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Hitlers queere Künstlerin: Stephanie Hollenstein – Malerin und Soldat

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Die Geschichte einer queeren Frau zur Zeit des Nationalsozialismus – ein »fesselndes Porträt einer ambivalenten Künstlerin, das aktueller nicht sein könnte.« VALIE EXPORT

Was ist zu halten von einer toughen Frau, die aus bäuerlichen Verhältnissen stammt, verkleidet als Soldat in den Ersten Weltkrieg zieht, die sich auf der Kunstgewerbeschule in München durchboxt, ihren Lebensunterhalt mit expressionistischer Malerei verdient, ihre Homosexualität offen auslebt, eine feministische Künstlerinnengruppe mitbegründet – und dann der NSDAP beitritt und antisemitische Schriften verfasst? Die Kulturpublizistin Nina Schedlmayer erzählt heute, vor dem Hintergrund unserer von Widersprüchen extrem geprägten Gegenwart, die Geschichte von Stephanie Hollenstein (1886 bis 1944) – packend wie ein Roman.

305 pages, Kindle Edition

Published September 16, 2025

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Profile Image for A YOGAM.
3,011 reviews18 followers
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January 29, 2026
Man stelle sich das Casting für diesen historischen Plot vor: Eine taffe Bergbauerntochter, die als Soldat „Stephan“ in den Ersten Weltkrieg zieht, lesbisch liebt, expressionistisch malt und feministische Gruppen gründet – man möchte sofort die Champagnerkorken knallen lassen und sie zur Ikone der Queerness erklären. Doch Nina Schedlmayer gießt in „Hitlers queere Künstlerin“ einen Eimer eiskaltes, braunes Wasser über diese Euphorie. Denn Stephanie Hollenstein bog am Ende nicht links zur Befreiung ab, sondern rechts direkt in die NSDAP, verfasste antisemitische Hetzschriften und pflegte enge Netzwerke mit Kriegsverbrechern.
Es ist zum Heulen und zugleich von einer bizarren Komik der Widersprüche: Hollenstein erscheint als fleischgewordene kognitive Dissonanz. Schedlmayer seziert diese Biografie mit einer Mischung aus analytischem Scharfsinn und spürbarem, aber kontrolliertem Kopfschütteln. Das Buch trifft all jene in der Magengrube, die glauben, dass „unkonventionell“ automatisch „gut“ bedeute. Dabei schlägt die Autorin konsequent den Bogen in unsere Gegenwart – zu AfD-Politikerinnen, die gegen ihre eigene Lebensrealität agitieren, oder zu schwulen Trump-Funktionären, die autoritäre Politik mittragen. Es ist das Porträt einer Frau, die in vielem ihrer Zeit voraus war, nur um dann mit wehenden Fahnen im dunkelsten Kapitel der Geschichte zu salutieren.
So entsteht ein packendes, schmerzhaftes Buch, das uns zwingt, Ambivalenzen auszuhalten, statt sie wegzulächeln. Man möchte Hollenstein für ihren Mut bewundern – und sie im nächsten Moment für ihren moralischen Bankrott schütteln. Schedlmayer macht unmissverständlich klar: Geschichte ist kein Superhelden-Comic, und der Weg vom Melkschemel über die Front in die Fänge der Ideologie ist oft erschreckend kurz. „Hitlers queere Künstlerin“ ist ein präzises eindringliches und unbequemes Mahnmal für die Gegenwart – und eine Warnung an alle, die glauben, Individualität sei ein verlässlicher Schutzschild gegen Fanatismus.
Profile Image for Saphir.
137 reviews1 follower
April 19, 2026
ich habe mich immer gefragt, wie es wohl lesben wie mir damals im zweiten weltkrieg so ging - ob sie in die kzs gingen oder verschont blieben? irgendwie wusste auch ich ein bisschen bescheid, obwohl ich nicht so gebildet bin, was geschichte angeht. aber erst dieses buch hat mir ein bisschen mehr beigebracht, wie die eigentliche lage aussah und auch, was kognitive dissonanz ist, die sowohl heutzutage wie zu der beschriebenen zeit bei vielen (nicht nur) prominenten leuten vorkommt.
trotz all des guten fand ich es schwer, motivation zum lesen zu finden, denn ich fand alles zu den grössten kleinigkeiten beschrieben, was zwar zu der aussagekraft des buchs beiträgt, mir aber schwierigkeiten bereitete, da ich nur ein laie bin, was kunstgeschichte betrifft. deswegen kann ich auch nur schwer einschätzen, ob das buch tatsächlich gut war oder nicht. doch zur selbstbildung trotzdem ganz toll.
edit: wieso schreib ich diese rezensionen immer in der nacht?
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