Ein Teufel hat es nicht leicht, denn auch die Hölle kennt soziale Auf- und Abstiege. Ein Weg, dem Elend zu entkommen, ist es, sich der satanischen Unterhaltungsbranche zu verschreiben, mit deren Hilfe die Wesen der unheimlichen Sphären mit Geschichten aus der Menschenwelt erfreut werden. Zu diesem Zweck dürfen geeignete Kreaturen in die Welt der Menschen heraufsteigen, um dort "Beiträge" zur Zerstreuung der Höllenbewohner zu generieren. Dass dieses nicht immer zur Erheiterung der Menschheit geschieht, dürfte sich von selbst verstehen, spielt aber keine Rolle, denn jene soll ja auch nur bedingt dadurch erheitert werden. Unser bislang namenloser Beelzebub ist jedoch noch ein blutiger Anfänger. Für eine bestimmte Probezeit ins Frankenland entsendet, stellt er sich nun zitternd der Prüfung seiner Ergebnisse. War es eine gute Idee, die Spielregeln so zu ändern, dass ein einfacher Mensch plötzlich die Zeit anhalten konnte? War es richtig, Materie zu beleben? Einen Schneemann frieren zu lassen? Sterne vom Himmel zu holen? Jemanden durch die Hölle zu jagen? Ja, der Höllenbewohner hat im Frankenlande so manches Chaos erzeugt, doch findet es Gefallen? In wenigen Minuten wird sich das große Tor öffnen und die Prüfung, die sein Schicksal entscheidet, kann beginnen.
Hinter dem sperrigen Buchtitel "Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklungen im 21. Jahrhundert" versteckt sich ein extrem beeindruckendes Buch, in dem sehr viel mehr steckt, als auf den ersten Blick vermutet werden kann:
Eine neue Deutung der Gegenwart und der nahen Zukunft, die wirklich für sich alleine steht und zahlreiche neue Standards schafft. Verhaltenskapitalismus, Homo stimulus oder Milieukampf - alles akzeptable Erklärungen für die Gegenwart und in sich stimmig.
Der Autor Andre Herteux ist Wirtschaftswissenschaftler. Es gelingt ihm aber trotzdem Wirtschaft, Psychologie, Soziologie, Philosophie und Techologie gekonnt zu kombinieren und ein schlüßiges Bild des 21. Jahrhunderts zu erzeugen.
Darüber hinaus überzeugen Buch und Autor mit einem guten Schreibstil und viel wissenschaftliche Allgemeinbildung, die weit über das Thema hinausgeht.
Jedem Leser, der wissen will was passiert und was passieren wird, sei das Buch wärmstens empfohlen.
In der Hölle ist es doch sehr menschlich. Zumindest wenn es um die soziale Ordnung geht. Hier erleben wir einen Teufel, der gerne nach oben möchte. Dafür gibt es kaum Wege. Einer davon ist es, ein "Unterhalter" zu werden, der die Artgenossen mit gesammelten Geschichten aus der Menschenwelt bespaßt. Soweit ist unser Protagonist aber noch lange nicht, denn erst muss er vor einer Prüfungskommission sein Gesellstück, d.h. seine Arbeitsproben präsentieren. Das macht er in mehreren Episoden (eine lange, drei kurze), die immer wieder durch die Prüfungssituation umrahmt und unterbrochen werden.
Eines vorweg. Die Idee ist einfach nur toll und die Umsetzung hat mich begeistert, obwohl der Protagonist alles andere als sympathisch ist. Der Leser wird unmittelbar in die Prüfungssituation geworfen. Erst nach und nach erfährt er mehr von der Struktur der Hölle und über die Person selbst. Genau richtig gemacht. In den einzelnen Episoden verändert der Teufel auf Erden die Spielregeln und beobachtet was passiert. Den größten Raum nimmt die Geschichte über einen Studenen ein, der die Zeit anhalten kann (ca. 1/2 des Buches), der Rest sind kürzere, teilweise sehr schöne Geschichte, die das Ganze abrunden. Dabei soll der letzte Satz nicht täuschen, denn es geht teilweise (sehr oft sogar) sehr brutal zu, denn Mitleid kennt der Teufel mit seinen Opfern nicht. Aber wer ist schuld? Der, der die Menschen verführt, oder der Mensch, der nichts aus der Situation macht?
Alle auftretenden Charaktere sind fein gezeichnet. Man mag sie aber nicht unbedingt, will aber trotzdem wissen, wie es weitergeht. Die Sprache würde ich als gehoben bezeichen. Der Teufel ist zynisch, bissig und genau so, wie man ihn eigentlich will. Seine Charakterentwicklung ist logisch und nachvollziehbar und ich bin heilfroh, dass mir nicht plötzlich irgendein mitleidiges und winselnder Schlappschwanz präsentiert wurde. Man denkt erst, er wäre Opfer der Umstände. Ist er aber nicht. Der Anspruch selbst ist sehr hoch, was aber daran liegt, dass es unheimlich viele Anspielungen und Gesellschaftskritik zwischen den Zeilen gibt. Übersieht man sie, ist das Buch immer noch wahnsinnig unterhaltsam und atmosphärisch, aber es geht was verloren.
„Aus dem Leben eines Teufels“ hat mich von Anfang an gefesselt. Ich finde selten eine Geschichte, bei der ich mich so stark mit den einzelnen Charakteren identifizieren kann. So viel Fantasie schwingt in der Geschichte des Protagonisten mit, der sich als kommender Unterhalter auf der Erdoberfläche versucht, dass man gar nicht aufhören kann zu lesen. Die Geschichte beginnt damit, dass er sich vor den „Großunterhaltern“ der Hölle vorstellen muss, um das Chaos, das er als Prüfung seiner Fähigkeiten auf der Erde angerichtet hat, bewerten zu lassen. Das Wirken auf der Erde steht in mehreren Teilen im Mittelpunkt. Alle sehr gelungen, besonders der ganz kurze Lyrikteil. Wird er sozial aufsteigen oder in die tiefsten Tiefen der Hölle verbannt? Das lasse ich an dieser Stelle mal offen, um allen künftigen Lesern nicht die Spannung zu verderben.
In jedem Fall kann ich dieses Buch nur absolut jedem ans Herz legen, der mal wieder eine Geschichte mit einem ganz neuen Handlungsverlauf lesen will, den es noch nicht in 20 anderen Büchern gibt.