Ursula López ist auf der Flucht, mit Millionenbeute im Gepäck. Die emsige Kommissarin, die ihr auf den Fersen war, ist abgeschüttelt, genauso die Ganoven, die ihr das Geld streitig machen wollten. Der Traum von der Villa in Montevideos Nobelviertel scheint greifbar nahe – und verdient, schließlich konnte die unzufriedene, übergewichtige Fünfzigjährige in der Rolle der braven Bürgerin nie Erfolge feiern.
Doch als Ursula die Identität der falschen Person annimmt, bemerkt sie plötzlich einen neuen dunkler Bart, Metallbrille, boshafte Miene – ist das nicht der aus dem Gefängnis entflohene Mafioso, der durch alle Nachrichten geistert? Zu spät wird Ursula bewusst, in was für großverbrecherische Fußstapfen sie da getreten ist.
Ursula Lopéz war bis in ihr fünftes Lebensjahrzehnt eine unbescholtene Bürgerin, ehe ihr eine Verkettung seltsame Umstände eine beträchtliche Summe aus einem Raubüberfall in die Hände gefallen sind. Seitdem versucht sie mit beträchtlichem kriminellem Instinkt, sich die Polizei und andere Kriminelle vom Leib zu halten. Insofern wäre es sinnvoll, diese Reihe von Beginn an zu lesen, da die Bände schon aufeinander aufbauen.
Dies ist der mittlerweile vierte Band. Ursula ist diesmal auf der Flucht vor einer lästigen Kommissarin, die in Sachen Raubüberfall weiterermittelt, obwohl ihr Chef (nicht uneigennützig) die Ermittlungen eingestellt hat. Ursula flieht jedenfalls kurz hinter die uruguayisch-brasilianische Grenze in ein Strandresort in der launigen Nebensaison. Und dort kommt sie zufälligerweise einem anderen Kriminellen ins Gehege: Einem alternden Mafiaboss, der kurz zuvor aus dem Gefängnis geflohen ist und zunehmend Schwierigkeiten mit seinen Erinnerungen hat.
Ein durchaus pfiffiger Kriminalroman in amüsantem, flapsigem Ton aus dem Blick verschiedener Personen erzählt, der davon lebt, dass die biedere Ursula scheinbar ihre Bestimmung als Kriminelle gefunden hat. Nach vier Bänden stellen sich aber auch gewisse Ermüdungserscheinungen ein. Meine Empfehlung: Mit Band 1 anfangen und dann schauen, wie weit man der Reihe aus Südamerika folgen will.
Für mich war „Ursula fängt Feuer“ das erste Buch einer uruguayischen Autorin und der Krimi kam nicht nur mit coolem Cover daher, sondern auch mit schwarzem Humor.
Anfangs war ich noch skeptisch, was die sprachliche Ebene betrifft, als die übergewichtige, 50jährige Protagonistin Ursula „von der Adrenalinschlange gebissen wurde“ und zu Höchstform auflief. Aber das war dann auch der einzige Ausdruck, den ich befremdlich fand und so wurde ich auch mit der Geschichte warm.
Wir erfahren, dass Ursula die Beute eines Überfalls an sich gebracht hat und nun damit aus Montevideo flüchten will. Fast gleichzeitig gelingt dem Mafioso Rocco der Ausbruch aus dem Gefängnis. Er begibt sich ebenfalls auf die Flucht Richtung Brasilien, wo die erfolgreiche Vanessa ihre Geschäfte überdenkt. Spannend ist dabei, dass aus vielerlei Perspektiven erzählt wird: neben der Protagonistin kommen z. B. Polizist:innen, Hotelbesitzer, der Mafia-Boss und die Geschäftsfrau zu Wort - ein tolles Mosaik. Besonders gut hat mir zudem Ursulas Leben auf der Flucht gefallen, hier passierte das eine oder andere Unerwartete, Skurilles und die Geschichte nahm an Fahrt auf.
Genau wie in Piñeiros Romanen trifft man auf viele richtig starke Frauencharaktere, während die Männer eher eine schlechte Figur abgeben. Wie man sich hier gegenseitig die Bälle zuspielt oder sich auszuspähen und auszutricksen versucht, hat einfach Spaß gemacht. Auch das Setting in einer heruntergekommenen Ferienanlage am Meer konnte mich abholen.
Nur Anfang und Ende haben mich nicht komplett überzeugt. Erst musste ich etwas auf Betriebstemperatur kommen und den Schluss fand ich nicht so glaubwürdig. Aber das ist Meckern auf höherem Niveau: ⭐️⭐️⭐️⭐️/5. Falls ihr Lust auf den Krimi bekommen habt – den Klappentext für mehr Lesespaß vermeiden. Tatsächlich ist das hier übrigens der 4. Teil einer Krimi-Reihe rund um Ursula – das wäre mir fast gar nicht aufgefallen.