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Happy End: Warum Du ohne Glück glücklicher bist | Ein zugespitzter Blick auf die Glückstyrannei unserer Gegenwart

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Eine Abrechnung mit dem Gückswahn

Viele erwarten das Glück, ohne etwas dafür zu tun. Glück als Menschenrecht, vom Arzt verordnet oder vom Staat. Andere streben danach und strampeln sich ab, optimieren sich und erreichen es trotzdem nicht.

Florian Schroeder macht sich auf die Was macht Menschen glücklich und wo bilden sie sich das nur ein? Er besucht ein Life Coaching, einen Kuschelkurs, probiert Drogen und Happiness Apps aus und guckt sich das Glück derer an, für die der Schmerz das große Glück ist. Er nimmt LSD, tauscht Freundschaftsbändchen mit Swifties, tanzt mit einem 80-Jährigen im Berghain und geht mit einem Auswanderer im glücklichsten Land der Welt, in Finnland, in die Sauna.

»Entertainer der Extraklasse mit schwarzem Humor.« Der SPIEGEL

Schroeder ist direkt, ironisch, sarkastisch, aber in erster Linie neugierig auf das, was Glück sein könnte, aber oftmals auch sein muss. Für Florian Schroeder ist dieses scheinbar private Thema ein hoch politisches. Genau in dieser unvorhersehbaren Weltlage gilt es, sich die Räume des Glücks, des Eskapismus und der Weltflucht, genauer anzuschauen. Vielleicht ist Glück ja auch das, was wir erleben, wenn wir gar nicht dran denken.

Gleichzeitig zur neuen Tour 2025/26 ›Endlich glücklich‹

314 pages, Kindle Edition

Published November 27, 2025

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Florian Schroeder

14 books4 followers

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Profile Image for Frank.
630 reviews130 followers
April 15, 2026
"Glückstyrannei" ist das treffende Wort dafür, was Schroeder hier beschreibt. Anfangs liest sich das Buch recht amüsant; man ahnt, was der Autor sagen will und findet einfach die Beschreibung von Glücks-Coaching-Seminaren treffend und zum Schmunzeln. LSD- Tripp? Ok, wenn's dem Autor was gegeben hat. Allerdings wusste ich bisher wenig über die psychischen Auswirkungen bzw. den Sucht-Faktor der verschiedenen Rauscharten. Jetzt bin ich informiert. Aber dann wird der Ton rauer. Anhand statistischer Daten, der Analyse von soziologischen Befragungen, die persönliche Erlebnisse mit Auswanderern, Kartenleserinnen, Esoterikerinnen usw. illustrieren und vertiefen, entsteht langsam aber sicher eine dezidiert zivilisationskritische Sicht auf unsere in der Tat hoffnungslos kaputte Gesellschaft. Die Auswüchse des Glücks-Business erscheinen dem Autor nun nicht mehr als "Tyrannei", was ja äußere Gewalt suggeriert, sondern als "Happyterror" (234). Damit ist das scheinbar Spielerische, in Wirklichkeit aber orchestriert Verblödende und Infantilisierende der Positivity- und esoterischen Glücksindustrie gut erfasst: "Happiness" ist ja etwas, das keine Gewaltanwendung zulässt, höchstens die, die man sich selbst und scheinbar freiwillig antut. Die Leute kaufen denn auch trotz des allenthalben beklagten Rückgangs des Lesens immer noch Bücher, ja, aber welche? 10% des Umsatzes auf dem Büchermarkt gehen mittlerweile auf das Konto esoterischer Glücks- und Gesundheits-Literatur und da sind die Wie-erziehe-ich-mein-Kind-zum-Superman-Ratgeber noch nicht einmal inbegriffen. Kurz: Das ist eine Seuche und dazu eine, die wirklich krank und mitnichten glücklich macht.

Warum das so ist? Nun, wer sich einreden lässt, für sein Glück selbst verantwortlich zu sein, der fühlt sich eben als Versager, wenn er oder sie nicht glücklich ist. Der Ausweg, nun noch härter an sich und seiner Vervollkommnung auf der Glücks-Level-Skala zu arbeiten, schafft Stress, Überforderung und permanentes Ungenügen (wir sind nicht umsonst eine Depressions- Gesellschaft), zumal nicht einmal klar ist, was "Glück" eigentlich ist oder sein könnte. Die Suche nach dem idealen Partner, der morgens das immer gleiche Grinsgesicht aufsetzt und sich einredet, heute sei bestimmt der lang erwartete Glückstag, ist es sicher nicht. Da müsste sich ja jemand selbst verwirklichen. "Selbstverwirklichung", so nimmt Schroeder den landläufigen Blödsinn auseinander, bedeutet aber, dass man vorher noch gar kein wirkliches Selbst ist. Wie soll sich etwas, das nicht ist, auch noch von selbst oder durch sich selbst verwirklichen, mithin Realität werden? (Ja, Schroeder nimmt auch Anleihen bei der Philosophie von Platon über Aristoteles bis hin zu Epikur.) Besagter Unsinn entsteht jedenfalls dadurch, dass die anderen, die man zum Glücklichsein braucht, im dämlichen Selbstbezug des Glücks komplett ausgeblendet werden. Das ist, als würde jemand behaupten, Masturbation sei besser als Sex zu zweit - und siehe: Das behaupten ja auch nicht einmal wenige durchgeknallte Feministinnen und anderswie von der Spur abgekommene Leute. Der Mainstream ist eben auf Egoismus geeicht! Was Wunder in einer spätbürgerlichen Dekadenz-, weil Konkurrenzgesellschaft

Dem Ende zu wird Schroeder denn auch bitter, wenn er das ganze esoterische Awareness- und Wokeness-Gehabe linksliberaler Spinner als "Spielfeld für pathologische Narzissten" (235) bezeichnet. Warum das so ist? Hier unterscheidet sich sei Fazit wenig von einschlägigen Analysen etwa von Phillipp Hübl: Was der Philosoph "Moraltheater" nennt, ist dem Comedian ein "Wettbewerbsvorteil im gesellschaftlichen Wettrüsten." (236) Wettrüsten? Klar, denn die scheinbare Achtsamkeit (in der Tat nannte man das früher einfach Höflichkeit, Anstand oder gute Erziehung) kreist nur um den Achtsamen selbst und all das "Zeit-mit-sich-selbst-Verbringen" führt nicht zur Läuterung, sondern ist einfach Selbstbeschäftigung, die ohne jegliche Empathie für andere der Besserwisserei und rechthaberischen Belehrung dient. Narzissmus eben. Urdeutscher Ausdruck dafür ist schon der Rentner, der auf dem Kopfkissen aus dem Fenster lehnt, um Leute anzuscheißen und Falschparker bei der Polizei zu melden. Der ist eben auch "achtsam". Er achtet AUF seine Mitmenschen, statt sie ZU achten.

Im Detail ist das Buch voll mit Fakten zu den kritisierten Phänomenen und also eher ein Sachbuch denn das Produkt komödiantischer Leichtigkeit. Das ist ein Kompliment, denn man fragt sich langsam, warum Kabarettisten und Comedians immer mehr die Rolle übernehmen, die früher ein unabhängiger und objektiver, daher de facto kritischer Journalismus gespielt hat. Was Schroeder hier leistet, ist Kapitalismus- und also Systemkritik aus kultureller Perspektive. Der gewählte Ausschnitt steht für das Ganze einer Zivilisation, in der Gefühle und Ängste wie die Hoffnungen der Menschen marktförmig zugerichtet werden. Das Resultat kann nur Lüge und Selbsttäuschung sein und dass es das in der Tat ist, kann man bei Schroeder nachlesen. Harter Tobak für das grüne und sich selbst als "progressiv" begreifende linksliberale Kleinbürgertum, das dem Autor - wie dem Rezensenten ;-) - die bisweilen ätzende Satire natürlich übel nehmen wird. Wer noch nicht ganz Hardcore ist, hat aber vielleicht doch die Chance, durch die Lektüre von einem beginnenden Irrweg abgebracht zu werden. Das zumindest scheint die Hoffnung des Autors zu sein, der ich mich anschließe. Besonders der akademischen Jugend sei das Buch empfohlen, das bei aller herausgehobenen Ernsthaftigkeit am Ende doch keine durchgehend trockene Abhandlung ist. Dem Autor gelingen witzigen Beobachtungen und Seitenhiebe, die seinem Metier alle Ehre und den Text insofern zu einer leichten Lektüre machen, als man wirklich kein Soziologe sein muss, um ihn zu verstehen. Solche Bücher, die die Chance haben, auch von "Durchschnittsmenschen" gelesen zu werden, brauchen wir auch zu anderen ernsten Themen. Schroeders Buch kann hier Vorbild sein.
Profile Image for Daniela.
215 reviews1 follower
November 27, 2025
Mir klarer Sprache und Sarkasmus seziert Florian Schroeder den aktuellen “Glückskult“. So sieht er doch den Trend in der Gesellschaft „Gücklich sein zu müssen“ - aus seiner Sicht wurde aus dem Recht auf Glück das Gebot Glücklich zu sein, was das Glück in die Verantwortung jedes Einzelnen legt und so einer ganzen überteuerten Industrie Tür und Tor öffnet.
Treffend und mit spitzer Sprache nimmt er jene Konzepte und Ideologien, die uns versprechen Glücklich zu werden auseinander: Lifecoaches, fandoms wie jener von Tailor Swift, Körperkult, politische Gesinnung, Drohen… und zeigte auf, wie diese nicht etwa glücklich machen sondern mit dem Unglück anderer Geld verdienen.
Durchaus lesenswert und ganz anders als erwartet keine humoristische Abhandlung sondern eine klare Sezierung der „Glücksindustrie“
Absolut lesenswert.
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