Er war nur Zaungast und Tourist. Das aber war wohl die beste Voraussetzung für seine Vernarrtheit in die DDR. Aufgewachsen in Wittingen, Landkreis Gifhorn in der Lüneburger Heide, nur drei Kilometer vom »Todesstreifen«, lebte Hans Pleschinski, Jahrgang 1956, auf Tuchfühlung mit dem Ersten Arbeiter- und Bauernstaat. Man war es gewohnt, bei nahendem Panzerlärm während Kuba-Krise und Mauerbau ständig mit dem Ausbruch des Dritten Weltkriegs zu rechnen: nur langsam gewöhnte man sich an die NATO-Herbstmanöver ...
Später verbrachte die Grenzlandjugend demonstrativ heiße Nächte mit Bier und Musik aus dem Kassettenrecorder auf der Aussichtsplattform direkt vor dem Todesstreifen.
Hans Pleschinski, geboren 1956, lebt als freier Autor in München. Zuletzt erhielt er u.a. den Hannelore-Greve-Literaturpreis (2006), den Nicolas-Born-Preis (2008) und wurde 2012 zum Chevalier des Arts et des Lettres der Republik Frankreich ernannt. Hans Pleschinski ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Künste.
"War ich ein DDR-Süchtiger, der einer merkwürdigen Faszination erlegen war, welche von einem abgetakelten, dennoch weiterschipperndem, aus seinen Nebelhörnern tutendem Staatsschiff ausging? Die DDR war so sagenhaft verfehlt. Wo gab es dergleichen schwerwiegenden Staats-Kuddelmuddel noch?" soo ich fr fr
Pleschinski berichtet vom Aufwachsen am "Zonenrand", über das Gefühl, dass die freie Welt Richtung Osten endet. Er hatte zahlreiche Verwandte im Osten, die er häufig besuchte und so eine besondere Beziehung zur DDR entwickelte. Diese drückt sich in einer Begeisterung für DDR-Fernsehen und die Geschichte Sachsen in der Neuzeit aus. Interessant sind auch seine Briefwechsel mit einer stramm nach SED-Linie erzogenen Cousine.