrieben + guter Allgemeinüberblick zur Feigheit - in Teilen schwankt es zwischen (i) es wird fast wissenschaftlich, (ii) es soll einfach zu lesen sein, und (iii) Beispielen: Ich denke man könnte dem mehr Struktur geben. - Ich würde mir insbesondere klarere Abgrenzung wünschen zu alltagspolitischem. Im Sinne von: es ist nicht unbedingt immer klar wo eine gesellschaftspolitische Argumentation herkommt. Also es vermittelt an solchen Stellen mehr persönliche Meinung, als wissenschaftliches Fundament. Ich würde vl. Das Wort generalisierend verwenden.
2.5* I picked this up on a whim because it's an interesting topic to think about, but I was expecting a little bit more depth than I got. Yes, the author shows different aspects of cowardice, but she's highlighting them by showcasing examples rather than doing any kind of analysis, which is what I would have found interesting.
Heidi Kastners Essay „Feigheit“ hat mich wirklich beeindruckt. Sie zeigt anhand vieler Beispiele wie Feigheit in den unterschiedlichsten Lebenslagen aussehen kann. Ihre langjährige Tätigkeit als forensische Psychiaterin und die offensichtlich gute Recherche verleihen dem Buch eine besondere Glaubwürdigkeit. Für mich ist es ein kluges und nachdenklich machendes Werk, das ich jedem empfehlen kann.