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Kürtler: Tarih, Siyaset, Kültür

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Das große Siedlungsgebiet der Kurden wurde nach dem Untergang des Osmanischen Reichs von Grenzen durchtrennt. Die Angst vor kurdischen Autonomiebestrebungen führt seitdem zur Unterdrückung ihrer Kultur und wird durch die Verwirklichung einer Autonomie in Irak und Syrien weiter angeheizt.

Die Autoren schildern die mehr als tausendjährige Geschichte der Kurden unter besonderer Berücksichtigung der jüngsten Entwicklungen in der Türkei, im Irak und Iran sowie in Syrien. Besonderes Augenmerk gilt auch der kurdischen Kultur und den Familien- und Stammesstrukturen. Für die 4. Auflage wurde das bewährte Standardwerk auf den neuesten Stand gebracht.

236 pages, Paperback

First published January 1, 2014

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Profile Image for Jan ☀️.
52 reviews20 followers
April 19, 2025
Zum ersten Mal las ich ein historisches Buch über die Geschichte meiner Vorfahren. Schon vorweg: Es war positiv überraschend, dass die Autoren über solches Wissen über Bräuche, Sitten und Folklore der kurdischen Gesellschaft verfügten. Man könnte vermuten, dass die Co-Autorin Lale Yılgın-Heckmann mehr persönliche Kenntnisse einbringt. Andererseits war es zur Abwechslung erfreulich, dass Martin Strohmeier als Westeuropäer einen neutralen und weniger voreingenommenen Blick mitbringt.

Die Autoren verfolgen die Geschichte der Kurden bis zu ihrer ersten historischen Erwähnung. Unter den Seldschuken im Teilstaat Chorasan gab es die erste Provinz namens Kurdistan („Land der Kurden“) unter der Herrschaft von Sultan Sandschar. Jahrzehnte später folgte die wohlbekannteste islamische Dynastie kurdischen Ursprungs, die der Ayyubiden (Mitte des 12. bis Mitte des 13. Jahrhunderts). Ihre Herrschaft erstreckte sich über Ägypten, Syrien, Teile Mesopotamiens und Jemen, der Schwerpunkt lag also nicht in Kurdistan. Obwohl der Anführer Saladin sich nicht von anderen islamischen Anführern unterschied, gilt er weiterhin für viele kurdische Nationalisten als Symbolfigur. In Briefaustausch, der bis heute aufbewahrt wurde, zeigen sich die ersten Anzeichen eines nationalen Bewusstseins und eine erste Trennung zu Türken. Die Autoren erzählen:

„Als 1169, am Anfang seiner Karriere, die Wahl Saladins zum Nachfolger Schirkuhs als Oberbefehlshaber anstand, hatte er es mit einem kurdischen und einem türkischen Rivalen zu tun. Einer der ayyubidischen Führer appellierte an das Zusammengehörigkeitsgefühl der Kurden mit den Worten: «Wahrlich, jeder ist für Saladin, außer dir [gemeint ist der kurdische Herausforderer] und al-Yarugi [der türkische Rivale]. Jetzt bedarf es einer Einigung zwischen dir und Saladin. Er ist kurdischer Herkunft, und die Herrschaft sollte daher nicht auf die Türken übergehen» - freilich wurde ihm sein Verzicht erleichtert durch finanzielle Versprechungen. Die Episode zeigt, dass ein gemeinsames Handeln der Kurden nicht selbstverständlich war, aber als erstrebenswert angesehen wurde. Arabische Historiker scheinen den Ayyubiden eine Art «Kurdizität» zuzubilligen, denn sie bezeichneten die Herrschaft der Ayyubiden als jene der al-Akrad [Kurden] im Unterschied zu jener der al-Atrak [Türken].“

Die Autoren erklären in den folgenden Kapiteln die Lage der Kurden in den folgenden Jahrhunderten. Sie beschreiben ausführlich, wie die Lage der kurdischen Provinzen zwischen den Osmanen und den Persern sie für beide unkontrollierbar machte. Die kurdischen Stammesführer genossen eine weitreichende Autonomie und waren nur zur Treue dem jeweiligen Sultan verpflichtet. Diese jahrhundertelange Autonomie ging im 19. Jahrhundert zugrunde, als einerseits kurdische Beamte und Intellektuelle in den Großstädten an Einfluss gewannen und andererseits die kurdischen Stammesführer immer unabhängiger wurden. Unter Sultan Muhammad im 19. Jahrhundert kam es zu massiven Einschränkungen der kurdischen Stammesführer, weil man sie als Gefahr für das osmanische Kalifat ansah. Die größte Revolte der Kurden im 19. Jahrhundert fand unter dem Scheich Ubaidullah statt, die allerdings, wie die Autoren erklären, keinen großen nationalistischen Charakter hatte:

„Unter diesen Voraussetzungen verwundert es nicht, dass an der Spitze der bedeutsamsten und am meisten diskutierten Revolte des 19. Jahrhunderts kein Emir, sondern ein Scheich stand. Der Naqschbandiya-Scheich Ubaidullah war der erste kurdische Führer, der eine große Anzahl von Stämmen gegen die Hohe Pforte mobilisierte. Er begründete sein Ziel der Etablierung eines unabhängigen Kurdistan mit der schlechten sozialen Lage und der Korruption sowie dem Amtsmissbrauch von Beamten. Ubaidullah und seine Anhänger, die im türkisch-russischen Krieg in der osmanischen Armee gekämpft hatten, befürchteten offenbar, dass nach dem Berliner Kongress (1878) unter dem Druck der Großmächte die Pforte den Armeniern einen unabhängigen Staat in Ost-Anatolien zugestehen könne. Der Scheich erklärte seine Ergebenheit gegenüber dem Sultan und zog mit seinen Leuten auf persisches Territorium, um dort ein Gebiet für seine Aspirationen zu finden. Der iranischen Regierung gelang es aber, ihn über die Grenze nach von der Pforte exiliert. In einem Brief an einen amerikanischen Missionar betonte Ubaidullah, dass die Kurden ein «eigenständiges Volk» seien und ihre Angelegenheiten selbständig regeln wollten. Auf den ersten Blick scheint es sich um eine Manifestation kurdischen Nationalgefühls zu handeln, finden sich doch die Konturen nationaler Identität, nämlich der Wunsch nach Selbstbestimmung einer ethnischen Gruppe. Aber es ist bezeichnend, dass diese Worte in einem Brief an einen Ausländer gebraucht wurden. Als Zeugen entsprechender armenischer Strategien hatten kurdische Führer die Vorteile gesehen, welche die Anerkennung als «Nation» mit sich brachten, um Unterstützung außerhalb des Osmanischen Reiches zu erlangen. Es muss bezweifelt werden, dass Ubaidullahs «nationalistische» Aussagen ein neues kurdisches Selbstverständnis bedeuteten oder seine Anhänger motivierten. Es war weniger der Ruf nach Unabhängigkeit, der Ubaidullahs Leute zu den Waffen greifen ließ. Wichtiger waren die persönliche Loyalität gegenüber dem Scheich und soziale Beweggründe.“

Historiker, die sich mit der kurdischen Geschichte beschäftigen, leiden oft an demselben Problem, wie der Autor erzählt:

„Die Kurden verfügen über eine ausgedehnte Literatur, die bis ins 19. Jahrhundert hinein zumeist mündlich überliefert wurde und seitdem von einheimischen und ausländischen Forschern schriftlich festgehalten worden ist. Hierbei handelt es sich überwiegend um Dichtung und Folklore (Sprichwörter, Rätsel, Lieder, Märchen). Demgegenüber sind schriftliche Traditionen nicht sehr zahlreich. Allerdings entstand ab dem späten 16. Jahrhundert eine Poesie in kurdischer Sprache, deren bedeutendste Vertreter die Dichter Mela-ye Dscheziri und sein Schüler Feqi-ye Teyran sowie Ahmad-i Chani (1651-1706) sind. Die Herausbildung einer Literatur in Kurmandschi hing mit der Etablierung quasi-unabhängiger kurdischer Herrschaften zusammen.“

Dennoch gab es literarische Werke und Veröffentlichungen, die uns heute dabei behilflich sein können, den damaligen Zeitgeist zu verstehen. Als Beispiel nennt der Autor die Zeitung Kurdistan, die 1898 in Kairo veröffentlicht wurde:

„Die Nachkommen kurdischer Fürsten, die nach den gescheiterten Aufständen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Kurdistan bzw. das Osmanische Reich verlassen mussten, spielten eine wichtige Rolle in der Entwicklung des kurdischen Nationalismus. Einer von ihnen, Migdad Midhat Bedir Chan, gründete die erste kurdische Zeitung namens Kürdistan 1898 in Kairo. Der Untertitel lautete: «Zeitung in kurdischer Sprache ... zur Erweckung der Kurden und zur Förderung des Studiums der Künste». Recht bald erschienen auch Artikel in türkischer Sprache. In Kürdistan wurden zum ersten Mal Prosa-Texte in kurdischer Sprache gedruckt, und zwar im Kurmandschi-Dialekt von Botan/Cizre.“

Die Autoren erkennen zurecht die Rolle von Literatur für das Schaffen eines nationalen Wir-Gefühls. Sie gehen sogar so weit und stellen die These auf, dass das Epos Mam û Zin „einer der wichtigsten Bausteine nationaler Bewusstseinswerdung“ sei.

Richtung Ende des 19. Jahrhunderts begann zumindest in intellektuellen Kreisen ein nationales Bewusstsein sich zu entwickeln. Den folgenden Absatz fand ich schön geschrieben, weshalb ich ihn hier einfüge:

„Die Bestimmung kurdischer Identität und das Verhältnis zu den anderen Völkern im Reich waren herausragende Themen des kurdischen Diskurses. Für die meisten Kurden stand außer Frage, dass sie in erster Linie Muslime, dann Osmanen und erst an dritter Stelle Kurden waren. Kurdische Loyalität stellte die Bindungen an Kalifat und Sultanat nicht infrage. Eine Trennung von den Türken konnten sich diese Kurden nicht vorstellen. Es war bestimmten Zirkeln wie der Studentenvereinigung Hivi («Hoffnung») vorbehalten, ein ausgeprägteres Bekenntnis zur eigenen ethnischen Identität zu propagieren. Hivi rief nicht nur zur Wiedererweckung der Kurden, sondern auch - in bemerkenswerter Übereinstimmung mit der Terminologie heutiger Nationalismusforscher - zur «Er-schaffung der kurdischen Nation» auf. Der kurdische Arzt und Mitbegründer des Komitees für Einheit und Fortschritt (die Geheimorganisation, aus der die gleichnamige Partei der Jungtürken hervorging), Abdullah Cevdet (1869-1932), führte in seinen Artikeln das Dilemma kurdischer Intellektueller eindringlich vor Augen: Kurden wollten sie sein, aber auch loyale Osmanen; für sich wollten sie sein, aber mit den Türken auch. Ein romantischer, zunächst fast ausschließlich kulturell ausgerichteter Nationalismus trat zutage. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen die als Blütezeiten des Volkes empfundenen Perioden kurdischer Machtentfaltung wie unter Sultan Saladin. Freilich stießen die kurdischen Nationalisten der ersten Generation auf Schwierigkeiten, mussten sie doch feststellen, dass Chroniken und Dokumente in kurdischer Sprache fehlten, die Zeugnis über diese Perioden ablegen. Umso wichtiger war die «Entdeckung» Ahmad-i Chanis als Nationaldichter, weil sein Mam u Zin die kulturelle Leistungsfähigkeit der Kurden unter Beweis stellt. Allerdings waren der Verbreitung dieser Ansichten und der Herstellung einer kurdischen Öffentlichkeit allein schon aufgrund der hohen Analphabetenrate Grenzen gesetzt. So rief man die kurdischen Hochschulabsolventen in Istanbul zur Rückkehr in den ‹Schoß der Nation› auf: «Wenn wir Fortschritt für unser Volk wollen, dann dürfen wir nicht weiter auf den gepflasterten Straßen Istanbuls promenieren. Vielmehr müssen wir in die entlegensten Ecken Kurdistans gehen und dort Druckereien gründen»? Nach der Jungtürkischen Revolution und der Rückkehr der kurdischen Exilanten bot sich die Möglichkeit zur Gründung mehrerer kurdischer Gesellschaften, welche zunächst noch die Koexistenz mit den Türken betonten.“

Das Ende des Osmanischen Reiches bot sich als die Sternstunde des kurdischen Nationalismus:

„Der von der Sultansregierung unterzeichnete Diktatfrieden von Sèvres (10.8.1920) verlangte den Türken umfangreiche Zugeständnisse ab. In Artikel 64 des Vertrages von Sèvre, der viele Wenn und Aber enthielt, wurde den Kurden ein unabhängiger Staat in Aussicht gestellt. Das südliche Kurdistan sollte in einem von England zu gründenden Staat aufgehen, während Zentralkurdistan, also ein Teil Ost-Anatoliens, Mittelpunkt eines kurdischen Staates werden sollte, der aber nur ein Drittel der von Kurden in größerer Zahl bewohnten Gebiete im Osmanischen Reich ausgemacht hätte. Diese Bestimmungen waren das Ergebnis von Verhandlungen, die eine kurdische Delegation unter Führung des ehemaligen osmanischen Diplomaten Scherif Pascha bei den Friedensverhandlungen erzielt hatte (März 1919). Scherif Pascha, der sich gewissermaßen selbst zum Verhandlungsführer ernannt hatte, besaß wenig Rückhalt unter den Kurden. Als er dann der Teilung Kurdistans zustimmte, war die Empörung groß, weil viele Kurden den Verlust der Heimat befürchteten und wenig geneigt waren, in einem armenischen Staat zu leben. Hinzu kam, dass die große Mehrheit der Kurden sich dem Kalifat verbunden fühlte.“

Dieses Beispiel kann symbolisch für die nächsten 100 Jahre genommen werden, in denen imperiale oder, wie man heute sagen würde, „Großmächte“ die Kurden als Schachfigur für ihre eigenen Interessen benutzten und sie dann fallen ließen. Die Kurden sind oft gezwungen, sich immer wieder auf nicht vertrauenswürdige Partner einzulassen, aufgrund des Mangels an Alternativen. Dazu kommt die fehlende innerkurdische Einigkeit, die das ohnehin schwache Kollektiv weiter destabilisiert.

Die blutige Geschichte der Türkei unter Atatürk wird ebenfalls aufgegriffen, angefangen bei der Nichteinhaltung von Sèvres, dann die Zerschlagung von Scheich Saids Revolte und die darauffolgenden Programme gegen Kurden, die Hunderttausende zur Flucht nach Westkurdistan/Rojava zwangen. Auch große Massenmorde wie das Dersim-Massaker halfen Atatürk nicht dabei, seine Türkisierungspolitik erfolgreich zu vollenden. Das vom Parlament verabschiedete Sprachverbotsgesetz, welches das öffentliche Sprechen auf Kurdisch unter Strafe stellte, wurde erst 1991 aufgehoben, ohne dass es seine Ziele erreicht hatte.

„Die pessimistische Prophezeiung von Celadet Bedir Chan in einem offenen Brief an Atatürk aus dem Jahre 1933, dass bei einer Unterdrückung der kurdischen Sprache die Zahl ihrer Sprecher genau wie die der Indianer Nordamerikas in wenigen Jahren an den Fingern einer Hand abzuzählen wäre, hat sich bis heute nicht bewahrheitet.“

In der zweiten Hälfte des Buches beschäftigen sich die Autoren mit den Entwicklungen in den vier Teilen Kurdistans im 20. Jahrhundert. Erfrischend war die sachliche Auseinandersetzung mit der PKK und die Rolle des jahrzehntelangen türkischen Chauvinismus, der zur Gründung und späteren Militarisierung führte. Kurz und knapp wird der 50 Jahre alte militärische Konflikt zusammengefasst, sodass man einen groben Überblick über die Entwicklungen in Nordkurdistan erhält, wobei dieser Teil mir viel zu kurz geraten ist. Aufschlussreicher und ausführlicher fand ich die Geschichte von Südkurdistan/Başûr, angefangen bei der imperialen Gründung des Irak. Die Aufstände unter Mullah Mustafa Barzani und der Genozid der Anfal-Operation unter Saddam Hussein werden detailliert beschrieben. Es hat mich gefreut, dass die Autoren die Rolle von europäischen Unternehmen und Regierungen unterstrichen, die den Giftgasanschlag von Halabdscha ermöglichten. Die Geschichte von Südkurdistan zeigt auf brutale Weise, wie die geheuchelte Moral des Westens mehr als 260.000 Kurden das Leben kostete. Der Westen sah die Kurden nur als Schachfigur gegen Saddam Hussein als Antwort auf die Kuwait-Invasion, ohne ihnen im Ernstfall militärische oder humanitäre Hilfe zu leisten. Interessant fand ich das kleine Kapitel, in dem die Geschichte der Kurden in den ehemaligen Sowjetrepubliken erzählt wird – ein Thema, über das sehr selten gesprochen wird.

Die Geschichte der Kurden in Rojhilat/Ostkurdistan ist deswegen so interessant, da dort für fast ein Jahr der einzige kurdische Staat in Mahabad existierte, bis die Sowjets die Kurden gegen iranische Ölreserven eintauschten. Zur Geschichte der Kurden in Rojava hatten die Autoren nicht viel zu sagen. In den knappen zehn Seiten wird Rojava/Westkurdistan lediglich als Rückzugsort der PKK dargestellt, was die kulturelle und regionale Vielfalt der Gegend außer Acht lässt.

Insgesamt ist es ein sehr gelungenes Buch, das kurz und knapp einen ausgezeichneten Überblick über die Geschichte der Kurden bietet. Es hat mir an manchen Stellen geholfen, innerkurdische und außenpolitische Machtkämpfe besser zu verstehen, wobei der Schwerpunkt auf der Geschichte vor 1920 liegt, was für mich sehr begrüßenswert war.

Absolute Leseempfehlung!
Profile Image for LunaSanguine.
159 reviews11 followers
November 19, 2019
Sehr trocken geschrieben, viele Namen ohne Einführung und sowas. Dadurch war es für mich schwierig, mich überhaupt darauf zu konzentrieren.
Profile Image for Gerald.
62 reviews2 followers
March 4, 2018
Aus meiner Sicht eine sehr sachliche und neutrale Darstellung der Geschichte der Kurden. Ich verstehe nun tatsächlich besser, wie komplex die Ursprünge und Hintergründe der heutigen Situation der Kurden sind und, obwohl das Buch nur die Ereignisse bis ca. 2010 beinhaltet, mir erschließen sich daraus auch die Zusammenhänge dazu, was Ende des Jahres zwischen irakischen Sicherheitskräften und Peschmerga in Kirkuk vorgefallen ist oder was die Türkei gerade in Afrin antreiben könnte.
Warum nur drei Sterne?
1. Im ersten, dem historischen Teil, werfen die Autoren teilweise nur so mit Eigennamen, Ortsnamen und Namen von Gruppierungen um sich, so dass es mir schwergefallen ist, dem immer ganz zu folgen. Dies bezieht sich insbesondere auf die Zeit vor und zu Anfang des Osmanischen Reichs. Danach ist es etwas flüssiger und leichter verständlich erzählt.
2. Der zweite, soziokulturelle Teil, ist eine wissenschaftlich orientierte Ansammlung von Zahlen, Fakten und Statistiken, die dem Soziologie- oder Politikstudenten als Nachschlagewerk dienen mag, aber ein Lesefluss kommt hier nicht in Gang. Ich hab den Teil daher auch nur überflogen.
Fazit: Als schneller Einstieg in die Geschichte der Kurden ist das Buch absolut brauchbar. Was die Lesbarkeit anbelangt, ist es aber streckenweise alles andere als ein Genuss.
Profile Image for spongebobism.
37 reviews1 follower
March 24, 2026
Tour de force, aber auch anstrengend zu lesen. Das lässt sich wohl nicht vermeiden bei dem Anspruch. Man stelle sich vor, was ein Buch, das die Geschichte des deutschsprachigen Europas über den gleichen Zeitraum nachzeichnet, alles abhandeln müsste.
Profile Image for Tommy.
5 reviews
May 1, 2024
Eine sehr guter wenn auch nüchtern geschriebener Überblick über die Geschichte der Kurden.
Zugleich hat für mich noch eine intensivere Auseinandersetzung mit PKK/YPG, AANES sowie der Autonomen Region Kurdistan bzw. modernen kurdischen Strukturen in der WANA Region im allgemeinen gefehlt. Auch auf kulturgeschichtlicher Ebene hätte man durchaus über Mem u Zin hinausgehen können. Alles in allem jedoch trotzdem sehr lesenswert!
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