In der Komödie "Moral" (1906) nimmt Ludwig Thoma die spießige Moralheuchelei des damaligen Bürgertums aufs Korn.
Die Verhaftung der Madame Ninon de Hauteville (mit bürgerlichem Therese Hochstetter), einer Dame von zweifelhafter und zugleich eindeutiger Profession, erregt in der Stadt größtes Aufsehen. Man hat auch ihr Tagebuch beschlagnahmt, das gewisse pikante, für einige Honoratioren äußerst peinliche Notierungen enthält. Der mit der Untersuchung des Falles beauftragte Assessor Ströbel, ein sehr pflichteifriger Beamter, betreibt seine Nachforschungen zuerst mit aller Energie, dann, angesichts der sich sogleich einstellenden Schwierigkeiten, mit zunehmender Unsicherheit. Schließlich sieht sich der Vorsitzende des Sittlichkeitsvereins, Rentier Beermann, zu einer außergewöhnlichen Maßnahme gezwungen, um die öffentliche Moral - wenn auch unvermeidlicherweise zu Ungunsten der privaten - zu retten.
soll später wohl ein überzeugter nazi gewesen sein und antisemtische schriften veröffentlicht haben. in diesem kurzweiligen drama aus dem jahre 1906, hat er für mich aber in kurzer distanz (drei akte) ein anregendes panorama der weimarer republik geschaffen. eine prostituierte wird hopps genommen und der oberschicht geht der arsch auf grundeis. wunderschön, wie er die biegsamkeit der moralvorstellungen zu der zeit herausarbeitet, ohne dass ich damit behaupten möchte, dass sich heute dahingehend irgendetwas verbessert hätte. zwei starke frauenfiguren hab ich auch noch vorgefunden. ansonsten ganz viel billiardzimmer, zigarre rauchen und korrumpieren. hat mir gefallen.