Als jemand, der selbst gerade einen Verlust erlebt, fand ich das Buch sehr hilfreich. Besonders wertvoll war für mich, dass Trauer nicht tabuisiert, sondern offen angesprochen wird. Die Autorin trägt mit ihrem Buch dazu bei, Trauer zu entstigmatisieren und ihr Raum zu geben.
Anhand des Verlusts ihrer Großeltern baut die Autorin das Buch in drei Phasen auf: vor dem Tod, während des Todes und nach dem Tod. Vor allem das letzte Kapitel hat mir sehr gefallen, weil es sich mit den Fragen beschäftigt, die nach einem Verlust auftauchen. Zum Beispiel innere Unruhe, Angstzustände oder schwere Tage. Ich fand die konkreten Hilfestellungen, Anregungen und die Beiträge eingeladener Expertinnen (Psycholog:innen, Trauerbegleiter:innen) sehr bereichernd.
Was ich mir noch gewünscht hätte: ein bisschen mehr für Leute, die jemanden ganz plötzlich verlieren. Das Buch geht eher von Situationen aus, wo man sich auf den Tod vorbereiten kann, bei Krankheit oder im Alter. Auch andere Perspektiven, z. B. aus weniger privilegierten Lebenslagen, hätten spannend sein können: Beerdigungskosten, fehlende Unterstützung etc. kommen nur am Rande vor. Auch Aspekte wie Sterbehilfe oder andere kulturelle Sichtweisen hätten noch stärker beleuchtet werden können.
Trotzdem habe ich große Hochachtung vor der Arbeit und der Ehrlichkeit der Autorin. Trauer ist so ein persönliches und sensibles Thema und ich finde es sehr mutig, diese Erfahrungen so zusammenzutragen. Das Buch trägt für meinen Teil dazu bei, dass wir als Gesellschaft offener über Trauer sprechen und wie die Autorin selbst sagt: Je öfter wir darüber reden, desto weniger wird sie uns vielleicht erschüttern.
Besonders wertvoll fand ich den Gedanken, dass Trauer kein linearer Prozess ist, sondern ein Kreislauf zwischen Erinnern und Loslassen. Das hat mich sehr berührt und mir das Gefühl gegeben, verstanden zu werden!