Das Buch ist schnell und einfach durchzulesen, da es sich explizit nicht an ein Fachpublikum, sondern an betroffene oder interessierte Mieter richtet. Die gewählte einfache Darstellung ist deshalb nachvollziehbar. Wie schon bei Holms Buch „Wir bleiben alle!“, wird auch hier auf Verweise im Text und ein Literaturverzeichnis verzichtet. In dem Fall war es zumindest online abrufbar, während es hier leider komplett fehlt.
Dem Titel nach habe ich eine stärkere Vereinfachung angenommen, aber war dann positiv überrascht, dass die zugrundeliegenden Prozesse verständlich dargelegt wurden. Holm wird an den Stellen detailliert, wo es sein muss. Man lernt auch in einzelnen Punkten noch dazu, wenn man sich bereits intensiv mit der Wohnungsfrage auseinandergesetzt hat. Das Buch zeigt, dass es gelingen kann, eine verständliche und trotzdem richtige Erklärung zusammenzubringen. Konkret findet sich im Werk im Vergleich zu anderen niedrigschwellig geschriebenen Publikationen ein gewisser Begriff von Spekulation und eine Zurückweisung moralischer Argumentationen zugunsten einer systemischen Analyse. Trotzdem finden sich vereinzelt fragwürdige Formulierungen zu „Immobilienhaien“ oder Klagen über eine „Großfinanz“, die sich dem letzten Kapitel nach in einem „Filz“ mit Politikern, Lobbyisten, Banken und Versicherungen befinden würde. Diesen Abschluss über (vermeintliche) Akteursgruppen, die zusammen unter einer Decke stecken würden und deren Filz der Vision einer sozial gerechten Stadt entgegenstehende würde, hätte das Buch nicht gebraucht. Aufmerksame Leser sollten an dieser Stelle aber bereits erkannt haben, dass ein Bruch mit dem Kapitalismus statt mit personellen Verflechtungen, die für die Probleme des Wohnungsmarkts verantwortlich seien, nötig ist.
Auch der Titel „Mietenwahnsinn“ ist irreführend, weil es die vorhandenen Missstände pathologisiert und zu einem irrationalen und unerklärlichen Phänomen stilisiert. Umso stärker ist dann der Kontrast zu den beschriebenen treffenden politökonomischen Analysen.
Da das Buch für Mieter gedacht ist, gibt es zudem einen starken Fokus auf konkrete Praktiken von Vermietern. Detailliert ist der Text auch vor allem bei der Auseinandersetzung mit verbreiteten Mythen im Wohnungs- und Mietkontext, wie z. B. der Funktionsweise des sozialen Wohnungsbaus, um ihn als Instrument zu entlarven, das seinen Namen nicht verdient. Insgesamt liefert Holm hier einen guten wohnungspolitischen Rundumschlag.