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Halbtier!

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Eine Frau sieht rot

Die eigenwillige Isolde wächst im Haushalt eines autoritären, mittellosen Künstlers auf und wird, gegen alle Widerstände, selbst Künstlerin. Sie kämpft für ihr Recht, Kind und Arbeit zu vereinen – ein revolutionärer Ruf nach weiblicher Selbstbestimmung. Doch das Patriarchat zermürbt sie. Nachdem ihr einstiges Idol Mengersen sie sexuell belästigt, erschießt sie ihn schließlich, bevor sie selbst den Freitod wählt.
Mit psychologischer Schärfe sprengt Halbtier! gesellschaftliche Konventionen und begründete Helene Böhlaus Ruf als feministische Schriftstellerin, von dem sie sich später distanzierte.

Eine Wiederentdeckung aus der Zeit der JahrhundertwendeEin Klassiker über Selbstbestimmung und BefreiungEine faszinierende weibliche Stimme

197 pages, Kindle Edition

First published December 31, 2004

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About the author

Helene Böhlau

122 books

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Community Reviews

5 stars
14 (28%)
4 stars
17 (34%)
3 stars
14 (28%)
2 stars
4 (8%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Uralte  Morla.
368 reviews121 followers
December 16, 2025
"Halbtier!" von Helene Böhlau (1899). Ein sonderbares, aber auch großartiges Buch über Patriarchat und das Leiden einer Frau.

Isolde wächst in einem sehr strengen Elternhaus auf. Der Vater tyrannisiert die Familie, alles muss nach seiner Pfeiffe tanzen. Frauen sind für ihn nur da, um Kinder in die Welt zu setzen, einen Beruf erlernen dürfen die Töchter deswegen nicht. Die Mutter ist längst abgestumpft und hat scheinbar mit dem Leben abgeschlossen, der Sohn eifert dem Vater nach und die Töchter verlieren sich in romantischen Tagträumen.

Isolde liebt die Kunst (und einen Totenschädel, den sie birgt und mit dem sie Zeit ihres Lebens Konversation führt), doch der Künstler, in den sie doll verliebt ist, sieht Frauen ebenfalls eher als lästige Nebensache, die Kinder gebährt und heiratet Isoldes Schwester. Die bekommt dann auch ein Kind nach dem anderen, ist ansonsten gefangen in einer lieblosen Ehe und stumpft, ähnlich wie die Mutter, nach und nach ab.

Isolde wird zwar selbst Künstlerin, doch die patriarchalen Zustände um sie herum, brechen sie schließlich - das kann kein gutes Ende nehmen.

Schon die erste Seite dieses Romans reichte, um mich schockverliebt zu machen. Der Rest des Buches war ein wilder Tripp voller fiebertraumartigen Ausschweifungen, gewöhnungsbedürftiger Mundart-Sätze und so vielen A-Loch-Männern, das ich nur wütend war. Aber meine Güte, hat sich der Ritt gelohnt. So sperrig dieses Buch stellenweise ist, ich habe es sehr geliebt und möchte noch mehr von Helene Böhlau lesen.
Profile Image for Lucie.
401 reviews5 followers
November 29, 2025
Ich mochte die feministische und gesellschaftskritische Komponente des Werkes, die sich ja auch schon im Titel des Buches versteckt. Trotz dessen hat mir die Geschichte selbst nicht viel gegeben. Ich konnte mich zwar mitunter in die weiblichen Charaktere hineinversetzen und deren Sorgen und Frust nachvollziehen, allerdings sind mir die Figuren bis zum Ende hin fast vollkommen fremd geblieben. Das Ende des Buches war für mich überraschend und unterhaltsam, sodass ich mein Leseerlebnis zumindest mit einem positiven Gefühl beendet habe. Würde ich das Buch weiterempfehlen? Ja, allerdings sollte man vielleicht nicht unbedingt den Klappentext vorher lesen, da dieser spoilert und eventuell falsche Erwartungen schürt. (Ich bedanke mich außerdem herzlich bei NetGalley für das Bereitstellen des E-Books zum Rezensieren!)
Profile Image for ~•verena•~.
481 reviews8 followers
December 14, 2025
3 ⭐
Fernes Gewittergrollen verliert sich im lauten Treiben des Menschenstroms, der die schwülen Straßen füllt. Über dem ganzen überspannten, überbürdeten Menschentum lastet die große Sonnenhitze und die Enge der Gassen, die Höhe der Häuser.
All diese Menschen sind so eingezwängt, wenn sie's auch nicht klar wissen.
Die Enge der Herzen, die Enge der Köpfe und Gesinnungen, der Höfe und Gänge, die Enge der Stuben, der ganze Brodel, in dem sie leben, alles lastet und drückt und macht sie stöhnen und stimmt sie unbewusst sehnsuchtsvoll, unbewusst unzufrieden...


- Halbtier!, S. 1

Normalerweise beginne ich meine Reviews nur mit dem ersten Satz. Hier muss ich eine Ausnahme machen, denn wie mächtig sind bereits die ersten Sätze. Man weiß direkt, wo das ! im Titel herkommt.


Zum Inhalt von Halbtier! werde ich hier nicht zu viel sagen. Das hat ja Reclam schon im Klappentext getan, wo einfach das ENDE GESPOILERT wird!? WARUM? Klar, das Buch hat schon 125 Jahre auf dem Buckel, aber es hat trotzdem noch nicht jeder gelesen, und viele wollen es einfach spoilerfrei lesen!
Es geht um Isolde, die ihren Weg in einer furchtbar misogynen Gesellschaft sucht. Sie wird als geringer angesehen und benachteiligt, bekommt z.B. im Gegensatz zum Bruder kein Fleisch zu essen. Sie (und ihre Mutter) müssen sich von ihm auch alles gefallen lassen. Der Vater ist ein Ekel, der seine Frau wie eine Sklavin herum jagt. Generell sind alle Männer hier Ekel, was aber “normal” ist und sich so gehört, denn Frauen sind ja geistlos, dumm, gerade etwas mehr als ein Tier - ein Halbtier eben:
... Das Weib ist eben Weib. Wenn's net Weib genug ist, um nur Weib zu sein, soll man's totschlagen...

- Halbtier!, 9%

Ich tat mich anfangs etwas schwer, in die Geschichte reinzukommen, da erst mal gar nicht viel passierte, außer dass derartige herabwürdigende Aussagen aneinandergereiht wurden. Und dann tauchten plötzlich viel mehr Personen auf, von denen man nicht genau wusste, wer die denn sind, mit ebensolchen Aussagen. Aber als Isolde dann in den Vordergrund trat, wusste ich, jetzt wirds gut:
... >Etwas hartmäulig noch<, dachte der Schriftsteller in seiner Pferdesprache, die er mit Vorliebe bei Beurteilung von Frauen anzuwenden liebte.
Übrigens wusste er weder von Frauen noch von Pferden etwas Nennenswertes...


- Halbtier!, 27%

Ihre Entwicklung von einem jungen, unangepassten Mädchen zu einer scharfsinnigen Beobachterin und Kritikerin der Gesellschaft, in der sie leben muss, ist wunderbar beschrieben.
Sie beobachtet, wie ihre Mutter und Schwester in ihren Ehen zugrunde gehen, wo sie von hasserfüllten Männern klein gehalten werden und gerade mal als Gebärmaschinen und Haushälterinnen geduldet werden. Als sie später die Geliebte ihres Bruders trifft und dessen Gleichgültigkeit ihr gegenüber nicht nur herzzerreißend ist, sondern macht mich auch super aggressiv.
Isolde möchte ein eigenständiges Leben führen, geliebt und gesehen werden.
... Das aber wusste er nicht, dass unter den Frauen auch freie Geschöpfe leben, freier, als je ein Mann frei ist, mächtige Seelen...

- Halbtier!, 42%


Das Nachwort von Helene Falk fand ich super interessant, da sie als Urenkelin der Autorin spannende Einblicke in ihr Leben geben kann.

Trotzdem frage ich mich, wie realistisch das Buch die Gesellschaft gegen Ende des 19. Jahrhunderts darstellt? Waren die Männer wirklich so grausam oder wird es im Buch überspitzt dargestellt (was ich nach längerem Nachdenken nicht glaube, da es auch heutzutage genügend Männer gibt, die Frauen als minderwertig sehen)? Hierzu hätte ich mir eine genauere Einordnung gewünscht.
Auch zu den nicht nur misogynen, sondern auch zu dieser Zeit bereits keimenden nationalsozialistischen Gedankengut (es fällt des Öfteren der Rassebegriff oder es wird über die “deutsche Frau” etc gesprochen) wäre ein Kommentar interessant gewesen.

Es gibt auch einen Anhang, in dem einige Wörter erklärt wurden. Es hat mich furchtbar genervt, dass er so dürftig war. Ich musste doppelt so viele Bezeichnungen nachschlagen, wie im Anhang erklärt wurden. Dafür kannte ich einige der Begriffe im Anhang. Dieser Anhang ist nix halbes und nix ganzes… passend zum Titel: ein Halbanhang!

... Eine Welt für Bestien, für Raubtiere, die einander würgen und die dann fragen: »Wie ist das Böse nur auf unsre gute Welt gekommen!«...

- Halbtier!, 68%
7 reviews1 follower
May 2, 2024
Böhlau zeigt auf, wie die Frauenfiguren von ihrem patriarchalen Umfeld zu halben Geschöpfen - nicht ganz mündiger Mensch, nicht ganz "nur" Tier - stilisiert werden, wobei gleichzeitig die emotionale, wie auch rationale Innensicht der weiblichen Figuren die Unsinnigkeit dieser Herabstufung aufzeigt.

Grandiose feministische Literatur!
Profile Image for Carla.
1,027 reviews134 followers
December 11, 2025
„Eine Welt für Bestien, für Raubtiere, die einander würgen und die dann fragen: Wie ist das Böse nur auf unsre gute Welt gekommen!“ (S. 145)
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Isolde wächst in einer Familie auf, die den patriarchalen Strukturen - das Buch wurde zuerst im Jahr 1899 veröffentlicht - unterworfen ist. Der Vater ist ein Dichter und stellt sich deutlich über die eigene Familie. Er bezeichnet seine Frau als „Alte“ und schätzt eigentlich nur seinen Sohn Karl, auch wenn dieser sich einen Fehltritt nach dem anderen leistet. Isolde und ihre Schwester Marie lernen durch ihren Vater den Künstler Henry Mengersen kennen - und für beide ist diese Begegnung sehr schicksalhaft.
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Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und fand es überaus clever und pointiert. Helene Böhlau zeigt hier eine reale Welt auf, in der Frauen wie „Halbtiere“ behandelt werden. Männer wollen Frauen, aber sie wollen keine ebenbürtige Beziehung, sie empfinden Frauen nach der Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse nur als arbeitsintensiven Ballast. „Halbtier“ ist definitiv ein emanzipatorisches Werk, das seiner Zeit weit vorauseilte.
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Der Schreibstil war für mich an manchen Stellen ein wenig holprig, auch die Verbindung der einzelnen Plotpunkte empfand ich als etwas unrund und sprunghaft. Nichtsdestotrotz, und auch wenn man den Entstehungszeitpunkt berücksichtigt, ist es ein sehr lesenswertes Werk. Auch die Einordnung durch die Nachfahrin der Autorin, Helene Falk, im Nachwort, kann ich sehr empfehlen.
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Scharfe Beobachtungen, der Kampf gegen das Patriarchat und der Zusammenhalt von Frauen: „Halbtier“ ist ein feministischer Klassiker, der zwar vor langer Zeit entstanden ist, und doch nichts an Aktualität eingebüßt hat.
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Große Empfehlung! Und große Coverliebe! ♥️
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„ɴɪᴄʜᴛꜱ ʙɪɴ ɪᴄʜ ɪʜᴍ! ɢᴀʀ ɴɪᴄʜᴛꜱ! ᴅᴀꜱ, ᴡᴀꜱ ɪᴄʜ ɪʜᴍ ʙɪɴ, ʜᴀꜱꜱ ɪᴄʜ!“
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4/5 ⭐️
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