»Blaue Romanze«: eine große Liebesgeschichte zwischen französischer Leichtigkeit und deutschem Ernst
Als Julian Myriam das erste Mal in einer Karaokebar in Marseille sieht, kann er nicht mehr wegschauen. Ein Gespräch, ein Duett und einen illegalen Ausflug auf ein Baugerüst später ist das immer noch so. Auch Myriam fü Das hier ist anders als sonst. Beide sind jung, belesen, kritisch und über allem liegen der Zauber und die Leichtigkeit von Marseille. Und doch bricht der Kontakt ab, als beide in ihre Leben zurückkehren, Myriam nach Paris, Julian nach Berlin. Als Myriam für ihre Promotion nach Berlin kommt, begegnen sie sich wieder. Doch nach dem 7. Oktober teilt sich ihr Umfeld in zwei Seiten – und sie stehen auf der jeweils anderen. Konsequent und listig erzählt Nora Haddada in »Blaue Romanze« von Liebe, politischem Diskurs und von der Tragik unserer Gegenwart.
Unfassbar gut. Hab das morgens direkt nach dem Aufwachen und abends vorm Schlafen giggelnd und schnalzend im Bett gelesen weil alles ansteckt und so wahr ist. Sie hat es irgendwie geschafft einen Zeitgeist wie fotografisch genau abzubilden ohne dass man diesen leidigen Beigeschmack hat, dass vermutlich schon in 5 Jahren die Hälfte schlecht gealtert sein wird. Das schon komplett losgelöst von der deutschen Debatte um Palästina. Die so in 230 Seiten en Detail abzubilden und parallel noch eine komplexe Liebesgeschichte zu erzählen ist so eine kranke Leistung. Bei allen großen gesellschaftlichen Fragen, die ausgehandelt werden übernimmt sich das Buch nie, rutscht nicht unangenehm ab ins Klischee. Gen Z will ja angeblich weniger Sex in Kulturprodukten aber ich würde Geld bezahlen um so auch nur auf einer halben Seite ein kleines bisschen mehr Intimität written by Haddada geschenkt zu bekommen. Schreckliches Ende, weiß noch nicht, wie ich das finde, es wirkt stilistisch out of place aber vielleicht will ich es einfach nur noch nicht wahrhaben
Ich habe viele Gedanken. Ich war, als ich den Klappentext gelesen habe, vorrausschauend etwas sauer über den Aufhänger der Handlung, weil ich dachte: "Das kann man einfach nicht gut machen". Ich war dann aber ehrlicherweise doch so neugierig, dass ich es einfach lesen wollte (mir gefiel davor "Nichts in den Pflanzen" von Nora Haddada so gut). Ich muss sagen, dass es sich gut wegliest und sie akkurat einfängt kann, wie das Alltagsleben in Berlin so ist, zum Beispiel in den Bibs, Unis oder Kneipen, in denen alle so sind. Sie verwendet unglaublich schöne, dabei leichte Sprache. Manchmal wirkt das Buch auf mich aber auch absichtlich exklusiv, denn ich denke, man kann es nur verstehen, wenn man sich selbst genau in diesen Milieus bewegt. Da habe ich mich manchmal gefragt, warum es das braucht. Ich habe schon mitgefiebert weil ich einfach wissen wollte, auf welche Seite sich das Buch am Ende stellt, und mir ausgemalt habe wie wütend ich sein würde, wenn es ein "wir müssen einfach mehr miteinander über Nahost reden" wird (was es teilweise war). Das fand ich selbst irgendwie einen seltsam Lesemodus, aber naja. Gleichzeitig fand ich, hat es emotional schon viel auf den Punkt gebracht, zb wenn Myriam sich fragt, ob Julian wohl wirklich so dumm ist wie seine Artikel. Kleine Spoiler ab hier: Ganz frustrierend fand ich, als sie sich dann politisch zurückzieht, weil sie lieber in love sein möchte. Das hat sich dann noch etwas gewendet. Ich habe über das Ende nachgedacht. Ich denke, man kann es nett lesen als die Botschaft, dass Julian ohnehin eher Mitläufer war. Und er am Ende, konfrontiert mit immer mehr Realität und seinen eher mäßigen Freundschaften, von seiner Position ablässt. Und sich ganz am Ende zeigt, dass ohnehin staatliche Repressionen die konkrete Bedrohung darstellen, nicht propalästinensische Linke. Damit hat es meine Wut tatsächlich ein bisschen geglättet. Allerdings bin ich insgesamt unschlüssig, denn ich finde es macht insgesamt aus einem Krieg ein zeitgenössisch-lifestyliges psychologisches Ding. Das wird auch durch Julians unerfolgreiche Therapiestunden nicht ganz aufgebrochen, finde ich. Und der Repressions-Einwand kam erst auf letzter Seite. Naja. Es hat mich irgendwie gecatched.
Als ich die Beschreibung las war ich verzückt: eine Romeo-und-Julia-Geschichte, die in der Gegenwart seit dem 07. Oktober 2023 spielt mit zwei Hauptfiguren aus den verfeindeten Lagern Antideutsche und Postkolonial/ Anti-Imp. Diese Idee war mir beim ersten Gedanken kitschig (kann man mit einer Liebesgeschichte ein komplexes, politisches Thema aktuellen Zeitgeschehens adäquat behandeln?), beim zweiten aber genial, denn man muss das ganze Ernsthafte, all die bitterernsten politischen Argumente und Schlagwörter im wohlig-warmen Schaum der Liebe auflösen, um die Hauptfrage des Romans beantworten zu können: kann man jemanden lieben, ja überhaupt mit ihm verkehren, wenn er eine andere politisch-moralische Ansicht hat als ich? Und die Antwort Haddadas ist: das können wir ohnehin nicht entscheiden!
Julian und Myriam lernen sich im Sommer 2022 in Marseille kennen in einer magischen Nacht, doch gehen sie trotz dessen getrennte Wege. Sie zurück nach Paris, wo sie ihr Studium abschließt, er zurück nach Berlin, wo er ebenfalls sein Studium ablegt und Journalist wird. Durch (im Buch divers) vorkommende Fügungen des Schicksals treffen sie sich jedoch in Berlin wieder, wo Myriam eine Dissertation zur Frage der Legitimität von Gewalt als Akt des Widerstands gegen Kolonialismus erarbeitet. Beide kommen aus den unterschiedlichen Lagern. Myriam hat algerischen Großeltern, die sich im Befreiungskampf engagierten und engagiert sich selbst antirassistisch in der Praxis und mit Postkolonialismus theoretisch; Julian ist in einer antideutschen Jugendgruppe sozialisiert, ist in diesen Kreisen verortet und gemäß dessen auch kritisch gegenüber Antisemitismus und postkolonialer Theorie. Doch beide sind verbunden durch das mächtigere Band der Liebe, das sie wiederholt aneinanderkettet, allen Rationalisierungen zum Trotz.
Der Roman spielt in Berlin, dessen Lebensgefühl er förmlich aufgesogen hat: Drogen, Alkohol, Altbau, Party, Kulturbetrieb, Kneipen usw. Es ist aber keine bloße Satire oder Selbstironie, sondern ein stimmiges Bild einer Stadt, ja eines Lebensgefühls sogar. Die Hauptfiguren, insbesondere in den Dialogen auch mit Nebenfiguren, sind lebensnah gezeichnet. Es sind keine Holzschnitte, die hier grob und rein klischeehaft denken und handeln. Klischees kommen indes überall vor, bei den champagnerschlürfenden, wassermelonenpintragenden Kultur-Aktivist*innen, die bei Weinpartys in opulenten Altbauvillen über Humanismus sinnieren, als auch bei den koksziehenden, schwarztragenden Antideutschen-Journos, die in der Szenekneipe über kritische Theorie sinnieren. Der Roman verarbeitet diese Klischees (die uns im echten Leben durchaus begegnen - ich kann da von beiden Seiten berichten) zu einer Erzählung, in der diese Klischees jedoch - meistens- durchstoßen werden. Wo wir sehen, dass hinter all dem Cancelling, dem Diffamieren, dem Diskutieren und Meme-Sharing Menschen stehen, die in ihren Persönlichkeiten vielschichtiger sind, als die Vorstellung von ihnen, die wir uns einbilden und mit dem wir ihnen begegnen. Aber das funktioniert nur in eine Richtung, denn die Antideutschen, die wir in diesem Roman präsentiert bekommen, sind verschlagen, niederträchtig, affektiert, eingebildet und unsicher. Das sind Diskussionen wie auf den Seiten 100-104 oder 149, wo die eine Seite des Romans nur in Klischees sprechen kann, die nicht durchbrochen werden. Sie sind eingebildete Leute, die dicke Bücher "lesen" und dann mit hochgestochenen Begriffen um sich werfen, die kein normaler Mensch versteht, die ja eh alle anders ticken als diese drogensüchtigen Heiopeis. Sie sind im Buch nicht in der Lage, ein kohärentes Argument zu formulieren. Nur Schlagwörter, Beleidigungen und eine dünne Suppe engstirniger Theorie können sie zu Besten geben, wie anhand der Charaktere Matthias und Maximilian mehrfach bewiesen wird. Sie kommen alle aus bürgerlichen Elternhäusern, sind in Wohlstand aufgewachsen und haben die besten beruflichen Chancen auf dem Sozialarbeiter- oder Social-Media-Managementmarkt. Auch Julian selbst ist Antideutsch nur qua Sozialisation. Er fühlte bei einem Gedenkstättenbesuch eine besondere Form von Beklemmung, ist imponiert durch all die "big words" seiner Kollegen und ist durch seine Beschäftigung mit dem Thema eben antisemitismuskritisch. Und so sind die Streitgespräche mit Myriam gehaltlos von seiner Seite aus, denn es sind immer die argumentlosen Phrasen (manchmal auch nur Versatzstücke) die er hier austauscht. Er ist unsicher, hat Vaterkomplexe und weiß ja eigentlich gar nicht mal so viel. Myriam hingegen ist belesen, ist klug, mitfühlend, sensibel und naiv, was zumindest den Diskurs in Deutschland angeht. Sie ist herzensgut, aufrichtig und mutig. Eine echte Powerfigur eben. Sie kann ihre Argumente bestens ausdrücken, wenngleich ihr im Laufe des Romans und des Konflikts mit Julian die Worte versagen, denn nicht immer kann man in Worten das ausdrücken, was man möchte und nicht immer weiß man, was man überhaupt ausdrücken möchte. Dieses Ungleichgewicht, denn auch die restlichen Figuren und die gesamte Welt um sie herum sind "pro-palästinenisch" und gut, macht dem Roman in der Mitte zu schaffen. Er ist in seiner Erzählung darauf angewiesen, dass diese jungen, verbürgerlichten Anti-D-Journos schlecht und verschlagen sind. Und auch durch die Auslassungen (gibt es zu der Postkolonialismus-Bubble denn nicht mehr zu berichten, als ein kurzes "Sie bezeichnete den 7. Oktober als einen Akt des Widerstands"?!) positioniert sich dieser Roman still und heimlich, was seiner Absicht schadet, denn wenn ich eine Romeo-und-Julia-Geschichte erzähle, die die Fehler einer Debatte und die Fehler ihrer Lager abbilden soll, dann kann ich mich nicht auf eine der Seiten schlagen. Und eine Begründung, dass die Welt nun mal so ticke und die Deutschen Angst hätten, verlogen seien oder schlicht schlecht, das ist eine unredliche Erklärung für eine solche Positionierung. Ich glaube, es wäre durchaus möglich gewesen, die Kriegsverbrechen, die Diskriminierung und die Gewalt der israelischen Regierung und Kriegsführung mit diesem Buch zu behandeln, doch so bleibt es eine selbstgerechte (Selbst-)Erzählung, die vergewissert, dass man am Ende richtig steht und die anderen falsch. Mir fehlt hier das Zweifeln an der eigenen Gewissheit, die der Roman so gerne evozieren möchte. Am Ende sind die Gewissheiten nur bei einer Seite wankend.
Dabei zeigt der Roman ja, dass Selbstkritik, Kritik der eigenen Argumente und Diskussionsführung, der Unredlichkeit bei der Debatte, der Verletzung von Meinungsfreiheit und überhaupt die Annäherung zu einer Person, die nicht dasselbe denkt und fühlt wie ich, nicht nur möglich, sondern wichtig sind, um aus den Irrwegen eines Konflikts auf zivilisierte Weise herauszufinden. Andernfalls bleibt nur das Cancelling, Zerfleischen und Abwenden von der Welt um einen herum.
Und in gewisser Weise ist es die Selbstbezogenheit beider Bubbles, die doch am komischsten im ganzen Roman ist. Kein einziges Mal sind wir direkt Israelis oder Palästinensern ausgesetzt. Wir hören immer nur aus zweiter Hand von ihnen und was sie über alles denken, das ist irrelevant. Es ist diese Selbstbehandlung zweier abgeschiedener Welten mit- und gegeneinander, die am tragisch-komischsten ist. Man redet viel bei Weinpartys, redet, redet, redet, demonstriert, teilt Memes und Infokacheln, schreibt Artikel und Paper: nichts davon bewegt die Welt, zumindest außerhalb von Berlin. Und so zeigt der Roman, dass der Nahostkonflikt der deutschen Linken ein urdeutscher Konflikt ist: ein Konflikt der mit und gegen sich selbst geführt wird (und jetzt werden wieder Leute ihren besten true-scotsmen herausholen und sagen: "aber der ist doch gar nicht links!" "die ist keine Linke!" "Wahres Linkssein, das heißt...!").
Der Roman lässt mich zwiegespalten (wie die deutsche Linke) zurück. Er ist sprachlich und thematisch großartig. Er verarbeitet das Thema, vorrangig in Bezug auf seine mediale Präsenz, umsichtig. Zeigt die Probleme des Diskurses, das Verzerren von Meinungen, das Entblößen und Diffamieren. Die Abwesenheit, offen gegenüber anderen Positionen zu sein und Verstehen zu wollen, vielleicht darüber ja auch mitfühlen zu können. Er zeigt, trotz kitschigen Anfang gelungen, wie Liebe irrational ist und nicht irgendwelchen Vorstellungen von politischen Demarkationslinien folgt und dennoch zu Glück führen kann, das das Glück aller Postkolonialismus-Seminare und Adorno-Lesekreise übersteigt und uns zusammenführt. Die Beschreibungen Berlins, die Interaktionen der Hauptfiguren, die zeitaktuelle Sprache und Prosa wie die, des Gesprächs zwischen Jean und Myriam(der wahrscheinlich beste Dialog des Romans), machen das Buch allemal lesenswert. Auch im Rahmen einer Selbstreflexion, dieser nun schon zwei Jahre. Aber es sind die stumpfsinnigen Antideutschen, die dümmlichen Dialoge ihrerseits, die niederträchtige Einfältigkeit ihrerseits und die fehlende Auseinandersetzung mit der anderen Bubble, die mich ein Stück weit enttäuschen, denn da wäre mehr drin gewesen. Vielleicht hätte die Lektüre nicht nur von Adorno oder Said, sondern auch zentraler Werke der Antideutschen selbst, genützt, um deren Positionen zu verstehen und Charaktere zu schreiben, die mehr sind als ein zweidimensionaler Pappaufsteller mit der Sprechblase um den Mund "Bomber Harris - do it again!".
Ich wollte zwei Sterne geben, aber meine Freundin sagt ich soll drei geben, weil ihr der Stil gefiel. Also drei.
Nora Haddada hat sich zum Gazakrieg im Sinne der Palästinenser geäußert. Und auch abgesehen davon sollte man grundsätzlich keine "objektive" Position in einem Debattenroman erwarten. Statt dies zu verschleiern, hätte man sich wenigstens die Mühe geben können, Positionen einmal wirklich ausführlich abzubilden. Doch das geschieht überhaupt nicht. Es werden kein einziges Mal echte Debatten geführt. Eher verblüffend ist, wie wenig der Roman letztendlich zum Nahostkonflikt zu sagen hat. Man könnte vermuten, dass sich Haddada hier bewusst zurückhält (auch wenn es der Selling Point des Romans ist, aber gut). Aber worum geht's dann?
Es geht es im wesentlichen um die Intrigen zweier Berliner Freundeskreise. Damit ist Blaue Romanze maximal ein Milieuroman, allerdings ein ziemlich uninteressanter. Es werden ein paar Artikel veröffentlicht, man trennt sich, kommt wieder zusammen, streitet sich und es ist fast, als hätte die Autorin im letzten Moment gemerkt, dass das alles nicht sehr spannend ist, weswegen es noch ein völlig unmotiviertes, unnötiges Finale gibt. Alles in allem ziemlich underwhelming.
romeo und julia, but make them anti-deutsch und pro-palestinä. hat für mich überraschenderweise sehr gut funktioniert, wenn es mich auch am boden zerstört zurück lässt. hab mit dem ende ironischerweise nicht gerechnet.
Dem Titel alle Ehre macht Nora Haddadas zweiter Roman, denn diese Romanze ist wirklich von shakespeare'scher Form. Nach der Lektüre saß ich erstmal wie vom Blitz (vom Dolch?) getroffen und bin eigentlich immer noch dabei, die Geschehnisse sacken zu lassen.
Die Geschichte beginnt harmlos, romantisch: Julian aus Berlin trifft beim Karaoke im Urlaub in Marseille Myriam aus Paris. Die beiden flüchten von der Party und verbringen Stunden damit, auf einem Baugerüst zu quatschen. Obwohl beide sich voneinander angezogen fühlen, trennen sie sich ungeschickt, ohne Kontaktdaten ausgetauscht zu haben.
Zurück im Alltag, denken die star-crossed lovers oft an diese Begegnung. Julian studiert Philosophie in Berlin, macht ein Volontariat in Tel Aviv, während Myriam sich in ihrem Studium mit postkolonialer Theorie beschäftigt, aktiv ist in studentischen Gruppen gegen Polizeigewalt und sich mit der Geschichte ihres Großvaters auseinandersetzt, der Teil der algerischen Befreiungsbewegung war. Auf der Suche nach einer Doktormutter für ihre Dissertation landet Myriam in Berlin und es kommt, wie es in einer Romanze kommen muss: Myriam und Julian treffen sich wieder.
Nach dem 07. Oktober haben sich die politischen Fronten verhärtet und die beruflichen und privaten Leben der beiden verlaufen entlang dieser Fronten. Julian, in der antideutschen Bewegung sozialisiert, schreibt als Journalist Artikel über antisemitische Vorfälle in Berlin. Myriam versucht, sich in ihrem ersten Job zurechtzufinden: sie lehrt „Einführung in die postkoloniale Theorie“ und wird sofort konfrontiert mit den unterschiedlichen Positionen ihrer Student*innen zu Israel und Palästina.
Haddada seziert sorgsam die Missverständnisse zweier junger, verknallter Menschen mit unterschiedlichem Background, die sich im Mittelpunkt einer Krise wiederfinden, die alles berührt und alles zu vergiften scheint. „Blaue Romanze“ ist unterhaltsam, clever, furchtlos und erschütternd, auch, was die Gleichzeitigkeit in unseren Leben betrifft.
CN: Themenbereiche Antisemitismus und Rassismus, Genozid, suizidale Gedanken, Polizeigewalt
Kurzweilig und spaßig zu lesen, geschickt aufgegriffener Zeitgeist, wengleich vermutlich nur für die Bubble verständlich. Haddada hätte die Konfliktlinien detaillierter darstellen können. So wird in 3 Jahren außerhalb der Bubble eher niemand mehr anknüpfen können. Aber für jetzt ist es gut [wenn man Hintergrundwissen hat].
Die Frage die bleibt: Warum tragen AntiDs aus Göttingen so scheiß Klamotten?
Ich fand das Buch sehr packend und es hat mich voller Spannung und Kribbeln mitgerissen! Ich fand auch toll das durch die Abkürzungen viele Selbstreferenzen der Berliner Szene gegeben wurden bei manchen kommt man mit, bei manchen nicht. Manchmal muss man belesener oder szeniger sein.
Dennoch würde ich wie Julians Therapeutin kritisieren: „Sie haben eine starke Neigung zur Schwammigkeit Herr Montag“ Das ist einerseits interessant und spiegelt die Debatte in Teilen auch wieder, denn man lechzt nach einer inhaltlichen Debatte die Julian enttarnt oder zum hinterfragen bringt. Andererseits ist er ja auch bloß Mitläufer und nur impliziert an seine Grenzen stoßen. Aber von Myriam ihrem Seminar hätte man noch so viel mehr Lernen können, würde sie früher aufhören zu schweigen wenn er sie fragt was sie denkt, wäre die große Sprachlosigkeit mit mehr inhaltlicher Auseinandersetzung überwunden worden, bzw. würden die Hauptcharaktere konkreterer werden.
Insgesamt spiegelt das Buch sehr gut die Angst und Schande der Debatte der letzten Jahre in Deutschland wieder, aber ebenso wie in der deutschen Debatte verkappte Moral und Angst das Auge trübt und vor der Realität verschließt sodass die Antis im Buch auch nur in holen Phrasen, stereotypen und Moralistisch argumentieren können. (Das hätte mich auch sehr interessiert wie die ihre Argumente ausführen, aber vielleicht geht das auch kaum, oder vielleicht ist da auch einfach nicht mehr dahinter idk)
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Es ist schade, dass Julians Motivation seine politischen Positionen nicht mehr in ihrer Deutlichkeit zu vertreten einzig durch seine Schwäche für Myriam bedingt ist. Braucht es wirklich eine wahnsinnige Liebe - wie Jean sie beschrieben hat - um in diesem Konflikt zu vermitteln? Zwischendurch angedeutet aber von keinem in letzter Konsequenz vertreten bleibt eine Position, die den Genozid in aller Klarheit benennt und verurteilt, gleichzeitig aber zwischen palästinensischer Bevölkerung und der Hamas ebenso wie zwischen der israelischen Regierung und den Israelis differenziert und dementsprechend das Existenzrecht Israels nicht anzweifelt, außer Betracht. Ist es naiv von der Möglichkeit einer solchen Position auszugehen? Oder ist es nicht eigentlich unerträglich, dass die so naheliegende Position, sowohl den 07.10 und die darauffolgenden Zunahme des Antisemitismus ebenso zu verurteilen wie das Handeln der israelischen Armee? Myriam ist zweifelsohne näher an dieser Ansicht als Julian, lässt aber auch vereinzelt das Leid der Israelis zu sehr außer Betracht. Ebenso wie in der gesellschaftlichen Debatte sucht und wartet man die ganze Zeit verzweifelt auf den Eintritt der Figur, die die Mitte darstellt. Einen Ort der reinen Vernunft und der Konsequenz im wertegeleiteten Handeln.
Es geht um den Nahostkonflikt, Rassismus und Antisemitismus aber vor allem um eine Liebesgeschichte. Ich mochte die sehr authentischen Dialoge und wie einige andere literarische Werke integriert oder zitiert wurden. Die schweren Themen werden mit einer Art von Leichtigkeit kombiniert ohne den Ernst der Thematik zu verlieren, hat mich sehr zum Nachdenken angeregt
Ich hab mich so darüber gefreut dieses Buch anzufangen, als ich den Klappentext gelesen hatte! Die Grundidee finde ich ja so toll und war total gespannt auf die Umsetzung. Nur leider echt schwer zu verstehen manchmal, wenn man gar kein Französisch spricht. Oder wenn man kein*e Akademiker*in ist. Oder, oder… Super schade, dass der Inhalt dieses Buches nur exklusiv einer bestimmten Personengruppe zugänglich ist. Es wird einem echt schwer gemacht folgen zu können, wenn man selbst keine intellektuellen Akademiker Fachbegriffe in seinem Sprachgebrauch etabliert hat. Vielleicht ist das Absicht oder Ironie? Nichtsdestotrotz wäre diese aber nicht für alle verständlich.
Ich glaube das ist eines der Bücher, von denen ich nicht wusste, dass sie mir im Leben gefehlt haben. Bis ich es gelesen hab!! Das Publikum, das sich für die Liebesgeschichte von Myriam, der antiimp Doktorandin und Julian, dem antideutschen Journalisten begeistern kann, ist vielleicht nicht das größte, aber genau deswegen hat sich das Buch angefühlt wie eine irgendwie doch romantische fanfiction der deutschen Politwelt. Haddadas Schreibstil, so märchenhaft wie er manchmal sein mag, ist etwas gewöhnungsbedürftig und nicht unbedingt mein Geschmack aber dennoch war das eines der witzigeren Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe!! Romeo und Julia der deutschen „linken“ Szene, ich wünschte wirklich, es gäbe einen zweiten Band :‘)
nora haddada die autorin to be, love eigentlich alles wa sie mit sprach macht, es isch so du lesisch so und du checksch eifach weil es isch so on point gschribe dasmer so isch, JA JAAA!
het mi nöd so umghaue wie nichts in den pflanzen, es goht um zwei wo sich verliebed und zuefällig wiedertreffed aber komplett unterschiedlichi politische ahsichte hend, beidi ide öffentlichkeit wirked und so mönd ihren weg finde (oder ebe au nöd) mit dem klarcho
mir gfallt was autorin drus macht und wie sis macht, s‘ endi isch chli sehr abrupt, trotzdem empfehlenswert und ich will eigentlich das mis lebe genau so isch wie die sätz gschribe sind
Eine tragische Liebesgeschichte im politisierten Umfeld der zwei Hauptfiguren in Neukölln. Zwei Personen, zwei Positionen, zwei gegenüberliegende Arbeitsplätze in der Stabi am Potsdamer Platz und eine Frage: Kann man einander mögen (das Wort lieben kann der Protagonist nicht sagen weil er lost ist) auch wenn man verschiedener Meinung ist? Die Figuren nerven ein bisschen durch ihr academia bla bla trotzdem mag ich die Beobachtungen zu genau diesen bubbles und die zahlreichen nicht erkannten Privilegien über die sie tagtäglich stolpern.
TL;DR: Die Idee ist interessant, die Umsetzung hat für mich leider nicht funktioniert. Es gab argumentativ nicht wirklich was neues oder wenigstens neu erzähltes. Die Beziehung, deren moralischer Zwiespalt die große Stärke des Buches hätte sein können (sollen?), kommt auf einer emotionalen Ebene leider null rüber, was der ganzen Handlung irgendwie den Biss nimmt. Gerade in eher linken Kreisen wird doch gefühlt jede Beziehung in den letzten zwei Jahren in irgendeiner Form über diesen Krieg gesprochen haben, ob jetzt einer oder gegensätzlicher Meinung. Warum war dann gefühlt alles, was zwischen den beiden an Diskussion stattgefunden hat irgendeine Form von "Glaubst du das wirklich? Also so wirklich??" - "Also... ja schon" - "Ich kann es nicht fassen, dass du das wirklich denkst" - "ich kann es nicht fassten, dass DU das denkst". Wo war da die Aushandlung?
Dazu kommt, dass der Konflikt mit der Zeit hauptsächlich zwischen den Freundeskreisen stattfindet, indem die übereinander Artikel veröffentlichen?? Da hätte man so viel interessanteres rausholen können... Und der Schreibstil war auch nicht meins, teilweise oberflächlich, teilweise sprachlich sehr akademisch/exklusiv (die Autorin hätte vlt. einfach ein Sachbuch schreiben sollen), wenig feinfühlig. Kann man aber unter Geschmackssache verbuchen, denke ich. Gegen Ende wurde zumindest das besser und irgendwie bin ich auch dran geblieben. Also ja, alles in allem jetzt nichts mega neues; sicher für viele interessant, für mich hat aber hauptsächlich der Schreibstil das Leseerlebnis echt nervig gemacht.
(Und hier nochmal die ausführliche, bissi rantige Review)
Hatte echt viel Spaß beim lesen, aber irgendwie hat es sich auch komisch angefühlt über diese Themen (und meine eigenen Milieus) plötzlich fast karikativ zu lesen. Ich bin aber dankbar, dass sich scheinbar auch andere Anti-Imps fragen, was Anti-deutsche eigentlich denken. Schade (aber wsl. halt auch kein Zufall), dass sie es wohl auch nicht richtig nachvollziehen können. Trotzdem hätte ich mir mehr echten Dialog gewünscht, als nur so symbolische Phrasen. Außerdem auch recht exklusiv geschrieben. Vielleicht war das Stilmittel? Idk Verglichen zu Nichts in den Pflanzen fand ich war das Buch gleichzeitig noch ein Stück platter, aber irgendwie war das auch chillig. War ja nicht lang. Länger hätte es nicht besser gemacht.
PS Ich komm nicht drauf, wofür manche Abkürzungen stehen. Das wurmt mich. Oder sind sie gar nicht (immer) mit Realitätsbezug? Welche Zeitung fängt zb mit O. an???
Würde 4,5 Sterne geben. Das Buch war echt toll! War echt unsicher wie man so ein komplexes Thema in 200 Seiten Roman behandeln will, aber es ist echt mega gelungen, übelst intelligent geschrieben und beleuchtet echt viele Aspekte. Was ich in anderen Kommentaren gelesen habe und was ich auch fand, war dass das Buch wirklich ein bisschen exklusiv geschrieben ist und man es nur versteht, wenn man sich auch in diesen Milieus befindet. Außerdem fand ich den Teil nicht gut, indem Myriam plötzlich inlove ist und rosarote Brille auf hat und sich einfach mit nichts mehr auseinandersetzt für ihren Macker.
Emma hatte Probleme, weil ab und zu ein paar Sätze auf französisch geschrieben wurden, die könnte man aber auch einfach nachschauen :-)
Spannende und komplizierte Thematik, leider ist der Argumentation recht einseitig, bzw. Man merkt schnell welchem „Lager“ die Autorin die stärkeren Argumente zuschreibt. Der Konflikt finden außerdem größtenteils nicht zwischen den Protagonisten statt sondern zwischen jeweils einem Protagonisten und dem eigenen Umfeld.
fands total gut die Debatte mal in Form einer fiktiven Geschichte ausgeführt zu sehen. Schon sehr akademisch, dadurch aber an einigen Stellen auch nochmal mehr bekräftigend. Abgesehen davon auch sprachlich total gut, musste oft lachen und hing manchmal richtig a den Seiten!!
Noch mehr von diesem Buch zu lesen grenz an Selbstverletzung. Wie kann man nur so ein gleichzeitig elitäres und exklusives Buch schreiben das am Ende nicht mehr als leeres Gerede ist. Ließt sich für mich wie ein Wet Dream eines 19 Jährigen PoWi Studenten-Hipster aus Berlin.
boahh! ich has mega guet gfunde und richtig gern glese! ich ha sgfühl ich ha mega nice gschriebe gfunde, will scho au sgfühl gha han ich ha öpis dezuglernt! mer isch wie zwunge in chopf vonere person zluege wo mer dmeinig nld teilt und ha das no spannend gfunde aber au mega bruhhh. ich find es regt eim mega a über liebi und interpolitischi beziehige nahzendke, ich würs mega empfehle!!!
Das war echt Hate-Reading und ich wundere mich, dass ich das Buch echt komplett gelesen habe. Der Plot klang spannend und hätte Potential, aber die Dialoge sind so krass schlecht geschrieben, viele Szenen fühlen sich super unglaubwürdig und offensichtlich erfunden an. Ich hab mich die ganze Zeit gefühlt als sei ich in einem nervigen Powi-Seminar, es ist so gewollt, setzt gleichzeitig viel voraus und ist einfach anstrengend. Die Hauptpersonen sind leider auch gar nicht sympathisch und es ist einem total egal, ob sie am Ende zusammenkommen oder nicht — man hofft sogar, dass sie nicht zusammenkommen und fiebert zero mit. Das Buch hätte noch mehrere Jahre Arbeit gebraucht.
Unschlüssig, was ich von der Geschichte halten soll. Zuerst dachte ich, es sei DAS Buch, dass jeder zum 7. Oktober und den politischen Diskussionen in Deutschland danach vor allem im linken akademischen Milieu gelesen haben muss. Aber ich pflichte vorherigen Kommentatorinnen bei, dass es am Ende recht elitär anmutet. Menschen außerhalb der linken Universitätsblase würde ich das Buch dadurch nicht empfehlen. Besonders Julians fragwürdige Freunde haben mich mit ihrem intellektuellen elitären und arroganten Sprech irgendwann persönlich genervt. Und das Ende … es bleiben (von der Autorin wahrscheinlich gewollt) so viele Fragen offen. Dennoch ein wichtiges Buch zur Zeit nach dem 7. Oktober. Und: Nora Haddada kann schreiben! Man liest es in einem Rutsch runter.
C‘est l‘amour. C‘est compliqué. Es braucht la folie, den Unsinn, den Wahnsinn. Den Sprung ins Dunkel wagen & das Verderben riskieren. L‘aventure dans le mal, pour l‘amour- c‘est ça, aimer.