Sie waren beste Freundinnen, starteten gemeinsam eine Bühnenkarriere, doch dann kam der Bruch. Sonja, genannt Sonne, wurde von Jana von Mond verraten. Jahre später steht Jana – inzwischen ein Comedy-Star – vor der Tür von Sonnes Bestattungsunternehmen und bittet sie, die Trauerfeier für ihren Liebsten auszurichten. Alte Wunden brechen auf, neue werden zugefügt. Die Sonne und die Mond können ihre Umlaufbahn nicht verlassen, sie leuchten weiter, jede auf ihre Art, mal kalt, mal warm.
Chris Kraus is a writer and critic. She studied acting and spent almost two decades making performances and experimental films in New York before moving to Los Angeles where she began writing. Her novels include Aliens & Anorexia, I Love Dick, Torpor, and Summer of Hate. She has published three books of cultural criticism—Video Green: Los Angeles Art and the Triumph of Nothingness, Where Art Belongs, and Social Practices. I Love Dick was adapted for television and her literary biography After Kathy Acker was published by Semiotext(e) and Penguin Press. A former Guggenheim Fellow, Kraus held the Mary Routt Chair of Writing at Scripps College in 2019 and was Writer-in-Residence at ArtCenter College between 2020–2024. She has written for various magazines and has been a coeditor of the independent press Semiotext(e) since 1990. Her work has been praised for its damning intelligence, vulnerability, and dazzling speed and has been translated into seventeen languages. She lives in Los Angeles.
Liebe ist stark wie der Tod Kurzmeinung: Kauziges Trauerbuch mit spielerischen Elementen – ich liebe es!
Sonja Meling ist Unternehmerin, genauer gesagt, Bestattungsunternehmerin, ihr gehört das Institut „Sommernachtstraum“. Ein ungewöhnlicher Name für ein Bestattungsunternehmen. Nicht so ungewöhnlich wie die Bennung „Last Dance“ für das Konkurrenzunternehmen. Jana von Jena ist Komikerin. Eine sehr erfolgreiche. Beide Frauen haben die vierzig überschritten und kämpfen mit den ersten Alterserscheinungen. Sie begegnen sich wieder als Jana einen traurigen Verlust erleidet und das Institut von Sonja Meling, den „Sommernachtstraum“, in Anspruch nehmen möchte. Früher waren sie Freundinnen, die zusammen durch dick und dünn gingen – aber dann … und jetzt sind sie sich spinnefeind.
Der Kommentar und das Leseerlebnis: Zugegeben, ich muss mich einlesen, relativ lange sogar, über hundert Seiten. Der blumige und ausschweifende Stil des Autors macht es einem nicht leicht. Aber das Thema Tod ist so originell behandelt, verhandelt und wird mit so vielen Schnörkeln gehändelt, darunter mit eingeschobenen Stories in der Story – abgeguckt von Michel Köhlmeiers Matou? – dass ich von Anfang an fasziniert bin. Ich habe durchaus Ähnlichkeiten mit Michael Köhlmeiers Art des Schreibens, gewunden, verschachtelt, groteske Windungen und Wendungen, festgestellt.
Chris Kraus schreibt über den Tod. Da beißt keine Maus den Faden ab. Natürlich schreibt er auch über das Leben, das dem Tod bekanntlich voraus geht, aber dann doch tödlich endet. Der Autor hat sehr kauzige Protagonisten geschaffen; ihr Innenleben kommt manchmal zu kurz, es scheint so einseitig zu sein. Aber die diversen Konflikte zwischen den beiden Frauen werden wiederum, ich kanns nicht anders sagen, originell, dargestellt, dass ich bald gefangen bin in dem Roman. Ineinander verschachtelt und verstrickt sind die Protagonisten. Im wirklichen Leben ist es unwahrscheinlich, dass Menschen so verrückt sind, im Roman aber darf man sich das ungewöhnlichste Leben ausdenken.
Es gibt sprachlich sehr viele außergewöhnliche Sätze, Beobachtungen, und einige sehr schräge. Chris Kraus ist eben auch eine Art Komiker. Trotz mancher parodistischer Volten ist „Die Sonne und die Mond“ vor allem ein sehr menschlicher Roman, wenn ich das einmal so sagen darf, da er von Menschen erzählt, die keineswegs perfekt sind, es auch gar nicht sein wollen, es nicht sein können, die im Gegenteil eine Menge Fehler machen, manchmal sogar gemein zueinander sind, aber es sind Menschen, die ihr Bestes tun. Besser können sie eben nicht. Und es sind Menschen, die in ihren Eigenarten natürlich überzeichnet sind, denn Chris Kraus möchte uns Leser natürlich unterhalten, aber in ihrem Charakter sind es Menschen wie du und ich: sie sind eifersüchtig aufeinander, verwechseln Sex mit Liebe, sie agieren leichtfertig, verraten einander, und gehen dann wieder aufeinander zu, wollen aus Verletztheit Distanz und merken immer wieder, wie schwierig Distanz durchzuhalten ist, weil Menschen eben soziale Wesen sind und voneinander abhängen. Emotionale Verstrickungen und gegenseitige Abhängigkeiten zeichnet der Autor eindrücklich nach. Letztlich versöhnt uns nur Vergebung und vollkommene Akzeptanz mit Leben und Tod. Und das ist eine schöne Botschaft, die Chris Kraus für uns Leser hat!
Fazit: Ein Trauerbuch, das keine Tabus kennt und ziemlich schräg ist. Mir hat es sehr gut gefallen. Beerdigungsinstitut als Handlungsort ist doch mal etwas anderes!
Hat mich das Buch umgehauen? Nicht ganz. Hat es mich gepackt? Ja – aber auf seine ganz eigene, seltsam melancholische Art. Chris Kraus hat’s geschafft, dass ich beim Lesen gleichzeitig grinse und den Kopf schüttele, weil Sonne und Mond einfach so dermaßen gegensätzlich und trotzdem füreinander gemacht sind. Die eine bestattet Menschen, die andere bringt sie zum Lachen – dazwischen liegen ganze Galaxien, und trotzdem fliegen sie immer wieder ineinander rein.
Die Story hat Wumms – zumindest am Anfang. Alte Freundschaft, dicker Verrat, plötzliches Wiedersehen beim Tod eines Mannes. Das riecht nach Drama, nach Scherben, nach dem ganz großen Kino. Und ja, stellenweise ist es das auch. Kraus hat eine Sprache drauf, die richtig reinhaut: böse, liebevoll, manchmal komplett durchgeknallt – und ich meine das positiv. Zwischen schwarzem Humor und echter Traurigkeit zu jonglieren, das kann nicht jeder.
Aber (und das ist ein fettes Aber): 600 Seiten sind ne Menge Holz. Irgendwann hab ich gedacht, wenn die noch ein Kapitel über metaphysische Mondreflexionen reinschiebt, dann brauch ich selbst ’ne Bestattungspause. Es gibt Passagen, da wird’s einfach zu viel – zu ausufernd, zu viele Ideen, zu wenig Punch. Das Buch hätte locker 100 Seiten weniger vertragen, ohne was zu verlieren.
Trotzdem: Sonne und Mond sind zwei Charaktere, die man nicht so schnell vergisst. Sie streiten, lieben, trauern, versöhnen sich – wie zwei Sterne, die sich gegenseitig anstrahlen und verbrennen. Nicht perfekt, aber intensiv. Ein Roman über Freundschaft, Schuld, Verlust und den Mut, nochmal hinzusehen. Kurz gesagt: Kein Feelgood-Roman, aber ein echtes Kopfkino-Erlebnis – und wer schwarzhumorige, tiefgehende Geschichten mag, wird hier definitiv fündig.
„Die Sonne und die Mond“ der neue Roman von Chris Kraus, erschienen 2025 bei Diogenes, ist für mich ein überraschendes Juwel am Literaturhimmel, eine durchweg berührende, poetische und humorvolle Geschichte über das Leben und das Sterben und das große menschliche Dazwischen. Überrascht hat es mich, da ich das Buch tatsächlich nur lesen wollte, weil ich zum einen selbst im Kultur- und Medienbereich arbeite wie eine der Protagonistinnen und ich zum anderem dem morbiden Charme von Bestattungsunternehmen immer etwas abgewinnen kann. Ich habe nicht damit gerechnet, dass Sonne und Mond und vor allem auch der kleine Satellit Nicky jede Menge Saiten ganz tief in mir zum Klingen bringen und ein zart drängendes, sehnsüchtiges Gefühl hervorrufen – wie ein früher Morgen, an dem der Mond noch am Himmel im Dunst zu sehen ist, während die Sonne schon aufgeht.
Erst einmal aber die Fakten: Das Buch ist gegliedert in 6 sinnvolle Teile mit den Titeln „Der erste Tag“, „Die erste Woche“, „Der erste Monat“, „Der letzte Gruß“, „Das Ende“ und „Ein Jahr später“. Der Plot klingt bekannt: Sonja Meling, genannt Sonne, und Jana von Mond, genannt Mond, verbindet eine Teeniefreundschaft, die durch dick und dünn ging und für die Ewigkeit gemacht schien. Bis ein Ereignis alle Brücken zwischen den beiden jungen Frauen abriss und aus Liebe Hass und Verachtung wurde. Inzwischen im Erwachsenenleben fest verankert, ist Mond ein erfolgreicher Fernsehstar und Sonne führt ein besonderes Bestattungsunternehmen. Und weil der Tod nie schläft, führt er die beiden Frauen wieder zusammen.
Was so banal klingt, ist alles andere als das, denn Kraus schreibt auf allen Ebenen einfach großartig. Die Figuren sind schräg, sehr eigen, sehr verwundet und beide Protagonistinnen wirken wie Wüsten, so karg und fest und einödig, verdorrt und doch eiskalt – aber das Leben, es wartet nur unter der Oberfläche darauf, dass endlich der Regen kommt und alles Lebendige wieder erweckt. Der Autor bringt mich ständig zum Lachen, weil er so klug und ehrlich beobachtet, dabei steckt so viel Traurigkeit in dem, was passiert ist, was noch passiert. Es gibt unendlich viele unfassbar skurrile Szenen, und es wird SO VIEL SCHWERES so wahnsinnig LEICHT verhandelt, es ist ein Kunstwerk, das mich zum Lachen, zum Weinen, zum Schreien, zum Wüten und zum Freuen, ganz einfach zum wie wild Fühlen gebracht hat auf jeder Seite. Die wahrhaft magische Erfindung in diesem Roman ist aber Nicky, ein Kind, geschlagen mit Hämophilie, ein Kind, das wirklich Grund zum Leiden hätte, aber bombenfest im Leben verankert ist, und die Dinge unfassbar weise und pragmatisch angeht. Eine uralte Seele in einem Kinderkörper, die eine enorme Heilkraft hat, weil Nicky zu sein bedeutet, sich dem Leben stellen zu müssen. Kraus Sprache ist wundervoll, jeder Satz eine solche Lesefreude, jedes Bild strotzt vor Lebendigkeit, jedes Detail sprüht Liebe.
Kraus wirft die Lesenden sofort ins Geschehen, ins Fühlen und ins Erleben. Spannende Paradoxien, die Hassliebe von Sonne zum Tod, der ihr alles genommen hat und jetzt doch alles gibt, jeden Tag. Samuel, auch so ein toller Charakter, der Sonne verfallen ist, aber das nicht zeigen darf, der dennoch mit ihr Tacheles redet und sie in die richtige Richtung schubst – wahrscheinlich der Einzige, der das neben Nicky kann. Mond, die so ziemlich alle Klischees einer Fernsehdiva erfüllt, zugedröhnt, mit Migräne und Kotzanfällen, sich um sich selbst drehend und selbstmitleidig, aber dennoch eine, die weiß, wann es Zeit ist, aus einer Niederlage einen Sieg zu machen, indem sie sich daran erinnert, dass sie mal wusste, was menschliche Größe ist – und am Ende irgendwie auch wieder zu ihr findet. Immer wieder starke Bilder, man könnte sich das super auch als Film vorstellen, die ausgepolsterte Wohnung von Sonne, das Blau und die Bilder, der Blick auf die LED Werbewand, der Puls von Berlin. „Kein Licht der Erkenntnis, sondern eine Art Parkplatzbeleuchtung für im Dunkeln abgestellte Kleinsthirne“ – Sätze wie Kristalle. Und auch noch geschickte Einbindung von Zeit und Historie, brandaktuell heute, später rekonstruierbar, dieser Roman ist jetzt. Ich mag es auch immer sehr, wenn Romane sinnstiftend eingebunden auf Krankheitsbilder, die nicht so bekannt sind, aufmerksam machen, wie hier auf Hämophilie, worüber ich tatsächlich auch nur sehr begrenzt Bescheid wusste.
Die Beschreibung der Szene in Syrien, da habe ich kurz für mich etwas gezuckt, aber eher mit einer Frage, die mich bewegt, inwieweit es klargeht, so geprägt über Dinge zu schreiben, die wir selbst nur sehr aus der Ferne kennen, das trifft auch auf die Angehörigen von Ying Shu und Said zu. Ohne dem Autor da auch nur irgendeine Absicht unterstellen zu wollen, fand ich es teilweise in der Schilderung problematisch, weil von Klischees ausgehend. Hätte man diese Szene im Herrschersitz auch weniger klischeereich schreiben können z.B.? Mein Gefühl sagt „ja“ und auch ohne, dass es ein Verlust gewesen wäre.
Der Tod, das Verschwinden von Eltern, das Verschwinden von Geliebten und Leben, allgegenwärtig in diesem Buch. Und dennoch ein Buch, das Frieden schließt mit dem Sterben, dem Enden. Entstanden aus einer tiefen, persönlichen Trauer des Autors ist dieses Buch irgendwie doch eine Ode an das Leben, ein Loblied auf das Überwinden, auf das Weitermachen, selbst wenn es doch eigentlich gar nicht mehr geht, nicht gehen kann, wirklich alle Zeichen auf Stop stehen. Und ein klarer Blick darauf, dass man eben doch manchmal im Falschen noch das Richtige finden kann, wenn man es denn nur zulässt, wenn man sich traut und sich dann im Trauen vertraut.
Spannend auch die vielen literarischen Formen, die Kraus im Buch verwendet, immer wieder gibt es Überraschungen, sehr besonders die Ebene des Märchens, die das Buch durchzieht. Hier wurde sehr genau konstruiert und dramaturgisch clever gearbeitet. Für mich ein absolutes Highlight des Buchjahres 2025. Ich hab dich lieb bis zum Mond und zurück, das kennen wir alle aus einem Kinderbuch. Manchmal findet man vom Mond nicht mehr zurück. Und sowieso leuchtet der Mond nur durch die Sonne. Wir Menschen stehen immer zwischen beiden und spüren ihre Kraft. Vielleicht liegt die Kunst wirklich darin, beide einfach sein zu lassen und die Energie hinzunehmen. Hineinzunehmen. In sich selbst. Ich habe dieses Buch geliebt.
Ein großes Dankeschön an watchareadin.de und Diogenes für das Rezensionsexemplar.
Chris Kraus schreibt vom Tod, vom Loslassen und vom Leben und von Freundschaft schreibt er auch. Die Sonne, das ist Sonja, und Jana von Mond waren in jungen Jahren beste Freundinnen, bis sie es nicht mehr waren. Jana ist mittlerweile ein gefeierter Comedy-Star und nun steht sie vor Sonnes Tür, denn ihr Liebster muss bestattet werden und wer wäre da besser geeignet als Sonne und ihr Bestattungsunternehmen. Allerdings ist Sonne alles andere als begeistert, sie geht sogar so weit, Jana hinauszukomplimentieren. Diese aber denkt gar nicht daran, sie nistet sich in Sonnes Leben ein, gewinnt das Herz des 8jährigen Nicky und auch Sonnes Mitarbeiter Samuel ist von Jana angetan.
„Alles war gerichtet. Und sie fühlte sich wie auf Wellen. Es gab keine Seekrankheit, die vergleichbar gewesen wäre mit ihrem Zustand. Sie begann zu weinen. Und doch hatte sie nicht die geringste Ahnung, welch perfekter Sturm sie an diesem Tag noch erwarten sollte.“ Jana wusste es nicht, auch nicht Samuel und Sonne war auch nicht darauf vorbereitet.
Während des Lesens bin ich durch eine Achterbahn der Gefühle gegangen. Ich mochte das Buch, dann wieder gar nicht. Zuweilen schrammt es an der Grenze des Erträglichen und doch konnte ich es nicht weglegen. Der Tod gehört zum Leben, wer kennt den Schmerz darum nicht. Auch der Autor weiß, wovon er schreibt, wie er im Nachwort verrät. Es ist seine Geschichte um Tod und Vergänglichkeit, um Abschied und Liebe und das unerträgliche, das tragische Ende eines geliebten Menschen.
Was das Buch so besonders macht, ist dieser feine Sinn für Humor, der auch den Schmerz und die Trauer erträglich macht. Zumindest ein wenig. Auch lässt es so einiges von den so unterschiedlichen Ritualen, die rund um das Sterben und den Tod in den verschiedenen Kulturen zelebriert werden, mit einfließen.
„Die Sonne und die Mond“ ist ein emotionales, ein einfühlsames Buch, nicht nur über den Tod. Auch und vor allem über Freundschaft, über verletzte Gefühle und das Sich-Wiederfinden.
,Wenn wir nicht einfach in den Tag heineinleben wollen, sondern uns unserer Existenz ganz bewusst werden möchten, dann ist es unsere schwerste Aufgabe und auch unsere größte, in unserem Leben einen Sinn zu finden. Ausgerechnet Papa, dieser so vergebliche Sinnsucher, hatte den Satz oft wiederholt,…‘
Ein Buch über die Freundschaft von Sonne und Mond Die Sonne und die Mond kennen sich seit ihrer Kindheit, als Jana aus Jena – auch „Mond“ genannt – nach Deggendorf zog und neu in die Schule kam. Beide haben früh ein Elternteil verloren: Sonne ihren Vater durch Selbstmord, Jana ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall. Dieses gemeinsame Schicksal hat sie lange unzertrennlich verbunden, bis ein Ereignis sie entzweit hat. Nun, zehn Jahre später, steht Jana plötzlich wieder vor Sonne, die inzwischen ein Bestattungsinstitut betreibt, und bittet sie, die Beerdigung ihres Ehemannes und dessen Affäre zu übernehmen. Sprachlich hat mir das Buch unglaublich gut gefallen. Es liest sich flüssig, und es enthält viele wunderschön formulierte Sätze. Chris Kraus hat die beiden Protagonistinnen sehr feinfühlig mit all ihren Stärken und Schwächen gezeichnet. Ob man sie sympathisch findet, sei dahingestellt. Behandelt werden Themen wie der Sinn des Lebens, Freundschaft, Treue, Enttäuschung, das Verarbeiten von Wut, das Zulassen von Nähe – und vor allem der Tod. Letzterer wird sehr nüchtern und pragmatisch dargestellt. Insgesamt war mir das Buch jedoch zu lang; es konnte mich in seiner Ausführlichkeit nicht fesseln, und das Märchen am Ende erschien mir entbehrlich.
Sonja „Sonne“ und Jana – von allen nur „Mond“ genannt – kennen sich seit Kindertagen. Als Jana nach Deggendorf zog, wurden die Mädchen schnell unzertrennlich. Sie teilten nicht nur viele Erinnerungen, sondern auch die schmerzliche Erfahrung, früh ein Elternteil verloren zu haben: Sonne ihren Vater durch Selbstmord, Jana ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall. Doch ein Ereignis führte zu einem Bruch, der sie für viele Jahre trennte.
Zehn Jahre später steht Mond, inzwischen eine erfolgreiche Kabarettistin, plötzlich wieder vor Sonne, die heute ein Bestattungsinstitut führt. Sie bittet sie, die Beerdigung ihres Mannes und seiner schwangeren Geliebten zu übernehmen. Sonne weigert sich zunächst, gibt ihrer ehemaligen Freundin schließlich aber nach. Schon bald nimmt Mond wieder einen immer größeren Platz in Sonnens Leben ein – und überschreitet Grenzen, die schon damals zur Entzweihung geführt haben.
Ein Buch, das weit über die Freundschaft von Sonne und Mond hinausgeht.
Der Schreibstil hat mich sehr angesprochen – ruhig, klar und zugleich poetisch, mit feinem schwarzen Humor gespickt. Chris Kraus zeichnet die beiden Frauen mit großem Gespür für ihre Widersprüche und Verletzlichkeiten. Themen wie Verlust, Freundschaft, Loyalität und die Frage nach dem Sinn des Lebens ziehen sich durch die Geschichte, stets begleitet vom Tod, der hier erstaunlich sachlich und unaufgeregt beschrieben wird.
Trotz einiger Längen ist es insgesamt eine kluge und fein erzählte Geschichte über Nähe, Distanz und das, was bleibt. 3½/5
Zum Inhalt: Einst waren sie beste Freundinnen, begannen sogar eine gemeinsame Bühnenkarriere, bis der Bruch kam. Sonja, genannt Sonne, wurde von Jana von Mond verraten. Mond wurde ein erfolgreicher Comedy-Star, Sonne leitet ein Bestattungsinstitut. Nun steht Mond vor Sonne und bittet sie die Bestattung ihres Liebsten zu übernehmen und damit brechen alte Wunden wieder auf und neue Wunden entstehen. Meine Meinung: Ich konnte mich einfach nicht wirklich in das Buch einfinden, da ich auch die Protagonisten nicht wirklich sympathisch fand. Dadurch habe ich mich auch echt schwer getan, das Buch zu Ende zu bringen. Viele der Ereignisse konnte ich auch nicht nachvollziehen und manches Mal habe ich mich bei der Lektüre fast gelangweilt. Wenn man das Nachwort liest, weiß man dann schon, warum der Autor das Buch geschrieben hat und das kann auch dazu geführt haben, dass es vielleicht nicht so gut lesbar war. Fazit: Hat mich nicht abgeholt
Das Buch erzählt die Geschichte von zwei ehemaligen besten Freundinnen. Durch einen Verrat kam es zum Bruch, und die einst enge Beziehung liegt längst in der Vergangenheit. Wieder aufeinandertreffen sie, als Jana von Mond („Mond“) bei Sonjas (“Sonne”) Bestattungsunternehmen erscheint und darum bittet, die Beerdigung ihres verstorbenen Mannes und dessen Geliebte zu übernehmen. Daraus entwickelt sich eine teils skurrile, morbide, stellenweise auch komische, aber zugleich traurige Handlung. Es ist eine Geschichte über Freundschaft, Verrat und Reue, eine echte Versöhnung oder gar Vergebung habe ich persönlich darin jedoch nicht gefunden.
Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft, was den Einstieg in die Geschichte erleichtert. Mit den Hauptfiguren konnte ich jedoch wenig warm werden, es fehlte an Sympathie, und viele ihrer Entscheidungen und Handlungen waren für mich schwer nachzuvollziehen.
Es fällt mir wirklich sehr schwer, das Buch zu bewerten. Der Humor war klasse. Aber so viele Seiten mit dieser Art Humor - schwierig und hat mir irgendwann keinen Spaß mehr gemacht. Und das ist auch eines der Probleme dieses Buches... so viele Seiten. Mindestens 100 Seiten weniger hätten der Geschichte gut getan. Auf den letzten 20% habe ich nur noch quergelesen, weil ich das Buch beenden wollte.
Zeitweise hätte das Buch 5 Sterne verdient, oft nur vier und leider auch ein paarmal nur 2 Sterne. Deswegen vergebe ich hier insgesamt 3. Aber ich würde auch gerne wieder etwas von der Autorin lesen.
Ich war schnell in der Geschichte drin – besonders die Bildsprache und die Gegensätze von Sonne und Mond haben mich fasziniert. Gegen Ende entstand ein richtiger Leserausch, im Nachwort wurde der Nebel des Todes und der Rausch der Emotionen eindrücklich aufgegriffen. Nicht mein Buch des Jahres, aber eine intensive Leseerfahrung, die nachhallt. 🌙☀️