Read the World Challenge - 56 - Uruguay 🇺🇾
Für mich war „Ursula fängt Feuer“ das erste Buch einer uruguayischen Autorin und der Krimi kam nicht nur mit coolem Cover daher, sondern auch mit schwarzem Humor.
Anfangs war ich noch skeptisch, was die sprachliche Ebene betrifft, als die übergewichtige, 50jährige Protagonistin Ursula „von der Adrenalinschlange gebissen wurde“ und zu Höchstform auflief. Aber das war dann auch der einzige Ausdruck, den ich befremdlich fand und so wurde ich auch mit der Geschichte warm.
Wir erfahren, dass Ursula die Beute eines Überfalls an sich gebracht hat und nun damit aus Montevideo flüchten will. Fast gleichzeitig gelingt dem Mafioso Rocco der Ausbruch aus dem Gefängnis. Er begibt sich ebenfalls auf die Flucht Richtung Brasilien, wo die erfolgreiche Vanessa ihre Geschäfte überdenkt. Spannend ist dabei, dass aus vielerlei Perspektiven erzählt wird: neben der Protagonistin kommen z. B. Polizist:innen, Hotelbesitzer, der Mafia-Boss und die Geschäftsfrau zu Wort - ein tolles Mosaik. Besonders gut hat mir zudem Ursulas Leben auf der Flucht gefallen, hier passierte das eine oder andere Unerwartete, Skurilles und die Geschichte nahm an Fahrt auf.
Genau wie in Piñeiros Romanen trifft man auf viele richtig starke Frauencharaktere, während die Männer eher eine schlechte Figur abgeben. Wie man sich hier gegenseitig die Bälle zuspielt oder sich auszuspähen und auszutricksen versucht, hat einfach Spaß gemacht. Auch das Setting in einer heruntergekommenen Ferienanlage am Meer konnte mich abholen.
Nur Anfang und Ende haben mich nicht komplett überzeugt. Erst musste ich etwas auf Betriebstemperatur kommen und den Schluss fand ich nicht so glaubwürdig. Aber das ist Meckern auf höherem Niveau: ⭐️⭐️⭐️⭐️/5. Falls ihr Lust auf den Krimi bekommen habt – den Klappentext für mehr Lesespaß vermeiden. Tatsächlich ist das hier übrigens der 4. Teil einer Krimi-Reihe rund um Ursula – das wäre mir fast gar nicht aufgefallen.