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Männer machen Fehler

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Ein Betrunkener wird vom Nebel verschluckt. Ein Jüngling, der den Ansprüchen des Vaters nicht genügt, sucht umsonst Trost auf einer wilden Party. Ein 50-Jähriger wird durch den Tod seines ehemaligen Lehrers aus der Bahn geworfen. Ein gelangweilter Sohn aus reichem Hause meldet sich zum Kriegsdienst. Zwei Brüder haben nur noch sich und ihre Fracks, in denen sie von einer Feier zur nächsten geraten. Und ein Künstler muss in seinem Atelier erst intensiv gesucht und dann samt seiner absonderlichen Theorien ertragen werden. Künstler, Sohn, Kavalier, Gelangweilter, Ausbrecher, Halunke – Ulrich Bechers Männer überraschen oder amüsieren in jeder der sieben Geschichten aufs Neue.

224 pages, Kindle Edition

Published November 19, 2025

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About the author

Ulrich Becher

33 books3 followers

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Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for Anna.
9 reviews
December 31, 2025
Sind wir ehrlich: Ich habe das Buch wegen des Covers gekauft und wegen des Titels meinem Stiefvater zu Weihnachten geschenkt. Erst später habe ich gelesen, dass Ulrich Becher Männer machen Fehler bereits 1932 geschrieben hat und dass das Buch 1933 von den Nationalsozialisten als „entartete Literatur“ verbrannt wurde. Mit diesem Wissen lesen sich die Kurzgeschichten noch einmal anders, als würde zwischen den Zeilen ständig etwas mitlaufen.

Becher schreibt von Männern, die Fehler begehen, und von den Absurditäten menschlicher Existenz. Seine Figuren handeln selten rational. Sie stolpern aus Neugier, Unzufriedenheit oder Langeweile in Situationen, die sich dann verselbstständigen. Gerade darin liegt ein Reiz: Diese Männer entsprechen keinem nationalsozialistischen Ideal von Männlichkeit. Sie sind nicht heldisch, nicht „hart“, sondern widersprüchlich, zerstreut, oft lächerlich.

Und doch werden nicht alle Geschichten mir lange im Kopf bleiben. Vielleicht, weil mich „Männlichkeit“ als Thema grundsätzlich weniger fesselt. Vielleicht auch, weil mich viele Figuren nicht wirklich berühren und sich die Erzählung ein wenig zieht.

Am meisten gefallen hat mir „Zwei im Frack“. Die Geschichte wirkt noch immer verblüffend akkurat: Steckt man jemanden in einen Anzug, wird er „wer“. Die Kleidung wird zur sozialen Eintrittskarte, die Gesellschaft schreibt dem Körper eine neue Rolle zu, und plötzlich spielen alle mit. Becher zeigt, wie leicht vermeintlich Status entsteht.

Am stärksten ist für mich sein Blick auf die Widersprüchlichkeit unserer Gefühle:

„Wir sahen Priester, die Trauernde zum Lachen bringen wollten. Und Glückliche zum Weinen. Wir haben eingesehen, dass es dem Menschen verboten ist, ein vollkommen reines Gefühl zu empfinden. Weder der Trauer. Noch des Glücks. Es liegt im Wesen des Menschen, dass jede seiner Empfindungen verwässert wird durch eine vielleicht belanglose Gegenempfindung. Es liegt im Wesen des Menschen, dass er zerrissen ist.“

Für mich ist das der Kern des Buches: Menschen sind nicht eindeutig. Sie sind zerrissen, widersprüchlich, anfällig und gerade deshalb interessant.
Profile Image for WildesKopfkino .
719 reviews7 followers
January 1, 2026
Männer, die stolpern. Über sich selbst, über Erwartungen, über Alkohol, über das Leben. Ulrich Becher schickt sie los, nicht um Helden zu sein, sondern um zu scheitern – manchmal leise, manchmal peinlich, manchmal mit Würde. Genau darin liegt der Reiz dieses schmalen, aber erstaunlich dichten Buches.

Sieben Geschichten, sieben Typen, sieben Arten, sich zu verrennen. Da ist viel Einsamkeit zwischen Rauchschwaden, Fracks und zu lauten Gedanken. Becher beobachtet genau, aber nie von oben herab. Seine Männer dürfen lächerlich sein, ohne bloßgestellt zu werden. Sie sind getrieben, ratlos, manchmal unerquicklich ehrlich. Beim Lesen entsteht dieses unangenehm vertraute Gefühl: Das könnte schiefgehen. Und zwar so richtig.

Der Ton schwankt gekonnt zwischen Melancholie und feinem Spott. Kein Klamauk, kein Pathos, sondern eine trockene, fast beiläufige Komik, die oft erst einen Satz später trifft. Manche Szenen wirken wie flüchtige Momentaufnahmen, andere bohren sich fest und bleiben hängen. Gerade weil nicht alles erklärt wird, entfalten die Geschichten ihre Wirkung.

Das ist Literatur, die nicht gefallen will, sondern etwas zeigt. Männliche Rollenbilder zerbröseln hier ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Fehler passieren, werden wiederholt, manchmal akzeptiert. Erlösung gibt es selten, Erkenntnis auch nicht immer. Aber Wahrhaftigkeit. Und die reicht völlig.

Ein Buch für Leser, die Zwischentöne mögen, Ecken schätzen und Figuren aushalten können, die keinen Beifall wollen. Nach dem Zuklappen bleibt kein großes Fazit, sondern ein stilles Nicken. Ja. So ist das wohl manchmal.
Profile Image for Jin.
843 reviews146 followers
December 31, 2025
Der Titel verführt schon einen dazu nach diesem Buch zu greifen: "Männer machen Fehler". Das Debüt erschien 1932, 1933 wurde es als entartet verbrannt. Man muss sich im Klaren sein, dass Ulrich Becher ein Mann seiner Zeit ist, entsprechend sind die Kurzgeschichten auch geschrieben. Nichtsdestotrotz wirken die Geschichten modern und zeigen, dass die Irrwege des menschlichen Handelns zwischen jetzt in 2025 und damals in 1932 nicht so sehr unterscheiden.

"Die Tür sprang auf. Sie war unverschlossen gewesen, die ganze Zeit."

Die Männer in den Geschichten wirken verzweifelt, machen - wie der Titel sagt - Fehler und gefährden sich damit zunehmend mehr. Die Geschichten haben eine leicht surreale Natur, in manchen Szenen auch etwas kafkaesk. Mir haben die kurzen, prägnanten Sätze gefallen, die die Panik und Hektik der Protagonisten unterstrichen haben. Die Charaktere verheddern sich immer weiter in ihren Handlungen und Gedanken, dabei dreht sich die Welt um die herum weiter. Mir haben nicht alle Kurzgeschichten gefallen, am meisten hat mir "Vom Unzulänglichen der Wirklichkeit" gefallen, aber insgesamt war es trotzdem ein Lesevergnügen!

** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
2,267 reviews12 followers
November 24, 2025
Zum Inhalt:
In dem Buch geht es in sieben Erzählungen um verschiedene Männer, die unterschiedlichste Erlebnisse haben. Mal eher gezeichnet durch Langeweile, mal durch Verzweiflung, mal durch Verlust und dem Umgehen damit.
Meine Meinung:
Ich hatte vor der Lektüre etwas übersehen, dass es keine durchgängige Geschichte ist und war dann irgendwie beim Wechsel der Protagonisten zunächst irritiert, aber das legte sich zum Glück recht schnell. Mir hat es gefallen von den unterschiedlichsten Typen zu lesen, die alle irgendwie zwischen Erwartungen und dem eigenen Erleben und Verhalten hängen und versuchen das Beste daraus zu machen. Sprachlich hat mir das Buch gefallen und ich war durchaus erstaunt, dass dieses Buch erstmals schon 1925 erschienen ist. Was ich nicht gut fand, war dass man zu keiner Person eine richtig intensive Beziehung aufbauen konnte, dafür waren die einzelnen Geschichten einfach zu kurz.
Fazit:
Hat was
Profile Image for Josie B.
11 reviews
December 21, 2025
Mit Männer machen Fehler, veröffentlicht 1932 im Alter von nur 22 Jahren, betrat ein Autor die literarische Bühne, dessen Werk heute noch immer neu zu entdecken ist. Dass dieser frühe Text nun wieder vorliegt – in der schönen Ausgabe des Diogenes Verlag – ist sehr zu begrüßen.

Auch wenn die Erzählungen bei Weitem nicht die formale und thematische Tiefe der späteren Romane erreichen (etwa Murmeljagd oder Kurz nach 4), lässt sich Bechers Poetologie hier bereits in nuce erkennen: Eine bedingungslose Bekennung zum Leben und eine scharfe Analyse der Zeit. Die Texte zeigen ihn als genauen Beobachter der Spannungen und Widersprüche der späten Weimarer Republik, am Vorabend der Machtergreifung. Eine historische Konstellation, die auch Bechers eigenes Schreiben bald aus der Emigration heraus prägen sollte.

Eine Lektüre, die zugleich literarhistorisch aufschlussreich und aufgrund Bechers einzigartiger Fabulierkunst erfrischend und unterhaltsam ist
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