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Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus

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Die Nacht der US-Präsidentschaftswahl verbringt Elon Musk bei Donald Trump. Was ist da los? Warum wird künstliche Intelligenz als Heilsbringer für die größten Probleme der Menschheit gehandelt, obwohl die Industrie auf Ausbeutung und Menschenverachtung beruht? Die öffentliche Spekulation über Erlösung oder Auslöschung durch KI lenkt von den erheblichen gesellschaftlichen Schäden heutiger KI ab. Und sie verdeckt die zunehmend faschistischen Tendenzen, die sich im Zusammenspiel von Tech-Industrie und der neuen Rechten bilden.

148 pages, Kindle Edition

Published July 16, 2025

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Displaying 1 - 20 of 20 reviews
Profile Image for Christian Zelger.
35 reviews
August 29, 2025
Das Buch beschreibt die historischen, technischen, philosophischen und politischen Hintergründe von KI. Das größte Verdienst des Autors (Philosoph und Mathematiker) ist es, die ideologischen Einstellungen derer aufzuzeigen, die Milliarden in KI-Entwicklung investieren, politischen Einfluss nehmen und selbst davon am meisten profitieren. Wer eine fundierte Meinung oder Haltung zum Thema haben möchte, sollte dieses Buch gelesen haben.
Profile Image for Friederike Ekol.
29 reviews
February 23, 2026
Rainer Mühlhoff erklärt in der 2025 erschienenen sechsten Auflage von "Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus" das im Titel formulierte Thema nicht nur allgemein verständlich. Wie ein Krimi liest sich diese wissenschaftliche Auseinandersetzung, bei der meine Unterstreichungen nur selten Lücken im Text gelassen haben.
Nach einer Einführung, die neugierig macht auf ein komplexes Thema, erklärt Mühlhoff die tragenden ideologischen Säulen rund um den KI-Hype und ordnet sie ebenso ideengeschichtlich ein, wie die faschistoiden Strömungen, die sich die Möglichkeiten der KI zunutze machen.
Anschließend führt er die ideologische mit der politischen Dimension zusammen, wodurch sich stellenweise das Gefühl tiefer Beunruhigung einstellt. Doch damit lässt Mühlhoff die lesende Person nicht alleine.
Im letzten Teil benennt er ganz klar die Strategie, die eine starke demokratische Gesellschaft und deren bestehende politische Strukturen und Institutionen, die auf den Grund- und Menschenrechten aller aufbauen, der faschistoiden Vereinnahmung entgegensetzen kann.
Dieses Buch sollte Pflichtlektüre nicht nur in jedem Oberstufenkurs "Politik" sein. Es wäre für alle Menschen, die in demokratischen Institutionen - von der Verwaltung über Lehrkräfte und Journalist*innen bis hin zu denjenigen, die in der Legisaltive, Exikutive und Judikative arbeiten - gewinnbringend, sich dieses Wissen anzueignen, um unsere Demokratie und ihre Institutionen besser schützen zu können und unserem demokratischen Gemeinwesen den Weg in eine KI-begleitete, statt determinierte Zukunft zu weisen.
Profile Image for Florin.
56 reviews2 followers
February 13, 2026
Das kleine Büchlein bietet einen recht gute Überblick über gängige Narrative zu "Künstlicher Intelligenz", deren tieferliegende Ideologien (wtf ist eig wrong mit Longtermismus-Anhängern) und Überschneidungen/Anknüpfpunkte mit (neo-)faschistischen Kräften.
Besonders spannend fand ich die Analyse der Ideologien, die im öffentlichen Diskurs selten so benannt werden aber Akteure wie Peter Thiel, Elon Musk & Alex Karp in Denken und Handeln beeinflussen. Leider waren mir hier die Ausführungen teilweise zu kurz bzw. zu redundant (oft wurde in der Einleitung des Kapitels das Argument aufgeführt, dann zu Beginn eines Absatzes nochmal, im Folgenden mit einem Beispiel ausgebaut und dann nochmal das Argument angeführt - an sich valides Vorgehen, wenn man dann aber auf 1,5 Seiten 3x das Gleiche liest...).
Insgesamt bietet das Buch aber einige wichtige Punkte, die es sich lohnt zu verinnerlichen und zu multiplizieren.
Profile Image for Richard.
14 reviews
November 15, 2025
Der Anfang ist richtig gut, wenn es um das probabilistische Weltbild von KI geht, aber später werden verschiedene Gruppen und Ideologien zu sehr unter einen Hut gebracht (obwohl die zweifellos gefährlich sind). Ich hätte mir auch einen größeren Fokus auf China gewünscht, weil vor allem Curtis Yarvin und Nick Land große Fans dieses "effektiven" Autoritarismus dort sind. Die beiden werden zwar erwähnt, aber gerade weil ich etwas mehr Hintergrundwissen zu Nick Land habe, fand ich ihn etwas oberflächlich behandelt. Er wird so beschrieben als wäre er immer noch an der Universität Warwick, und nicht so als hätte er in den Nullerjahren beschlossen, nach China zu gehen
77 reviews
March 15, 2026
Sehr erfrischend ein kurzes, aber sehr tiefgreifendes Buch zur Verknüpfung zwischen llm und rechter Ideologie zu sehen.

Ich hätte mir lediglich einen noch deutlicheren Ton in Bezug auf den Zynismus in Bezug auf die wirtschaftlichen Hintergründe gewünscht.
Profile Image for Thies Boelsen.
53 reviews1 follower
September 22, 2025
Starkes Buch!

KI-Analogie: ein:e Beamt:in arbeitet sehr lange in einer Abteilung und bearbeitete bislang sehr viele Fälle. Die neuen Fälle werden nur aus dem Bauch heraus entschieden, mit Hinblick, wie es bisher immer war. KI kann Ergebnisse nur im Bezug zur Trainingsmasse geben. Alles was nicht Teil dieser Datenmenge war, ist gefährdet durchs Raster zu fallen.

Fragen für den linken Diskurs: wer beherrscht die sozialen Medien und die großen Gelder und wie ticken diese Menschen.

Demokratie erfordert Mitsprache - es braucht also strenge Regulierung und nicht das vermeintlich liberale Mantra „take it or leave it“. Wir können uns sozialen Medien heute gar nicht gut entziehen. Wir müssen sie mit unseren Daten füttern, um an der Gesellschaft teilzunehmen. Diese Daten können uns potenziell gefährden. Die Datensätze lassen sich mit KI extrapolieren und je nachdem, wer diese Daten dann hat, wird es gefährlich.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Ella Dix.
6 reviews
December 9, 2025
Ich hatte schon immer ein ungutes Gefühl wenn es um das Thema KI ging, konnte jedoch nie genau begründen warum. Dieser Text hat mir geholfen KI generell und im Zusammenhang mit Politik besser zu begreifen und mir eine fundierte Meinung zu entwickeln.
Fands insgesamt sehr spannend und argumentativ schlüssig aufgebaut. Würde es jedem empfehlen zu lesen!!
37 reviews3 followers
January 28, 2026
8/10
Rainer Mühlhoffs Essay bietet einen detaillierten Ein- und Überblick über die Art und Weise, wie künstliche Intelligenz funktioniert, wie sie sich in der vergangenen Zeit entwickelt hat und wie sich Technokraten die Zukunft von KI vorstellen. Er bringt dabei auch das Mindset (schreckliches Wort, aber keine Ahnung, wie ich das sonst beschreiben soll lol) der Technokraten und elitären neuen/alternativen Rechten näher und zeigt im vorletzten Kapitel auch noch einmal auf, wie KI und diese neuen faschistischen und rechten Strömungen zusammenhängen. Das letzte Kapitel und der Epilog/Fazit beschäftigen sich dann noch mit der Geschichte des Faschismus/einer Art demokratischen Ausblick auf die Zukunft, außerdem werden Lösungs- und Handlungsmöglichkeiten vorgestellt.
Dass man von einem Autor mit philosophischen und mathematischen Background jetzt nicht unbedingt erwarten kann, dass dieses Buch eine Demokratiekritik “von links” darstellen wird oder generell das System der Demokratie zumindest kritisch betrachtet wird, ist verständlich, an manchen Stellen war es mir dann aber doch ein bisschen zu vereinfacht, vor allem, da Mühlhoff nur sehr vage beschreibt, was an der Demokratie wirklich so schützenswert ist. Wie sich Demokratie legitimiert, wird gar nicht erst beantwortet, stattdessen wird von den Leser*innen erwartet, dass sie a) ein Verständnis und eine Vorstellung vom demokratischen System haben und b) sich ihr Verständnis und ihre Vorstellung mit der des Autors deckt oder zumindest großteilig übereinstimmt. Da ich diesen Teil dementsprechend schwach fand, ziehe ich einen Stern bzw. zwei Punkte ab, kann das Buch aber trotzdem empfehlen, vor allem an diejenigen, die sich noch nicht mit dem Background von KI auseinandergesetzt haben.
25 reviews
November 20, 2025
Eines vorweg: Das ist keine Kritik, sondern mehr eine Zusammenfassung meiner Gedanken, die zum großen Teil auf diesem Buch fußen. Als Erinnerung und Verbalisieren dieser Gedanken.

Wenn man darüber nachdenkt, ist der Schluss, dass KI-Technologie prädestiniert für eine zentrale Rolle bei einem Rückschritt in faschistische Tendenzen ist, durchaus naheliegend. Was diese Technologie in der Hand von Akteuren der Privatwirtschaft leisten kann, ist bereits zu erkennen. Der Algorithmus weiß mehr als man sich vorstellen möchte. Religiöse Affiliationen, sexuelle Identitäten, gesundheitliche Dispositionen und politische Einschätzungen. Menschen können und werden so automatisch in Kategorien eingeteilt. Solange es dabei nur um Werbung geht, ist das vielleicht kritisch - mit Tendenzen, die auch schon in offene Ausgrenzung gehen - aber noch nicht faschistisch. Doch wenn sich Tech-Eliten und Alt-Right-Politik wechselseitig annähern, sind in dieser Annäherung faschistische Potentiale, die gefährlich sind. Das sollte man im Kopf behalten und daher das Konstrukt Staat als Regulator und Aufsichtsinstanz nicht nur wertschätzen sondern verteidigen. Auf doppeltem Wege ist es gefährlich: Ein Staat, der immer faschistischer wird und dadurch Macht darüber erhält und eine immer dereguliertere KI-Branche, die sich mit faschistischen Elementen zusammentut. Es benötigt sorgfältigste Regulierung, intakte Gewaltenteilung, demokratische Aufsicht. 

Dies sei als Einleitung festgehalten. Je mehr ich darüber nachdenke, desto realer empfinde ich die faschistischen Tendenzen, die es gerade gibt (sei es in den USA, aber auch in Deutschland) und desto notwendiger ist es, (sich) darüber zu informieren (sei es sachlich oder popkulturell beispielsweise durch den hervorragenden Film „One Battle After another“). Natürlich sind diese faschistischen Tendenzen noch nicht überall vorhanden, Menschen wie Curtis Yarvin oder Nick Land (auf die ich noch zu sprechen komme) sind meiner Ansicht nach verrückte Spinner, wie es sie überall gibt, doch die Verbindungen von ihnen oder ihren Ideen zu politischen oder wirtschaftlichen Entscheidungsträgern in den USA (Peter Thiel, Elon Musk, Donald Trump) ist das gefährliche. Ideen eines neuen Faschismus, begünstigt und gefördert durch KI, die salonfähig werden und sich immer mehr verbreiten. Aufklärung und Regulierung sind vonnöten. Das ist meine vorausgegriffene Conclusio, wenn ich so darüber nachdenke und der (meiner Meinung nach reellen) Gefahr des Faschismus immer mehr gewahr werde.

Dem hinzugefügt sei gesagt, dass dieses Buch zwar spannende Darstellungen, Ideen und (zugegebenermaßen wenige) Handlungsempfehlungen liefert, aber auch immer wieder zu weit greift und meiner Meinung nach an wenigen Stellen, auch eine andere Seite hätte beleuchten können oder sollen. Drei Punkte möchte ich mir dennoch genauer ansehen.

Götterkomplex 
ELIZA, ein von Joseph Weizenbaum entwickeltes Computerprogramm, wurde 1965 genutzt, um den Turing-Test durchzuführen. Die Probanden wussten nicht, dass sie mit einer Maschine kommunizierten. Heutzutage nichts weltbewegendes mehr, doch schon 1965 empfanden „Zahlreiche Nutzer:innen die Interaktion als real, bedeutungsvoll oder sogar intim. Weizenbaum beschreibt mit einigem Befremden, wie sich eine Mitarbeitenden außerhalb der Arbeitszeiten zu dem Computerterminal schleichen, um intime Unterhaltungen mit dem Bot zu führen“. Schon 1965 ist diese Faszination für so etwas Fremdes da, auch wenn ELIZA sehr rudimentär gearbeitet hat. Auf die Aussage: Krieg ist der Vater aller Dinge, hätte ELIZA mit „Erzählen Sie mir mehr über ihre Familie“ geantwortet. Dem Menschen ist es schon lange der Wunsch, selbst Gott zu werden und Intelligenz zu erschaffen. Mühlhoff nutzt dafür den Begriff Ebenbildlichkeitsphantasie und tatsächlich hatte ich immer wieder beim Lesen das Gefühl, dass die Menschen durch KI ihre Gottkomplexe ausleben wollen. KI soll Mittel sein, um die Menschlichkeit des Menschen selbst zu überwinden, den Transhumanismus als Ideologie quasi endlich möglich machen, wodurch der Mensch in die evolutionäre Entwicklung eingreifen und sie beeinflussen könnte. Folgt man dem technologischen Determinismus ist dies sogar unausweichliche Folge. Andere gehen davon aus, dass durch die Verschmelzung des Menschen mit KI zu einem Anstieg der Extropie führen würde, einem Gegensatz zum zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, der aussagt, dass es bei Ordnung in einem Teil immer auch Unordnung in einem anderen geben wird. Die KI würde nach dieser Denkrichtung also grundlegende naturwissenschaftliche Gesetze außer Kraft setzen. 
Doch auch die Ideen vom Longterminismus sehen sich gestützt durch KI. Sie gehen davon aus, dass der Mensch als extraterrestrisches Wesen irgendwann hunderte Sternensysteme bewohnen kann, wenn es eine Art Superintelligenz gibt. Diese Intelligenz muss möglichst schnell entwickelt werden, damit die Menschen schnell Extraterrestrisch werden, dafür müssten alle Beschränkungen für die KI aufgehoben werden und gleichzeitig ist es ein Denkansatz, der Probleme wie Ungleichheit, Diskriminierung oder Klimawandel als unerheblich zur Seite schiebt. 
Vor allem jedoch empfand ich in diesen Ideen und Plänen immer wieder ein Gefühl von Fremdheit und Überhöhung, der Wunsch, durch KI zu einem gottähnlichen Wesen zu kommen, eine säkulare Eschatologie (Technik statt Gott), mit der ich einerseits gefremdelt habe und mich daran erinnerte, dass der Mensch laut der Bibel Gott spielen werde. Andererseits ist diese Ebenbildlichkeitsphantasie, die man auf die KI anwendet auch rassistisch und generiert Bilder der White Supremacy. Es war klares Unbehagen, mit dem ich diese Kapitel und Passagen gelesen habe. Wenig greifbar, doch mit einem dunklen Schatten. 

Ideen von Verrückten in den Köpfen von Mächtigen
Dieses Thema war deutlich greifbarer. Im Buch werden immer wieder reichlich absurde Ideen und Ideologien im Kontext von KI und Faschismus gezeigt, die von Männern kommen, die psychedelische Drogen nehmen und Okkultismus praktizieren (laut Wikipedia). Ideen wie die CEO-Monarchie von Curtis Yarvin. einen Alleinherrscher, der klug sein Land wie ein Unternehmen führt. Er bringt als Beispiel Friedrich den Großen und seinen aufgeklärten Absolutismus an. Nick Land, bis 2017 Dozent einer Universität, führte diese Idee der CEO-Monarchie weiter und beschrieb ein Ideal von Mikrostaaten, in denen es einige wenige Anteilseigner des Staates gibt (Reiche, die entscheiden können, die wirtschaftliche und politische Macht haben) und Kunden, die abgesehen vom Recht, den Mini-Staat zu verlassen und woanders hinzugehen. Ansonsten werden sie gemanaged. Diese Ideen kommen nicht von den großen Denkern, sie wirken eher wie Spinner, doch ihre Ideen sind verbreitet; Peter Thiels „I no longer Believe that freedom and democracy ar compatible“ ist wie ein Symptom davon. Die taz nennt Yarvin im Bezug auf die US-Wahl den dunklen Königsmacher. Das mag etwas zu viel sein, doch diese Ideen sind keine randständigen Phänomene, sondern durchaus vertreten, scheint es. KI kann dabei diese Monarchien mitverwalten, vernunftbasiert und mit klaren Regeln. Alles hat so ein wenig den Anstrich einer Aufklärung. Dabei ist es kein Wunder, dass Mühlhoff Horkheimer und Adorno und ihre Dialektik der Aufklärung anbringt. Eine scheinbar immer größere Vernunft durch KIs und wissenschaftliche Errungenschaften, führt im Denken von einem Curtis Yarvin oder einem Peter Thiel zu einem gesellschaftlichen Rückschritt und zu einer Entrechtung der Menschen. Die KI wird zum Werkzeug der Unterdrückung wie so oft bei faschistischen Regimen. Ein Punkt, den Mühlhoff nicht müde wird zu betonen.

Bürokratieabbau und Deregulierung
Und damit kommen wir zum greifbarsten und in dieser Welt bereits ersichtlichem Phänomen. Sind Transhumanismus und CEO-Monarchien noch entfernt, zeigt DOGE, dass KI als Mittel und Versprechen in der Hand der Faschisten zu einer ernsten Gefahr für die Demokratie und die Menschen (insbesondere Minderheiten) führt. Die Argumente für Demokratieaufbau - vor allem das Einsparen von Personalkosten - müssen sorgsam geprüft werden. Denn während Konservative dahinter vielleicht nicht viel als eben so eine Sparmaßnahme sehen, ist es für die Faschisten ein Vorwand, den Staat auszuhöhlen und eventuelle Hindernisse zu beseitigen. Doch die KI ist dabei nicht nur ein unschuldiges Werkzeug in den falschen Händen. Die subsymbolische KI, die insbesondere in der Bürokratie eingesetzt wird, arbeitet vor allem mit Wahrscheinlichkeiten. Es ist wie eine statistische Mustererkennung, basierend auf einem induktiven (Aus Einzelfällen wird etwas allgemeines geschlossen) und einem probalistischen (Es geht um keine Darstellung der Wirklichkeit sondern um Annäherung an Wahrscheinlichkeiten) Ansatz. Wie die beste Wette auf einen Menschen. Dabei ergibt sich jedoch eine doppelte Problematik. Einerseits sind Entscheidungen der KI kaum einsehbar. Warum sie etwas entscheidet, wird nicht immer genau deutlich. Es ist wie eine Blackbox in die wir nicht hineinsehen können. Dadurch ist es auch extrem schwierig, Entscheidungen logisch anfechten zu können. Andererseits entsteht durch KI eine zwangsläufige Stereotypisierung. So hat sich diese Gruppe Mensch bisher verhalten, so wird sie es wahrscheinlich wieder tun. Das ist insbesondere bei ohnehin benachteiligten Gruppen problematisch. Daten sind die allerwichtigste Ressource der KI-Industrie. Man braucht Daten, um sie zu trainieren und dass sie quasi die besten Wetten errechnen können. Doch bei benachteiligten Gruppen gibt es oft zu wenig Trainingsdaten, zu selten Korrekturen und Feedback. Risiko, von Fehlentscheidungen betroffen zu sein, ist somit ungleich verteilt. Hier kann man ein Beispiel mit Amazon heranbringen, dass Mühlhoff allerdings nicht selbst bringt. Amazon sortierte durch eine KI Bewerbungsschreiben. Dabei kam jedoch schnell heraus, dass Frauen benachteiligt wurden, weil das schon früher der Fall gewesen war. Die KI wurde mit solchen Daten gefüttert.
Man kann Mühlhoff entgegnen, dass auch Menschen bestimmten Bias unterliegen und das ist gar nicht zu bezweifeln. Man könnte argumentieren, dass es einfacher wäre, wenn man mit „sauberen“ Daten füttert. Doch würde sich beim letzteren die Frage stellen, ob solche Daten überhaupt möglich sind und ob es KI in diesem Bezug wirklich im Staatsapparat benötigt. Gerade weil dadurch Faschisten einen Vorwand haben, einen demokratischen Staatskörper auszuhöhlen.

Letzten Endes zeigt das Buch nur eine kleine Seite eines großen Diskussionsfeldes. Doch wenn es auch nur zum Nachdenken anregt, ist schon viel gewonnen. Bei mir hat es das getan.
11 reviews
November 21, 2025
Es ist relativ schnell und einfach zu lesen und gibt in einigen Gebieten schlüssige, verständliche und erkenntnisreiche Argumente, z.B. zur Verknüpfung von Rechtspopulismus und Tech-Ideologien, zu KI-Hypezyklen und ihren Parallelen zum Schüren von Ängsten im rechten Spektrum, oder zur Verknüpfung von Technologie und Faschismus. Das argumentative Gesamtpaket ist aber etwas löchrig, insb. was die Verknüpfung von modernen KI-Einsatz und Faschismus angeht. Die Gefahren des Einmischens der amerikanischen Tech-Konzerne in den Staat sind überaus real und können weitreichende, demokratiefeindliche Konsequenzen haben...aber das würde im Prinzip auch ohne KI gehen, nur auf Grundlage der bereits erhobenen Datenmengen und des damit verbundenen Profiling, das durch Tech-Konzerne bereits seit geraumer Zeit stattfindet. Zuboff's "The Age of Surveillance Capitalism" ist dazu ein schlüssigerer und kohärenterer Lesestoff.

Gleichwohl ist Mühlhoff's Werk dennoch die Zeit und Mühe Wert und ich bin dadurch auf eine Reihe weiterer Quellen gestoßen, die mir vornehme.
Profile Image for Philemon Schott.
95 reviews9 followers
April 3, 2026
4,5

Selten so viel in so einem kurzen Buch gelernt. Außerdem war es ziemlich gruselig, aber genau deshalb so wertvoll zu lesen. Zeigt die dystopische Gegenwart von dem hässlichen Pärchen, K.I. + Kapitalismus (oder war es Faschismus? Schwer auseinanderzuhalten bei den hier beschriebenen Tech-Ideologien), in der Kürze sehr prägnant auf. Mein erstes Buch zu K.I. und direkt ein Banger. Habe nicht nur viel über K.I. gelernt, sondern auch viel über die damit verbundenen Ideologien und den allgemeinen Diskurs darüber. Unbedingte Empfehlung.

So gut das Buch auch ist, es gibt auch Schwächen. Eine war, dass es einen Qualitätsabfall gegen Ende gab. Nach den exzellenten ersten vier Kapiteln, blieben die beiden Kapitel zu aktuellen rechten Bewegungen (5.) und neuem Faschismus (6.) meist eher grob überblicksartig. Vieles hätte man weglassen können. Seine Faschismusdefinition fand ich auch nur mäßig überzeugend. Stattdessen hätte ich mir mehr Ausführungen zu anderen Themen gewünscht. Ganz vorne dran: Etwas mehr Diskussion seiner Forderung, die erstmalig auf der letzten Seite (!) gemacht wird, dass K.I. reguliert werden sollte. Aber auch rechtliche Aspekte (z.B. Datenschutz) oder was man (politisch) gegen die Hegemonie von Millirdärsplattformen machen könnte (wo ja unsere Daten gefarmt werden) - das wäre noch herrlich gewesen.

Hier nur mal als Appetithäppchen zwei kleine Erkenntnisse von sehr vielen:

1. K.I. hatte von Anfang an nur das Ziel, menschliche Intelligenz nachzuahmen, nicht wirklich eine eigene künstliche Intelligenz zu erschaffen (anders das Phantasma AGI). Denn: Wie sollte man überhaupt Intelligenz definieren? Um das nicht zu müssen, galt von Anfang an der Turing-Test als das Bewertugsmittel der Wahl um Erfolg oder Nicht-Erfolg festzustellen. Ahmt es Menschen gut genug nach, sodass es von Menschen nicht erkannt wird? Ja? - Erfolg. Nachzuahmen, sich möglichst gut als Mensch auszugeben, ist das Kennzeichen von guter K.I. Nicht dass wir ersetzt werden ist hier die Dystopie, sondern dass wir "subtil eingehegt werden." Wir füttern die K.I.s mit unseren Daten und sie werden dadurch immer potenter. Spätestens jetzt wo wir im Sweetspot sind und noch recht viele K.I.-Erzeugnisse auch als solche erkennen können, würde es sich auf jeden Fall lohnen, anzufangen darüber intensiver nachzudenken.

Ich frage mich echt, warum Menschen noch nicht in großen Massen aus den sozialen Medien fliehen bei dem ganzen K.I.-Slop. Als ich früher noch Call of Duty gespielt habe, waren irgendwann die alten Spiele online nicht mehr spielbar, weil es keinen Support mehr gab und die Lobbies von Hackern überlaufen waren. Deshalb ist die Spieler*innenbasis dann immer weiter zu anderen Spielen migriert. Wird Zeit, dass die ganzen Insta- und TikTok-Nutzer*innen zu Goodreads migrieren. (Neben dem fehlenden K.I.-Slop gibt's auch nen zusätzlichen Bonus: Hier muss man sich sein Dopamin hart verdienen; man kriegt es erst, wenn man ein Buch fertig gelesen hat.)

2. K.I. wird jetzt schon von Staaten eingesetzt: Nicht nur während Musks digitalem Staatsstreich mit D.O.G.E., auch hier in Deutschland vom Bundesamt für Migration und bei der Bundesagentur für Arbeit. Was jetzt noch in den Kinderschuhen steckt, kann umfassende Folgen mit sich bringen. Mühlhoff warnt: "Der KI-Einsatz [bewirkt] keine Optimierung innerhalb ein und desselben Verwaltungssystems, sondern bereitet den Übergang zu einem antirechtsstaatlichen, probalistischen Administrationsprinzip vor."

K.I. funktioniert grundlegend anders als bisherige rechtsstaatliche Vorgehensweisen. Bisherige Verfahren waren - idealerweise - auf die Sammlung von objektiven Tatsachen und darauf aufbauenden Einzelfallprüfungen bedacht, um so Entscheidungen zu treffen. Man braucht dafür viele Sachbearbeiter*innen, die alle Einzelfälle prüfen. Dicker Staat. K.I. dagegen urteilt probabilistisch. Im Abgleich mit anderen Fällen wird entschieden wie wahrscheinlich ein bestimmtes Urteil ist. Entscheidet das System falsch, wird das Ergebnis wieder eingespeist und mit diesem Feedbackloop immer effektiver gemacht. Das Ziel ist Effizienz und niedrige Kosten und da falsche Urteile auch als Trainingsdaten wertvoll sind, nimmt man dafür gerne die gelegentlichen Gerichtskosten hin. Außerdem braucht man keine teuren Sachbearbeiter*innen. Schlanker Staat.

Ist vielleicht mies abgefuckt, dass K.I. aktuell in Deutschland bei den vulnerabelsten Gruppen ausprobiert werden könnte, aber hey, da ist es immerhin am effizientesten und kostengünstigsten. Es gibt kein gerechtes Leben im ungerechten. Selbst wer gegen einen von der K.I. abgelehnten Antrag klagt, trainiert sie am Ende noch besser zu werden. Wie mit militärischer Aufrüstung ist es auch hier krass unverantwortlich von uns allen, was wir dem Staat alles in die Hand drücken, bevor dann die AfD in ein paar Jahren all diese Mittel zur Verfügung gestellt bekommt, um ihren Schabernack damit treiben zu können.
95 reviews
January 12, 2026
Bestimmt jedem ist die allzu starke Verbindung zwischen Elon Musk und Trump aufgefallen, zwei Vertreter komplett unterschiedlicher Strömungen, die in ihrem Zusammenspiel nicht nur eine mehr oder weniger stabile private Bekanntschaft verbindet, als der Wille, politisch Karriere machen zu wollen und ihre Macht und Verbindung zur Durchsetzung ihrer Ideologien zu missbrauchen, um liberale Demokratie und Rechtsstaat im Kern auszuhöhlen.
Mit der Etablierung des Internets und der dann neuerdings großzügigen Entwicklung von KI wurzeln sich nicht selten in genau den akademischen und industriellen Kreisen, die direkt daran beteiligt waren, wie das Silicon-Valley, neue Denkschulen an, die sich immer stärker mit klassisch rechtsradikalem Gedankengut anschmiegen. Das alles klassifiziert Mühlhoff als neuer Faschismus und es ist recht spannend, ihm dabei zu folgen, wie er die Fäden der unterschiedlichen Philosophien zusammengesetzt sieht.

Schwerpunkt ist dabei nicht nur, dass der Schulterschluss zwischen Transhumanismus, Techno-Optimismus und Cyberlibertarianismus aus dem Risikokapitalismus des Silicon-Valley zu reaktionären Bewegungen der Neuen Rechten wie die Manosphere, CEO-Monarchisten oder die Dark Enlightenment, sondern wie die ideologischen Grundsätze beider bestehend aus einem Mix aus dem Willen nach Intelligenzsteigerung, Eugenik und der Bereitschaft, alles für höhere Ziele wie der Verbreitung oder Evolution der menschlichen Zivilisation zu geben, sich perfekt aneinanderreihen. Darin reiht sich KI in ein Denkkonstrukt rein, die abwechselnd Apokalypse zu verhindern bzw. die Utopie zu verwirklichen durch gänzliche Deregulierung und ein Anarchismus, der Privatunternehmen freie Hand lässt.

Das ist insoweit auch schlüssig und kongruent, liest sich aber zu oft paradoxerweise selbst wie ein perfektes Skript der Apokalypse. Hier fehlen die Widersprüche, wo fangen beide Netzwerke an, zu große Gegensätze zu haben, um zusammenzuarbeiten zu können, wo stehen sie sogar diametral entgegen. Schließlich schließt rechtes Gedankengut immer auch ein Hang zum Gestern und Früher, was mit der fortwährenden technologischen Entwicklung von KI und ihren gesellschaftlichen Disruptionen natürlich nicht ohne Weiteres möglich ist.
Wo bleibt oder ist die Gegenbewegung des restlichen Silicon Valley zu verordnen, das sich bisher durch auffallend linksliberales Gedankengut im Erbe der Counterculture der kalifornischen Hippie-Bewegung gezeigt hat?
Fragwürdig bleibt auch, wie bei fast jeder Denkströmung der Tech-Eliten wirklich auch immer Eugenik und Antidemokratische Tendenzen übrig bleiben sollen bei Philosophien, die sich mehr mit wirtschaftlichen Systemen als der Gesellschaft an sich auseinandersetzen. Hier würde sich auch mehr lohnen, den Lesenden keinen Einheitsbrei, sondern vielschichtig wenigstens im Ausblick offen zu lassen, dass die Zivilgesellschaft dabei nicht alleine entstehen, sondern dass auch aus dieser Sparte Kritik aus den eigenen Reihen kommt.

Es folgen auch kleine Exkurse zum Aufbau und Entwicklung von KI, um den neuen Wahrheitsbegriff und die Entscheidungen hinter KI zu verstehen - etwas zu kurz gegriffen und hier noch etwas zu mathematisch und theoretisch, hier wären weitere Begriffsklärungen und ein breiterer Hintergrund noch interessant.

Abschließend stört aber manchmal das Herumwerfen von sämtlicher politischer Begrifflichkeit des Faschismus oder Anarchismus. Bei all der neuen philosophischen Denkströmungen wäre wenigstens ein Neo vor dem Faschismus oder etwas anderes angebrachter, als wieder im Alarmismus die Verbindung zu Bewegungen der 30er Jahre zu suchen.
Auch die Anarchie wird einfach gleichgesetzt mit Chaos statt kritisch zu reflektieren, dass Anarchismus immer die Selbstorganisation der Bevölkerung und Zivilgesellschaft miteinschließt und mitnichten einfach nur bedeutet, dass Staat und Recht fehl am Platz sind. Damit spielt man leider genau dem libertären Gedankengut in die Karten, die diesen Begriff genauso missverstehen - nur dass damit nur aus Sicht der Unternehmen argumentiert wird. Besser wäre hier dann auch diese neue kapitalistische Lesart vom ursprünglich marxistischen Anarchismus zu trennen.

Insgesamt aber unbedingt lesenswert - eine super Einführung und das nötige Hintergrundwissen, um die heutigen Netzwerke und Richtung der amerikanischen Politik zu verstehen
Profile Image for Claudia.
95 reviews7 followers
September 6, 2025
Der Autor vertritt die Meinung, dass der gesellschaftliche Diskurs über KI von den Schäden ablenkt, die diese Technologie bereits heute mit sich bringt. Dadurch werden die zunehmend faschistischen Tendenzen verdeckt, die sich im Zusammenspiel von Tech-Industrie und neuer Rechter bilden.

Für mich selbst kann ich sagen, dass diese faschistische Entwicklung eine meiner größten Ängste ist – sowohl aktuell als auch mit Blick auf die Zukunft. Meine Angst davor ist so groß, dass ich es vermeide, mich mit diesen Szenarien auseinanderzusetzen. Mir fehlen in dieser Hinsicht wichtige Filtermechanismen. In gewisser Weise liegt meine Seele da blank und wehrlos.

Trotzdem habe ich mich an das Buch gewagt – und das war gut, denn die Herangehensweise des Autors hat mir sehr geholfen. In diesem Buch geht es viel um Definitionen, Einordnungen und Kategorien. Die Entwicklung der KI wird skizziert, ihre Macht beschrieben und die maßgeblichen Akteure benannt. Die sonderbaren Gedankengebäude der Ideologien, die auf den KI-Hype setzen, werden erläutert – ebenso ihre Beziehungen untereinander. Es wird erklärt, warum sie letztlich alle in dieselbe antidemokratische Richtung tendieren, auch wenn sie sich in ihrer Logik zum Teil widersprechen.

Behandelt werden unter anderem Konzepte wie Transhumanismus, Effektiver Altruismus, Longtermismus, säkulare Eschatologie, Cyberlibertarismus und viele mehr. Zum Schluss wird der Begriff des Faschismus aufgedröselt und aus heutiger Sicht detailliert betrachtet.

An manchen Stellen merke ich, dass der Autor seine Fäden etwas lose zusammenzieht, um seinen eigenen Interpretationen einen Sinn zu geben. Das stört mich jedoch nicht, da er zuvor viele Fakten liefert, die mir helfen, mir ein eigenes Bild zu machen.
Profile Image for Malik.
60 reviews1 follower
August 29, 2025
Zentrales Werk um den aktuellen KI-Hype zu erläutern. Speziell in Verbindung zu Catrin Misselhorns Werk zur KI und Empathie stellen sich somit die utopischen Fantasien der TESCREAL-Bubble im Silicon Valley dar. Es geht nicht mehr nur um ein die prometheische Idee des “künstlichen” Menschen, welches als Idealabbild gilt, sondern vielmehr wird KI als Machtinstrument verwendet. Palantir, Wahlmanipulation und Social Media Steuerung durch Algorithmen sind längst Teil unserer Realität (siehe Cambridge Analytica) und der Autor stellt dies anhand von Beispielen klar dar.

Absolute Leseempfehlung!
9 reviews1 follower
December 19, 2025
Oh, Wunder. Ki, welche von Faschisten genutzt wird, ist ein faschistisches Instrument.

Teilweise etwas hölzern geschrieben und leider fehlt die Abrundung der ganzen aufgegriffen Themengebiete und deren Synergien, aber das Schlusswort trifft sehr ins Schwarze und hätte gerne noch ausführlicher sein können.
5 reviews
February 16, 2026
Es ist eine wirklich gute, kurze Erklärung, wie KI und Faschismus funktionieren, wie sie sich miteinander verbinden und welche Gefahren das mit sich bringt. Das Buch erklärt auch die modernen Alt-Right-Philosophien, die einige der Tech-Bosse im Silicon Valley und die gesamte Bewegung um sie herum antreiben.
6 reviews
January 7, 2026
Ein sehr gut und konzise geschriebenes Buch. Bietet wertvolle Perspektiven zum Thema KI an.
13 reviews
February 14, 2026
Interessantes, sehr aktuelles Thema. Leider ist der Text durch viele Fremdwörter und verschachtelte Sätze sperrig zu lesen.
Displaying 1 - 20 of 20 reviews