Dupin und Claire verbringen ihre Flitterwochen etwas südlich der Bretagne am schönen Lac de Grand-Lieu und planen es sich mit regionalen Köstlichkeiten gutgehen zu lassen. Insbesondere den Wein aus der Gegend wollen sie erforschen und auf verschiedenen Weingütern Station machen. Also eine Hochzeitsreise genau nach Dupins Geschmack.
Gar nicht nach seinem Gusto ist dann jedoch die schockierende Nachricht, dass der Winzer Brian Katell, Ex-Gatte von Claires Freundin Cécile, beim Joggen umgebracht worden ist. Dieses eine Mal wollte er seine Ruhe haben vor irgendwelchen Morden und Ermittlungen, doch diesmal ist es Claire, die darauf drängt, sich in den Fall einzuschalten und ihrer Freundin zuliebe aufzuklären, warum Brian so brutal getötet wurde und vor allem von wem. Dupin weigert sich zunächst, aber Widerstand ist zwecklos, wenn sich seine frischgebackene Ehefrau etwas in den Kopf gesetzt hat, wie er selbst wohl am besten weiß.
Zum Leidwesen des zuständigen Ermittlungsbeamten streckt er also den einen oder anderen Fühler aus, wohl wissend, dass er sich auf dünnem Eis bewegt und dass es zwar einerseits hilfreich ist, wie gut Cécile im örtlichen Weinbaumilieu vernetzt ist und viel Hintergrundwissen besitzt, auch über die Rivalitäten unter den Winzern, es andererseits aber auch gefährlich sein kann, jemanden aus dem unmittelbaren Umfeld des Opfers in die Nachforschungen einzubeziehen. Ein echter Balanceakt also, der hier gefordert ist.
Diesmal bekommen wir gar keine waschechte Bretagne als Schauplatz, sondern die Gegend südlich davon, die früher einmal Bestandteil des Herzogtums war, aber heute zur Region Loire-Atlantique gehört und tatsächlich ein interessantes Weinbaugebiet darstellt. Wie gewohnt erfährt man einiges über Land, Leute und Kulinarik, diesmal natürlich mit besonderem Fokus auf den Wein. (Wir haben das Buch im Bretagneurlaub gelesen und das eine oder andere gute Tröpfchen direkt ausprobiert, merci Monsieur le Commissaire!)
Der Kriminalfall beginnt zwar eher gemächlich, doch die Spannung steigt allmählich und führt zu einem Showdown, der es in sich hat, und einer Auflösung, die ich sehr spät erst zu erahnen begonnen habe.
Die Kollegen aus Concarneau spielen diesmal naturgemäß eine eher untergeordnete Rolle, dürfen Dupin aber bei dem Versuch, einen wildgewordenen Specht von der Holzfassade seines Eigenheims abzuhalten, zur Hand gehen. Das schrammte manchmal schon hart am Klamauk vorbei und wäre nicht unbedingt notwendig gewesen. Aber ich musste durchaus auch mal drüber grinsen und fand es zu verschmerzen, weil mir der Fall an sich gut gefallen hat.