Lucky Luke geht auf die Bretter
Also, nicht nur auf die, die die Welt bedeuten, sondern in gewisser Weise leider auch auf die anderen, die seitlings von drei oder vier Seilen umspannt werden, denn in seinem Abenteuer Der weiße Kavalier läuft er nicht annähernd zu der Hochform auf, die wir bei Zusammenarbeiten von Morris und Goscinny von ihm gewohnt sind.
Unser Cowboy trifft in diesem Abenteuer auf eine Truppe von fahrenden Schauspielern, die sich dem Melodrama verschrieben haben und von Stadt zu Stadt tingeln, um die Geschichte vom Weißen Kavalier zum besten zu geben – und dabei gleichzeitig die Stadt auszurauben. Lucky Luke, der in dem Nest Nothing Gulch zum ersten Mal einer Vorstellung der Truppe beiwohnt und dessen alter Kumpel Hank Wallys Hauptopfer des Banküberfalls wird, riecht recht früh Lunte und beschließt, der Schauspieltruppe zu ihrem nächsten Spielort nach Miner’s Pass zu folgen. Im Laufe der Ereignisse muß er selbst in der Rolle des Weißen Kavaliers auf die Bühne, wo er unter ziemlich starkem Lampenfieber leidet, er bemerkt zu seinem Leidwesen, daß auch Minenarbeiter sich für einen Theaterabend in Schale werfen, und zu allem Überfluß lenken die wahren Missetäter den Verdacht und den Zorn der von ihnen Beraubten auf ihn, womit sie ihn zwingen, sich durch einen wirklich listigen Trick – dies ist leider auch einer der wenigen Höhepunkte dieses Bandes – aus dem Gefängnis zu befreien und vor dem Galgen zu retten.
Gerade das Thema einer fahrenden Schauspielertruppe hätte sicher mehr Möglichkeiten für zündenden Humor geboten, doch leider fiel der Theaterdirektor Whittaker vornehmlich durch seinen gekünstelten Tonfall auf, was beim Lesen sogar nervte, während alle anderen Schauspieler eher blaß blieben. Kurzum, wenn unser Cowboy nach getaner Arbeit hier in die untergehende Sonne reitet, ist man nicht geneigt, ihm ein Da Capo zuzurufen.