Die Ostsee prägte seit jeher die europäische Von hier aus hielten die Wikinger Europa in Atem, an ihren Küsten stieg die Hanse zur herrschenden Handelsmacht auf und im Zweiten Weltkrieg wurde sie zum Schauplatz der Flucht unzähliger Menschen vor der Roten Armee. Jann M. Witt beschreibt die faszinierende Geschichte der Ostsee und ihrer Anrainer von der Völkerwanderung bis in die Gegenwart. Dabei schildert er auch die Konfrontation der Blöcke im Kalten Krieg und die weltpolitischen Spannungen, durch die das Baltische Meer heute wieder einmal in den Fokus der Weltgeschichte gerückt ist.
Ein gutes Buch mit vielen Exkursen, Karten und Fotografien zur Geschichte der Ostsee-Anrainerstaaten. Besonders gut hat mir der Teil zur frühen Neuzeit bzw. zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert gefallen. Auch die Informationen zur Hanse waren spannend zu lesen.
Leider fokussiert sich Witt wirklich sehr stark auf Dänemark, Schweden, Schleswig und Holstein (???). Sehr viel weniger wurde sich z.B. mit dem Baltikum beschädigt, was ich sehr schade fand. Seitdem das Baltikum im 18. Jahrhundert vollständig unter die Herrschaft des Zaren kam, verbreitet das Buch eher die simple Erzählung, dass es nun Teil des Russischen Reiches war, die Besonderheiten - insbesondere auch im Rahmen der UdSSR - werden kaum behandelt. So wird ein falsches Narrativ reproduziert, was nicht von einer gesonderten nordosteuropäischen Geschichte ausgeht, sondern einfach von „West- und Osteuropa“ mit etwas Besonderem in Skandinavien. Polen wird auch weniger behandelt und Belarus gar nicht (obwohl das Land auch nach bestimmten Definitionen des Ostseeraums zu diesem gehört aufgrund der Flussmündungen).
Es ist also eine längere, grundlegende Einführung in das Thema - die Tiefe fehlt jedoch an vielen Stellen. Vielleicht habe ich aber auch einfach zu viel erwartet.