Sein Lachen, als er eingebuddelt im Ostseesand liegt. Das Sparguthaben, berechnet mit dem Aldi-Computer aus dem Sonderangebot. Teewurstbrötchen, am Vorabend für die Autofahrt geschmiert. Fingerflecke auf der Brille. Die minzgrüne Morphiummaschine.
Noch sechseinhalb Jahre nach seinem Tod ist der Vater als Bilder in der Erinnerung des Erzählers. Als genetische Spur, in seinen Haaren, seiner Haut. Als warmes Gefühl. Aber manches verflüchtigt sich, wird unscharf, denn wir vergessen, und anderes haben wir nie gewusst. Was bleibt von einem Menschen nach seinem Tod? Was können wir konservieren, wenn wir von ihm erzählen? Wie schreiben wir selbst ihn fort?
In einer eindringlichen, poetischen Sprache beschwört der Erzähler in Langhans' autofiktionalem Roman liebevoll den verstorbenen Vater, erzählt in Miniaturen von seinen Gesten, seinen Eigenheiten und von seinem Sterben. Schreibend füllt er eine Lücke, die dort klafft, wo der Vater war – in seinem Leben und in sich selbst.
Ich hatte ein starkes deja vu-Gefühl beim Lesen, als hätte ich das Buch schon einmal gelesen??? Fragmentiert, Vignetten, schnell zu lesen. Cover und Titel sehr schön.
„Ich habe hundert Meere gesehen seit dir [...].“ (S. 26) ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Im Romandebüt von Nils Langhans wird eine sehr intime und bewegende Geschichte erzählt. Der Vater des Erzählers ist vor sechseinhalb Jahren verstorben. Er hatte Krebs und war am Ende seines Lebens in einem Hospiz. Was bleibt von einem lieben Menschen, nachdem er verstorben ist? Wie oft kann man vergessen, dass er gelebt hat? Wie kann man sich an ihn erinnern, ohne zu zerbrechen? ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ In einer fragmentarischen Erzählweise und einer scheinbar willkürlicher Reihenfolge werden Erinnerungen aufgeführt, die eine besondere Vater-Sohn-Beziehung zeigen. Es sind die kleinen Momente, die der Autor in den Vordergrund stellt, die ganzen kleinen Momente, die davon zeugen, dass man zur gleichen Zeit gelebt hat. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Ich habe selbst eine sehr enge Beziehung zu meinem Vater und war überrascht, dass ich viele ähnliche Erinnerungen habe. Lottoscheine ausfüllen, in den Urlaub fahren ... Momente, in denen wir unsere Väter beobachten, Momente, die so banal erscheinen und doch so viel Liebe beinhalten können. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Die behutsam gewählte Sprache hat mir sehr gut gefallen, es gibt viele besonders schöne Ausdrücke in diesem schmalen Büchlein, die ich mir markiert habe. Eine chronologische Reihenfolge hätte mir vermutlich noch ein wenig besser gefallen, doch das Fragmentarische der Geschichte spiegelt gut wieder, wie kleinteilig Menschen erinnert werden können. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Das ist übrigens eines der schönsten Cover überhaupt! Ich mochte die Meer-Motivik sehr und finde toll, dass sie im Titel und auch im Cover aufgegriffen wurde. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Ein sehr empfehlenswertes Debüt für Sprachverliebte und alle, die sich für Eltern-Kind-Beziehungen interessieren. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ 4,25/5 ⭐️
In seinem Debütroman erzählt Nils Langhans eine sehr persönliche Geschichte über den Verlust seines Vaters, der vor sechseinhalb Jahren an Krebs starb und seine letzten Tage im Hospiz verbrachte. Das Buch beschäftigt sich mit der Frage, wie man einen geliebten Menschen nach seinem Tod in Erinnerung behält, ohne daran zu zerbrechen.
Die Erzählung ist fragmentarisch aufgebaut: kleine Erinnerungen, Gedankenfetzen, scheinbar zufällig aneinandergereiht, zeichnen ein Bild der besonderen Beziehung zwischen Vater und Sohn. Kleine, unscheinbare Momente zeigen die Liebe im Alltäglichem.
Mich hat die unchronologische Reihenfolge ganz kurz irritiert, sie macht aber absolut Sinn denn sie zeigt wie bruchstückhaft und ungeordnet Erinnerungen sein können.
Die Sprache des Buches ist feinfühlig und vorsichtig und gleichzeitig voller Intensität und Eindringlichkeit.
"Irgendwann kommt immer ein Meer" ist eine kurze, bewegende Geschichte mit viel Inhalt auf wenigen Seiten, die von einem ganzen Leben, dem Erinnern und der immerwährenden Liebe erzählt.