Erzählung? Essay? Journal? Memoir? Gedicht? Gebet, Beichte, Beschwörung, Provokation oder Slapstick? Laut oder leise? Krass oder weise? Überraschend und verstörend, poetisch und tief anrührend ist Hiromi Itōs Literatur, gleich, welches Genre sie bedient. Die vorliegende Textauswahl gibt Gelegenheit, diese außergewöhnliche Literatin kennenzulernen, von ihren Anfängen als zornige junge Dichterin, viel beachtet und gefeiert seit ihrem Debüt Ende der 1970er-Jahre, mit ihren neuartigen Themen und einem unverwechselbaren, dabei genuin dichterischen, frischen Tonfall, bis in die Gegenwart der 2020er-Jahre – eine Frau, die sich beim Altwerden zuschaut und »mit allen Wassern gewaschen« ist.
Hiromi Itō durchkreuzt mit ihrer Sprachkunst und Imagination sämtliche Genres und reißt Grenzen nieder. Die vorliegende Sammlung von Texten aus 45 lebensprallen, schaffensdichten Jahren verspricht Einblicke in ein Künstlerleben voll ungeahnter Ausdrucksformen und Erkenntnisweisen, beginnend mit einem Liebesgedicht, endend mit einem Manifest.
Hiromi Itō is one of the most prominent woman writers of contemporary Japan, with more than a dozen collections of poetry, several works of prose, numerous books of essays, and several major literary prizes to her name.
Hätte es keinen konkreten Anlass gegeben, ich hätte niemals mehr nach einem Titel von Ito gegriffen, denn begeistert war ich bisher noch nie von dem Dargebotenen. Was sich aber für mich in jedem Falle gelohnt hat, war die Lektüre des Nachworts der Übersetzerin IHK. Sie schreibt dort nämlich, was mir unterschwellig die ganze Zeit bewusst war, ich aber nicht ausdrücken konnte, was mir aber den Genuss an Itos Texten unmöglich macht: "Auch wenn die teils radikalen und einer Ästhetik des Hässlichen zuneigenden Inhalte ihrer Texte ihr Publikum polarisieren, werden diese als ästhetisch ambitionierte, originelle und gelungene Kunstgebilde dennoch ernst genommen." (S. 179) Mag es sein wie es ist - ernst nehmen ja, auf jeden Fall. Anerkennen als eine wichtige weibliche Stimme im vorwiegend maskulin dominierten literarischen Diskurs Japans? Unbedingt. Doch Lesen mit Genuss und Freude an der literarischen Form, das leider kann ich nicht. Schade für mich!