Allemagne, 1972 : quiconque traverse la petite ville industrielle de Mainheim un jour de vent d’ouest est enchanté par la douce odeur de chocolat qui flotte tel un voile sur les immeubles ouvriers et les villas des beaux quartiers. Par vent d’est, en revanche, les âcres émanations de l’usine chimique irritent les yeux ; quant à l’eau du Main, elle est gravement polluée depuis longtemps. Personne ne s’en est jamais plaint, jusqu’à ce qu’une tragédie survienne et que Minka et Caro se mettent à poser des questions qui dérangent. À travers une ville fictive, Katharina Fuchs dresse le portrait de la jeunesse rebelle et indomptable des années 1970 au coeur de la naissance du mouvement écologiste.
Die Charaktere in diesem Buch sind so unterschiedlich und fügen sich doch so gut zusammen. Die drei Protagonistinnen Minka, Caro und allen voran Claire haben mich sehr beeindruckt.
Katharina Fuchs hat diese Zeit, die Jugend meiner Eltern, so spannend wiedergegeben. Dieses Buch zu lesen war wie eine Zeitreise. Das Aufkommen vom Bewusstsein für Naturschutz auf der einen Seite, die stetig wachsende Industrialisierung auf der anderen Seite. Die Sicht auf das politische Geschehen von mehreren Seiten. Die Eigendynamik einer Kleinstadt… Alles war so lebendig erzählt, dass es sich fast wie eigene Erinnerungen angefühlt hat. Dieses Buch war ein absolutes Monatshighlight und ich kann es definitiv empfehlen!!!
Dies ist nun mein viertes Buch der Autorin. Alle ihre Vorgänger waren absolute Highlights für mich und alle drei haben sogar den "Lieblingsbuch-Status" von mir bekommen. Dies ist nun leider bei "Unser kostbares Leben" ganz anders.
Wo fange ich an? Schon der Einstieg gelang mir nicht so besonders, obwohl ich mich gerade auf die Siebziger Jahre gefreut habe, die ich selbst als (Klein)kind erlebt habe. Katharina Fuchs hat in ihrem neuen Roman jede Menge Figuren in ihre Geschichte gebracht. Eine Namensliste am Anfang des Buches wäre sehr hilfreich gewesen. Wir lernen zuallererst die beiden Freundinnen Minka und Caro, die Nachbarskinder sind, kennen. Minka ist die Tochter des Bürgermeisters der Stadt, der fanatischer SPD-Anhänger ist. Caro kommt hingegen aus einem sehr christlichen Haus. Ihr Vater ist Besitzer und Chef der Cassada Schokoladenfabrik und CDU Wähler. Caro hat vier weitere Geschwister und der Glaube spielt in der Familie Stern eine sehr große Rolle. Die beiden Mädchen wachsen in der aufwärtsstrebenden Industriestadt Mainheim bei Frankfurt auf, in der die Schokoladenfabrik und die Pharmaindustrie der Ruberus AG die wichtigsten Arbeitgeber sind. Auch ein Kinderheim spielt eine große Rolle, das für einige vietnamesische Flüchtlinge zur neuen Heimat wird. Eine davon ist Claire. Sie reist am selben Tag an, als Guy, der vietnamesische Klassenkamerad von Minka und Caro, im Schwimmbad verunglückt. Beide Mädchen sind vor Ort, als das Unglück passiert. Ab diesen Zeitpunkt ändert sich das Leben der beiden Freundinnen. Claire kommt in der Zwichenzeit im Kinderheim unter, wo sich ihr eine ganz neue Welt erschließt. Doch nicht alle Menschen des Heimes meinen es gut mit den Kindern...
Im Vergleich zu den anderen Romanen der Autorin konnte ich kein so gutes Verhältnis zu den Figuren aufbauen. Immer wieder verwechselte ich Minka und Caros Familie und beide Mädchen blieben mir irgendwie fremd - eine mehr, eine weniger. Gefallen hat mir das wachsende Umweltbewusstsein der jungen Frauen. Sie wollen, im Gegensatz zu ihren Vätern, gegen die bereits horrenden Umweltsünden ankämpfen und sich gegen die Umweltzerstörung einsetzten. Demonstrationen und die neue grüne Partei sind für beide Frauen eine passende Plattform. Minka schließt sich sogar einer Kommune an. Als drittes Mädchen kommt Claire hinzu, deren Schicksal mich erschüttert hat. Trotzdem fand ich aber auch zu ihr keinen richtigen Bezug, was ich sehr schade finde.
Am meisten gestört hat mich die viel zu detaillierte Erzählung. Für mich als Österreicherin war es viel zu viel deutsche Politik, die sehr ausführlich beschrieben wurde. Es ging um Wahlkämpfe und Programme, die mich als Nicht-Deutsche überhaupt nicht in dieser Komplexität interessierten. Viel interessanter fand ich hingegen das erwachende Umweltbewusstsein der damaligen Jugend und die Aufdeckung der Tierversuchsanstalt in der Stadt. Hier hatte ich die Befürchtung, dass ich wegen zu vielen und genauen Beschreibungen das Buch abbrechen muss. Ich kann zwar blutige und grausame Thriller ohne mit der Wimper zu zucken lesen, aber ich vertrage kein Tierleid! Die Erzählung hielt sich aber soweit in Grenzen, die ich gerade noch akzeptieren konnte. Zusätzlich kamen noch die Ereignisse im Waisenhaus hinzu, die mich erschütterten.
Der Roman beginnt im Jahr 1972 und endet 1983. Die Handlung wird aus den Perspektiven von Caro, Minka, ihren Eltern und anderen Personen beschrieben. Pro Kapitel wechselt die Erzählperspektive.
Katharina Fuchs hat meiner Meinung nach in ihrem neuen Roman zu viele Themen aufgegriffen und diese sehr detailliert erzählt. Mir wurde es zu viel, vorallem beim politischen Hick-Hack zwischen SPD und CDU. Auch die medizinischen Erkläreungen waren oftmals ermüdend. Eine Seite fiel mir da besonders ins Auge, die fast nur aus Fakten mit Daten bestand, die mehr einem Wikipedia Eintrag entsprach. Für mich erinnerte auf vielen Seiten dieses Buches nichts an die emotioanle und fesselnde Schreibweise der Autorin, die ich aus ihren anderen Romanen kenne. Trotz der tollen Thematiken rund um Umweltsünden und der Entstehung wachsenden Umweltbewusstseins, hätten der Geschichte mindestens 200 Seiten weniger gut getan.
Fazit: Der neue Roman von Katharina Fuchs hat mich diesmal leider nicht richtig abholen können. Es liegt sicherlich auch daran, dass ich als Österreicherin mit den vielen politischen Themen rund um die CDU und der SPD nichts anfangen konnte. Die Politik spielt im Roman aber eine sehr große Rolle und es wird ausführlichst darüber berichtet. Meiner Meinung nach hat die Autorin aber auch neben der Politik zu viele Themen aufgegriffen. Zusätzlich haben es mir die Menge an Figuren sehr schwer gemacht, emotionalen Bezug zu den drei Protagonistinnen herzustellen. Die Themen betreffend Umwelt und Tierversuche, sowie den Medikamentenmissbrauch fand ich hingegen spannend. Deswegen vergebe ich noch 3 Sterne und hoffe das nächste Buch der Autorin wird wieder ein Highlight für mich....
Verlag: Droemer HC Erscheinungstermin: 30.12.2021 20,00 € Hardcover 624 Seiten ISBN: 978-3-426-28265-6 Autorin: Katharina Fuchs Unser kostbares Leben Roman. Von der Bestseller-Autorin von “Zwei Handvoll Leben” Eine Epoche im Umbruch – Die Geschichte zweier Jahrzehnte: Drei Frauen gehen ihren Weg
Bestseller-Autorin Katharina Fuchs erzählt von ihrer eigenen Kindheit, die Geschichte von drei jungen Frauen, die in den 70er Jahren gegen gesellschaftliche Missstände und die Vorstellungen ihrer Eltern rebellieren.
Nach der Geschichte ihrer Großmütter, ihrer Mutter und Tante, erzählt Katharina Fuchs nun von einer Kindheit und Jugend in den 70er und 80er Jahren. Mainheim 1972: Minka und Caro eröffnen die Schwimmbadsaison, als ihr Klassenkamerad Guy vor ihren Augen verunglückt. Am selben Tag trifft das vietnamesische Waisenkind Claire im Kinderheim ein. Das Netzwerk ihrer Väter, des SPD-Bürgermeisters und des Fabrikdirektors beginnt zu arbeiten. Die Freundinnen realisieren, dass in der kleinen Industriestadt nichts mehr stimmt: Vergiftetes Flusswasser, Tierversuche und Experimente mit Psychopharmaka. Wie kostbar ist ein Leben? Katharina Fuchs erzählt intensiv und authentisch über den Höhepunkt der Umweltzerstörung in den 70er Jahren und wie wir die Wende selbst beschwören mussten.
Die wahre Geschichte ihrer Großmütter sowie ihrer Mutter und Tante erzählt die Bestseller-Autorin in den historischen Romanen »Zwei Handvoll Leben« (1914–1953) und »Neuleben« (50er und 60er Jahre).
Zur Autorin
Katharina Fuchs, geboren 1963 in Wiesbaden, verbrachte ihre Kindheit am Genfer See und in einer hessischen Kleinstadt. Nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main und in Paris wurde sie Rechtsanwältin und Justiziarin eines daxnotierten Unternehmens. Katharina Fuchs lebt mit ihrer Familie im Taunus. “Zwei Handvoll Leben” und “Neuleben” basieren auf ihrer eigenen Familiengeschichte. “Unser kostbares Leben” ist nach “Lebenssekunden” ihr jüngster Roman.
Meine Meinung
Ich habe ja bisher alle Romane der Autorin gelesen und gehört, Neuleben war ein 5 Sterne-Buch und damaliges Jahreshighlight für mich. Daher war ich sehr gespannt auf diese Neuerscheinung.
Anfangs konnte mich die Geschichte gar nicht so fesseln, aber je weiter ich in der Geschichte kam, um so faszinierter war ich von der Geschichte rund um Caro, Minka, Guy und Claire und ihren Familien.
Vielleicht erwähne ich dazu, dass ich 1978 geboren bin und mich die Geschichte auch rein zeitlich sehr interessiert hat. Unser kostbares Leben fängt einige Jahre vorher an und endet in den 80er Jahren.
Katharina Fuchs hat in diesem Roman viele Themen der damaligen Zeit aufgegriffen, wie z.B. Umweltverschmutzung, Versuche an Tier und Heimkindern, Politik der damaligen Zeit, Korruption, Vorurteile gegenüber ausländischen Mitmenschen. Man lernt beim Lesen auch, dass alles sehr gut recherchiert ist und ich habe auch wieder Einiges dazu gelernt. Trotzdem bringt sie auch immer viele Emotionen und Tiefgang mit hinein.
Die Charaktere haben mir auch sehr gut gefallen. Für mich war es teilweise nur sehr schwierig, die Passagen mit den Tierversuchen zu lesen, da ich äußerst tierlieb bin.
Allzu viel möchte ich hier gar nicht verraten, das würde zuviel vorweg nehmen. Alles in allem kann ich hier eine absolute Lese- und Hörempfehlung mit den vollen 5 Sternen aussprechen. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Roman der Autorin.
Um es gleich vorweg zu nehmen, für mich war dieses Buch ein einziges Ärgernis. Zehnjährige, die sich für das Konstruktive Misstrauensvotum gegen Willy Brandt interessieren, Kröten Anfang der Siebziger über die Straße tragen…da war wohl der Wunsch der Autorin Mutter des Gedanken. Oder, und das scheint wesentlich wahrscheinlicher, mussten bestimmte Verhaltensweisen den Kindern zugeschrieben bzw. so hingebogen werden, dass es erkenntnisleitend dem Narrativ entsprach, das die Autorin dem Roman zugrunde gelegt und auf dem sie ihn aufgebaut hat.
Katharina Fuchs stützt sich in „Unser kostbares Leben“ auf ihre persönlichen Erlebnisse und möchte davon ausgehend die allmähliche Sensibilisierung Jugendlicher für umweltpolitische Themen beschreiben.
Der Handlungszeitraum erstreckt sich über die siebziger und achtziger Jahre, Handlungsort ist eine hessische Kleinstadt, in der im wahrsten Sinn des Wortes viele schmutzige Geheimnisse unter der Oberfläche lauern. Stellvertretend für die junge Generation lässt sie uns am Leben von Caro, Alter Ego der Autorin, Tochter aus dem gutem Haus eines Schokoladenfabrikanten, Minka, ihre Freundin und Bürgermeisterstöchterlein, sowie Claire, ein vietnamesisches Waisenmädchen, teilnehmen. In den über 600 Seiten kommen jede Menge Themen auf den Tisch: Vergiftete Flüsse, skrupellose Medikamententests an Schutzbefohlenen, das Leid von Versuchstieren, die Klüngeleien der Honoratioren, die in Gutsherrenmanier die Fäden im Städtchen ziehen.
Viel Stoff, aus dem man einen lesenswerten Roman über diese Zeit hätte stricken können. Die Betonung liegt auf hätte, denn leider ist es der Autorin weder gelungen, die Atmosphäre dieser bleiernen Jahre einzufangen (die Nennung einiger Markennamen und allseits bekannter Ereignisse genügt leider nicht), noch konnte sie, bedingt durch ihren distanzierten Umgang mit dem übergroßen Personentableau, ein Interesse an der Entwicklung der Protagonistinnen schaffen. Dazu kommen die vielen unnützen und überflüssigen Informationen (wollt ihr wissen, wie der Prozess des Conchierens abläuft?), die zwar den Umfang aufgebläht, dafür aber immer wieder das Tempo gedrosselt haben und absolut Null zum Fortgang der Geschichte beigetragen haben. Des Weiteren habe ich so meine Probleme mit der Sichtweise der Autorin, die es offenbar nur der gebildeten oberen Mittelschicht zutraut, gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen, denn die Perspektiven der „normalen“ Menschen fehlen fast vollständig. Den Vogel schießt allerdings die Betroffenheitsprosa im letzten Abschnitt des Buches ab, in dem der Bogen zur Gegenwart geschlagen wird. Ein weiteres überflüssiges Detail dieses Romans, der meine Erwartungen in keinster Weise erfüllen konnte.
„Unser kostbares Leben“ ist ein autobiografischer Roman, der einen interessanten Rückblick auf die 1970-er Jahre in Deutschland wirft.
Die Autorin Katharina Fuchs hat Rechtswissenschaften studiert und lebt mit ihrer Familie im Taunus. Vor diesem Werk hat sie schon zwei Bücher veröffentlicht, in denen sie sich auf das Leben ihrer Großmütter bzw. ihrer Mutter und deren Schwester bezieht. Hier schreibt sie nun über ihre eigenen Erlebnisse.
Der intensive Schreibstil der Autorin hat mich direkt in die 1970er Jahre zurückversetzt. Durch viele Details wird der Zeitgeist lebendig und die damaligen Bilder wurden vor meinen Augen regelrecht sichtbar. Die Erinnerungen an die politische Situation, das sich langsam entwickelnde Umweltbewusstsein und Protestmärsche werden anhand der Geschichte der drei Protagonistinnen Minka, Caro und Claire authentisch geschildert. Die aufgegriffenen gesellschaftlichen Themen - wie Versuche an Tieren und Heimkindern mit Psychopharmaka - sind erschreckend und perfekt mit der Handlung verwoben. Ebenso stimmig ist die politische Situation beschrieben, über die immer wieder ganz nebenbei Fakten einfließen. Man merkt, dass Katharina Fuchs sehr ausgiebig recherchiert hat und Tatsachen werden durch das Leben der einzelnen Charaktere mit der Handlung verflochten. Diese sind sehr unterschiedlich. So lebt z.B. Minka in einer Kommune, tritt in die gerade entstehende Partei der Grünen ein und Caro wird Journalistin.
Mich hat dieser Roman sehr gut unterhalten. Diese Mischung aus Emotionen, Fakten politischer bzw. gesellschaftlicher Ereignisse, das Familienleben in den 1970-er Jahren sind hier so lebendig und intensiv beschrieben, wie ich es selten zuvor erlebt habe und wodurch ich beim Lesen fast das Gefühl hatte, ein Teil der Geschichte zu sein. Deswegen gebe ich eine klare Leseempfehlung für alle, die gerne mehr über vergangene Zeiten erfahren möchten und Familiengeschichten mögen.
Die Geschichte basiert auf der eigenen Kindheit der Autorin. Sie spielt in den 1970er und frühen 1980er Jahren im hessischen Mainheim und erzählt vom Erwachsenwerden dreier Mädchen sowie den politischen Verstrickungen u.a. ihrer Eltern. Dabei wird abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven berichtet. Immer mehr hat mich die Erzählung an Die Buddenbrooks erinnert. Wenn die Familien hier auch nicht gänzlich zerfallen, spielt doch die politische und gesellschaftliche Entwicklung in der Bundes- wie Kommunalpolitik eine große Rolle und die konservative Einfachheit des Lebens dieser privilegierten Familien entrinnt ihnen. Die Erzählung gliedert sich in prägende reale Ereignisse der Zeit ein.
Die Siebziger – nüchtern betrachtet Der Roman spielt in den 1970er und 1980er Jahren in der hessischen Kleinstadt Mainheim. Die Freundinnen Caro und Minka sind am Beginn der Geschichte zehn Jahre alt, ebenso wie ihr Mitschüler Guy, der beim gemeinsamen Schwimmbadbesuch verunglückt. Die dritte weibliche Protagonistin, die im Untertitel erwähnt wird, ist das vietnamesische Flüchtlingskind Claire. Die Autorin blickt in ihrem Werk auf die eigene Kindheit und Jugend zurück und spricht Themen wie Umweltverschmutzung, Politik, Tier- und Medikamentenversuche an. Das Cover zeigt die Rückenansicht dreier junger Frauen. Auf einem PKW sitzend betrachten sie ihre Umwelt – einen Schwarm Vögel, einen alten Baum; der Hintergrund offenbart allerdings einen weiteren Aspekt: im dichten Nebel steigen Fabrikschlote empor, das Wasser eines Flusses ist nur in Grautönen erkennbar. Die Unterteilung in drei Bücher bezieht sich jeweils auf die Erlebnisse der drei Frauen in den Jahren 1972, 1976 und 1980. Die kurzen Kapitel sind mit den Namen der handelnden Personen betitelt und führen so immer wieder zu einem Perspektivenwechsel. Die Sprache ist einfach gehalten und man kommt trotz des Umfangs von 600 Seiten schnell voran. Die hohe Seitenanzahl ist auch vielen Wiederholungen geschuldet. Im Gegensatz zur einfachen Sprache des Buches erinnern die Passagen mit Naturbeschreibungen - vor allem die Bestimmung gewisser Tierarten oder Pflanzen betreffend – eher an ein Biologie-Lexikon, denn an einen Roman. Ebenso werden die Vorgänge der Schokoladenherstellung recht technisch wiedergegeben. Diese Erklärung von Fachbegriffen sowie die Aneinanderreihung von Fakten wirkt an vielen Stellen lehrerhaft und ist oft auch überflüssig. Manchmal ist weniger eben mehr, eine Straffung hätte der Geschichte an einigen Stellen nicht geschadet. Die Beschreibungen der Siebziger beschränken sich größtenteils auf Details in Bezug auf die Wohnungseinrichtung, oder auf das Bonanza-Fahrrad, das immer nur in Verbindung mit seiner orangen Farbe und immer wieder auftaucht. Viele Details sind gut recherchiert, andere scheinen für die Siebziger verfrüht. Ein genaueres Eingehen auf die Umstände oder das Lebensgefühl jener Zeit vermisst man allerdings. Überhaupt ist der Roman sehr nüchtern und dokumentarisch gehalten. Die Protagonistin Caro verfasst seit ihrer Kindheit Geschichten. Schon zu jener Zeit erkennt sie, wie problematisch es für sie ist, Empfindungen und Gefühle in die richtigen Worte zu fassen. Die Autorin scheint an diesen Schreibstil anzuschließen. So bleiben die Charaktere eher blass, die Betrachtungen von Politik und Wirtschaft nüchtern. Es gibt Bücher, bei denen der Leser bedauert, ans Ende der Geschichte zu kommen. Bei diesem Roman hatte ich dieses Gefühl allerdings nicht …
Bei dem Buch bin ich wirklich zwiegespalten, was mir selten passiert, denn entweder mag ich ein Buch oder eben nicht. Hier besteht für mich die Schwierigkeit, dass ich als 'Kind der Zeit' natürlich die Dinge erinnere von denen die Autorin schreibt, ich mich aber frage, inwieweit mich als Zehnjährige Krötenwanderung oder die Umweltbewegung interessiert haben. Gar nicht. In dem Alter hat eigentlich jeder andere Interessen gehabt, was heute vielleicht durch 'Fridays for future' etwas anders sein mag. Der Schreibstil ist recht einfach gehalten, was das Buch lesbar, aber nicht unbedingt interessanter macht. Die Themen, die der Roman aufgreift - Tierversuche, Arzneimittelstudien mit Kindern und die Umwelt - sind spannende Themen, die einen Roman durchaus lohnen und lesenswert machen können. Doch dann hätte ich mir Protagonisten, die etwas älter wären besser vorstellen können und für mich hätte die Geschichte gestrafft auf vielleicht 200 Seiten weniger, mehr Spannung gebracht. So ist das Buch zwar gut lesbar für Zwischendurch, geht mir aber ein wenig zu langatmig daher.
Der Schreibstil hat mir sehr gefallen, sofort konnte man sich in alle Gegebenheiten und Örtlichkeiten hinein versetzen... auch die Charaktere wuchsen einem schnell ans Herz und dennoch fehlt bei meiner Bewertung ein Stern - der große Knall hat mir dann doch gefehlt. Zum Ende hin ging alles sehr schnell und dann war die Geschichte schon zuende... wo ich doch 600 Seiten und mehr langsam den Aufbau der Handlung verfolgen dürfte. Dennoch ein Buch mit spannenden Frauencharakteren, das sich gut wegliest! Frau Fuchs hats halt drauf 😀
Unser kostbares Leben nimmt uns mit in die 1970 Jahre in eine Kleinstadt am Main. Deutschland ist im Aufschwung, überall wachsen neue Produktionsstätten aus dem Boden. So auch in dem beschaulichen Mainheim. Auf der einen Seite des Mains steht die Schokoladenfabrik, deren Schokoladenduft sich die meiste Zeit über die Dächer der Stadt legt. Auf der anderen Seite des Flusses liegt eine Chemiefabrik, deren Gestank zum Glück nur selten die Anwohner belästigt. Nur wenn der Wind schlecht steht, dann sollte man Fenster und Türen geschlossen halten und möglichst nicht vor das Haus gehen. Halskratzen, Luftnot, tränende Augen könnten dann die Folge sein. In den Siebziger Jahren war man noch so sehr damit beschäftigt das kostbare Leben zum Erfolg zu führen, dass es meistens egal war, über welche Leichen man klettern musste. Straßen wurden durch unnütze Feuchtgebiete gezogen, Medikamente in grausamen Tierversuchen ausprobiert und Abgase in den blauen Himmel getrieben. Was kostet schon die Welt? In dem Buch Unser kostbares Leben, haben die zehnjährigen Mädchen Caro Stern und Minka Schönwetter, die Hauptrollen. Caro die Tochter des Schokoladenherstellers, lebt mit ihren 4 Geschwistern in einem typischen Haus der 1970 Jahre. Glasbausteine am Eingang, die Küche in freundlichem braun und orange gefliest. Die Einrichtung ruft (bei mir) sofort Erinnerungen aus der Kindheit hervor. Schönwetters leben direkt auf der anderen Seite des Gartens der Sterns (Caro). Ihr Haus ist etwas moderner, unterscheidet sich aber nur in der Einrichtung. Caro und Minka sind dicke Freundinnen. Am liebsten treffen sie sich im Schwimmbad. Im Frühling 1972 sitzen sie am Poolrand des Sprungturms und albern mit ihrem Vietnamesischen Freund Guy herum. Übermütig klettert der Junge die Treppe zum Sprungturm hinauf, obwohl es das Schild verboten hatte. Es ist nichts besonderes, denn die Kinder ignorieren öfter die Regeln in dem Schwimmbad. Das Sprungbrett biegt sich mehr als sonst und als Guy abspringt wird er förmlich katapultiert und landet mit dem Hinterkopf am Beckenrand und geht im Wasser unter. Die Mädchen retten ihren Freund aus dem 5 Meter tiefen Becken. Der Bademeister ist auch schnell zur Stelle und der Junge wird gerettet, ins Krankenhaus gebracht. Warum das Brett so leicht eingestellt war und wieso man nie wieder etwas von Guy und seiner Mutter zu hören bekommt, das werden einige einflussreiche Männer der Stadt Mainheim still und heimlich beschließen. Aber das ist noch lange nicht alles, über dass die Autorin Katharina Fuchs schreibt. Sie zeigt mit dem Finger auf die Tierversuche der 1970 Jahre und auf die Umweltverschmutzung, die in dieser Zeit noch ungefiltert, in den Himmel, die Flüsse und Seen geleitet wurden. Sie zeigt wie sehr die Frauen als nichtig angesehen wurden (Du bist nur meine Frau und die Mutter meiner Kinder!) Eine weitere Hauptfigur ist Claire. Eine Waise aus Vietnam, die als Hilfsprogramm mit zwei weiteren vietnamesischen Kindern nach Deutschland geholt wurden. Claire wird in einem Kinderheim für Mädchen in Mainheim untergebracht. Dort trifft sie auf die Ärztin Karin Lavalette, die die Kinder in dem Heim betreut. Lavalettes macht das nebenbei, denn eigentlich arbeitet sie in der Forschung in der Chemiefabrik. Ein Schelm der böses denkt. Kaum sind die vietnamesischen Mädchen in dem Heim angekommen, bekommen die Kinder zum Essen „Vitamine“ in Pillenform. Die Autorin schreibt spannend und unterhaltsam. Die Protagonistin Caro könnte die kleine Katharina Fuchs sein, denn sie schreibt schon in jungen Jahren gerne Kurzgeschichten. Aus der Biografie von Katharina Fuchs, kann man entnehmen, dass ihr Vater die Schokoladenfabrik Sarotti geleitet hatte. Das Buch hat einen Suchtfaktor, die 624 Seiten sind meistens kurzweilig. Es gibt allerdings Passagen, die gekürzt werden könnten. Es mag interessant sein zu erfahren, wie es in einer Schokoladenfabrik zugeht, aber so detailliert, kann langweilen. Zwischendurch ziehen sich die Seiten allerdings auch mal sehr in die Länge und man ist versucht, einiges zu überlesen. Aber alles in allem ein gutes Buch. Fuchs hat schon mehrere Bücher geschrieben, die ich noch nicht gelesen habe. In denen ging es um ihrer Großmutter, Mutter und ihre Tante. Da werde ich demnächst wohl noch etwas Lesezeit investieren müssen. Denn schreiben, kann die Autorin!
Ein intensiver Rückblick in die Geschehnisse der 1970er Jahre
„Und du hast Fliegen gelernt.“ (Seite 608)
Worum geht’s? Mainheim in den 1970er Jahren: Minka und Caro wachsen als Nachbarskinder auf und sind beste Freundinnen, obwohl ihre Eltern ganz unterschiedliche Einstellungen zu Politik und Leben haben. Einstellungen, die auch die beiden Mädchen prägen. Durch das Netzwerken ihrer Väter wird den Freundinnen schnell klar, dass in der kleinen Industriestadt einiges nicht so ist, wie es sein soll und weitgehende Auswirkungen auch in ihre Zukunft haben wird.
Meine Meinung: „Unser kostbares Leben“ von Katharina Fuchs ist ein Buch, das emotional und intensiv ist. Der Schreibstil der Autorin hat unheimlich viel Tiefgang und ist unglaublich Detailreich. Selten habe ich Worte gelesen, die so authentisch wirken und so unter die Haut gehen. Vor allem die Zeit, das Buch spielt in den 1970er und 1980er Jahren, war für mich als Kind der 1970er spannend, wenn ich damals auch noch zu klein war, um alles mitzubekommen und vieles nur vom Hörensagen kenne.
Umso spannender waren für mich die Themen, die die Autorin aufgreift. Sie nimmt die politischen Ereignisse, bringt sie mit ein. Dann die Versuche an Tieren und Heimkindern mit Psychopharmaka. Die Umweltzerstörung durch die Industrie. Das Kommunenleben und die Demonstrationen. Und für jedes dieser gut recherchierten Ereignisse erschafft sie einen Charakter, der so perfekt gewählt ist, dass alles noch lebendiger und realistischer wirkt. Besonders Maritas Schicksal ging mir zu Herzen. Ungeliebt, herumgeschubst. Ich hätte sie so gerne aus ihrem Leben herausgeholt und ihr ein besseres Leben ermöglicht! Aber auch die anderen Protagonisten, Minka, die in einer Kommune lebte und später in die Partei der Grünen eintrat. Caro, die einen Weg als Journalistin einschlägt. Claire, die außergewöhnliche Claire und Guy, mit dem alles erst begann. Ich mochte sie alle und auch der Charakter von Dr. Lavalette war perfekt gewählt und erschreckend real.
Und obwohl das Buch sehr umfangreich ist, wurde mir an keiner Stelle langweilig und die Seiten flogen nur so dahin – ich hätte ewig weiterlesen mögen. Die Autorin hat wirklich die 1970er Jahre wieder zum Leben erweckt, das damalige Gefühl lebendig werden lassen und ich war nicht nur Leserin ihrer Geschichte, sondern Teil der damaligen Zeit. Die Protestmärsche, die Experimente, die Kämpfe, die Nacht-und-Nebel-Aktionen – es war einfach genial, ein Teil davon zu sein!
Fazit: Mit „Unser kostbares Lebe“ lässt Katharina Fuchs die 1970er Jahre wieder lebendig werden. Wir tauchen ein in eine Welt aus Politik, Netzwerken, Umweltkatastrophen. Erleben den Beginn der Partei Die Grünen. Die Aufstände der Jugend gegen die Umweltzerstörung. Besonders zu Herzen ging mir das Schicksal von Marita, die als Heimkind medizinischen Experimenten mit Psychopharmaka ausgesetzt war. Das Buch hat mich komplett gefangengenommen und zurückversetzt und ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, selbst Teil der Geschichte zu sein.
5 Sterne von mir und eine absolute Leseempfehlung, das Buch war authentisch, intensiv und hat mich wirklich begeistert!
Ich drücke den Knopf am Tolino und bin zurück in 2022. Dabei war ich doch eben noch in den 70er und 80er Jahren. Ein Flashback sozusagen, zurück in die Zeit der Yes-Törtchen, Löwenmähne, Disco-Kugeln, Schulterpolster, Schaumkussbrötchen, Popperzeit und - meine Güte - habt ihr auch nach jedem stundenlangen Haare-föhnen eine halbe Dose Haarspray verbraucht? Ich höre heute noch meine Mutter jammern, dass ihr ganzer Spiegel von meinem Haarspray verklebt sei.
Katharina Fuchs neuster Roman ist lesenswert und beinhaltet wichtige Themen wie Umweltverschmutzung, Tierversuche und Arzneimittelstudien an Heimkindern, durchgeführt/mit Wissen von Behörden
1972: Caro und Mika sind 10 Jahre alt und beste Freundinnen, obwohl ihre Familien nicht hätten unterschiedlicher sein können: Mikas Vater ist der sozialdemokratische Bürgermeister der Stadt Mainheim, während sein Nachbar, Caros Vater, der Direktor einer gut-situierter Schokoladenfabrik und Familienvater von fünf Kindern ist. Ihr gemeinsamer Freund Guy, der bei einem Schwimmbadbesuch verunglückt, löst eine Reihe von Kettenreaktionen im Dorf aus, die einfach von den Mächtigen im Dorf unter den Teppich gekehrt werden. Erst 10 Jahre später decken die Mädchen all diese Dinge auf ...
Das war mein erstes Buch von der Autorin. Die Sprache ist einfach gehalten und es gibt oft Wiederholungen. An einigen Stellen wurde mir zu detailliert erzählt, wie zum Beispiel die ganze Beschreibung zur Herstellung von Schokolade. Ich glaube 200 Seiten weniger hätten dem Buch gut getan. Dennoch möchte ich dem Buch 4 Sterne geben, denn das Buch ist ein Stück Zeitgeschichte, die mich auf sehr unterhaltsame Weise zurück in meine Jugend katapultiert hat.
Die Autorin Katharina Fuchs beschreibt in ihrem neuesten Roman „Unser kostbares Leben“ wieder ein Stück deutsche Zeitgeschichte und gibt dabei Einblicke in ihre eigene Familiengeschichte.
Minka Schönwetter und Caro Stern wachsen in Mainheim (nahe Frankfurt) auf und wir steigen 1972 in die Geschichte ein und begleiten die beiden Freundinnen und deren Familien bis Anfang der 80er.
Für mich hat das Buch eine ganz besondere Stimmung erzeugt. Wie war das damals in den 70ern? Über was haben die Menschen damals geredet – anscheinend viel über Politik – und was war noch gar kein Thema –z.B. der Umweltschutz.
Gerade diese Zeitgeschichte und die Beschreibung, wie sich das Bewusstsein in Deutschland für die Auswirkungen von menschlichen Eingriffen in die Natur so langsam entwickelt hat, fand ich unglaublich spannend. Selber bin ich Anfang der 70er zur Welt gekommen, so dass mir das Bewusstsein für diese Jahre bisher gefehlt hat. Ich hatte tatsächlich so einige Aha-Erlebnisse, warum in den 80er dieses und jenes passiert oder entstanden ist. Ich hatte wirklich das Gefühl eine kleine Zeitreise zu unternehmen.
Mainheim selber gibt es tatsächlich – wenn auch unter einem anderen Namen. Und da ich gar nicht mal soweit davon entfernt wohne (da war ich sehr überrascht), werde ich mir demnächst einige Orte in echt ansehen können.
Für mich war es ein beeindruckendes Buch, das noch lange nachhallen wird. Ein echtes Highlight und ich freue mich schon auf die nächste Neuerscheinung der Autorin.
Mainheim, Hessen, 1972: Minka und Caro eröffnen die Schwimmbadsaison, als ihr Klassenkamerad Guy vor ihren Augen verunglückt. Die Freundinnen realisieren, dass in der kleinen Industriestadt nichts mehr stimmt: vergiftetes Flusswasser, Tierversuche und Experimente mit Psychopharmaka. Wie kostbar ist ein Leben? 📚 Meine Meinung: Das ist das erste Buch der Autorin das ich gelesen habe. Durch die Leseprobe die ich mir am Anfang besorgt hatte, habe ich schon ein wenig in die Geschichte eintauchen können.
Das Cover ist schön stimmig und hat mich ebenfalls direkt angesprochen.
Katharina Fuchs hat einen wundervollen Schreibstil. Mich hat die Geschichte von der ersten Seite an gefesselt. Durch den wechselnden Erzählstil konnte ich mich noch ein Stück mehr in die Charaktere und ihre Gefühle einfühlen. Die Charaktere waren ausreichend und sehr bildhaft beschrieben. Normalerweise entwickle ich in so Geschichten nach der Zeit immer meinen Lieblingscharakter, bei dem Buch kann ich mich garnicht festlegen. Ich empfand alle als sehr authentisch, jede Geschichte, Gedanken, Erlebtes hat mich berührt.
Erschreckend fand ich die Zustände in den 70 er und 80 er Jahren in Deutschland. Ganz besonders und am spannendsten fand ich die Thematik über Tier- und Menschenversuchen, an unschuldigen Kindern.
Unser kostbares Leben ist ein sehr spannender, gelungener mit Tiefgang geschriebener Roman.
Fazit: Sehr empfehlenswert, mir hat dieses Buch sehr gefallen, auch wenn es mich teilweise traurig und nachdenklich zurück ließ.
Ich vergebe 5/5 Bücherpunkte und eine klare Leseempfehlung!
1972 eröffnen Minka und Caro die Freibadsaison wie in jedem Sommer. Ihr Klassenkamerad Guy verunglückt vor den Augen der anderen und ein neuer Mädchen kommt in die Stadt. Ein Waisenkind auf Vietnam. Ihre Väter, der eine Bürgermeister der Kleinstadt, der andere Fabrikdirektor beginnen ihre Fäden zu Spinnen bzw. Minka und Caro beginnen zu verstehen, das nicht alles so friedlich ist wie es scheint ...
Mein erster Gedanke als ich das Buch in den Händen hielt, was für eine Schwarte. Über 600 Seiten Vergangenheit. Aber kaum eine Seite wae langweilig. Das ein oder andere hätte nicht ganz so ausschweifend erzählt werden müssen, aber im großen und ganzen war es eine spannende, stimmige Geschichte über die Vergangenheit der Generation, der meine Eltern angehören. Eine Kindheit ohne soziale Medien, zumindest in der Form, in der wir sie kennen. Und trotzdem haben sie vieles erlebt. Eine Zeit in der der Fortschritt zwar unaufhaltsam war, aber die Vergangenheit, das Gewohnte noch tief drin. Eine sehr interessante und sehr unterhaltende Geschichte. Hat mir richtig gut gefallen.
Die Geschichte drei junger Mädchen, die in den 70ern aufwachen. Nicht nur aus ihren Perspektiven, sondern auch denen des Umfelds wird erzählt. Das sorgt anfangs ein wenig zu Verwirrung, macht die Geschichte im Verlauf des Buches jedoch noch detailreicher und realistischer.
Da ich bisher nicht viel über die 70er wusste, war das ein interessanter Einblick in ein Jahrzehnt des Wandels. Auf der einen Seite stehen die alteingesessenen Politiker*innen, die nach Fortschritt streben. Andererseits machen sich die Schäden, welche die Industrialisierung mit sich bringt bemerkbar.
Durch den intensiven Einblick in das Leben junger Menschen, die den Grundstein für das wachsende Bewusstsein für die Umwelt und fairen Politik legten, wird einem selbst wieder vor Augen geführt, dass sich (fast) alles ändern lässt wenn der nötige Kampfgeist vorhanden ist. Ein Buch das jeder/m empfohlen werden kann!
Zum Inhalt: In diesem Buch erzählt die Autorin von ihrer eigenen Kindheit. Eine Geschichte von der jungen Frauen in den siebziger Jahren, die gegen die Vorstellungen der Eltern aber such der gesellschaftlichen Missstände rebellieren. In einer Zeit die man durchaus auch als einen Höhepunkt der Umweltzerstörung nennen kann, die Flüsse waren verhaftet, Tierversuche waren noch völlig normal. Meine Meinung: Das hat mir gut gefallen, die Autorin hat es einfach drauf, relativ normales Leben interessant zu verpacken. Der Schreibstil ist gewohnt gut. Für mich hatte das Buch zusätzlich den Reiz, dass mir die siebziger Jahre gut vertraut sind, bin ich doch selbst in der Zeit aufgewachsen. Mir kam vieles sehr vertraut vor. Nachts, was vergessen war, kam auch wieder in Erinnerung. Man muss allerdings Durchhaltevermögen haben, denn das Buch ist umfangreich und Detail verliebt geschrieben. Fazit: Hat mir sehr gut gefallen
Warnung: Dieses Buch kann Heißhunger auf Schokolade auslösen! Das ist kein Witz, sondern eine ernstgemeinte Warnung, denn "Unser kostbares Leben" spielt in der Kleinstadt Mainheim bei Frankfurt im Einzugsgebiet der Schokoladenfirma Cassada. Die Stimmung in der Stadt ist gut, wenn der Wind den Schokoladenduft über die Dächer trägt und schlecht, wenn stattdessen chemische Abgase aus der nahegelegenen Farbenfabrik durch die Straßen dünsten.
In dieser Stadt lernen wir eine Reihe von Charakteren kennen: Herr und Frau Schönwetter, der Bürgermeister und seine Frau, mit ihren Kindern, darunter die aufmüpfge Minka. Die Familie Stern, deren Vater die Schokoladenfabrik gehört, mit ihren fünf Kindern, eines davon Caro, die schon als Jugendliche leidenschaftlich gerne schreibt. Claire, ein Waisenkind aus Vietnam, das ins nahegelegene Kinderheim gebracht wird, und noch viele mehr. Wir begleiten sie über mehrere Jahrzehnte durch ihr Leben und können nebenbei den Zeitgeist der 70er und 80r Jahre in Westdeutschland erleben.
Klingt doch nach einem großartigen Epos? Leider nur in der Theorie!
In der Praxis bleibt dieser Roman, der von der Anlage her wirklich vielversprechend ist, leider hinter seinem Potential. Der Erzählstil ist zwar angenehm, aber es gelang mir bis ganz zum Schluss nicht, einen Zugang zur Handlung oder den Charakteren zu finden. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Zum einen gibt es in diesem Buch ständig Zeitsprünge. Das ist an sich nicht schlimmes, aber diese Zeitsprünge passieren immer genau dann, wenn sich gerade mal ein spannender Konflikt auftut oder tatsächlich Emotionen entstehen. Dann heißt es immer "Cut!" und wir treffen die Charaktere fünf bis zehn Jahre später wieder. Alle Konflikte werden fallen gelassen, wenn man Glück hat wird in einem Nebensatz erwähnt, wie sich der Cliffhänger auflöst. Und dann muss man wieder ganz von vorne beginnen, einen Zugang zu den Charakteren zu finden. Das hat leider nur begrenzt Lesefreude bereitet.
Hinzu kommt, dass dieses Buch all seine Charaktere auf der Basis von Stereotypen einführt. Der grummelige Bürgermeister, der dicke Schokoladenbesitzer, die rebellische Naturschützerin, die hochbegabte Asiatin (leider kein Scherz), die fürsorgliche christliche Mutter, die kaltherzige und karrierebezogene Ärztin. Und auch das kann seinen Charme haben, wenn es richtig gemacht wird, aber hier bleiben die Charaktere leider an der Oberfläche und die Handlung wirkt teilweise aufgesetzt und unrealistisch. Caro reflektiert schon als Zehnjährige über rhetorische Figuren und die korrekte Darstellung von Emotionen in ihren ersten Schreibversuchen. Claire sitzt (Achtung kleiner Spoiler) einfach mal als 19jährige an ihrer Promotion. Das hat mich doch das ein oder andere Mal mit den Augen rollen lassen.
Aber es gab auch schöne Momente in diesem Buch: Die Schilderung des giftigen Regens über Mainheim durch die Augen der Frau des Bürgermeisters, Hinterzimmer-Szenen und geheime Absprachen zwischen den führenden Männern der Stadt. Auch die Geschichte über das erste Hüttendorf der Klimaaktivisten in Mainheim hat mir gut gefallen.
Was bleibt also an Ende von diesem Buch: Ein paar interessante Fakten und das Gefühl einer nicht ausgereiften Geschichte. Dafür dass das Buch schon recht lang ist, wurde hier definitiv an den falschen Stellen gekürzt.
Daher gibt es von mir drei Sterne für das Buch. Das bedeutet, ich würde es nur ganz speziellen Menschen empfehlen: Zum Beispiel Menschen, die in den siebziger Jahren geboren wurden und gerne ein bisschen nostalgisch zeitreisen möchten. Oder vielleicht Menschen, die gerne Schokolade mögen. Davon gibt es in diesem Buch mehr als genug.
Ich hatte letztes Jahr das Buch "Lebenssekunden" der Autorin gelesen und war so begeistert, dass es für eines meiner Jahreshighlights geworden ist. Ich habe mich deshalb unglaublich auf dieses neue Buch von Katharina Fuchs gefreut, musste aber feststellen, dass es diesmal leider nicht "mein Thema" war.
Im Buch begleiten wir die drei Mädchen Minka, Caro und Claire. Das Buch spielt in den 70er und 80er Jahren in Mainheim, nahe Frankfurt. Caros Vater leitet zu dieser Zeit die Schokoladenfabrik dort, Minkas Vater ist der Bürgermeister und brennender SPD Anhänger. Claire kommt als Waisenmädchen aus Vietnam und bevor sie von Caros Eltern adoptiert wird, lebt sie eine zeitlang im Waisenhaus. Nach einem Unfall eines Klassenkameraden im Schwimmbad ist nichts mehr wie vorher, die Kinder bekommen immer mehr die Korruption, Tierversuche und Experimente mit Arztneimitteln in ihrer Stadt mit und müssen nach und nach ihren eigenen Weg gehen, auch gegen Wiederstände der Eltern...
Den Schreibstil der Autorin habe ich schnell wiedererkannt, sie schreibt sehr intensiv aber auch durchaus ausschweifend. Dadurch, dass die Autorin kapitelweise immer aus Sicht einer anderen Person schreibt, nicht nur die drei Mädchen, sondern auch deren Eltern und andere Bewohner werden beleuchtet, bekommt man als Leser die verschiedensten Gedanken und Beweggründe der einzelnen Personen mit. Bei ihrem Roman "Lebenssekunden" hat mir dies sehr gefallen und trotz der Ausführlichkeit wurde es mir nicht eine Sekunde langweilig, hier erging es mir leider etwas anders und ich empfand einige Stellen im Buch langatmig. Das liegt wahrscheinlich hauptsächlich daran, dass es einfach nicht meine Themen waren.
Es ging viel um Umweltschutz und die Anfangszeit der Grünen-Partei, aber auch um Politik und die Umweltverschmutzung insgesamt zu dieser Zeit. Es kamen im Buch durchaus kleine Überraschungen und spannende Abschnitte vor, für mich gab es aber auch immer wieder langatmige Sequenzen, die man hätte kürzen dürfen.
Das was mir dreiviertel des Buches zu langsam und behäbig erzählt wurde, ging mir dann auf den letzten 150 Seiten viel zu schnell und abrupt. Da kam ein Thema, dass auch vorher schon immer mal wieder wage zur Sprache kam auf, dass mich wirklich interessiert hat, was dann aber zu kurz und "problemlos" abgehandelt wurde. Wäre der Anfang gekürzt und die letzten 150 Seiten deutlich ausführlicher gewesen, dann wäre es für mich wieder eine echte Empfehlung gewesen! So kam mir das Ende viel zu schnell abgehandelt vor, als hätten der Autorin zum Ende hin Seiten gefehlt.
Fazit: Leider war es inhaltlich diesmal nicht so meins, die Themen die mich wirklich interessiert haben, wurden zu schnell abgehandelt. Dennoch werde ich mir auf jeden Fall die weiteren Bücher der Autorin ansehen, denn sie kann wirklich toll schreiben. Wer einmal ins Westdeutschland der 70er Jahre eintauchen möchte und sich vorallem für Themen wie Politik und Umweltschutz interessiert, der ist hier richtig und diesen Lesern kann ich das Buch unbedingt weiter empfehlen!
In einer Stadt nahe Frankfurt treffen sie sich bevorzugt im nahen Schwimmbad: Minka, Caro und Guy. Ein kühner Sprung vom nagelneuen Duraflex-Hochleistungs-Sprungbrett wird Guy zum Verhängnis.
Währenddessen wird das vietnamesische Waisenkind Claire mit noch zwei kleineren Mädchen aus ihrem geschundenen Land ausgeflogen und direkt ins Kinderheim der Stadt gebracht. Ohne Sprachkenntnisse kommen sie an, aber sehr bald erkennt Karin Lavalette, die jeden zweiten Tag die Kinder ärztlich betreut, dass in Claire sehr viel Potential steckt und fördert diese nach Kräften.
Aus der Sicht dreier Mädchen, die anfangs zehn Jahre alt sind, erzählt Katharina Fuchs die Geschichte ihrer Kindheit und Jugend aus den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Es ist viel passiert in diesen Jahren. Die Industrie konnte ihre Abwässer ungehindert und ungefiltert in die Flüsse leiten, der Umwelt wurde nicht viel Beachtung geschenkt. Die Anfänge der Grünen mit ihrer Frontfrau Petra Kelly, die Anti-Atomkraft-Demos und der Kampf gegen die Flächenversiegelung waren allgegenwärtig. Thematisiert werden Tierversuche in seiner allzu schrecklichen Form und Experimente mit Psychopharmaka, die Forschung diente als Rechtfertigung. Die Ressourcen auf unserem Planeten sind endlich, in diesen Jahren wurde aus dem Vollen geschöpft, die Umwelt stand nicht im Mittelpunkt.
Ja, unser Leben ist kostbar. Es hat sich einiges geändert in Bezug auf Umweltzerstörung und Naturschutz, die Menschenrechte müssen immer noch erkämpft werden und doch ist schon einiges geschehen. Der Weltfrieden ist nur allzu brüchig und es wird sie immer geben – diejenigen, die um ihres eigenen Vorteils willen tricksen und vertuschen.
Das Buch atmet die 70er und 80er Jahre, das Cover mit dem verblassten Foto führt direkt zurück in diese Zeit. Katharina Fuchs hat durch ihre Protagonisten das Gefühl jener Jahre gut vermittelt, anhand der einzelnen Personen war der Focus auf die diversen Themen gelegt. Was mich besonders betroffen gemacht hat, waren die als Vitamine gereichten Neuroleptika an Kindern, die gar nicht wussten, was sie da tagtäglich schlucken. Zehn Jahre begleiten wir Minka, Caro, Claire und ihre Familien, erfahren von ihren politischen Ansichten, in denen die beiden Volksparteien noch ganz vorne waren.
Das Buch hat mich gut unterhalten und mir nochmal vor Augen geführt, dass man nie aufhören darf das anzuprangern, was uns die Lebensgrundlage raubt. Die Lebenswege der so unterschiedlichen Freunde zeichnen ein gutes Bild von damals. Aber – vor allem im mittleren Teil hatte ich das Gefühl, als ob das Geschehen der ganzen Welt erzählt werden müsste. Diese geballte Ladung an geschichtlichem Wissen tut der Story nicht gut. Versöhnt hat mich dann das letzte Drittel, hier steht unsere Geschichte wieder im Vordergrund, gut eingebettet in diese Jahre.
Dieses Buch beschreibt den Umbruch der Siebziger Jahre in der Bundesrepublik am Beispiel einer Kleinstadt in der Nähe von Frankfurt. Drei junge Mädchen entwickeln ein politisches Bewusstsein angesichts von Umweltschäden, Fehlverhalten von Verantwortlichen und natürlich durch ihre Familien. Minka die Tochter des Bürgermeisters, Caro die Tochter eines Fabrikdirektors und Claire sie ist ein Vietnamflüchtling und wird von Caros Eltern adoptiert. Es werden sehr viele Themen besprochen, politische Netzwerke wo eine Hand die andere wäscht, Deals zugunsten der Stadt und einer Firma wo einiges unter dem Teppich gefegt wird, Tierversuche, Atomkraftproteste oder Proteste gegen Startbahnen und Autobahnen. Experimente mit Psychopharmaka kommen genauso darin vor, wie das Retten von Kröten vor dem Überfahren wenn sie zu ihren Laichplätzen ziehen. Der Grundtenor dieses Buchs ist: Jedes Leben ist kostbar, egal ob Mensch oder Tier und wir alle sind verpflichtet dem den größtmöglichen Respekt entgegen zubringen. Wir erleben die Entwicklung der jungen Mädchen von Kindern zu erwachsenen Frauen mit, die in der Lage sind für ihre Meinung zu kämpfen und für ihre Überzeugungen eintreten. Sie sehen an ihren Müttern was sie nicht wollen. Die Frau des Politikers oder die Frau des Fabrikdirektors zu sein. Die einzelnen Stränge greifen ineinander, die Entscheidungen sind leicht nachvollziehbar vor allem weil ich im gleichen Alter bin. An Protesten habe ich teilgenommen, aber ich hatte das Glück nie in unmittelbarer Nähe von einer ernsten Gefahr zu leben. Daher Unterstützung ja aber keine persönliche Beziehung. Um so eindringlicher erscheint dieser Rückblick und Dankbarkeit für die Entwicklung politisch wie gesellschaftlich, Der Stil der Autorin ist eindringlich auch wenn es schon eine Weile her ist, kommt die Zeit sehr intensiv zurück in Erinnerung. Spannend wird die Frage immer schnell beantwortet wie reagiert wer auf die Ereignisse, ändert sich etwas an den vorherrschenden Meinungen und wird endlich eine Änderung erreicht.
Katharina Fuchs schildert in diesem Roman mit autobiografischen Anklängen die Kindheit und Jugend in einer kleinen hessischen Stadt von 1972 bis 1983.
Im Mittelpunkt stehen dabei Caro - die Tochter des Schokoladenfabrikanten, Minka - die Tochter des Bürgermeisters und Claire, ein vietnamesisches Waisenkind, das von Caros Eltern adoptiert wird.
Zusätzlich zu deren Erwachsenwerden versucht das Buch aber auch sämtliche politische Verwirrungen dieser Zeit aufzugreifen: die feste Bindung der Menschen an eine Partei, der Klüngel in der Kleinstadt, der Umgang mit Umwelt und Tieren und der Beginn der Umweltschutzbewegung, die Integration von Flüchtlingen und die rechtliche Grauzone, die Pharmaexperimente an Heimkindern ermöglichte.
Außerdem lernt man noch, wie Schokolade hergestellt wird und welche Bretter in Sprunganlagen in Schwimmbädern verwendet werden dürfen.
Diese Erläuterungen und geschichtlichen Einordnungen sind teilweise sehr ermüdend und stören den Fluss der Geschichte. An mehreren Stellen werden auch Fäden später nicht wieder aufgenommen, so dass man als Leserin mit Fragen zurückbleibt.
Die Perspektive des Buches wechselt immer wieder - nicht nur zwischen den drei Mädchen, sondern auch zwischen Personen aus ihrem Umfeld (Väter, Mütter, eine Ärztin aus dem Heim, ...). Dadurch wird natürlich Spannung erzeugt, aber es erschwert auch den Zugang zu den Personen, so dass einem keine richtig ans Herz wächst.
Insgesamt drei Sterne für den sicher gut recherchierten historischen Roman, der einen mit der Erwähnung von Farben, Musik und Markennamen immer wieder in die Kindheit zurückversetzt.
In dem Buch geht es um die drei Mädchen/jungen Frauen Caro, Minka und Claire, von ihrer Kindheit bis ins frühe Erwachsenenleben, außerdem um die entstehende Umweltbewegung, Tierschutz, Vietnam und Medikamentenstudien an Heimkindern. Dabei wird zum Teil auch die ganze Dynamik in der Kleinstadt, in der die drei wohnen, eingefangen.
Ich hatte vor allem am Anfang etwas Probleme in die Geschichte hereinzukommen, da mir die Perspektiven nicht ganz rund erschienen. Sie sind einerseits von - zu dem Zeitpunkt sehr jungen - Kindern erzählt, dann aber irgendwie doch "von außen", um komplexere Dinge erklären zu können. Dadurch wirkte es für mich nicht glaubwürdig, sondern man hat zu sehr gemerkt, welche Funktionen und Stereotype die einzelnen Personen darstellen sollen. Auch die vielen verschiedenen Perspektiven haben am Anfang eher dazu geführt, dass ich nicht weiterlesen wollte, weil mich die Person noch nicht so interessiert hat, obwohl ich wissen wollte, wie das vorherige Kapitel weitergeht. Das hat sich aber gebessert mit der Zeit, gegen Ende mochte ich auch alle Perspektiven, habe mitgefiebert und konnte vieles sehr gut mitfühlen. Das Ende löst vieles gut auf, ganz zufrieden bin ich aber nicht damit und hätte quasi noch mehr "Epiloge" gebraucht, außerdem ist es fast etwas kitschig. Obwohl die Geschichte nicht ganz rund für mich war, hat es mir sehr gefallen, mal einen historischen Roman aus der Zeit und zu den Themen zu lesen.
In "Unser kostbares Leben" von Katharina Fuchs geht ums eine Geschichte ihrer Großmütter, ihrer Mutter und Tante. Sie erzählt aus der Kindhiet und Jugend in den 70er und 80er Jahren. Mainheim 1972: Minka und Caro eröffnen die Schwimmbadsaison, als ihr Klassenkamerad Guy vor ihren Augen verunglückt. Am selben Tag trifft das vietnamesische Waisenkind Claire im Kinderheim ein. Das Netzwerk ihrer Väter, des SPD-Bürgermeisters und des Fabrikdirektors beginnt zu arbeiten. Die Freundinnen realisieren, dass in der kleinen Industriestadt nichts mehr stimmt: Vergiftetes Flusswasser, Tierversuche und Experimente mit Psychopharmaka. Wie kostbar ist ein Leben? Katharina Fuchs erzählt intensiv und authentisch über den Höhepunkt der Umweltzerstörung in den 70er Jahren und wie wir die Wende selbst beschwören mussten. Katharina Fuchs spricht in diesem Roman sehr wichtige Themen an. Der Schreibstil lässt sich flüssig lesen.
Ich mag die Bücher von Katharina Fuchs. Mir gefällt, dass sie in ihren Bücher Dinge thematisiert, die in der jeweiligen Zeit wichtig waren oder wichtig erschienen. In "Unser kostbares Leben" sind es leider für meinen Geschmack viel zu viele: Vietnamkrieg, Psychopharmaka, Beginn der Umweltbewegung, Kinderheime, Umweltverschmutzung - um nur einige zu nennen. Das geht zu Lasten der einzelnen Charaktere, aus deren Perspektive der Roman erzählt wird. Man wird mit ihnen einfach nicht warm.
Da die Vielfalt der Themen zum großen Teil auch bis ins kleinste Detail beschrieben wird, führt dieses wiederum zu vielen Längen, die mir die Lesefreude doch arg verdorben haben.
Ich mag auch dieses Buch - aber eben nur irgendwie und über weite Teile nicht besonders. Daher nur 3 Sterne.
Fand die anderen Bücher vor Katharina Fuchs deutlich besser. Die Hauptcharaktere haben mich dieses mal nicht so mitgenommen. Die Themen waren & sind bestimmt aktuell (Umweltschutz, medizinische Versuche, Midlifecrisis,...). Auf den letzten 70 Seiten gehts dann nochmal rund. Buch auf Korfu gelassen.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Ich nachgang zur nachfolgenden Rezension musste ich oft an das Buch denken. Ich korrigiere meine Bewertung auf 4 ⭐️
Katharina Fuchs erzählt in ihrem neuesten Roman ihre Geschichte, die in den 1970er und 80er-Jahren spielt.
Im Mittelpunkt stehen die gleichaltrigen Caro, Minka und Claire. Als 10jährige müssen Caro und Minka miterleben wie ihr Schulkamerad Guy im Schwimmbad verunglückt. Der Unfall wird von ihren Vätern und anderen vertuscht. Minkas Vater ist Bürgermeister der fiktiven Stadt Mainheim, Caros Vater Inhaber eine Schokoladenfabrik. Sie können sich einen Skandal nicht leisten und vertuschen die Ursache des Unglücks und schmieden einen über Jahre verheimlichten Pakt im Rahmen gegenseitiger Unterstützung. Über der Stadt hängt je nach Wetterlage entweder Schokoladenduft oder der Geruch von chemischen Produkten der Ruberus AG. Zur gleichen Zeit kommt Claire als Waise aus Vietnam an und wird in ein Kinderheim untergebracht, in dem sie Deutsch lernt und von der Heimleitung sowie von Dr. Karin Lavalette offenbar fürsorglich ärztlich versorgt wird.
In dieser Zeit ticken die Uhren noch anders. Die drei Protagonisten erleben erstmals die unschönen Seiten des Lebens in ihrer Umgebung. Die Luft ist verpestet, die Flüsse mit ungeklärtem Abwasser chemisch belastet, es gibt zahlreiche Tierversuche, die von der Bevölkerung nicht wahrgenommen werden. Ein Umweltbewusstsein ist in Ansätzen greifbar, in der Politik sucht man danach jedoch vergeblich. Erste Demonstrationen gegen die Nutzung von Atomkraft kommen auf. Junge Menschen lehnen sich gegen die althergebrachten Vorstellungen der Vätergeneration auf. Neue Ideen werden verspöttelt. Katharina Fuchs spricht im Vorbeigehen viele Themen und Ereignisse an, an die ich mich selbst wieder erinnert habe: der Vietnamkrieg, Tierversuche, Umweltverschmutzung, Chemieunfälle, Proteste gegen Autobahnausbau, Waldrodung, Startbahn West, Neonazis, Wahlkämpfe zwischen SPD und der Union und auch die Entstehung der Partei Die Grünen. Im Mittelpunkt stehen jedoch zwei zentrale Themen: das wachsende Umweltbewusstsein in Bezug auf Mensch und Natur sowie wie die perfide Medikamentenvergabe an Heimkindern. Seinerzeit gab es keine klaren gesetzlichen Vorgaben dazu und so sagt Dr. Karin Lavette auf Seite 569: „Für Psychopharmaka gibt es kein besseres Studienobjekt als Heimkinder.“ Krass.
Wie immer ist der Schreibstil von Katharina Fuchs sehr vereinnahmend, gefühlvoll und authentisch. Man muss Caro, Minka und Claire einfach mögen. Viele geschichtliche Ereignisse werden kurz angesprochen. Die 1960er-Generation wird sich bestimmt sehr gut daran erinnern. Es ist ein Gefühl der Heimkehr beim Lesen dieses Romans, ja, die gute alte Zeit, die offenbar nicht immer gut war.
Dennoch hat das Buch meiner Meinung nach eine zu große Länge. Vieles wird sehr intensiv und ausführlich beschrieben. Dem Buch hätte es gut getan, wenn es mindestens 100 Seiten kürzer gewesen wäre. Es hat sich dadurch anfangs leider sehr in die Länge gezogen. Das letzte Viertel des Buchs ist hingegen unglaublich gut geschrieben. Hier nimmt die Geschichte um die Aufklärung der Geschehnisse in den Kinderheimen noch einmal richtig Fahrt auf und enthält noch einmal eine Überraschung in Bezug auf Claire, die studiert hatte und in der Forschung tätig ist. Schade, dass dieser Roman mich diesmal nicht so gepackt hatte wie die anderen drei hervorragenden Bücher zuvor.
Insgesamt wäre weniger etwas mehr gewesen. Ich kann das Buch allen empfehlen, die einen Einblick in die Zeit der 1970er und 1980er haben möchten.
Westdeutschland 1970-80. Die Freundinnen Minka und Caro wachsen in einem beschaulichen Städtchen auf, merken jedoch mit zunehmendem Alter, dass es viele Missstände gibt. Vietnamkrieg, Tierversuche, Umweltverschmutzung und Experimente mit Psychopharmaka sind nur ein paar der Dinge, die in diesem Jahrzehnt schief laufen. Auch das Waisenkind Claire spielt in ihrem Leben eine Rolle.
Ich mag Perspektivenwechsel meistens sehr gerne, weil sie die Geschichte von unterschiedlichen Seiten beleuchten. Auch Fuchs ist der Wechsel gut gelungen, vor allem weil sich die Erzählstimme nie vollkommen geändert hat, was ich an dem Buch echt interessant fand. Der Klappentext des Buches suggerierte für mich eine engere Verbindung zwischen Claire und den beiden anderen Mädchen. Es hat mich etwas gestört, dass die Geschichten hier eher oberflächlich miteinander verwoben waren. Trotzdem schreibt Fuchs spannend und detailreich. Man wird sofort mit ihren Charakteren vertraut und möchte mehr über sie erfahren. Die Stimmung, das Jahrzehnt und die Figuren, die sie aufleben lässt, sind unterhaltsam. Obwohl das Buch über 600 Seiten hat, habe ich es in drei Tagen gelesen. Ich kann euch auch sehr „Eine Handvoll Worte“ von der Autorin ans Herz legen. Hier erzählt sie die Geschichte ihrer Großmütter ebenso einfühlsam und eindrucksvoll.