Hat mich ausreichend in den Bann gezogen, um mich durch die Seiten zu fräsen und Lust auf einen weiteren Band der Reihe zu machen (hab mit #3 angefangen). Für einen nachhaltigen Eindruck fehlte aber noch mehr Tiefgang zu Hintergründen und Motivation der Personen.
„Opfer, die wir bringen“ ist der dritte Teil der „Ein Fall für Svea Karhuu und Jon Nordh“-Krimiserie von Roman Voosen/Kerstin Signe Danielsson. Ich kenne die ersten beiden Teile auch und bezeichne mich inzwischen als Fan der Reihe. Das Autorenduo serviert der Leserschaft gut durchdachte Geschichten mit spannendem Plot und spannungsgeladenen Konstellationen zwischen den Ermittelnden. Aber von vorn. Drei Teenager-Mädchen werden erschossen in ihren Zimmern aufgefunden. Alle drei lebten in einer Art Aussteigerkommune in Südschweden, ohne Smartphone und Fernseher, abseits von Mainstream, dafür mit anthroposophischer Lebenseinstellung, bio-dynamischem Landbau und teils extremen Ansichten. Die Ermittlungen von Jon Nordh und Svea Karhuu zeigen schnell, dass auch bei dieser Art der Lebensführung nicht alles so harmonisch ist, wie die Bewohnenden das gerne hätten. Die Jugendlichen der Gemeinschaft wurden in der Schule gemobbt, gesundheitliche Probleme wurden „alternativmedizinisch behandelt“ und Henry, der Vater eines der Opfer wurde wegen seiner psychischen Probleme der Gemeinschaft verwiesen. Nachforschungen ergeben, dass der 17jährige Melker, ebenfalls ein Bewohner der Kommune und Freund der drei toten Mädchen, vermisst wird. Ist er der Täter oder ein weiteres Opfer? Svea und Jon ermitteln fieberhaft in alle Richtungen, Uff. Da haben Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson wieder mal eine Menge Themen in ihren Krimi gepackt. Unter anderem schreiben sie über eine Aussteiger-Community mit Hang zu Esoterik und Schwurbel, ein Schamane, rassistisches und eugenisches Gedankengut, dazu drei tote Mädchen, die sich mit Problemen wie Ess-Störung und Selbstverletzung plagten. Ich bin ein großer Fan von „unbequemen“ Ermittlern, daher können sowohl Jon Nordh als auch Svea Karhuu bei mir punkten. Schön finde ich, ihre charakterliche Entwicklung seit dem ersten Teil der Reihe mitverfolgen zu können, vor allem in Puncto Teamwork haben sich beide sehr gesteigert, was sich auch im Umgang mit ihren Kollegen Anna Wallgren und Henning Stöcker zeigt. Die beiden sind inzwischen nicht mehr „die Muppets“, sondern geschätzte Teile des Teams. Natürlich haben die Ermittelnden auch ein Privatleben. Jon leidet nach wie vor unter dem Unfalltod seiner Frau, sein Verhältnis zu seinen Kindern ist wechselhaft, vor allem zu seiner Tochter hat er immer weniger Zugang. Er ermittelt auch weiter zu dem inzwischen zwei Jahre zurückliegenden Unfall, kommt aber nicht weiter. In Sveas Leben tut sich ebenfalls einiges, denn ihr Freund Kristoffer will zu ihr nach Malmö ziehen, dazu plagt sie die Angst vor ihrem ehemaligen Chef. Der Spagat zwischen komplex und thematisch überladen gelingt dem Autoren-Duo dieses Mal meiner Meinung nach nur deshalb, weil viele der Themen in sich zusammenhängen. Vor allem die Anthroposophie bringt sehr viele Nebenthemen mit sich, wie beispielsweise Impfgegnerschaft, „biodynamischen Landbau“ durch mit Kristallen und Dung gefüllte Kuhhörner, Kritik an den Covid-Maßnahmen und Ablehnung der evidenzbasierten Medizin zugunsten eines dubiosen Heilpraktikers. So bleibt alles trotz der Vielzahl an „Baustellen“ in sich stimmig. Die Geschichte ist spannend, der Spannungsbogen konstant hoch, die falschen Fährten, auf die das Autoren-Duo die Leserschaft führt, sind clever konzipiert und Charaktere, Landschaften und Atmosphäre hervorragend beschrieben. Dieses Mal führen die Ermittlungen Jon und Svea nach Schonen, aber auch weit in den Norden Schwedens zu den samischen Ureinwohnern. Das Buch bietet bis zum schlüssigen Ende und dem fulminanten Cliffhanger nach drei Epilogen alles, was das Leserherz sich wünschen kann. Erzählt wird überwiegend aus Sicht eines außenstehenden Erzählers, der immer nur so viel weiß, wie das Publikum. Allerdings gibt es einige eingeschobene Kapitel aus Sicht eines Ich-Erzählers, sie stammen aus dem Tagebuch eines der toten Mädchen. „Opfer, die wir bringen“ ist das dritte Buch einer Reihe, man kann es aber problemlos ohne Vorkenntnisse lesen, alles Wichtige wird im Lauf der Geschichte aufgegriffen. Allerdings empfehle ich allen, die gut konzipierte, spannende Krimis, Nordic Noir und Ermittler mit Ecken und Kanten mögen, auch die beiden anderen Teile der Serie zu lesen. Es lohnt sich! Von mir gibt es für dieses Buch die volle Punktzahl.
Seit dem ersten Band bin ich ein großer Fan der Krimireihe rund um das ungleiche Ermittlerduo Svea Karhuu und Jon Nordh, denn das Autorenduo Voosen/Danielsson verpasst ihnen eine spannende und fesselnde Hintergrundgeschichte, die es in sich hat. Deshalb war auch klar, dass ich "Opfer, die wir bringen" von Voosen/Danielsson, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, sofort nach Erscheinen lesen muss. Unbezahlte Werbung, da ich mir das Buch selbst gekauft habe. Die Inhaltsangabe findet ihr auf dem zweiten Bild. Ohne Vorgeplänkel warf mich das Autorenduo in die Storyline rund um drei erschossene Teenager-Mädchen in einer Aussteigerkommune in Südschweden. Wie gewohnt ermittelt Jon Nordh mürrisch und hat auch seine festgefahrene Vorstellung von dieser Art der Gemeinschaft. Aber zum Glück hat er ja Svea an seiner Seite, die ihn immer wieder an sein vorurteilsbehaftetes Denken erinnert. Beide waren wieder in Hochform, und auch die Entwicklungen in ihrem Privatleben haben es in diesem Band in sich. Ich liebe ja bekanntlich Charaktere mit Ecken und Kanten, und so habe ich Svea und Nordh ab dem ersten Band tief ins Herz geschlossen. Sie sind zwar beide eher schwierige Protagonisten, doch ich kann ihr Tun und Handeln zu jedem Zeitpunkt nachvollziehen, und aufgrund dessen, was beide erlebt haben, wirken sie mit ihren Selbstzweifeln authentisch und echt. Wie immer ist nichts, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint, und es tun sich in der ach so friedvollen und esoterischen Aussteigerkommune viele Abgründe auf, die nach und nach geschickt von den Autoren ans Licht gebracht werden. Immer wieder streuen sie Rückblicke in das Leben der Opfer ein, und schnell wird klar, wie furchtbar beengend das Leben für diese Teenager gewesen sein muss. Der Spannungsbogen war klug und wendungsreich aufgebaut, sodass die Autoren mich auf viele falsche Fährten lockten. Die eigentliche Lösung sah ich erst ganz am Ende, und da liefen dann auch alle Fäden schlüssig zusammen. Warum wurden es dann keine 5 Sterne? Bis zur Auflösung hätte es diese ohne Umschweife verdient! Aber dann setzten die Autoren zu einem Epilog rund um das Ermittlerduo an, und der letzte Satz davon war mir einfach zu unglaubwürdig und zu weit hergeholt. Schade! Aber das ist Klagen auf allerhöchstem Niveau. Für mich war "Opfer, die wir bringen" ein Krimihochgenuss der Extraklasse, auch wenn ich den Epilog so gar nicht gebraucht hätte. Ich kann euch die ganze Reihe und ganz besonders den dritten Band mit 4,5 von 5 Sternen weiterempfehlen.