Thomas Chatterton Williams liefert mit diesem Buch den definitiven Realitätscheck für all jene, die nach 2008 kurzzeitig der Illusion erlagen, mit Obama sei das „post-rassische Zeitalter“ angebrochen und man könne sich nun beruhigt zurücklehnen. Stattdessen zeigt er, wie wir vom universalen „Yes We Can“ in einen identitätspolitischen Modus des „No You Can’t“ geraten sind – eine Welt, in der die Hautfarbe plötzlich nicht mehr nebensächlich, sondern das entscheidende Eintrittsticket zu moralischer Glaubwürdigkeit ist.
Williams seziert die „toxische Gerechtigkeit“ als gut gemeinte Medizin, deren Nebenwirkungen jedoch beträchtlich sind: Polarisierung, moralischer Tribalismus und ein neues Stammesdenken. Sein Buch ist ein brillantes, dringliches Plädoyer dafür, den klassischen Liberalismus nicht vorschnell im Altpapier der Geschichte zu entsorgen, nur weil ein neuer Gerechtigkeitsdiskurs behauptet, die Welt werde besser, wenn wir Menschen wieder strenger nach Kategorien sortieren. Williams zeigt: Der Weg zur Hölle ist nicht nur mit guten Vorsätzen gepflastert – inzwischen stehen dort auch identitäre Schlagbäume.